Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 722 (29.1.1921)
- Date
- 1921-01-29
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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'Sekt 2 Ml-n. Samslag Wiener SS. Jänner rm Nr. 722 da in Betracht foimncif. Es fcmn nnr eine Negierung aus Personen gebildet werden. ' die dem Pn.lrileten ferngebticben sind und nichts als ihr Fach verstehen. Sollte der Nationalrat dieser Forderung der Slnade nickt genügen, dann solltet er sich leibst ans. Wer immer in Oesterreich die Geschäfte übernimmt, müsste die Auslösung des Nationalrates als erste Bedingung fordern« PoliLische^Nund'chau. Die Eröffnung -er Budapester Universität. AuS Budapest wird uns ber'chwt: Wenn im letzten Augenblick nichts dazwischen kommt. dürs!en die Borlesu:igen an der Butzapester Univ r,'.tät d'esmal tatsächlich am.»1. Februar beginnen. D'.e Ncchtf:rtigungskemmys'onen haben diesmal rasche und gründliche A'beit geleistet. Im Sinne des Gesekes üb r den Nume.'uZ clausus darf der? r zentsatz der anfzunehm.',,- den iiidiichen Hörer fünf Pro ent der gesamten .Hörerschaft nicht übcrste'g.'n. was jedoch n'cht bedeutet, daß sie diese fünf Prozent auch wirklich err''.chen müss.'n. , Die Nechtfrrt'gungSkvmni'ssion hat einfach so entschieden. daß von den Gemeldeten'nicht ein nal gan^.e 5 Prozent Juden den Rechtserrignugsansprüchen genügt haben. Die Frist für d'e Einreichung lief am 10. Jänner ab und am 15. Jänner waren bcre'tS sämtliche Aufuahmsg.'snche erledigt. Das Ergebnis, soweit es bisher offiziell bekannt ist. stellt sich, wie folgt: In den Apothekerkurs haben sich neun Juden zur Ausnahme gemeldet, von denen im Sinne dar Min'ster'.alverordnnng aus „prin''pi llen Gründen" keiner der Gesuchsteller von dr Nrcktf-'rt'gnngskommission gnt'.eheißen. das heisst, das; kein einzig-'r von ihnen ausgenommen wu.de. D'e Meldungen jüdischer Hörer für die medizinische Fakultät trugen diesmal den Charakter e'ner Demonstration. CS haben nal^ezu tausend Iriden-Gesuche überreicht, nnd zwar fast durchwegs solche, die seit der Herrschaft der „Erwachenden Ungarn" noch nicht in die La e kamen, zu inskribieren, in der erlcn Zeit deshalb nicht, /weil die Brachialformatwuen der cr -achenden. ungarischen Studenten sie konse-umt a is de.' Aula chinausgoprügelt haben, während sie später. als die Institution der Nechlfertignngen einge'ührt worden war. noch bei jeder Inskription konsecrnent abgew'esen" wurden. Dies: ab« gewiesenen Medistne: beschlossen nun. diesmal in ihrer Gesamtheit wieder um Aufnahme anznsnchcn. wobei sie allerdings von vornherein auf. einen Er'olg nicht gerechnet haben. Tatsächlich wurden nach den bishrrig.m Meldungen im ganzen 20 Gesuche ausrecht erledigt. Die jüdischen Studenten wollten auf diese W.'ise bloß auch nach außenhin seststellen. das; an der Budapestor Hochschule noch immer der sogenannte christliche Kurs und der Einfluß der /r ach'nden Ungarn" in voller Geltung ist. N'cht besser ist es mit den Aufnahmen in die philosophische F.a k „ l t ä t bestellt. wo von insgesamt 47 Anmeldunen. einschlief;- lich der christlichen Studenten. 25 deshalb abgelchnt wurden, weil die vorgeschriebene Zahl b r'its überschritten sei. während 7 Gesuche ohne jede Begründung abgewiesen wurden, so daß insgesamt 15 neue Hörer Altfnahme fanden, unter denen sich jedoch bloß vier jüdische Hörer bef'nden. Auf der süristischen Fakultät sind die Ausnahmsgesuche noch nicht erledigt, weil der Vorsitzende der Rechts rt'gungsk>.'mrnisslon, Professor Timon, krankheitshalber die Arbeit noch nicht beginnen konnte. Gegen die in Untersuchung befindlichen UniversitäLsprofessoren. zum großen Teile Juden, ist das Rechtfertigungsversahren noch nicht ganz abgeschlossen. Professor Bernhard Alexander ist bekanntlich mit einer geringfügigen Gnädengage entlassen worden, während der jüdische Historiker Heinrich Marczali wohl von den gegen ihn erhobenen Beschuldigungen fre'gesprochen, jedpch gleich daraus in den Ruhestand, ve setzt wurde. Marczali w'rnun iw dem kommenden Semester als Privatdozent Vorlesungen halten. Unter den jüdischen Professoren, welche, da das Verfahren gegen sie noch nicht zu Ende geführt ist, keine Vorlesungen halten werden. befindet sich auch *der bekannte Professor Dr. Kornel Lichtenbecg. Welche Elemente aier an die Universität Zutritt erhalten, zeigt die vorgestern erfolgt: ^>r"'astung e'n.r Einbrecheroande. deren Führer en Hörer der UnitzSrsität war/ in dessen Besitz 50 Naa,, — ,,'el gefunden wurden. Er trüg auch H?f'izi:rs:lniförm und hat fünfzehn große Einbrückie geleitet, bei denen mehr.re Millionen in Effekten erbeutet würoen. Die Arbeitsloseirfrage in England. Am 26. Jänner berieten die englischen Gewerkschaftsführer über bas Arbeitslos.nprogramm. Der Sekretär der Bergleu.e N - d g e s erstatt:la einen Vortrag. in dem als die gceigne.steu Mittel. der Wi.t,chas:Strisis in England und in den anderen 'Ländern ein Andc zu bereiten, empfohlen werden: Di: W'ederanfnähme der Handelsbeziehungen mit R u ß l a n d. die Beendigung aller Kriege, die S abili'ie u,g d.s W chselkurses. die Organisation des gesamte t T an'po t'/efens in Europa die Unlerd ücku g aller mili.l ri-cheu wangsmaß:! ahmen.'eine gesetzliche R.gi rung in Irland, die Erricht-.:-g von A.beitrst"tten, in daneu alle b.i l sen beschäftigt werden tänutzui. das Verbot aller Heber- Demission Vaderew^kr's. W n r s ch a n. 28. Jänner. (Poln. Tel.-Ag.) Der erste Delegierte Polens beim Völkerbund, P a d e r t it>« ski, nnd der Gesandte in Berlin. Schcbeko. haben ihre Dcmissiou ringcreicht, die angenommen wurde. Wilds über Polens Nutzere und innere VoUtik. Warschau, 28, Jänner. (Funkspruch.) Ministe'pwstdent WitoS .hielt im Landtag eine Rede übe», die äußere und innere Politik Polens. Er betonte, daß der Friede mit Rußland und die Regelung der Wilnaer Frage unmittelbar bevorsteben. Das Heer sei bereits mehr als zur Hälfte abgeriistet. Der Kriegs- Minister werde tcn, Lautag den Entwurf einer Reuorganisier,n:g der polnischen Armee unterbreiten. Die Unifizierung der Republik mache Fortschritte. Der Ministerpräsident legte sodann die Maßnah,nen dar. die die Regierung zur Sanierung der Finanzen getws-pn babe. Im weiteren Verlaus seiner Ausführungen bob er die Wichtigkeit wirklich freiindschastsicher Beziehungen zu den Nachbarstaaten hervor. Er wies'-ans. die, mit Deutschland. Danzig und Litauen stattf'mdenden Verhandlungen bin nnd erörterte schließlich die oberschlesische Frage. Polen liege der Gedanke einer gewaltsamen Lösung dieser Fmge gänzlich fern, da 9% Vm Ergebnis der Abstimmung mit voller Zuversicht «it* gegensehe. ' » Die zweite Kammer in Polen beschlossen. Krakan, 28. Jänner. (Tel. der ..Wiener Morgenzeitnng".) Der polnische Lindtag hat heute mit knaporr die Vorlage über die Errichtung de- Senats beschlossen. _ Abschluß des englisch-russischen .^undelsverlruaes? L o n d o n. 28. Jänner. (Tel.-Komv.) England und Cowjstrußland haben einen Vertrag über die Wüber. aumahme der HandelSbeziehnngen abgeschlossen. - (E'ne amtliche Bestätigung dieser Meldung liegt bis zur Stunde noch nicht vor. Eine Konferenz der baltischen Staaten. Warschau, 27. Jänner, (^oln. Tel.-Ag.) Demnächst wird in Riga eine Konferenz der baltischen Staaten abgehalten werden, an der Vertreter Polens. Finnlands. Estlands, Lettlands nnd Litanens teilnehmen werden. stunden in der Industrie nnd schließlich die Auszahlung einer Wch'nu lte,stützung v.'N zwei Pfund Sterling an jeden vcrh.'ira'e e:, Arbeitslosen und von 25 Schilling an ledige Arbeitslose nebst einer Zulage, w-:nn diese sü'r Angehörige '» so--grn haben. Im Verlause der Debatte kam es mehrfach zu erregen Zwischens'illen. besonders als der Vertreter de'r T"x'i.'g7w>.'rksche.ft die englische Arb 'it rschaft vor de., bolsch wikischrn Elementen nnd vor jeder G-.'walttätigke't warn'e. Abgeordneter Boufield schilderte die Lage der arbeitslosen F anen und teilto unter anderem mit. daß kür'lich in einem Lssentlichen Arbeitsnachweise bureau für 30 ausgeschriebene Stellen sich über 20.000 Frauen meldeten- Aus Antrag des Generalsek-etärS der englischen Eisenbahnergerverkschast TH-omaS beschl-ß die Versammlung. die Entsch'irßuig an Ltoyd George zu leiten und die nächste Konferenz auf den 23. Februar anzuberaumen. Auf dieser Konfe enz sollen die endgültigen poli>sichen Richtlinien für die Arbeitslosenfürsorge. wür si: von d-:r englischen Arbeiterpartei und den Trades iinions an-gea"bei et wu'den. f stg'stellt werden. Gegenüber d-^r Forderu-g b>ös R dners. sofort zur Aktion m schreien, sü" den Fall, daß die Negierung die Vorschläge der K' .s: enz nicht berücks'ch'igen sollte tvarute Thomas nnd wi-S da'anf hin, daß durch einen derartigen Schn't die Rot der Arbeitslosen nur noch vergrößert wü'de. __ Hcbräi'ch in d?r Mchecho-TlowaKer unjtt’S'fig? A's M,un kacs w'rd gemeKiet: Die Milirärzensur in der P:dka"pn's"a RuS unt r' rückt sämtliche mit 'heb rä, scheu Le'tern ggschr'eüeno Korrespondenz der einheim'schen Inden. Zuschriften ausländischer Korporat'onen wer' en rückbcfärdert, versehen mit anfgeklebten Druckzette.'n: „Heb rs j st i n ä ne p ri- Pu st na (He"'"äiich un'nl"ss'g>. Drjens^a censura v Nghorode" (M'l'ti'.r-e nur in Un^verX' Von dieser schwerbegr.'isl'chen Maßnahme find, vor allem die Massen der armen Jn'eü letrof'en. der:n Mutter sp-ache Ii'd'fch ist. we'ch: die mag^a i,cha Sprache nicht bel,:.-.-schon nutz nunmehr'a f t-le Unt rstü'-nng ihrer in Amerika l.'b'we, Faw,'l'e :a-gohörizen angewiesen sind. Insolged/ss.'n hat s'ch der jüdischen B-'völkerung eine große Cr5it.c ::t lein".cht'gt. u:nso:nrtzr. als alle Kiühe^iaen, beim Iü^iichen NationairLt unternommenen Schritte er s olgCo8 geblieben sind. Die Not 'der Juden der Podkarpätska NuS, welches Gebiet wirtschaftlich auf die ungarische Tiefebene angewiesen war, ist unbeschreiblich.- Tausende von jüdischen Familien hungern. ohne daß für sie neue Erwerbsmöglichkeiten ge» schaffen werden. Daß durch derlei unsinnige und g«^ hässige Verfügungen, welche den Verkehr der arnreu Juden mit ihre» anrerikanifcheu Angehörigen unterbinden, diese Not noch gesteigert werden muß. ist.fütz jedermann klar, nur nicht für die slowakische Militär* zensnr. , Inland. Die Sozialdemokraten' und die Brot- Hrciser^öhuna. Der sozialdemokratische Parteivarsland hat, wie die «Arbeiter-Zeitung" mitteilt, über die Festsetzung der Brot- und Mehlpreise Beschlüsse gefaßt,- die im wesentlichen auf , folgendes Hinauslaufon: «Die Einreihung pon Arbeitern, Angestellte^ und Beamten in dre mittlere Einkommenstufe, für die der Brotpreis auf tä Kronen, der Mehl-preiS auf 20 Kronen festgesetzt wird, ist ugzulässig. Sie müssen m die unterste (Fm* kommenstufe eingerciht werden. Der finanzielle Entfall für den Staat, der hieraus entsteht, muß wenigstens tellweise durch die Unternehmer gedeckt werden. Der Staat möge Pen Arbeitern und Angestellten da» Prot zu unverändertem Preise geben und dafür den pntep» »ehmern eine nach der Zahl der beschäftigten Arbeftcr a bß gestufte Steuer a u f e'r l e g e. n. E» muß jedoch sorgfältig überprüft werden, in welcher Höhe und Form d»ese Steuer der Industrie auferlcgt werden kann, ohne Satz da, durch?.e LlibeltSloji,, keit ve c^r öüer: Auch muß festgcstcllt werden, welche Uriiernehmungen vey dieser Steuer zu befreien sind, damit n,cht eine Verteuerung wichtiger Lebrnsmittei u>w Gebpauchsgegenstände . eintritt. Der Parteworstand verleugt die sofortige Einberufung einer Konferenz, d»e sich mit diesen Fragen beschäslzgü Solange ihr Gutachten nicht vorliegt, hält der Partei, verstaudie parlaurentarische Beraturlg der Regierungsvorlage über die Brot- und Mehlpreise für unzulässig. Die Drotaustage ist vollständig unabhängig von der vorgeschlagenen Sondersteuer der Unternehmer einzuhe. en. Jedoch ist da» Einkommen auf Lohn- und Dienstbezüge vou 'der Drotauflage zu befreien. Die Kutturfrage« im Budstetansschutz. Der BlldgetaüSichuß setzte gestern d'e Be.atung über das Kapitel „Unterricht und Kunst" fort. Abgeordneter Dr. Ellenbogen machte auf die Gefahr der Verschleppung der Kunst sch ätze aufmerkjam. Die Kunst werde nicht genügend gefördert. Die Erhaltung der Staatstheater, insbesondere der Oper., gehöre -zu den höchsten Ausgaben des Staates. Abg. L e u t h n er wies darauf hin. daß die Universität dem Verfall ausgeliefert sei. da es unmöglich ist, bedeutende Lchrkrüste aus dem Ausland zu beziehen. Vorschüsse für die Staatslehrpersonen. Die Korrespondenz Herzog meldet: Der Zentralverband österreichischer Staatsbeamtenvereinigul^zen hat. gestern dem Bundeskanzler^ den Ministerien für Finanzen, Unterricht und Handel gegenüber seine SSüt Solidarität mit der Forderung der StaatslehrperMest nach den gleich:n Bor,chÜss n wie die der üb.ig n Staatsangestellten zum Ausdruck Lebracht und die restlose unverzügliche Erfüllung, dieser Forderung verlangt. Die Sequestration österreichischen Eigentums in Jugoslawien. Die Politische Zkorrespondenz meldet: Die seit längerer Zeit angekündigten Verhandlungen übex die Aufhebung der Sequestrationen des Eigentums österreichischer Staatsbürger in den von den Jugoslawen^ neu erworbenen Gebieten haben Sonntag twn 23 b: M. in Belgrad begonnen. Es wurde zunächst das P.ogramln erörtert. Hiebei gelangt:« neben d:n zwei groß:,, Berhandlungspunkten, nämlich Aufhebung der von jugoslawischen Behörden angewendeten Sequ^striernngsmaßnahmen einerseits und Aushebung der in Oesterreich in beschränktem Umfang gegenüber jugoslawischem Eigentum bestchenden Sperren andererseits, noch -andcre offene Fragen zur Erörterung, die eine besonderes Fühlungnahme mit den beteiligten Ressorts ersordern. Die nächste gemeinsame Sitzung, ist für den Ö. Februar dieses Jahres in Aussicht genommen. Es steht zu hof?eydaß die Verhandlungen trotz der verwickelten Natur der in Betracht kommenden Feagen in nicht allzu ferner Zeit zu einem gedeihlichen Ende führen werden. Der neue österretchische Gesandte in Rom. Wie Me P,Mischt Soirefponbenj evfHIjrt, hat Me italienisch: Regierung für die Entsendung-des gegenwärtigen GcncralkonkuiS in Triest Dr. Remi Kw ta tk owski als östcrr.ichi,ch:n Gesandten nach Rom das Agrement erteilt. .Dr. Kwialkowski wird', die .Leitung der Gesandtichait im Lause des Februar übernehmen.