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Wiener Morgenzeitung · 1921-01-28 · Heft 721 (28.1.1921) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 721 (28.1.1921)
Date
1921-01-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Einzelpreis 28» Kronen VrLn««eratt»nrp,iers< r vt«,i A«» «dhole» ni »er ltzpevlNo», 2. Srzirk. Tad»r- Pratze I bi» K, «»er in einer SerschletHsteNr «Trafik»; Monatlich . . Kronen tViertelfShritch ..45».- Mir postversind Mr Men nn» Oesterreich: Monatlich .. Kronen 50.- Tschechö-Slowakei: ' Monatlich .. Kronen t5 — vierteljährlich „ 4».— ln tichrcho-slowakischerWahmni Ungarn: Monätlich .. Krone» »»«- lvterteljArlich .. HO«— Ü» «ngarischer WLHrnnß Ang»kla«te«: Monatlich .. Dinar lvierteljahrlich » 24.- Einzelpreis 23 Kronen rener ■1 xr Pra»u«erationspreise: Polen: Monatlich .. Mart 5»^ lvterteljahrltch „ i» pslnischer WSHrmrg Dentichland: Monatlich. . . Mark 10H ksrankreich: Monatlich . .FraaeS 6H _ Italien: Monatlich , . . . Lire 0.*^ R»«auien: Monatlich... Lei 15.-^ Lchweiz u. das übrige Ausland- Monatlich . . . Francs S.— Redaktion «.Administration Wien» Taborstr.l—5 Delevhoue: TönNK. 4^51®, ad »Uhr abeudSRr LSSOik AopkvarkaNentonto 150.691 Nr. 721 Wien, Freitag den 28. ISnner 1S21 3. Jahrgang >■- ly ' ' 1 i 1 j- Die Pariser Bankett weigern fich^ an -er österreichischen tzilfsakti on LrilMnehmen. V a v i 5, 27. Jänner. (Del.-Komp.) Bork Herald" meldet: Zn in'srm erten Kreisen wird mit^cterlt» daß die Pnr'ser Dnkek nickt aew'llt seien, däs Nvtr^e zn tnn. um Oesterreich zu rerten/Da man jedoch davor zurückrschreÄt, die Verantwortung iür die Revolution zu irternrhmen» die in reu jeden An endlitk ausbrechen könnte, hatdie von d r Bari er Kon erenz er'-onvts K^rrrs Missionzur ^lus -rrbertrm^ der P!Lne für dis Hilfsaktion zugunsten Wiens b 'ch'ossen. das österreichische Drodl m ungetÄst in die Hände der Pariser Konferenz zurüÄZuleZen. Das französische SattierungsMsjeKt. Griinv'n«" ener c«rüpat?r?reN Daup. Paris, 27. Jänner. Heute vormittags hatte Lloyd George eine Sonderbesprechung mit Loucheur. Ein Teil dieser Besprechung war den Vorschlägen über die Mög. lichkcrt und die Art der Krcdrthilfe an Oesterreich gewidmet. Englischcrscits verlautet über das Projekt Louchcnrd. daß er angeblich die tSrü nd nn g einer europäischen Bank beantrage, deren Aktien von 'den G r o ß m ach t tu und' den Sn k z e s s i o n sstaaten zu zeichnen wären und welche die Versorgung Oesterreichs mit NahrungdrNitteln Und NoWossen soime :dtn gesämtenWlöderänkbäA;iM LieiAusschlrGuag 9 der Äakurlichsn Hilfsquellen zur Änfgäbe - hätte? ' Heute vormittags hat die , Konferenz überhaupt nicht getagt; eS fanden ausschließlich Sonderbesprechnngen statt, die eine Annäherung divergierender Ansichten zum Zwecke hatten. Man - hasst, durch diese Sondcrhesprechung ein gutes Stück vörwärtZzukommen. Die österreichische Fra^e und die Nachforqe^aaten." London, 26. Jänner. (Korr.-Bur.) ,,M a n ch e st r r Guardian" faßt die Tatsache, daß in 'der Konferenz die Notwendigkeit betont wurde, das öfter* ■ reichlsche Problem zusammen mit dem ganzen Problem Mitteleuropas zu erwägen, dahin ans, daß die Entente Oesterreich vor dem Bankrott retten wolle, und aut die Nachfolgestaaten, namentlich ans die Tschecho-Slowakei, Jugoslawien und in geringerem Maße aus U nga r n, einen Drrick ausübcu Werde. O e st e r* re i ch d n r ch Handel n n d K r e d i t z u h e l f en. . Auch „Daily, Telegraph" betont, anscheinend' auf- Grund i'.üienlscher Informationen, die Roste. die dm Nachfolgestaaten zngedacht ist. Die beabsichtigte Neste des tscheche.slowakischen Min'strrs des Acnßern Dr. Benesch rrach Paris nnd Nom stehe wahrscheinlich s mit , oieft'v r^ragt in Zistammenhang. Pas re und N.e.sni,' stien bereits in Paris und die' Ankunft Pils u dskts werde erwartet. ■ ’ .' , Gegen die österreichische Anschlußbewr^nnsl. Paris. 27. Jänner. ,.Echo de Paris" nreldet: In einer Besprechung zwischen B r i a n d. nnd Lloyd George kam zum Ausdruck, daft die franzostiche und die englische Negierung die - neuerdings versuchd'n Anschs-ußbestrebnngen Oesterreich? an^ De"tschland aus dös schärfste verurteilen. Die -Entente sei ent*, schlossen, jederzeit nnd gegebenenfalls unter A n ve n* d n n g v o n G e w a l t, den Versuch eines Anschlusses zum Scheitern zu bringen. : Die deutsche Wiedergutmachungssumme Paris, 27. Jänner. (Havas.) .Der diplomatische Mitarbeiter der?lgcnre Haväs.berichtet, .Fmanzunnister Donmer habe im Aeilanf der gestrigen Porwittagskonferenz die den. Alliierten von Deutschland gemäß, den Angaben der Neparationsko^nmission geschuldete Wie^ergutmachungssmnme mit 2J2' Milliarden Göldmark beziffert, .wozu noch die Zinsen kämen. Frankreich würde davon 110 Milliarden zu erhalten haben. Nack Mitteilunaen aus britrsctren Kreisen würden sich die Engländer an die in Bonlegne vereinbarten Ziffern halten. Die Franzosen wülden jedochi diese nur annehmen, wenn Frankreich . weitere Zugeständnisse erhielte, wie Gewährung gewisser Vorrechte und Nachlaß der interalliierten Schuld. In dem Bericht, den, Marschall F o ch der Konferenz^ vorlegen soll, wird als unerläßlich erkläit, daß die Konstrenß Maßnahm"n beschlieft". die im Falle der Nichtansfi'lhrnng der Vertragsbestimmungen seitens durch^eführt werden sollen, nam-t tlich Besetzung weiteren de u't s che'n Gebietes und-Verlängerung der-Besetzung der Nheinlande. Paris. 27. Jänner. s.Haväs.) Die Konferenz, die um halb 12 Ühr hätte stattfinden sollen, wurde auf 4 Uhr nachm ittals vertagt. In der um ^4 Ahr nachmittags - ahgehaltenen Sitzung wurde Me' Wiedergutmachungsfrage besprochen, wobei zahlreiche Sachverständige zugezogen waren. Paris, 27. Jänner. (Havtzs.) Der.„Matin" gibt die Schilderung wieder, die Finanzminister Dorrmer in der gestrigen Sitzung der Interalliierten Konferenz über die wirtschaftliche Lage Denkschlands gab. Im Laufe seiner" Ausführungen erklärte Doumer, daß er sich unter den Strafmatznahmen für den Fall der Nichtzahlung Deutschlands nicht militärische Operationen, sondern eine /f r n a n l l e Re v o Deutschs lcinds vorstelle,' ' " '-;■**■■■ r'":;yu- . Die EAgrander sind überraschL. . Paris, 27. Jänner. (Tel.-Komp.) „New-Bork Herald" teilt mit, Lloyd George sei von Donmes Ausführungen so betroffen gewesen, daß er s^n durch ständige Zwischenfragen unterbrach. So. zum Beisvielfragte er. was eigentlich Frankl eich getan habe, um das Defizit "im Budget zu begleichen. In divlomat'.schen. Kreisen wurde in der, letzten Nacht erzählt, Lloyd George sei außerordentlich überrascht, f"stz"stellen. daß die Besoldung in Frankreich ans den Kops viel niedriger sei, als in Deutschland und England. Amerika zur Orientkouferenz eiugeradeu. Paris, 26. Jänner. (Wolfs.) Wie die „Chicago" Tribüne" meldet, sollen die Vereinigten Staaten ».''in* geladen werden, zur Orientkonferenz nach London, die; am 21. Februar beginnt, einen Vertreter zu entsenden. AnerKsrmuug Lettrands erst nach der WUiraer ^raqe. Paris, 26. Jänner. (Havas.) Die Konferenz trat um 4 Nhr.'nachmittags zusammen- und, beschäftigte sich mit den-Fragen der baltischen Staaten. Estland wurde als selbständiger Staat anerkannt.. Die Aner. kennnng Lettlands wird nach der Lösung der Wi l n a e r. F r a g e - erfolgen. Auch' die' Anerkenmmg Georgiens steht bevor. , . Morgen wird-die Konferenz den Bericht M mH:- tärischen^ Sachverständigen cntgegennehmen. AuLerNaLrottKre'BerZarbeiLerKou^renz. Kopenhagen, 27. Jänner. (Tel.-Komp.) .^eilingske Tidende" meldet ans London: Tie Internationale Bergarbeik'rkonferenz winde soeben g"schlossen. Es wnrde eine NeiolNtion angenommen, in der von der Mitteilung der.- deutschen Delegierten Kenntnis' genouuucn wurde, daß die im Nnhrgebiet und in Oberschlesien an-- gesammelten. 1,200.000 Tyunen sowohl zum Gebrauch im Inland, wie zur Lieferung an Frankreich verwendet wm-den sollen,-falls-genügend Trans'-'orrmittel vorhanden, sind.- Auch wurde besonders betont, daß die deutschen Bergarbeiter Neberstnnden machen ' müssen, obwohl die - ^<-en?mittelv?rsorg'mg-in-l^er,^eüehung '"""-eich nh sti. DaS Komitee fordert die Negierung auf. Schnitte zu ei^-:u.interneti--a'2n--.N-'---'en zu ,'nternehrncn. um das .richtige Verhältnis zwischen Zusuhrey und' Der- - teiluna iit Europa au schaffen. Dke Ortentsorgen der Entente. —y. W i e28. Jönnör. . Zwischen den Staaten, denen Oesterreich sein Schick- - sal anvertraut hat. ist ein Streit entstanden. Sie alle sind einig über die Notwendigkeit der Hilfe, aber über das Ansmaß der Hilfe und über die Beteiligung der einzelnen Staaten an' der Aktion konnte bisber kein Einvernehmen erzielt werden. England zeigt sich einem Negierungskredit abgeneigt mnd beruft' sich auf die Schwierigkeiten, zur Losung, seiner Wobnungsnot. die nötigen Gelder, im.Lande anfznbringen. Warmberziges. Verständnis für, Oesterreich zeigt dagegen Graf Sforza, der Vertreter -des „tückischew welschen Erbfeindes". Er setzt sich für, eiye über-die momentane Not hinansgreifende' Regelung der österreichischen Frage ein.-Immerhin -ist in dieser Angelegenheit keine letzte Entschei-. düng get''offen worden. " Es scheint nur so viel festzuskehen, daß Frankreich., sein in Rumänien liegendes Getreilde im Ausmaß von 20.600 Tonnen nach Oesterreich -rollen läßt unddaß es Oesterreich aus ' den rm Elsaß vorgenommenen llrnwechslnngen größere Markkredite eröffnet, um die bis Jahresende nötige Kohle bezahlen zu können. Aber auch diese Aktion soll nicht offiziell von der Regierung ausgehen — was verständlich -ist, da Frankreich gleichzeitig selbst an den amerikanischen Markt appelliert hat?— sondern es soll unter Zustimmung und Kontrolle der Negierungen. ein Unternehmen für die wirtschaftliche Wiederaufrichtttng Oesterreichs gebildet werden. Dieser Ausweg bedeutet freilich keine Hilfe in dem Sinne, wie .ihn Oesterreich, erstrebt - und erhofft hatte. Aber es., 7.WU^A^HntsBe^7psO-chre--MoDchker^'.-üich'-die-'---SlO»' zessionsstaatew «nett Druck zugunsten Oesterreichs auszuüben. / , 1 Die Konferenz des Obersten Rates hat aber, wie e$, zu erwarten stand, selbst, die Revision des Friedens von S.evres begonnen. Sie war dazu durch die Gestaltung der Dinge in der Türkei und in Griechenland gezwungen. In Konstantinopel, wie überhaupt in der europäischen Türkei, haben sich Verhältnisse entwickelt, die das Elend Oesterreichs bei weitem Lbertrefsen. In dssm kleinen Raum am Bosporus sind nach einem Bericht des „Temps" zwei Millionen Menschen zusammengepretzt, zu denen sich setzt auch noch die Neste der in der Krim geschlagenen Wrangelschen Armee gesellen. Diese Menschen leben in einer entsetzlichen Isolierung, da die Griechen einerseits und die türkischen Natlonalisten andererseits die Versorgung Konstantinopels mit Lebensmitteln verhindern. Die Beamten-haben seit Monaten kein Gehalt bekommen, die Zahl der brotlosen Offiziere ist auf über 15.000, gestiegen. Der Dienst der öffentlichen Schulden ist zur Gänze eingestellt nnd m Anatolien sind seit seiner Besetzung durch Mustapha Kemal etwa 100 Millionen Francs europäischer Ansprüche verlorengegangen, deren Hauptteil auf Frankreich fällt. In Konstantinopel stehen drei französisths und drei englische Bataillone mit herabgesetzten Ständen, die leicht-einem Angriff der von den russischelr Sowjets äußerst freigiebig mit Waffen, Gold und Munition 'versehenen Kemalisten erliegen können. Politisch - aber ist diese Situation für die Entente noch viel gefährlicher. Die Griechen zeigen offen ihre Kriegsmüdigkeit, was für die französischen Engagements in Kleinasien unheilvoll werden kann. Frankreich mußte also ein Entgegenkommen gegenüber der Türkei Vorschlägen und fand -hiebei die Untetsti'itzung Italiens: England, das in der Orientfrage sich keiner Ueberst'lmmung aussetzen kann, hat nun die Einberufung einex Orientkonferenz nach London für Ende^ Februar vorgeschlagen, an welcher auch Vertreter der Griechen und Türken teilnehmcn sollen. Damit aber schafft die Entente., die bisber jede gleichwertige Behandlung von Vertretern der Besiegten abgelehnt Hatte, em Präjudiz, das für die übrigen Friedensverträge von großer Bedeutung ist. . Die österreichische Krise und die Unmöglichkeit ihrer Lösung durch die von-Amerika verlassene, Entente mögen im Augenblick, den von ihren Weltroichssorgen gequälten Großmächten als geringfügig gewertet werden- Aber sie drängt sich immer wieder auf. als lebendiges Symptom für die-zerstörende Wirkung der Friedensverträge. Mit Pälliativmitteln ist diese der europäischen Kultur und, Wirtschaft geschlagene Wunde nicht zu heilen. Die Ent« . täuschnng, die die Pariser Konferenz dem von der Re- 1 gierung und der Sensationspresie mit hoffnungsvollen

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