Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 719 (26.1.1921)
- Date
- 1921-01-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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V/ Einzelpreis SS. Kronen PrSn»«eratton»pr«ise t 8BU«: Z»» «dhal« M MT ÄMtzitts», a. ©wirf, rabor» (traft I »iS 3, ater in tincr ©erlchirihfttvt ÄraWi: , Monatlich. . Jtrpiten >^.— vterteljithrttch .. »»0.- ,«U Paftaerkmd °Lr Dien >«» Oefterreich: Monatlich ..Kronen 50,- rschtcho-Slawaft!: Monatlich .. Kronen 15 — Vtevteljährlich „ 4-».— in t:qttz-.!isw»rischtrW!»hru«s Ungar»: Monatlich .'. Krone« «jVvlerteliülirltch ., > O^- te nngarischrr Währung ftnaafUnricn: Monatlich . . Dtnir» ©«— vierteNübrlich 24.- Wiener Einzelpreis 23 Kronen «ss» Nr. 719 Wien, Mittwoch den 26. AKnner 1921 VrL«««eratiopsprelsez Polcnr . Monatlich . . Mark. 50,-* «ierteljahrlich „ ISO*« in polnischer Währung _ Deutschland: Monatlich. . . Mart 10*-t Tvraufrcitii! Monatlich . .F?aneS Italien: Monatlich . . Lire 0»-e _ Rumänien: i Monatlia,. . . . Lei 15;-* Lchwriz u. dar übrige Aurrandt Monatlich... Fearrrö s^—> Redaktion nLldmin iftratio» Wien» Tabor str.1—0 Telephone: 4 ab tt Uhr abendS Llr. l630L PoMvarkaNenwnto 150.6Ä 3.. AakirnÄNch vir pariser Konferenz für Oesterreich. Einsetzung einer Kommission. — Pari S, 25. Jänner. (Havas.) (V«2 Uhr nachmittags) Amtli^ wird mitgeteilt: Die A^trrs allUerte Konteren; lat sich mit de r M tznahm-n bisÄäM t. die m ergreifen wären, um der o ernsien Lage Sesterreichs innerhalb der Kürzesten Frist zu bege nen und mn seine Wie^eraufricktung sichern. Sie Hit die von de« en MLen, italien sch n und französischen Finanzsachser'tKnd!iStt vsr>ersrtelen Pläne geprüft und eine aus dem Minister 6 o n ch e u r, dem en fischen Handel^rmmster S'r Röberr Harne mt> G i a nnini (I atte>rs zusammengesetzL? Kommission mit dem Studium der von den Macht n unrrrz'rilich z» ergreifend» Manual me« beauftragt. Diese Kommission wird noch he tte nachm Lta^s zu einer Sitzung zu^ammentret?», damit d'e InteraLiiert: Konferen; no h vor ih -em Auseinander ehe r e n v g ü l t i g e B e s ch l ü f s e fassen kann. Die VorschlLie Gsodrs gur DtsLusslsu.?5«-MiAsne^Ds11.r?.redir. London, 25. Jänner. (Fnnksprnch.) „Daily Ehro- Jtälien seien alle von der Notwendigkeit einer Unterstützung durchdrungen, wenn der Zusammenbruch in Mstteleriropa vermiedenwerden solle. Die Vorschläge Sir-William Goodes über den ans fünf Jalwe verteilten Ml-Millionen-Dollarkredit werden ohne Zweifel in Beratung gezono» wetten. Do die Ha-aelskrcise in England sich für die Frage der Wiederaufnahme des Handels mit ga.nz Mitteleuropa sehr interessieren , so seien bemerkenswerte Vorschläge.des englischen Preluiers «i erwarten. Ein -sranzösischrr, ERtwE. ' Paris. 24. Jänner. (Havas.) Der hiesige Korrespondent des Renterschen Bllreaus ist in der Luge aus bester Quelle 'zu bestätigen, das; die interalliierte Konferenz Mittwoch die Frage der finanziellen .Hilfeleistung für Oesterreich in Angriff nehmen werde. Die fran- Bsische Negierung habe bereits einen Entwurf vorve, eitet, der neuerliche Verhandlungen im Gefolge hqben werde, mit deren günstigem Ausgang man rechne. Die - ö^er^erM'che .In'den letzten Tagen hat der österreichische Ge» sandte Eichhoff dem Ministerpräsidenten K r iand und dem Finanzminister D o n m e r Besuche abgestättct. Er wurde ferner vom Präsidenten der Republik, Mi Herand, empfangen. Der Gesandte hat noch in letzter Stunde den leitenden Staatsmännern mit allen.! Nachdruck die schweren sozialen und politischen Gefahren vor Augen gehalten, von denen Oesterreich bedroht ist. Der Papst hat an den Kardinalstaätssekrct.'ir Gäspari ein Schreiben gerichtet, in dem auf die traurige Lage Oesterreichs hingewiesen wird, das aus sich allein die Mittel zur Hilfe nicht ^finden könne. Diese Lage wirkt besonders auf die Armen. Kranken und Minder zurück, zu deren Gunsten wir. wiederholt an .die Barmherzigkeit der Guten einen Appell gerichtet haben. Die unerrrägtiche Lage Oesterreichs benehme der ganzen Nation die Möglichkeit, sich die Mittel zum Leben zu ver'chafsen. die vom Schöpfer allen Menschen zur Verfügung gestellt sind. Der Papst sei sicher, die G e f ü h-l e d e r M c n s chlichkeit und christlichen Brüderlichkeit durch seinen Hilferuf zu verdolmetschen. Ohne'die politische Seite der Frage berühren zu wollen, fordere,er den Kardinal ans, die Vertreter der beim päpstlichen Stuhl akkreditierten Mächte auf das sehr ernste Proble m aufmerksam zu machen, damit die Regierungen. beseelt von den hohen Grundsätzen der Menschf i ch k eit und Gerechtigkeit, die Mittel in Erwägung ziehen, um diese Grundsätze ehrenvoll zu verwirklichen. Endgültige Beschlüsse in Sicht. Keine voÄe Einigung in der Entwsffnungs^rage. Paris, 25. Jänner. (Korr.-Bnr.) Pertinax meldet im „Echo de Paris" über die gestrige Sitzung des Obersten Rates, in der Frage der Entwaffnung Deutschlands, die den Gegenstand der Beratungen bildete, sei noch keine volle Einigung erzielt worden. Lloyd George sei nach Anhörung der militärische.» Sachverständigen dafür eingetreten, aus die in Spa beobachtete Methode von Verhandlungen zurückzngreifen und Vertreter Den t s ch l ä n d s a n z u h ö r e n. Nach längerer Debatte sei die Konferenz übereingekammcn, die militärischen Sachverständigen mit der Abfassung neuer Vorschläge im Laufe des heutigen Vormittags zu beauftragen, so dast nachmittags hie Beratung über diesen Gegenstand wieder beginnen könne. Wchrend dieser Vorarbeiten der Sachverständigen werde der Oberste Rat auf Vorschlag des Grafen Sforza den heutigen Vormittag der Besprechung der verzweifelten Lage Oesterreichs widmen. Paris. 24. Jänner. (Havas.) Die Konferenz des Obersten Rates hat in ihrer heutigen Nachmittags- ' fitzung beschlossen, 'daß die Sachverständigen für das Heer-. See-, und Flugwesen .momen unter dem Vorsitz des. Maßnahmen aufstellen sollen.' die von Deutschland zur S i che r u n g der vollständigen Durchführung der Bestimmungen des Friedensvertrages, betreffenddie Entwaffnung Deutschlands, noch zu treffen sein werden. Die Sachverstänidigen sollen darüber zugleich einen Ber i ch f äirsarbeiten. Paris, 25. Jänner. Die Alliierten scheinen entschlossen zu sein, die Entwaffnung der deutschen Einwohnerwehren nicht gleichzeitig, sondern etappenweise vornehmen zu lassen. Wie verlautet wird in den Berichten der Marschalle F och und W i l s o n der 1. M a i als letzter Zeitpunkt für die Auflösung der EinwohnEchren vorgeschlagen. Gewissen Meldungen zufolge sollen in der Frage der Durchführung der Entwaffnung verschiedene Gesichtspunkte einander' gcgenüberstehcn. Dir VsrfchLäM in der WleÄrrmrLMa^NN'isfrKsie. Paris, 25. Jänner. (Tel.-Komp.) Die alliierten Sachverständigen haben dem Obersten Rat folgende Vorschlage in der W i e d e r g u l nr a ch u n g s f r n g e unterbreitet: Zur-Abtragung seiner Schnld soll Deutschland während der ersten fünf Jahre 3 M i.l l i a l d e n Gold mark sährlich befahlen. Die Kasten der stliierten Besatzungsarmee im Rheinland werden -tunlichst vermindert und hinsichtlich der wirtschaftlichen Bedingungen des Versailler Vertrages werden Deutschland einige Zugeständnisse gemacht. ' VroqvKMM der Krmfere?-?. . Paris. 25. Jänner. (Korr.-Bnr.) Ueber das Programm der Konferenz des Obersten Rates nieldet .Echo de Paris":-' Nach der Beratung über die Hilfeleistung an Oesterreich,und die Stellungnab.ne der Großmächte zu dem - Vertrage von Sevres iverden die übrigen VerhandlnngSgegenstände in nächstel^i'der Reihenfolge angeschlossen werden: Entwaffnung. Wiedergutmachung. Kohlcnlicfernngcn, sodanu die internationalen finanziellen Fragen, insbesondere das von der Völkerbnndtagung an-5gearbeikete tnternätionale Krditsystem. ferner russische und polnische -Angelegenheiten, Volksabstimmung in -WNua- Nnb-'schließlich die Anerkennung' der baltischen und kaukasischen Si.wt-.'n. Tagung der iKLerAMvNKlru Vrrg- ' eitert London, 25, Jänner. sNeuter.) Die snternatianake Berg'!beitem"a:.s'renz. hat beute in geheimer Si^nug lucker dem Vorsitz Sniillies ihre Beratungen be- . gönnen. England nnd Soivsetrutzland. Don Lan^taas-i'oacordretkn Rodert Striütsr.! Die Berichterstattung über die Verhandlungen #oK schon England und Sowjetrnßland ist danach angetan, den europäischen Leser vollends zu verwirren. In der gleichen Zeitungsspalte.wird über die Answeisnng des Sowjetdelegierten Krassin und. über Unterredungen zwischen ibm nnd den Vertretern der englischen Regierung berichtet. Nachrichten über den Abbruch aller Vor» bandlnngen paradieren neben dem Wortlaut neuert Noten. Und die w'üderstrebendsten, unsinnigsten Mit«! teilnngen berechtigen die Bierbankpolitiker hierznlünde zu einem vernichtenden Urteil über die ungeschckten Patrone ckn London, welche handeln und schachern, ohne das geringste zu erreichen. Ob diese Art der Bericht« erstattung bestimmten Absichten entspringt oderniM,! sei dahingestellt. In Wirklichkeit spielen' sich in London', Vorgänge ab, welche entscheidend sind.^ Mit, der^ ihm! eigenen Zähigkeit und unter Aufwand seiner überragen-; den diplomatischen Kunst arbeitet England an der! Lösnng der ungehenren Aufgabe, 'Sowjetrußland in den Bannkreis seiner Weltpolitrk zu zwingen und zu zähmen. Es ist in Verfolgung dieses Zweckes weit ge-' kommen, weiter, als die krittelnden europäischen Zu-! schauer und vielleicht die Sowjetrussen selbst es ahnend England führt die Verhandlungen selbständig, auf eigene Rechnung, in vollster ENbogenfreiheit. Es. hat sich in dieser .Frage von dem. Schlagwort der. „Einheitsfront der Welt".gegen, dep Bolschewismus', in weM Frankreich,imd' di«., anderen ein« '' vezogenWrh'eÄ'.mMe^ Ein Bliche anf'^die Haltung der genannten Mächte belehrt. daß Englaud richtig gehandelt und durch die Abkehr von ihnen die unerläßliche Vorbedingung für. sachliches und! ruhiges Verhandeln geschaffen hat. Frankreichs Bolschewik^ Politik ist hysterisch. In der'Jagd nach seinen ' russischen Milliarden verschreibt es sich allen Banditen und Schwindlern,' wenn sie nur'versprechen.'gegen SowM rußland kämpfen zu wollen. In sein Geschrei nach den so weit ans Greifnähe gerückten Milliarden' mischt-es moralische Tendenzen von der Befreiung der unter bem Sowjetjoch seufzenden, übernimmt die kostspielige und undankbare Rolle des Schrrhberrn Polens, Rumäniens^ Ungarns usw., und läßt es'überdies zu, daß sich dir bankrotten russischen Reaktionären und Liberalen an seine Rockschoße hängen. Es hak sich zu sehr auf die gewaltsame Zertrümmerung Sowjetrußlanös' - eing'eschworcn, zuviel Geld und Kraft in dieses Unternehnien gesteckt, zuviele Wünsche und Fordemngen Dritterzur Vertretung übernommen, als daß 'es mit Moskau irgendwelche Verhandlungen mit geringster Aussicht'anf sachlichen Verlauf führen könnte. Amerika hat sich' in seiner Desorientierung in'europäischen Fragen gegenüber den Bolschewiken auf ein primitives, an den europäischen Vormärz'gen,ahnendes Polizeisystemi festgelegt. Es steckt alles, was nach Bolschewismus riecht, ins Gefängnis und dehnt aus plumper Vorsicht diese Maßnahmen auch auf Sozialisten aller Schattierungen aus, selbst ans solche, die ausgesprochene 'Gegner des Systems der Rätediktatur sind. Gleichzeitig versuchen ^amerikanische Gesellschaften Konzessionsgeschäfte mit der Sowier« regierung einzuleiten.' Deutschland ist der schlechtbewährten Bolschewikenpolitik seines alten Arrneeoberkommandos treugeblieben, welches seinerzeit den Bolschewismus begünstigt und nach Rußland eingeschmuggelt hat, um das Zarenreich zw zertrümmern, und dann in Brest-Litowsk glaubte, ihn mit dem -Korpomlsstock'aus der Welt jagen zu . können. Auch heute geht Deutschland mit gröbster Zwei-dentigkeit und, Hinterhältigkeit vor.-Im Innern kämpft es mit-aller Macht und allen > Mitteln gegen den Bolschewismus und bietet sich den Westmächten als berirfenster Kämpfer gegen das rote Rußland-an, andererseits kokettiert es, den Polen zum Trotz, an seiner Ostgrenze mit den Sowietleuten und wirft die Androhung eines Zusammengehens mit Lenin den Westmächtcn als Trunipf auf den Verhandlungstisch. England-hat sich in richtiger Erkenntnis der Ziel- und Planlosigkeit der französischen, amerikanischen und deutschen Politik von ihren Tmgern freigemacht und geht.allein — und tut gut daran. England verhandelt mit den Sowjetdelegierten öffentlich nnd durch verantwortliche Geschäftsträger Sir Robert Hörne, der Verhandlnngslciter ans cng'ischer J Seite, swlck dem Parlament jederzeit Rede nnd berichte^ i rückhaltlos über den Stand der Anaeleaenoei^