Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 718 (25.1.1921)
- Date
- 1921-01-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Einzelpreis zrronen Einzelpreis 2& Krone« PrL««meratip»,spreise r Wie»: An» «»Helen t» »er Axpedltion» L. Vegek. Tadir» Krake 1 bi» 8, oicr in einer «ersllilelßsteUe «Trafik, r Monatlich. . Kronen >£.— Plerreljäyrltch ISO.— 9mt Postversand *St Dien und Oesterreich: Monatlich .. ttronen 50.- Tschecho-Srowakei: Monatlich .. Krone« 15 - Kierteljührltch ». 4>.- tft tschecho-slowakischerW-hrung Ungarn: Monitttich .. Krone« 50^-. ViertelkÄrlich .. 1*0,— in nngarischer WLHnm> Augsslawienr Monatlich .. Dinar **•— vlert-lsahriich - *4.— lener VrS»««eratto»spreisrq Pvlen: Monatlich .. Marl »ierteljührttch „ IKI*~ in polnischer SLährtutg _ Deutschland: > Monatlich . . . Marl I0»-t _ Frankreich: Monatlich . . Francs Italien: l Monatlich .... Lire 0.-a _ »inmiinien: I Monatlich... . Siel 15.— Schweiz n. dar übrige Aurlandt Monatlich. . . Francs S.-; Redaktion «.Administration Wien» -.Uez.. Taborstr.1—» Telephone: 4^;v. ad «Uhr abends Nr. ISS0L Poftivarlaksenronto tS0.Slch Sir. 718 Wien, Dienstag den 28. Zänner 1821 3. Aahrgayg Die EnLentekonferenz. —y. 25B'fn, 25.?kmver. <- Das Programm der Pariser Konferenz siebt an erster Stelle die Besprechung der Entwaffnung Deutsch, lands und der deutschen Kohlenlieferungcn vor. bezüg> sich welcher das Abkommen von Spa mit Ende/ dieses Monats abläuft. Dann soll die Höhe der deutschen Kriegsentschädigung und das österreichische Problem erörtert und schließlich die Orientfrage besprochenwerden, die sich nach den letzten Mißerfolgen der griechischen Truppen wieder in den Vordergrund drängt. Hier kommen sehr empfindliche Stellen der Ententepolitik in Betracht, die die Aufmerksamkeit der Konferenz in starkem Maß auf sich konzentrieren. Der Vertrag von Sevres tritt wieder in das Augenfeld der Entente- -iplomatie. die vor der dornigen Aufgabe seiner Nen- Auslegung, vielleicht sogar seiner Revision steht und tzamit ihr ganzes Friedenswerk von neuem durchberaten mutz. Denn die Art, wie die Liquidation des Weltkrieges vorgenommen wurde, bedingt geradezu die Dliichigkeit des ganzen Gebäudes, das ins Wanken gerät, wenn auch nur ein Teilproblem durch die Gestaltung dieses Friedenskrieges angeschnitten wird. Mit der türkischen Frage, hängen das riesige und bis zur Heillosigkeit verwirile Ostproblem, die gesamte Balkanfrage, der italienisch-griechisch-französtsche Konflikt "und die Frage der Jnternationalisierung der Donau zusammen. Mit diesen, europäischen Angelegenheiten kommen die M'lttelmeerfrage und das Schicksal. Asiens von neuem in ihrer bewegenden Bedeutung der Welt zu Bewutztsin. Daß alle diese Fragen, bei denen es um das Schicksal von vjelen Millionen Menschen.Mt, Heute, wieder ht^großerr Staatenbeängstigen, ist die Folge der Leicht- ‘ Mtlgkeit, - mit der ohne Kenntnis der geographischen, kommerziellen und nationalen Verhältnisse ein Flick- Werk.zusammengestoppelt worden ist, das jeder Windstoß in Bewegung bringt. Der Wandel des politischen Geschehens hat inzwischen in Frankreich bedeutsame,Aenderungen erzielt. Ter Urheber des Friedensunglücks. Elemenceau, ist gestürzt worden und hält seine Reden nicht mehr an die europäischen Völker. Poincaree ist auf Englands Geheiß aus dem Bereich der französischen verantwortlichen Negierung verschwunden, Millerand wurde Präsident und ist, durch die Pflichten seiner Stellung, der unmittelbaren Einwirkung auf die Kammerpolitik entzogen. Bnand hat sich in seiner Programmrede zu einer für Deutschland noch immer nicht freundlichen, aber doch nicht mehr so. drohenden Ansicht bekönnt. Er mutzte der Zusammensetzung der nationalistischen Kammer entsprechen und in wuchtiger Rede das Unglück der französischen Rordostdepartemenls vorführen. Aber er will von Gewaltmaßregeln nichts wissen und will nur im steten Einvernehmen mit den Ve?bün° deten Vorgehens Obwohl er es-vermied, sich auf die genaue Vorschreibung einer Pauschalsumme für Deutschland sestzulegen, hat er in dieser für die öeutfdje Volkswirtschaft und für die französischen Kassen gleich bedeutsamen Differenz doch den Weg der Verständigung offengelassen. Daß in seinem Programm jede Erwähnung Rußlands fehlte, ist auffallend, wenn man die feindliche Tonart noch im Ohr hat, in die alle Vorgänger Vriands verfielen, wenn sie von Moskau sprachen. Die Einflußnahme der englischen Politik, die nach einem Mittel zur Wiederaufnahme der Handelsbesprechungen mit Ruß* land sucht, tritt hierin scharf hervor. Man sieht überhaupt, daß die Lonöoner Poltik in den letzten Wochen dahingeht, besänftigend auf diejenigen französischen Elemente zu wirken, die da meinen, die schwere Krise in der sich ganz Mitteleuropa-befinde, lasse sich durch ein wenig Säbelrasscln sofort beheben. Vielleicht leitet die Pariser Konferenz den zweiten Akt des großen Friodensdramas ein. dessen erster Akt wenig mehr als die Fortsetzung der Blockade gegen das mitteleuropäische Kulturleben war. Vielleicht'beginnt eine Neuorientierung nicht mehr, die der Ver. Wirrung nicht .mehr, wie bis jetzt, mit halben Mitteln entgegenarbeiten darf. Die Dinge sind zu weit gediehen und. die Politik des Zögerns und Zauderns.' des Konferierens und Studierens hat zuviel Ungl'ick bei Siegern, und Besiegten erzeugt. Rur Großzügigkeit und rasches Handeln kann allen denen Hilfe bringen, die heute ihr Verbauen und ihre Hoffnung auf die Pariser Konferenz stellen, Die Eröffnung -der Konferenz. P«r:s, 24. Jänner. (Havas.) - Die interalliierte Konferenz hat heute vormittags im/ Uhrensaal des Außenministeriums begonnen. ,S-eit. hem/ 10. Jänner. 1920, an welchem Tage t ietzPestfmmüpfzen des Fr:edcüH< Vertrages von Versailles ratifiziert 'wür'-ön.' sind die' Eiterten Staatsoberhäupter mehrmals für Au.sführnng. . des Vertrages zusarnirengetreten, üämlich in London/; San Nemo, Brüssel und Spa'und- Endq . November - neuerdings in London, aber seit einem Jahpe hatten - in Paris selbst keine inter-attiierten. Koksere'nzen mehr, ft-at-i gesunden. 1 Dieses Ere'g'ns hatte in die Nähe des Minist-riüms des Aeußern zahlreiches Publikum gelockt. Um 10 Uhr 15 Minuten kam Herr Loucheur an. Um 10 Uhr 30 Minuten folg en Lord Cu non, der französische-und der englische Kr'egsm'nister, Ll-ohd Derrv, ' Graf Sforza und die militärischen und Marin.'sachverständigen. Alle diese Persönlichlciten wurden unverzüglich in den Kongreßsaal ein5esü7rt, während Vriand, Lloyd George und Graf Sforza in einem Neben ge mach eine Unterredung - hatten. Nach Beendigung dieser Unter-' redung begaben sich alle Bevollmächtigten in den Uhren-.' saal. i ' i Par-s.. 24. Jänner. (Havas.) erste Sitzung i der Pariser Konferenz fand um 11/ Wr.vormittags statt. Folgende Führer der Delegationen waren r'zuge§en: Pr Araykreich Priclnd. unterstützt' Von Herthevt, fEEn gIalst ^LlohdAHge' und Lord Curzon, für I t a l i e n Graf. Sforza und Graf Benin Longare sowie Marchese de la .Torretta,' für Belgien Jaspar und Theumies, für Japan Jschii. Jede Delegation war von zwei Mvlrztären begleitet. Es war. von vornherein bcschvss-ue Sache, daß die technischen Sachte ständigen erst eingeführt werden sollten, sobald Fragen zur Sprache. kämen, zu deren Beurteilung sie' berufen sind. Nach einigen kurzen, Bewillkommnungsworten Briands und einer kurzen Erklärung der Tagesordnung besprach man die erste Frage, welche eigentlich die Berufung der Ko-nferenz veranlaßt hatte, nämlich die Entwasfnungsfrage. Die Sachverständig'» wurden eingeführt. und zwar: für Frankreich Barthou, Marschall Fach, der Vorsitzende der interalliierten Militärkommi,sion in - Versailles, mit General Weigand als Adjutant, General Nollet, Vorsitzender der Kontrollkommission in Berlin; für England Marschall Wilson und Binghann letzterer Vorsitzender der Unterkommission für Entwaffnung bei der interalliierten ' Kontrollkommission; für Belgien General Maglinse, CeneralstabZch.f der .Armee; für Italien General Marietti, Vortreter Italiens bei der interalliierten Militärkommission in Versailles. Marschall Foch faßte die Foststellungen des Berichtes der Kommission von Versailles vom 30. Dezember kurz zusamnien und legte sodann-..die augenblickliche Lage Deutschlands bezüglich der Truppen und ihrer Bewaffnung dar. General Rollet, Bingham.und Ma-, rietti teilten Einzelheiten über verschiedene Punkte mit. Lloyd Geo 'ge und Barthou unterhielten sich beim Verlassen des Sitzungssaales sehr herzlich. P ri?, 24 Jänner. lTol. Komp.) Die e ste Sitzung der Pariser Kousorenz wurde schon gestrru Sonntag zwischen Briand und Lloyd George unmittelbar nach dessen Erntr.ffen unter Teilnahme von Lord Curzon und B.wthel'ot in einem Saton des Nordbahnhtfizeb indes abgehalten. Lloyd George und Lord Curzon sollen Brtand haben wissen lassm. daß England grundsätzlich mit dem franzö'isch.m Plan der vorläufigen Jahres- Zahlungen der den scheu Kr'egsent-sch'Ld'-itznng-"-- cinverst.-.-'.dcn st Die G e s a m t sü m m m e dev den scheu Entschädigung soll späier f stzestellt werdrn.^ lieber die Höhe der vorläusigen Jah.-eSzahlungen ist n ch keine Einigung erzielt worden. Bis jetzt liegrn noch keine anderen Vorschläge vor als dieje-iigen,- die in Brüssel von Lord Abernon ausg.stcklt wu d.n. 5D'*'C berrefsen die Zahlung von drei Milliarden G oldmark jährlich. Bergmann soll alle d'rgs erk.är..ha cn, daß Dou'schla.ld die Swumr von drei Mi .iL.den G l ma k .pro Jahr n'cht leist n kö me. Es-t'b.ine ht'chstc.is eine' Iah-.es rate von zwei M-stiavv in Bedacht kommen: eine halbe Milliarde in Gold und anderthalb Milliarden in Rohstoffen uad Waren. Die Entwaffnungsfraae. Paris. 24. Jänner. (Tel.-Komp.) Heute soll in einer einzigen Sitzung die E n t w a f f n u n g s f r a g e behandelt werden, denn n'cht nur die französische und englische sondern auch die deutsche Regirrung ist grundsätzl'ch damit einvrrstanden. daß, die Mi'itärorganisationen ausgelöst werden. Auch mit der W'edergutmachungsl frage als solcher bü fte die Konferenz rasch fertig werden. Dr die hauptbeteiligten Regierungen von Brrlin, London und Paris offenbar g.undsätzl'ch mit der vorläufigen Regelung de'r fünf Jahresra'en e'nverstanden sind, dürfte die Entsch idung über die Höhe dieser fünf Jahresraten und der Grad, bis zu welchem die Raten in Gold zn kahlen sind den Sachverst'indigen überlassen werden. Als hauptsächlicher Verhandlung"geg.'nstand der Konferenz taucht immer wieder das Projekt auf, mit dem Lloyd George nach Paris gtzreist ist. Auch der , Mat in" meldet, daß Lloyd George beabsichtige, der Konferenz den besann en großen Finanzierungsplan für die valutenarmen Lä .der Eü.opas zu ünterbreiten, einen Plan, der von der englischen Grvßfinänz und von den englischen. BersichrrungZgesellsch'aflen ausgear'beitet worden ist. . . P ris,. 24. Jänner. (Havas.) MarschaN F o ch et* lgu'erte heut: vlorrnittags der interalliierten Konferenz -WMststÄüngen ^ertrwterälMrten Kommijillrn, indem er.die. Nichtautführung oder die .Verzögerung...in der Durchführung der durch das. Ad kommen von Spa in den nenn, Bedingungen festgesetzten. Klauseln üb:r die E n t* w a f f n u n g innerhalb der vorgesehenen Frist hervorhob. Die Au'führungen des Marschalls Foch. schienen aus Lloyd George und die anderen alliierten Vortreterl einen' günstigen Eindruck, hervorgerufen zu haben.! General Nollet erklärte an der Hand von Zahlen^ daß Deutschland seinen Verpflichtungen, n o ch nich.t in vollem .M a ß e n a ch g e k o m m e n sei und daß ess sich bemühe,!sich seinen Verpflichtungen weiterhin zu entziehen. : ‘ Kredite für Industrielle und Kaufleute der Weststaat?«. . Paris, 24. Jänner. (Havas.) In Erörterung der Pläne Lloyd Georges, betreffend die den mitteleuropäischen Staaten zu gewährenden interna,ttonalen Kredite, erinnert der »Matin" an die Beratungen, die bei der Brüsseler Kon- - ferenz und in den großen Hauptstädten stattgefunden haben, und sagt, diese Beratungen ermöglichen es, die charakteristischen Merlmale der englischen P l ä n e mit Bestimmt' heit anzudeuten. In erster Linie sollten die Kredite ebensowohl den I n d u st r i e l l e n und K a u f l e u t e n der westlichen Märkte, die über berrächtüche Vorräte verfügen, zu Hilfe kommen, wie den Bevölkerungen Mitteleuropas, die Mangel an einem großen Teil der Rohstoffe und an den notwendigen Fertigfabrrkaten leiden. In zweiter Linie handelt es sich um die Rückzahlung der Vorschüsse durch Lieferung von Rohmaterialirn und Halbfabrikaten, welche die kaufenden Länder aus ihrem Boden gewinnen. In dritter Linie handelt es sich um ein System von Bürgschaften oder, Versicherungen gegen die Verluste, die sich aus mehr oder - weniger unglücklichen Operationen ergeben würden. Aber die emgetretende wirtschiftl'che Krise hat andere Fragen aufgeworfen, insbesondere jene des Absatzes der in England -an»' gehäuften Vorräte, der nach jenen Ländern, deren Wechselkurs verschlechtert ist, sehr schwierig geworden ist und dre Durchführung der ersten Pläne für internationle Kredite nicht, gestattet hat Der «Matin" ist der Ansicht, daß die Zeit -für. Finanzoperationen, die ansehnliche Risten beinhalten, nicht gekommen-ist, da die Kapitalien selten..und teüeL'siüd. Infolgedessen hat nur ein PlanF der ^für die Finanzleute keine beträchtlichen Riöken itt sich, birgt, Aussicht von ihnen angenommen zü werden, und der »Matin" gelangt zu dem Schluß, ein System von Kompensationen 'anzuregen,' da- ' allein imsvnide sei, den hartbetrosfenen Staaten zu gestatten, die ihnen auf ziemlich kurze Zelt gewährten Handelskredite zurückzuzah'en. ■ «Aber," sagt das Blatt, „heikler ist die Frag« der Bürg».' schäften. Die L eferanten der Rohstoffe oder der Halbfabrikat- 1 können sich das Eigentumsrecht der. zur Veredlung bestimmte^