Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 716 (23.1.1921)
- Date
- 1921-01-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Einzelpreis 3B Kronen Einzelpreis 2k Krone« Prännmerationsprelse^ Kt««: K«« in »er Ervevltis«, 2. Bezirf» Labor»' ftrake > btS -i, oder in einer versibleifttzeNe «LrafiN: Monatlich. . Krone» _£•- ÄterteljiihrUch .. ISO.— °MtI Poftversan» 'ür «irn «n» Oesterreich: Monatlich . . Kronen 50.- rschecho-Slowalei: Monatlich . . Kronen tZ - VterteljShrlich ,» . — statschecho-slowakischerSrhrnns Ungarn: Monatlich .. Krone« **».- lvierteliährltch > 0*— in Ungarischer Wüvrnng Ingoslawie«: Monatlich .. Dinar **- «t-rt-ltadrltch » - rener Pränumerationspreis»» Polen:! Monatlich .. Mark Vterteliithrltch .. ISfo* in polnischer DSH««G Drnttchland: Monatlich Mark 10^1 Frankreich: * , Monatlich . FraveS 0^-4 Jtallm: Monatlich ... Sire 6.4 MnnrSaien: Monatlich . . Lei 18^ Schweiz u. da» übrig« Auelanl« Monatlich . . . Aranetz S.^» Redaktion n.Administratiop Wien» -t.Bez., Taborstr.l-—8 Telephone: -HKH, 4i31«L ad S UHr abrndtz Nr.16301 Postiparkassenlovto lbV.SK Nr. 716 Wien, Sonntag den 23. Jänner 1921 3. Jahrgang Der Kredit. Die etliche stille für Oesterreich. Eine So-Millionen-Pfund-Anleihe? —y. W l t n. 28. Jänner Die Pariser Konferenz, 'die morgen die Minister» Präsidenten der alliierten Staaten vereinigt, wird sich mit den englischen Plänen beschäftigen, den Staaten mit zerrütteter Valuta bitrcf) Kredite, die Hebung ihres Wechselkurses und die Bekämpfung der Arbeitsknfe Hilfe zu bringen. Unter diesen Staaten befindet sich auch Oesterreich, für welches der englische Premier eine Anleihe von 50 Millionen Pfund befürworten will. Tste englische Regierung gibt ihre Hi1fSbereitsch''ll auch in der Form eines Londoner FunkfprucheS bekannt und sagt gleichzeitig die dringliche Behandlung der Reformplane des Herrn Goode in der kommenden Woche zu. Sie geht hiebei von der Erwägung aitS. daß die iGestaltung der Arbeitslosenfrage in England, die bereits fast eine Million Arbeiter erfaßt hat, durch den Ausfall Oesterreichs tmb RußlandauS der Weltprodnklion und ans dem Weltkonium verschärft werde und daß' man dieser Gefahr nur durch Hilie für Oesterreich und durch Anknunfung neuer Beziehungen zll Rnn<and?ntgegentreten können In dieser letzteren Hinsicht besteht, wie bekannt, eine tiefgehend^ Meinungsdifferenz zwilchen. England-und Frankreich, dessen neue Regierung unter dem Beifall der englischen Kreise sich in ihrer Programmrede zu einem gemäßigteren Kurs bekannt hat. Tie Sanierung Oesterreichs ist nicht bloß für dieses ein Lebensvrobiem. ihr Ausbleiben wäre vielmehr geeignet. die kaum -notdürftig verkleisterten Riffe, weiche die überhasteten Frjedensverträge. in Enrova klaren ließen, neuerdings auszlweitzen und zu.vertiefen. Oester- Mch" liegt nun'einmal /m..Herzen Europas'.' Wien bildet ein Handels- und Verkebrszentrnnr und kein Versuch kann gelingen, der von seiten der Nationalstaaten gegen die Geogravhie unternommen wird. Und Mitteleuropa' wird nie gesunden können, solange in seinem Zentrum ein Krankheitsherd sitzt. j. Die Gewährung von Krediten an Oesterreich, die tafsächl'ch Hilfe in letzter Stunde wäre, würde ein?r,i doch nicht so ganz dekrepiden Staate gewähren werden. Es gibt in Oesterreich eine ganze Reihe aktiver oder unschwer aktiv zn machender Staatsbetriebe, die als Unterlage für einen Kredit in Frage kommen könnten. Oesterreich wird immer mehr zu einem Durchzügsland und feine Bedeutung stir den citropnifcfier» Verkehr kann durch keinerlei Maßnahmen, seiner Nachbarn geschmälert werden. Der letzte Staatsvaranichlag nimmt den Wert lies Gesamtkomplexes der Staatsbahnen mit 76 Mi!- Karden Kronen an und bleibt damit, wenn man die inzwischen eiugetretene Geldwertändernng bedenkt noch Weit hinter dem. wirklichen Wert zurück. Hier liegt eine der wichtigsten Aktinen, des Staates. Denkt man nun an die staatliche Münzanstalt, an daS ausgezeichnete Militärgeographische Institut, an das Tabakmonopol und ähnliche Betriebe, so ergibt sich daraus die Mogiichkeit. mit Hilfe ausländischer Valuta und. rationeller, kaufmännischer Detriebfübrung dem Ausland auch sichere Bürgsct)af1cn zu stellen. Es ist selbstverständlich. daß sich daraus auch Rückschlüsse auf die innere Führung de? Staates ergeben. ES handelt sich darum, durch eine vernünftige, auf. Arbeit gestützte und Arbeitswei-Ie anstrebende Politik die Rübe und Ordnung, zu sichern und allen am staatlichen Leben teilnehmenden Faktoren die Möglichkeit des Mitwirkens zn erschließen. Es muß jeder Anschein einer einseitigen Klassenpolitik vermieden weiden und dlkrch Ausschaltung der nur auf momentane Effekte ansgehenden Schlagwortpolitik eine Atmosphäre der Beruhigung geschaffen werden. Die Ereignisse der Vorwoche mit ihrer Anrufung von Scharfrichter t»nd Zensor haben doch die Demagogie der Politischen Kinooperateure nickt ausreijen lasten und die Bevölkerung konnte der Debatte in der' Preisabbau-Enquete entnehmen. daß die Welle der Teiterting nicht ans Oesterreich kommt und nickt auf dieses Land beschränkt bleibt. Das Unterbleiben von Unruhen, die schon im Kalender notiert standen bat sich in einer, wenn auch materiell nicht allzu hohen, aber moralisch gut wirkenden'Erhöhung des Züricher KronenkurfeS auSgedrückt. Wenn unsere Regierimg und die hinter ihr stehenden Elemente einerseits, die werktätigen Masten anderme'.ti» erkennen, daß Oesterreich sich selbst durck Arbeit Helsen kann, wenn es nur will, dann wird es möglich sein, die schweren Lage zu überwinden. Paris, 22. Jänner. „Petit Parisien" erfahrt aus der Umgebung Lloyd Georges, dieser habe in emer längeren Besprechung mit C u r z o n gestern ab nds die Haltung Englands irrster einzelnen Fra e» die dir Pariser Konferenz beschäftigen w.rde, festelegt. Der Korrespondent g'anbt zn wissen, der englische Ministerpräsident werde Vorschlägen, daß Oe ft erreicheine Anleihe von fünfzig Millionen englische «Pfund gewährt werde, um dem Lande die Urbrrw'.ndun^ der gegenwärtigen Schwierigkeiten und dis eheste Wie>erbelevung fe'nsr Industrie zu ermöglichen. An chliestend daran wrrde Lloyd George fe'ven alliierten Kolls en die von der enqli chen Regierung ausgearbeitlen Plano über die Eröffnung von Krediten an gewisse Staaten mit zerrütteter Valuta auseinandersetzen, deren Zweck fein soll, den a^sunkenen Wechselkurs zn heben und die Arbeitskreise zu bekämpfen. _____ Frankreich gibt Getreide und Markkredit für.'OeDrrelch.' Paris, 22. Jänner. «Echo de Paris" tritt mit, die französi chr Regierrrni habe für dis Pari'er Tagung des O-ersten Rates positive Vorschläge zur Rettung Oesterre chs auSgeardeitet. Frankreich wolle Österreich gewisse Gelreideüberschüsse zur Verfügung stllen ^owie ferner einen Markkredit aus den E'nqäugsn me reror Milliarden, die insbesondere ans in Elsaß-Lorhringen durchgeführten Umwechslungen herstammen. Wesentliche Besserung der österreichischen Krone. — Sturz der Valuten. Keine Nvtenadstrmpelung, keine Zwangsauleihe. Infolge btt bevorstehenden Pariser Konferenzen und der daran sich knüpfenden Gerüchte über ausgiebige Kreditgewährung der Alliierten an Oesterreich, besonders aber wegen des E m p o r s ch n ell e n s der Krone in Zürich tum 1.27*/,, mif 1.57'/, kam cs zu einem unerwartet jähen Sturz der ans» ländislen Zahlungsmittel, von denen Dollar von 750 auf 615/ M a r k n o t e n von 12.21 auf 10.03, tschechisch «Noten von 9 36 auf 8.67 sanken. Vielseitig wurde wieder angenommen, daß der Sturz der Valuten mit bevorstehenden Maßnahmen der Regierung im Zusammenhang stünde. Durch den Leiter des Vvrsenkommissariats ließ dagegen das Bundesministerium für Finanzen die neuerliche offizielle Erklärung abgcben. daß weder eineZwangsanleihe noch eine Notenabstempelu n g noch eine Devalvierung der Krone noch ein Zwangsaustausch oder dergleichen von der Regierung beabsichtigt sei und daß auch alle Gerüchte über eine diesbezügliche Intervention oder Einflußnahme der R e p a r a t i o n s k o m m i f f i o n oder einzelner Mitglieder derselben vollkommen aus der Luft gegriffen ist. *250 Millionen Pfund soll Deutschland zahlen. London» 22. Jänner. (Wolfs, i »»D.nlh Expr tz" m? drS: Vei Vrr gsstri en Stotif rctr zwischen Lloyd G^org? und Curzon Habs si h loyd Gsor e s h? anerkenn nd üb'r d^e 7eve Bri nvs a szeft)roch.n. Fra ',re ch fei irgendwelchen Z u g e st ä n d ri f rn an Seutsckland iowobl in der Entwalrnnnqsals auch in der Rsparalionsfrage ausgesprochen feindlich gesinnt. Man erwarte aber» datz keinerlei ernstlich« Differenzen entstehen würden. In der Cnts waffnungsfrage werde der erste Schritt ein« Rote an Deutschland fein, in der eine Frist 'e'tge etzt wird. Frankreich wrr^e vielleicht eine kürzere Zeitspanne wünschen» es werde jedoch nicht frsiwsr sein» bezüglich des Zsiw vunktes der Durchführung eine Ausgleichslinie zu sind?«. Es bestehe allsr Grund zur Annahme» dag die Alliierten d.n Varfchlaz er Kommission, Deutschland fünfjährige Zahlun g« von je 159 Millionen Pfund anfzuerle^en, annshmen werde«. Die deutsche Antwortnote befriedigend. L o n d o n, 22. Jänner. (Wolff.) Die „Times* melden, datz die deutsche Antwortnote auf die 41 von den-F nanzsachver» ständi en der Verbündeten den deutsche» SachvrrstSud':gen in Btusfel «nLerbrsitete« Fraae» von j» f Rsparat'onsfrä^e dus dem Nriche der Theorie in das Reich der Wirklichkeit dringe. Nemee spricht in Berlin. D rlln, 22. Jänner. In einer von der mehrheitK» »sz'alisti,chen Partei abgchaltenen Versammlung spraöß auch der hier weilende tschechische spzigLdemü^atischs Abgeordnete Nemee, welch.'? e.klärte, daß die tschechischen Arbeiter mit. der tsch-chstchen Bourgeoisie und ihrem Staatsrrcht nichts zu tun haben wollen», Ncinec gab hieraus eine Darstellung der Verhältnisse in der Tichecho-Slowakei vor und während des KrieMS^ u::d wandte sich schließlich in sehr heftiger Weise' gegen den Kommunismus und Bolschewismus, wobei er erklärte, daß nur die Sozialdemokratie die^ ö*«*' sprechungen einlösen könne. Der polnisch-russische Friede«. Warschau, 22. Jänner. (Tel.-Komp.) Amt«' lich wird gemeldet, drtz. eine vollständige' Einigung über die Friedensvedin? Zungen mit den Bolschewiken erzirtt worden ist. Man erwartet die Anterzeichnnng^ der Verträge innerhalb drei Wochen. Weitzmann und Minister Mond in f Palästina. Jerusalem, 20. Jänner. (Jüd. Korr.-Bur) Doktv« W e i tz m a n n und Minist.'r Sir Als.ed Mond wurde»' von der hiesigen jüdischen Gemeinschaft herzlich' begrüßt. Sir A.f.ed Mond antwortete auf die an ihn' ger ch ete B'grü ung in begeist: t n Worten. Er sagte, Palästina sei ein Land von g r o ß e n Mögt ichkeire« und kine Macht in der Welt könne di? Jud.n am Ausbaa ihrer nationalen Heimstä.t^' hindern. Die Schwierigkeiten seien verhältnismäßig klein. Seine eigene» Freunde, Leute voll großem Einfluß. Erfahrung und^ Mitteln, seien bereit, mit allen ihren Kräften brizustehcn. In Palästina ist Raum genug für eine jüdischnationale Hrimstätte sowie für «ine blühende arabische Gemeinschaft. Dr. Weih mann besprach die zionistische Lagtz und sägte, die in der zionistischen Organisation «inge» trctene Krisis sei nur eine psychologische und er habe di«' -feste Ucberzeu^ung, daß sie überwunden werden wird. Einentiefes Eindruck machte seine Erklärung, daß Sir Alf.cd Mond jetzt einen Teil der Lerantwoo» t ung bei sämtlich.» zionistisch.n Arb-riten trage. Dr. Weitzmänn u..d Sir Alfred Mond verließe» Jerusalem, um eine Tour durch di« jüdische«' Koiouierr zu machen. i*