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Wiener Morgenzeitung · 1921-01-21 · Heft 714 (21.1.1921) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 714 (21.1.1921)
Date
1921-01-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Einzelpreis Sa Kronen Einzelpreis S Krone« ID-•»« PränumernLionspreiser ©W«: Äum SlSholcn in der Spedition, L. Bezirk. Tab«», ftr'asir 1 biS 3, oder in einer ' s. Bkrf»reiiisteke (TrafiV: . g!snatl»«ft. . Kronen tertekkührttch .. 150.— Mit P-stversind 'flt Wien und Oesterreich: Monatlich . . Kronen 50.- : Tschecho-Zlowakei: Monatlich . . Kronen l^».— Stertrljiihrltch 4». - tschecho-slowakischee Wahrung Ungarn: Monatlich . . Kronen 'io.— WterteljShrllch 1 ' t» ungarischer Wätzrimg Angoslawir«: Monatlich .. Dinar *«— vt«rtelt«chrlich « *4.~ aamiww teuer Pr8»n«erationspvels«ß Pole«: Monatlich . . Mark Sv^a Vierteljährlich .. iu polnischer Währung Deutschland: Monatlich Marl UV1», Frankreich: I Monatlich . FraneS /Italien: Monatlich . . Lire RunlSkien: ] Monatlich . .' Sri 15.-» Schweiz ii. da« übriLe Aurlandt Monatlich... Francs 5^- Nedaktionn.Administratio»' Wie», ir.Bez., Tavorsu.1—5 Leletihone: 4^19, ab « Uhr abends Nr. 1080» Postiparkaflenurnto L30.M WNULbkpMM-aMALavporl^lW atBRcnmsa« Nr. 714 Wien» Freitag den 21. Jänner 1921 3. Jahrgang ^BSSSSSSSSSSSSrnmärnm^umi nhimT-Ffi Ostjuden und Völkerdund. * —y. ÜB * mt, 21. 3firjre> ■4. DreDsterreichischen Parteien pflegen, wenn es )n -er inneren Situation brenzlich wird, die judNchen Züchtlinge als Aölenkuugsmittel zu gebrauchen. D-"s scheint ans einem von allen Seiten mit rührender Gewissenhaftigkeit eingehaltenen Pakt zu beruhen. Das Holk schreit nach Preisabbau, die Krone sinkt auf den Gefrierpunkt — die Parteien antworten: „Jud!" Tiews Schauspiel ist nichts Neues, höchstens, es hin und wieder durch erfindungsreiche Regisseure. durch neue Wanken gewürzt wird. Ter Galgen, den inan vorgest >rn cplf einen Versammlungstisch-in der Volkshalle dcS Wiener Rathauses gestellt hat. ist so eine hübsche Sache, die beweisen soll, daß man dem Volke, wenn man ihm. nicht Brot geben kann, doch wenigstens eiche der in der W.iener Lokalchronik rühmlichst bekannten Hetzen vorzu- Wren gewillt ist. Die - politischen. KonjuMunchchber wollen sich auf ihre Weise salvieren. Sie wollen von keiner Verantwortung etwas wissen und wenn einmal eine unwirsche Note der Entente, oder eine besonders auffällige Mißtrauensäußerung dc^ -Auslandes sich ereignet, dann waschen alle nnschüldsvoll die Hände. , Vorgestern aber, hat sich auch die hohe Regierung geäußert. Ter gewesene Präsident Seitz hat sie dazu gezwungen. . Ihm persönlich spricht die Ostjudenhetzc aus dem Herzen, aus dem er keine Mördergrube machen. will. Er hat es peinlich empfunden, daß sein Varter» ytznosse. Hämisch vor jeder Forcierung der Abwanderung Warnte. Und so lockte er den Kanzler Mavr auf. das Erst.deiner ^)stjudendebatte unp Hern Mahr .fies prompt. Wein. Er redetewie siA-daK^Är^^MiMech ge' ziecht, diplomatisch abgetönt, vorsichtig, sanft und' bedauernd. Folgendermaßen: Die Schwierigkeiten bei. der Ausweisung der Ostjuden liegen vor allem in den Bestimmungen des Friedensvertrages. der den Minderheit?- schütz in eingehender Weise Vorsicht. Danach dürfen Ausländer im allgemeinen nicht schlechter behandelt werden als Inländer, ihre Unbescholtenheit Vorausgesetzt. In Angelegenheit der Ostjuden hat die polnische. Regierung wiederholt V^'rstellnnaen erhoben und gegen Ausweisungen eingegriffen. Sollte dos Vorgehen der österreichischen Negierung allenfalls beim Völkerbund anhängig gemacht und dort eine Klage eingereicht werden, so werden wir. da wir nun Mitglied des Völkerbundes sind, uns selbst verteidigen und unsere Maßnahmen rechtfertigen können. Zweifellos müsien gewisse internationale Rücksichten genommen werden, zuma! ja doch auch Repressalien gegenüber unseren eigenen Staatsbürgern geübt werden könnten. Die Negierung tuirfc alles tun, um zu verhindern,' daß die den Minderheitsschntz betreffenden Bestimmungen des Friedensvertrc.aeS uns schaden und daß die Schäden, die wegen dieser Bestimmungen beklagt worden sind, allzu tief greifen. .Wir wollen nicht wie die Katze um den heißen Brei hernmgeben und Herrn Mavr ans verschiedenes aufmerksam machen. was ihn in seinem diplomatischen Konzept sehr empfindlich stören kann. Oesterreich ist im Völkerbund. Und wenn Herr Mayr sich der Hoffnung hingibt. eine Klage von. jüdischer Seite mit einer einfachen Rechtfertigung der barbarischen Methoden seiner Subalternen und seiner. Landesregierungen entkräften zu können, so täuscht er sich. Er wird nicht allein vor dem Forum des Völkerbundes sieben, und es wird dem österreichischen Delegierten Punkt für Punkt geantwortet werden. Wenn eine Klage erhoben werden wird, so wird sie mit Akten und Verfügungen österreichischer Behörden fundiert sein. Es wird die freche Lüge aufgedeckt werden, die hierzulande von der Presse der unterschiedlichsten antijüdischen Parteien täglich ansposaunt und in tausend Versammlungen so lcmge breitgetreten wurde, bis sie zu rinem jedermann geläufigen Wort geworden ist. die Luge von der volkswirtschaftlichen Schädlichkeit der Ostsuden. die nur erfunden wurde..um den Zorn der betrogenen Dolksmassen von den Kriegshetzern und Kriegsverlängerern abzuwenden. Es wird jener Partei, die sich, als sozialdemokratisch anfspielt. öffentlich die Maske bernntergerissen und der greuliche Unterschied zwischen ihrer Theorie. nur Schieber imd nnvradnfliae Elemente anszuwessen. und ihrerV'-aris die sich gegen jüdische Krüvpel, südische Stcnotnpist'n"en sind sii^'sche Arbeiter richtet, anfgezeigt werden. Wenn Herr Mavr mis den Friedensvortrag hinweist, der keine Unterschiede in der Behandlung von Ausländern und Inländern Oie ME KriCd^ntscDü 15 TOiliiardeit ßoldmark. /; Paris, 20. Jänner. (Korr.-Vi'r.) Pertinnx teilt im „Echo de Paris" mit, daß die Brüsseler Sachverständigen der Alliierten am 18. Jänner ihre Vorschläge in der NevarativnSsrage dem Obersten Rat mitgetcilt haben. Danach werden von Deutschland fünf JahreSzahlnngen zu drei Milliarden Goldmark . verlangt werden, die teils in barem, teils in uaülra bezahlt werden sollen. Eine Feststellung) der deutschen Schuld bis zum 1. Mai 1921. findet nicht statt. Tie Deutschen sollen gewisse Konzessionen erhalten. Sie sollen die 900.090 Tonnen Handels'ch: sssrnmn. die sie den Alliierten noch schulden, behalten. Ob die Kosten der Okkupationsarmee, die nicht mehr als 240 Millionen Goldmark betragen dürfen, in die Iahreszahlnügen eingerechnet werden .steht noch nicht fest. Für den Fall, daß Deutschland sein Wort nicht halt, sind Strafmaßnahmen vorgesehen, wie Beschlagnahme der ZöHe und Beschlagnahme oder Einrichtung verschiedener Monopole. Lord Abernon habe hervorgehoben, daß, wenn die deutsche Schuld nicht endgültig bis zürn 1. Mai festgesetzt sei, man mit dem Friedensvertrag in W'derfpruch koinme. zu dessen Abänderung die'ZuMmmnng wendig sei. Uebcr die Verhandlungen Mit Staatssekretär Bergmann teilt Pcrtinn? noch mit, daß dieser am Dienstag erklärt habe, er nehme die Jahreszahlungen an, aber nur in der H ö h e v o n zwei Mi l l i a r d e n G o l d m a r k jährlich, wobei die Barzahlungen nicht mehr als 500 Millionen betragen dürsen. Außerdem verlange cr noch verschiedene Zugeständnisse. Die alliierten Sachverständigen hatten sich daraufhin entschlossen, ihr Programm sestzusetzen, ohne weiter den Versuch zu machen, mit Deutschland zu einem Einvernehmen zu gelangen. Pertinax tritt für die Pauschalsumme ein und bekämpft dps Programm der Alliierten. Briand beim deMchsu Botschafter. Berlin, 20. Jänner. (Wolfs.) Am 18. d. M. hat der französische Ministerpräsident Briand den deutschen Botschafter in Paris anfgcsncht und mit ihm die Frage der Beziehungen Frankreichs zu Deutschland und die Frage der Wiedergutmachung besprochen. Der Botschafter hat bei dieser Gelegenheit anSgesührt. daß Deutschland bisher immer daran scstgehalten habe, daß seine gesamte Schuldfest gesetzt werden müsse. Dies hätte auch für Frankreich den Vorteil gehabt, daß man aus der Grundlage einer Regelung des ganzen Wiedcrgutmachnngsproblems leichtcr zu einer internationalen Anleihe gelangt wäre. Wenn man eine Lösung nur kür etwa fünf Jahre treffe, so sei dies insofern wichtig, als das deutsche Volk dann noch immer kein Ende ablehen und fürchten würde, umsomehr zahlen zu müssen, se mehr es arbeite. Trotzdem habe die deutsche Reaicrung sich aus Wunsch der Gegenseite unter gewissen Vovanfetzungen, die in Brüssel zur Kennt, nis der Alliierten gebracht wurden, bereit erklärt, über , eine Lösung des Problems, zunächst nurssir eine.Reihe 1 von Jahren z« verhandeln. Der Botschafter betonte,-daß Deutschland nach seiner Ansicht nicht, imstande^ sein werde, in den nächsten Jahren einschbie ß.li ch d er K o ü I e n l t c f c r it n gen mehr als einen Teilder von Dentschland verlangten Summe und anders als in natura zu leisten,' - { :' Briand gab daraus seiner Hossnnng Ausornck, daß in der Neparatiousfrage eine Verständigung zu finden sei. - \ Die deutschen W§Lirrst?mgeN. für die'- - . WiedergAtMachuyseN.. Londsn, ' 20. Jänner. (Funkipruch.) Die deuifcheU? -Gegen vor sch lü g z.' an dir Sachver-tsrndigea - der - Entente-x sollen als Vorbedingüngen für dir Möglichkeit, -Zablnng-rn- ,'it lristeu, folgende BedingrrUgen enthalten.: O b e rschle s i c n . habe b:i Deutschland :zu verüleiben, die Kosten, der. Besä tz u n gsatmce müssen vermindert, die- Verm-ehmng des^ Tonnengehalts an bruischem S.ch i f f s r a u m müsse'garantiert und Druischland müsse wirdrr zum Uebersoe.h.an.irebzu-- gelassrn. werden.' ' " •?' '*/'■ ' E Drr' ^msrWWischs FLarrÄMrcht. . , H a s h i n § t o u, D. Jänner: (FunMHvch.) ■ Dev. MMÄW- Morsttzknde. ^H'7^seM«dÄ.sd!keüÄ1'es er»? klärte einem Vertreter der Presse, daß die endgültige Festsetzung der Wiedergntnrachungssumme innerhalb der finanziellen LcistnngsfähigkeiL Deutschlands für die ganze Welt von hervorragender Bedeutung fer. Die amerikanischen Fabriken könnten sofort wieder den Betrieb anfnehmen, die Wechselkurse würden sofort steigen. Die. gegenwärtige ÜngewißheiL sei gleichbedeutend m'L dem Bankrott Deutschlands. Die gerechten Forderungen Frankreichs und Belgiens vürsten- Deutschland nicht erdrücken. Deutschlands Zahlung könne durch Ai kgabe festverzinslicher, allmählich tilgbarer Schuldverschreibungen erfolgen, wodurch gangbare Börsenwerte geschaffen würden. Frankreich feien Sicherheiten gegen einen deutschen Angriff zu gewähren. . duldet, so wird ihm vor dem Völkerbund das Verhalten seiner akademischen Behörden vorgebalten werden, die die jüdischen Studenten — die auch Herr Mayr oder sein Kunschak nicht für W"cherer und Preistreiöer erklären kann — aus den Hörsälen vertreiben. Das und noch viel mehr wird Oesterreichs Ver. treter erwidert werden, wenn er Verteidigung und Rechtfertigung versuchen sollte, ^euf ist nicht Men nnd die demagogische OHO: des Herrn Mavr. Mc er für Seitz. ' Jewabek und Ko^mann bereit .bat. kann ' nutze boib dieses gesegneten Landes niemanden überzeugen Denn man in Men keine Wohnungen hat so fall man Baracken bauen oder die Palais räumen oder die Schieber aus ihren Lotelavvortements entfernen; hat man kein Brot, Izzet Pascha abqKnjqig. Zürich, 20. Jänner. (Tel. der „Wiener Morgenzeiluug".)' Ans K on st an tin o pel -wird beri-htet: Izzei Pascha, der bekanntlich an der Spitze einer Mission zur kemalistischen' Regierung nach Angora entsendet -wurde, um nämer^ der Negierung Verhandlungen-zu führen, hat in der erstüv, Zeit regrlmä'stge Berichte nach Konstantinopel geschickt. In der letzten Zeit sind diese Berichte völlig a n s g eb l t e b e n und: di: Kvnstantinopeler Regierung hat auch sonst keine N a ch"' r i ch t über das Schicksal Izzet- Paschas und stmer Begleitern Die türkische Negierung hat einen Ossizier nach Angöra ent»' sendet, um Aufklärungen über dieses plötzlich ringetretene, völlig unverständliche Stillschweigen^ Izzet Paschas 'zu erlangen. In Kcnstantinopel siiH über die Ursechen des Aus-? bleibens jeder Nachricht vers.chiedene Gerüchte, verbreitet. Die Abstimmung Oberschresteir. Warsch:«, 20. Jänner. (W. P. G.) Wie die Plätter berichten, dürfte die Abstimmung in Oberschlesien. Sonntag den 13. März stattfinden. . so soll man bei den Bouern requirieren: gibt es keine Robstoffe und Waren, so soll man die Grenzen öffnen; hat man kein Geld, so soll man durch eine vernünftige, positiv aufbaueude Politik sich Vertrauen werben, keine Verschleuderung der Demobilisiernugsgüter dulden. Man soll arbeiten und wieder arbeiten. 'Aber die Demagogie des Ostjudenbasscs soll eingestellt-werden, wenigstens von der Regierung. Und wenn sie in Genf sich wi^d reinw'aschen wollen, so mitft ftc. darauf gefaßt fein, daß in Genf keine deutschnatioualenStudenten, keine Wiener ckn-istNchsa''alen 'Kaschemmenschreier und keine sozialdemokratischen Demagogen sitzen, sondern ernste und unbestechliche Richter, die im Namen des europäiWn Kulturgewissens sprechen und urteilen.

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