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Wiener Morgenzeitung · 1921-01-20 · Heft 713 (20.1.1921) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 713 (20.1.1921)
Date
1921-01-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Einzelpreis SSJtttftien m min ...,,—murr—n- PrZn<tmekatk»«»peeifer 'K'^4 «Bien: Z»» Atchole» in der fötabttfcr?, L. Bezirk, Tabor. Stoße! bis ober to einer c «ersü-krißstellc <2?afik>: ««matttch . . throne*. '»'V~ VierlelrichrUch 150.— Mt Pastvcrionb rfle Die« ma Ocsterrrich: w-»atttch ... Kponei« 50.- Tschecho.-Slowskei: Monatliiv . . Krone» 1I.— Wiepteltithrkill» 4?.--- ^tschechs.slowMckcrüLLHrung Ungarr»: Monatlich . . Kronen Sterteljiihrlich .. l>0.— , in ungarischer DSl>r»ng Jugoslawien: Mol'atltch .. Dinar >».— iyterteljahrlich S4.- Nr. 713 Wien» Donnerstag den 20. Jänner 1921 Einzelpreis 22 Kronen Prä«m»erotionsprris»r 9R«»ot!i(Sr?‘!f*9lart NQ^» Bterrelialirkich .. . §k»0^« in polnischer SbährnuS Deutschlanb: Monatlich . Mark KW Frankreich: Monatlich . Franc» Italien: Monatlich ... Lira Rntnilaien: Monatlich . . Lei 15^» Schweiz », da» übrige ttueionift Monatlich. . . Francs IW» R edattton n.Admintstratlo» Wien.«.Bez.,Taborstr.1—« Telephone: «4038.4i!»19, ad ü llhr abends Nr. 1030» Postsparkasse» tont» lL0.SK MMMnMMWHMpif 3. Jahrgang Die Galgenfrist. —y. W > t n. 20. Jänner. In der Enquete über den Preisabbau ist vorgestern eine wichtige Erklärung erfolgt. Jener Sprecher der Technischen Union, der für den 30. Jänner die Stratzenjustiz für die Schieber angekündigt hatte, gab eine Interpretation seiner Drohung. Er habe es nicht so kratz gemeint und habe lediglich ernste Matznahmen gefordert. Zur Beruhigung weiter Kreise werde er übrigens von seiner Vereinigung eine Fristerstreckung verlangen. Er hat eS ebenso wie der Staat vermieden, den Begriff Schieber genauer zu umschreiben und die Ndür Galgenfrist. die er stellt, bleibt in ihrer Wirkung Meder unbestimmt. ES ist zu hoffen, daß wenigstens in dieser Zeit die Bevölkerung sich des wahren und erschreckenden Ernstes der Lage bewußt wird, die eine derartige scherzhafte Behandlung nicht mehr erträgt. DaS ganze Leben ist heute mehr oder minder auf das sogenannte Schiebertum gestellt, dessen Walten sich äütomatifch aus der Isolierung des Staates ergibt. Tie Maßnahmen der Regierung oder die Vorschläge des von d^t Preisenquete eingesetzten Komitees können nichts an der Tatsache ändern. datz die Einfuhr die Ausfuhr überchiegt. datz wir unsere Lebensmittel für teures Geld kaufen müssen, daß der Warenhunger alle haushälterischen Bedenken zuvückstaut. und datz die Krankheitsquellen nicht im Inland liegen, also hier gar nicht gefaßt werden können. ' Die Absicht, die hinter der Festsetzung eines Stichtages fütöen W Jänner stand 7-7 .wir möchten hier dringend davor warnen, die Sache leicht zu nehmM^- richtMsich', ioic aüs ihrer politischen Begleitung 'chervorgehtsöhr stark gegen' die Entente. Mit dem Preistzpbaugleichzeitig wurde der Anschluß an Deutschland berlän'gt, eine demonstrative Erklärung an diejenigen Dächte, die Oesterreich gesckwsfen. es als unabhängigen Staat erhalten, und Hungers sterben lassen. Diese Dächte haben in der Mantelnote zum Frieden von Saint-Germain das Versprechen gegeben. Oesterreich zu unterstützen. Diese Zusage, die mit dem Friedensvertrag und mit der Unterschrift der öste.rreichischen Staatsfunktionäre moralisch gleichwertig ist. ist bisher nicht eingehalten worden. Es ist daher nicht verwunderlich, tpenü. das österreichische Volk den Anschluß an ein großes Wirtschaftsgebiet, sucht, und zwar ihn dort sucht, wohin .es durch die .gleiche Sprache und das gleiche Schicksal.,gewiesen wird, bei Deutschland. Allein der Zorn ist ein. ebenso schlechter Berater wie die Verzweiflung. Wenn man der, Sache politisch beikommen will, so mutz man nicht nur die natürlichen Sympathien, sondern auch die Folgen bedenken. Oesterreich hat einen Vertrag unterschrieben und muß ihn halten. Datz die Gegenseite ihre Verpflichtung nicht erfüllt hat. entscheidet nur gegen sie, spricht aber nicht für Oesterreich, solange der Vertrag besteht. Zum anderen hat. auch Deutschland einen Vertrag unterfertigt und eine Verpflichtung betreffs Oesterreich übernommen. ' Ferner würde der Vollzug des Anschlusies aus die französische Oeffentlichkeit genau so wirken, wie der Ueberfall auf Belgien und für Deutschland sehr schwere Konsequenzen mit sich bringen, unter denen der Verlust des Ruhrtandes und, der Nheinbrücken nicht an letzter Stelle stünde. Mllitärgeogruphisch bedeutet der Anschluß eine Umklammerung der Tschecho-Slowakei, und da man nicht übersehen darf, welche Nolle strategische Gesichtspunkte in der ewigen Angst Frankreichs vor der deutschen. Rache spielen, so ist eS unklug, vor diesen Mög° lichkeiten die Augen zu schließen und sich mit den Worten zu trösten: Es wird schon gehen! Schon einmal, zur Zeit des Staatessekretariats Bauer, hat die deutsche Negierung ihre Wiener Freunde um Vorsicht gebeten. Ihre jetzige Kühle und ihr Festhalten an der politischen Horrekthert sollte doch auch in Wien wirken, sowohl bei den, Sozialdemokraten, die die internationalen. Verhältnisse und ihre Realitäten zu beurteilen verstehen, als auch bei den Grotzdentschen, die nicht im Klaren dar- Über sind, an wen sie sich eigentlich anschlietzen und ob her aigestrebte Monarchismus bayrisch oder habsbuigisch oder hohenzollerisch sein soll. Es ist überhaupt in Vr öffentlichen Behandlung der Anschlutzfrage ein üic-m.l'-ch, leichtfertiger Dilettantismus zu erkennen ein Sv»el nsij dem Feuer, oder, was politisch noch ärger wirkt, mit einem ungeladenen Revolver. Ehe man nicht 4b Deutschlands OeiienttiLkeit, die ruhig er- TranMcb fordert die Kredite für Oesterreich. Wie die ».Politische Korrespondenz* von Unterrichteter Seite erfährt, wird die französische Req 1 ernng» die von dr unbedingten Notwendigkeit der Kr e d i U qewährnng an Oesterreich durchaus überzeugt ist» beim Zu amme»treten de- Obersten Rates am 24. d. M. die eheste Beschiutzsassnu , über die Sicherung der Lebensfähigkeit Oesterreichs und über die Kreditgewährung verlange«. Eine ttiiileieuropaiscbe Dor einer Kursänderung in Ungarn? Eine aus Budapest kommende Meldung kündigt die Errichtung einer Wirtschaitsvereinig« ng zwischen den R a ch s o l g e st a a t c n der oster, r e i ch i s ch . u n g a r i s ch c n M o n a r ch r r und ihren N ach b n r g e b i r t e n an. Es soll durch Pereinbarnngc» auf dem Gebiet HM e Ver sieh,rs. und F i » a n z f r a g r n die wirtschaftliche Freizügige krit hcrgeftcllt werden. Es handelt sich also um eine viel breitere Basis, als gewöhnliche Handelsverträge auf. werfen. Falls dieser Plan zustandckommt, würde er nichts weniger bedeuten als die Uebertraguug des politischen Prinzips der kleinen Critcirte auf ta$ rvLrt > schaftttche Gebiet. Tie Verhandlungen über diese Angelegenheit wurden vor etwa eineinhalb Monaten in Wien begonnen und nähern sich nunmehr ihrem Ende. Ihr Gelingen würde die unter der Patronanz der Entente geplante Wirtschastskonserenz der SukzessionSstaaten, als deren Ort bekanntlich P r e ß b u r g oder Karlsbad in Aussicht genommen war, überflüssig machen. Es bestehen Anzeichen dafür, das; in erster Linie der Wunsch der HandelS- und Jndustriekreife nach Abschaffung des PatzZwangeS in Erfüllung gehen wird. Es soll lediglich im Verkehr zwischen den das Abkommen unterfertigende« Staate» eine zolltarisliche Behandlung des Reisegepäcks und dee Frachtengütcr Platz greifen. Es ist klar, daß diesem Plan auch ein großer politischer Wirkungskreis zukommt. Die unbedingte Voraussetzung bleibt dabr.i die.,Einfehr geordnetel R r ch bS i n tz 11 I on e ui t n, U n gar n Mp did Ersetzung des gegenwärtigen Systems durch eine prM Nechtsbegriffen der Kuliurwelt entsprechende Regierung. In dieser Hinsicht setzt man in den informierten Kreisen große Hoffnungen aus die gegenwärtig in Ungarn rm Gang befindliche« Verhandlungen, deren erstes Stadium die Ernennung H e g e d ü s z«m Finanzministcr war, der nun die Berufung des Wiener . Gesandten Dr. G r a tz aus den Posten eines Ministers e des Aeußern folgt. Es verlautet, daß ihm ein sozialdemokratischer Staatssekretär zur Seite gestellt wird und daß die Ablösung des derzeitigen' Jnstizministers Tome s a.» y i durch eine derzeit in Wien lebende Persönlichkeit liberaler Richtung bevor« stehen soll. Ungarische Blätter, die schon in den letzte« Tagen eine Knrsändernng zu signalisieren wagte», nennen Wilhelm Bazsonyi für diesen Posten. Dü diesbezüglichen Verhandlungen sollen itt; den nächsten Tagen in Wien durch den gewesenen Oberbürgermeister, von Budapest Bare zu und durch den gewesenen Mini.^ stcr des Innern Gabriel Ugron zu Ende geführt werde». Preisabbau ln — Amerika. N e w »P v r k, l8. Jänner. iReüter.) Zahlreiche Industrien haben d'.e Löhne der Arbe'ter herabgesetzt, namentlich die Textilindustrie, wo die Lohnredu^tion 21/, Prozent beträgt. Die Arbeiter ne men die neuen Bedinqurrgen z-emlichgünstig au^» Werl sie ie SchUestnirg der Betrieb: vermeid:n wallen Die Preise der allernotw ndigsten Artikel vermindern sich sichtlich In den Vereinigten Smaken feisrn mehr ais 2 Millionen AL beiter. DertKfflMg des polfrisch?R LI;rdLaczes. Warschau, 19. Jänner. (Tel.-Komp.) Der Polrrische Landtag ist auf den 16. Februar vertagt worden. Der amerikanisch-japanische Konflikt. Washington, 19. Jänner. (Tel.-Komp) Beim, Staatsdepartement sind offizielle Berichte aus Wladi«, Wostok eingegangen, denen zufolge der japanis-.he. Posten, der den amerikanischen Marineleutnant Langde». erschossen hat, seinen Posten verlassen und den Offizier belästigt habe. Der Posten gibt an, er sei sehr aufgeregi gewesen und sein Gewehr sei nur zufällig losgegange«. Nnruhen Ln Indien.' ' . \ ' 1 London. 19. Jänner. (Reuter.) Amtlich wird mib geteilt: In Nordindien haben am 4. Jänner 60 Eing»! borene bei Jandola zwei britische P'lonierkompagnieA, überfallen, die unter dem Schutze von Soldaten die Eisenbahnstrecke wiederherstellten. Bei dem sich enk spinnenden Kampfe gab es auf Seite -der Engländer 7 Tote oder Vermißte und 38 Verwundete. wägende, nicht die alkoholische Stimmung nationalistischer Hurrahschreier den Anschluß Oesterreichs bis in seine letzten Konsequenzen durchdacht und akzeptiert hat. ist jeder Strotzenlärm und jedes Pathos von Schaden. Keinesfalls aber ist es von Nutzen, gleichzeitig vom Anfchlutz rm'd von Krediten der Entente zu sprechen. Es ist,hirnrissig wenn die Regierung den Dr. Mataja nach Berlin um eine Anleib? lchl^t und sich zur selben Zeit in ihrer ungarnfreundlichen Politik französisch omn* tiert. Es ist falsch von der Sozialdemokratie, in ihre« Mafien Hoffnungen auf die wirtschaftliche Wohltätig« seit des Anschlusses zu wecken, solange Deutschland nicht die Höhe seiner Entschädigungen kennt, solange das Schicksal Oberschlcsiens nicht feststeht und solange dü deutsche Demokratie einen schweren Kampf nach link« -md rechts führen mutz Oesterreich, dieses Oesterreich würde ihr nicht helfen können. ’ l

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