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Wiener Morgenzeitung · 1921-01-19 · Heft 712 (19.1.1921) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 712 (19.1.1921)
Date
1921-01-19
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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,«emr-sr rVwn,M7nvsey i- X m ■irT-m--"-r-vJgcrr;y.;T.^^j--- v&ftMt M. Minsk ~5tö. 712 H.-W«■/?—. X , Tagesbericht. Krr Streik -er israelitischen Neligionslehrer.?*'' Der Streik der ifrriolinfchrn Mligivnslehrer dauert SN, doch besteht Aussicht, daß in der nächsten Zeit eine Einigung zwischen den Lehrern- und dem Kultusvorsiand zustandekommt. ' ' Abordnungen der Religionslehrer sprachen beim Borsi^endenstellvertret-er des Bezirksschu rales, Nat'onalmi Glöckel, vor, der die Wünsche der Lehrerschaft als gerechtfertigt bezeichnet« und alles daranzusetzen Versprach, damit der Unterricht ehebaldigst wieder azrfgenommen werde. Bei einer Vorsprache inr Bundesministerium für soziale Verwaltung empfing . Ministerialrat Professor K r r b r a m die Lehrer, der gleichfalls die Forderungen derselben als mäßige unb begründete erklärte. Der Verband der Angestellten der Gemeinde Wien hat den Religionslehrern zugesichert, daß ihnen, falls der Streik über das Monatsende hinaus andauern sollte, die fälligen Monatsbezüge einstweilen von den städtischen Angestellten borge streckt werden. In einer vorgestern abgehaltenen Vollversammlung des Verbandes der Angestellten der Kultus gemeinde wurde folgende Resolution, einstimmig angenommen: ^Zur Wahrung des Ansehens unserer Gemeinde und in Erkenntnis der eminenten Wichtigkeit einer ununterbrochenen religiösen Erziehung unserer Jugend, spricht die Versammlung einmütig den Wunsch aus, daß der Streik der Rrligionslehrer au den Volks- und Bürgerschulen durch Erfüllung der berechtigten Forderungen brr Religionslehrer baldigst beendet werde." Der Minister gegen das Monokel. Der:preußische Innenminister Se vering hat verfügt, daß bei darr oberen Beamten der Schutzpolizei das Tragen des Monokels zu unterbleiben hat. Sein Erlaß schließt: ,Hch muß von jeden: Beamten erwarten, daß er in diesen schweren Zeiten unter Ausschaltung xÄ>er Aeußerlichleit seinem Berufe nachgeht und demgemäß vom Tragen des Einglases absieht." So werden neue Märtyrer geschaffen, die Märtyrer des Monokels. Tenn der .Herr Minister ist im Irrtum: das Monokel ist keine Aeußerlichkeit, sondern gehört zu einer Weltanschauung, die den höheren preußischen Beamten als'Zweck drw Schöpfung ainieht und ihn vom gewöhnlichen 'Sterblichen schon durch die vom Monokel herrührende halbgottähnliche Starrheit des Gesichtsausdrucks scheidet. Il.ns wenn .f>err Sevrring das „Einglas" fchon für so wenig republikanisch hält, das; ew das Bedürfnis bat, etz zu vr^bieten, so wird er sich seine Beamten 'näher daraus an sehen müssen, ob sie ohne dieses Hauptatiribut ihrer Würi>e überhaupt „regieren" Tonnen. Das-Monokel gehört mit dazuso gut wie der preußische Parademarsch, von dem auf der sogenannten Preußentagung der Deutschen Bolkspar-tei. die in diesen Tagen stäti'dnd, um sich gegen jede politische Neugesial- Eung Preußens zu webron, Professor Brandi von der Göttinger Universität erklärte, in ihm liege, wie nirjtze, nds sonst, eine Erziehung zur Staatsgefinnung. e- Brand tm Arsenal. Lverte »» 300 Millionen in Gefahr. j Gestern vormittags hat im Arsenal ein Brand tzLwütet. ber rinermeßliche Kricgsvorräch, die der Republik Oesterreich gehören, in schwere Gefahr gebracht. Hat. Durch daZ schlagfertige und beherzte Eingreifen der Feuerwehr wurde ein Millionenschaden' verhütet. Wir erfahren darüber: Gegen %10 Uhc vormittags krschvll im Objekt IV beS Arsenals Feuerrns. ES ist »in Gebäude von etwa 200 Meter Länge und 30 Meter Tiefe, lnrs Kriegsmaterial, wie Kanonen, Räder, Stel- 8agen. L-overpolst-w in großen Mengen usw. im Werte wsn etwa 800 Millionen Kronen enthalten soll. Das Webäude besteht ans drei Geschossen, die voneinander faur durch einfache Pfostendecden getrennt sind. Die Verbindung zwischen den einzelnen Geschossen ist nicht tdurch Stiegen, sondern'' nur^durch Rampen hergestrllt, §o daß alle Geschosse miteinander in Verbindung stehen. Der Brand nahm seinen Ansgang vom Erdgeschoß. poo eine große Menge Holzwolle lagerte., die Frurr Die Flaminen verbreiteten sich sehr rasch und züngelten zu der Hoizpsostendecke enipor, die bald an Mehreren Stellen durchgeb rannt war. Als der Brand fe) \wiit vorgeschritten war, war das ganze Gebou.de von .Einem so undurchdringlichen schweren Qualm erfüllt, H«ß man annehmen mußte, die Flammen hätten schon tefte Materialien, die dort lagerten, ergriffen^ Von Mehreren Seiten kamen der Feuerwehr ungemeist be» Lvohlich erscheinende Anzeigen zu. ALS die städtische Feuerwehr unter Kommando des BranbdirertsrstelLver- Lreters Mayer kam, fand sie den ganzen Bau in höchster' Befahr und konnte selbst nicht ermessen, wie weit die fFlamnwn schon vorgeschritten feien. ES wurden drei Mchlauchlinien gelegt und unter der Einwirkung der Vasserstrahlen verzog sich nach und nach der Qualm, And man konnte beurteilen, daß der Inhalt des Ob- Kekdes noch nicht diel unter der Einwirkung der Flammen gelitten. In einer halben Stunde war -er gerähri^NvsOEHt. MitteilllilM aus dem Publilum. anne GRÖSSTE AUSWAHL IH L’JXÖS- UND STIL- MÖBELN MlSSIGS PREISE 440 RSUANTSN, Perlen.Golfl.SHüor.Pl&tta u.Ukren kauft ttn-d verktntt 77« ETTE5R Eot«nt«x»cl7.22, XSariafellferetr. ©8 Amsterdam Wien Antwerpen Erster {frässte? Käufer, für «39 raten, Perlen Juwelen ®to. ftabSraowitsch, Juwelier I. Bezirk Maxlmlljanstrasse 5, heisst jetzt Mahlerstr. 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Mill ion .Krobsten.^ Das.Hatte, sie ineiner Hand^ Lasche, die^sie sorgsamhMt^, Trkch 'Er die sie dev Lasche. tvidmehe. war in Rekawinkel in dem überfüMn Zu^h plötzlA d.ie Tasche verschwmrden. Die . vsiche/'Krau,., öyiifc-.mit^cutem' 'Male zur Bettlerin 'ge-f tyor-sftt^Mr,'.war uichts geWeben als .ihr. Kind. Sie jammerte-und klagte.ihr Unglück, und bei den Fahrgästen erregte.ihr trauriges Los derartiges' Mitgefühl, daß die Leute eine.SflNnnMg im Zuge veranstaltete»,, um der Frau die:Weiterreise nach'Wien zu.ermöglichen. In Tränen aufgelöst kam sie.hier an, und ohne Heller und . nür. durch Unterstützungen konnte' die- 'Frau die, ^Heimat, erreichen. Ms dem.Sicherheitsbureau, die Anzeige über'den'Diebstahl erstattet wurde, wendete der die . Amtshandlung führende Komm'ffär Dr. Le wisch, in der Uelrerzeugung, daß der Dieb nur in den Kreisen dev ,^Hamsterer" -zu. suchen sei, die gewerbsmäßig immer auf-dem.Wege von Wien, nach Linz und umgekehrt pendeln, diesen seine besonder:: Aufmerksamkeit zü.. Es wurde.ermittelt, das; namentlich einer dieser ,Hamsterer", der Löjähi'igr postenlose Gärtnergehilse O p p itz seit dem Tage'des Diebstahls einen bis dahin nicht an ihm gewohnten Au f'.vand entwickle. Oppitz wurde verhaftet. In dem finsteren Flur vermochte er aber unbemerkt eine , schwarze, Mtentafche rvcgznwerfen. Diese hat nachher eine gewisse Wieser, hei der Oppitz wohnte,, gefunden und an sich genommen. Bei der Osffnung farÄ sie 140.000 Kronen' darin.' Von dem Bestreben geleitet, das Gelb, das unrechtmäßig erworben, war, vor den Augen" der Behörde zu verstecke?!, eilte die . Dieser in die Wohnung ihrer -Tochter, die tagsüber außer Hausebeschäftigt ist- . Dort allein hat sie am 15. d. M. in der Wohnung der'Tochter Anna Krsttenoarfer, Hasnvrstraßs 31, bi'’ Sesselleisrcn vom Fußboden tm'ggerisfen und die \ 20.000 Krauen in der Deffmurg verborgen; daun hat iw bis' Leiste wieder ordentlich befestigt, so daß kein Mensch das Versteck gesunden , hätte. Den Rest von 20-000 Kronen, behielt sich die Wieser Mriese wurde-' verhaftet, ebenso deren'Schwester 5batharina Jakesch, bte : Geliebte Oppitz'. Dri der Einvernahme der Dieser gestand -sie die Sache ein und naunür dem Kommissar' Dr. Lewisch düs gute Versteck. Dort wurde denn auch das Geld gefunden. 19.500 Kronen hatte die Mieser, noch bei'sich. -Wohin der Rest der Summe gekommen ist, ist noch nicht ganz aukgettärt. Tatsache ist, daß Oppitz das Op sei: von Erpressungen geworden ist. In seinemVerwandten- und Teranntrnkreise sprach sich bis Sach?, voü dirm gestohlenen Vermögen bald herum, und alsbald kamen allerhand Bekannte und Verwandle und brohkeb ihm mit «oer Slrosanzeige, wenn er sie nicht auch bedenke, -Und Oppitz arraufte mit vollen Händen ihr Schweige«. Er und Kathcrrin« .Jakesch wsrden- ..',dem Hali-rKgerW Mgelief-err Äerbep Ein Hochstapler. I Am 12. d. M. kam aus Horn an das hiesige Sicher»' hertsbureau die telephonische Meldung, daß dem russischen Baron Nikolai Buda de Garde Moivtagne in Sigmurwöherbevg ein Rohrplattenkoffer mit unschätzbarem Schmuck, der aufgewühlt war, gestohlen' worden sei. Die Anzeige wurde wie jede behandelt, urrd ein Zrrckular' wurde erlassen; als „Aviso!" kam die Sache m den «Laufzeitel". Der Anzeige ßrg folgender Sachverhalt zugrunde: Am 11'. d. M. war in Horn ein junger Monn aufget<Nicht und hätte sich in die Woh<- nung be'S- Bezirksarztes Dr. Langbänk hegebrn. Ex hatte de.« Arzt mitzeLilt, daß er das . Opfer eines Hochstaplers ge« worden sei. Er sei der russische Gardeleutnant Baron NrLrlai Buda de Garde Montagne aus Riga und komme von Stvaßüürg über - Prag. Er fei von zwei hohen russischen ArrstokratirrnLN — er Ketz durchschimmern, daß Großfürstinnen feien —- darnrt betraut worden,' ihre' Juwelen über' die Grenze zu bringen und habe im L'oupee die Be, kcnmtschast eines Herrn gemacht, der sich fälschlich „Dr. Lang» bank" genannt hat. Er habe von seiner Sendung erzählt. Während der Fahrt halbe er in der Eisenbahn dem angeblichen Dr.' Langbank 10.000 Francs gaborgt und in Srg» mundsherberg ser der Reisebegleiter mit feinem Rohrplatten» kosfer verschwunden. Dieser habe Juwelen von unschätzbarem Werte enthalten, aber auch fein* Bargeld, weshalb er gaNjj auf dem Tvockenen sei. k^un habe er sich durch persönlichen Augenschein überzeugt, datz der angebliche Dr. Langbank ein Gauner sei »nd nicht inr entferntesten dem Arzt gleiche. Der Arzt glaubte ihm und wies ihn an dre Gendarmerie und an das Bezirksgericht Horn; herzlichst dankend, erstattete dann der junge Mann die Anzeige, die Grund zu der Kurrende gab. Der Herr Baron Buda suchte und fand Verbindung mit dem dort begüterten vormaligen Grafen H o y o S, dem er ' auch sein Unglück schildern konnte. Er erbat sich von Herr» Hohos ernen Wagen, um zum' Abschluß der Miete einer Billa nach Rosenburg am Kamp zu fahren. Der Wagen wurde chm zugesagt, allein, che eS zur Fahrt kam, ist ^Gvof Buda" freudeftrcch-lend aus' dem Hotel gekommen und hat mitgeteilt,' er habe aus Wien eben die telephonische Nachricht erhalten, daß der Dieb^ verhaftet sei ' und daß die Kassetten mit den unschätzbaren Juwelen un Wiener Sicher« ’ heitsbureau erliegen; er müsse daher unverzüglich nach Wien reisen, um die Juwelen zu Lberärchmen und Zeugänschafl gegen' den Dieb cckzulegeN. Herr HoyoS' gestattete, daß' der Kammerdiener den Herrn Grafen begleite. Von ihm hat sich ' der Hochstäpter 2000 Kronen, dann für die Fahrt einen Pelz und-eine Hose' entlchnt. Dre Fährt wurde sofort'an» getreten, und' der »Herr Graf" versprach dem Kammerdiener ein »fürstliches -Trinkgeld" für seine Hilfsbereitschaft^ Im' Hotel Wollenstem . wurde ein Zimmer genommen: : Der Kammerdiener faßte aisbäSd Verdacht und gab dem . Portierden. Auftrag, unter keinen Umständen seinen 'De^ertse allein aus. d«n Hotel zü. entlassend Am '-nächsten-'' Morgen bestand der Kammerdiener darauf, daß' man ins Sicherhertsburesu. gehe und dort nach dem. -zuftandLgebrachten- Schmuck" ftage. ' Schließlich mutzte der »Gras" den Weg ^Aur ElisaüechpromenadL Anschlägen. Im Sicher» hettsbvLlM^.strllde^^ Mn'..fest, daß. er nicht -ruffischer Baron oder ch-vaf,^ sondern daß ex ein Wiener . Früchü namens Leo» ' poid Buda jun. sei, der schon vielfache Hochstapeleien auf dem Gewissen hat. Der ^Herr Graf" mußf-e sein Leugnen auf» geben.- Er beharrte aber dabei, daß er von einem Hochstapler bestohlen worden sei, und' daß eS sich um Juwelen hoher russischer ArrstokratirmeN handle. Buda wurde mit Rücksicht, auf eine noch nicht geheilte Vauchwunde dem Jnq-listten-- spital übergeben. Dom Metallarbeiter zum Impresario. Die Karriere eines Ukrainische» Anden. Zu den populärsten und gesuchtesten Konzertmanager^- bl Itew-Aork zählt heute zweifellos Salomon Hurok. Sei» Fach ist das volkslümliche Konzert. . Ueber seine interessante . Laufbahn erzählte er einem Mitarbeiter der ,„Jewish Tribüne": „Ich stamme auS der Ukraine, wo meine Eltern noch heute üchen. Ich selbst.jbin kein, Künstler; ober mein, Bestreben .ist, s» .viel Menschen eckS nur möglich..für'.die Musik z,r interessieren. Meine Konzerte werden für hie DolbSmassen und nicht für die wenigen Auserlesenen veranstaltet. Ich arbeite Vavan, der breit«« Bevölkerungsmasse die Musik er-. 8st baS Volk nicht in dev Lage, mein« Myzerte^'aüfznsuchm>. so suche, ich die Massen 'mit meinen KonMftÜ'äus. Und sind die Eintrittspreise in den« exklusiveren 'MusiktzdrjlMü^ge«/' wie zum Beispiel' in unseren Opern-", Häusern,' für daS Volk unerschwinglich, so sollen sie' bei meirren.populären Konzerten die Musik zu.Preisen ger-eßen; .welche ,ihrcik 'Mitteln' entsprechen. DaS Geheimnis meines Erfolges ist, populäre Konzerte zu populären Preisen und Dolksövern zu Bolksprrisen. zu bisteru ' Was die Konzert« betrifft^ chabe ich meinen Plan bereits Kurchgeführt. Nu». 8ommt die Oper an die Reihe, ,worüber ich meine Plany aus hrrcht' begreifliche» Gründen vorläufig nicht preisgebe« will. Mein Gvschäftsprinzip, wenn Sie es so vennpn wollen, ist, nicht in meinem. Äirremr zu sitze» und auf daS GefchLfk zu warten.' Ich gehe, hinaus, auf die Suche nach zwuen Lkünstl^rtt und neuen Zuhörer«. Es ist heute ei^ Leichtes, mit sogenannten sensationeller; Künstlern Geü» zu. machen. Aber eine» unbekannten' KÜv/tler bekannt zu machen, den. ersten 'Duvchfäll in euren allmähliche» Erfolg unrzuwanbellj, das braucht Arbeit, Harke Arbeit, und vor allem festes- Vertraue». Ich vertraue auf die solide Fähigkeit meiner Künstle,' wen» sie in der Tat vorhanden ist. tti$ ' würbe .eS als eine« Be.rträkrenSbruch gegen mein Auditorium - ansehen', wenn ich ihn jemandem, zumntcr^ würbe, der nicht jenes Maß von Können besitzt, welches ich für jene Künstler ftstgefetzt habe, die imtec «chW?' LtÜvns ist der Neljentlich^ Wt '«Me ,ynv '

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