Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 711 (18.1.1921)
- Date
- 1921-01-18
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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I f HgettT** ,Men, Dienstag Wiener MörgenzsitunK 18. Jänner 1921 Rr. m — ÄnLLsemitrsmus an den psLnischerr AniVersiLLten.? Warschau, iö. Jänner. (IüL. Korr.-Bur.) Dir jüdischen Studenten werden, angeblich wegen Platzmangels? Zum medizinischen Studium an der hiesigen Universität nicht zugelassen. Es hat sich jedoch iherausgestellt, daß diese Maßnahme auf den Einfluß der antisemitischen Professoren zurückzuführen ist. Der Warjschauer' „H a j ri L" bemerkt dazu, daß dieses Vorgehen tat die russische Taktik erinnert. Die russischen Bildung'- minister seien jedoch mutiger als ihre polnischen 'Kollegen gewesen, die. weiße Handschuhe zur schmutzigen Arbeit der Einführung des Numerus clausus an- ^legen. Der SozraUstenLongretz irr Livorno, 16. Jänner. (Stefanie In der gestrigen Vvrmiitagssitzung erstattete Kowawiew (Bulgare),• Delegierter der Dritten Internationale, seinen Berichs Hessen Verlesung fast bei jedem Satze stürmische Lärmszenen im Gefolge hatte. Redner fand am Schluß nur den Beifall der Kommunisten, .während die übrigen Kongreßteilnehmer den Bericht mit höhnt-- ßchen Zurufen begleiteten. Frau Bloch überbrachte'die Grüße der schweizerischen Sozialisten an die italienischen Sozialisten der Linien. Sie trat entschieden für die Dritte Internationale ein. . ... . In der Nachmittagssitzung legte Baratono die Grundsätze der Fraktion der unitarischen Kommunisten dar und erklärte, die breiten Massen iw Italien seien durchaus nicht reif für dis Revolution. .Die Ausführungen Baratonos riefe« heftige Z w i s ch e nfälle hervor. Schließlich wurden einzelne Kongreß-« Teilnehmer, die sich am meisten unter den Ruhestörern bemerkbar machten, aus dem Saale gewiesen. > Lazzari erklärte, er verkenne nicht, daß es ge^ »rügende Gründe zur Spaltung gebe. Er wies die -Anspielung Grazradeis zurück, wonach die italienische sozialistische Partei der Dritten Internationale nicht bei- Zetreten sei, denn sie gehöre ihr seit der Zimmer-- waldev Tagung tatsächlich an. Er nahm für die italienische sozialistische Partei das Verdienst in Anspruch, einen Verband der landwirtschaftlichen Arbeiter gebildet zu haben, dessen andere, selbst die vorgeschrittensten Völker,. entbehren. Die deutschen Vergarbrrter für die Sozialisierung der KohlenbLrgWerke. Berlin, 17. Jänner. Der Verband der Bergarbeiter Deutschlands der zurzeit in Berlin unter Beteiligung sämtlicher deul'chen Bergwerksbebiete eine BsrstandZ- Eonferenz abhält, hat eine Entschließung gefaßt, worin erklärt wird, daß der - Brrgarbeiterverband an den Beschluß seiner Bielefelder Generalversammlung vom Jahre 1919 über die Sozialisierung des Bergbaues und der gle-'chgerichtrtw Resolution des Inte nationalen Be g-, srbeiterkongresses in Genf vom Jahre 1Y20 festhalLe. Der Verband verstehe unter Sozialisierung die Uebrr- Lragung der vollen Verfügungsgewalt überdieGrwinnung tatb Verteilung der Bodenschätze auf eine durch He Reichsgesetzgebung berufene Vertretung d.s V-oll'sganzen. Sr wende sich gegen den Vorschlag, Kleinaktien »usyugeLen. Von der Reichsvegierung fordert der Verband, das am 5. August und am 22. «Äeptembrr 1920 gr-- tzebene Versprechen, einen Gesetzentwu.f einzubringen, der die tatsächliche Sozialisierung des Bergbaues. öe* zweckt, ohne weiteren Verzug einzulösen. , SpionageprszeffE in Le? ' , Kaschau, 17. Jänner. (Tschecho-slow. Preßbur.) Heute begann vor dem Divisiusgericht der Pr.ozeß gegen die ehemaligen Offiziere der österreichisch-ungarischen Armee Oberst Lindner, Kapitän Policzer und Major R a d d a, weiters gegen Dr. K e I e m e n, Advokat in Eperies, und Dr. Putz aus Kaschau. Die Arr° flage legt ihnen zur Last, daß sie sich Skizzen der slowakischen Schutzbefestigungen rmd Berichte über die Stärke der tschecho-slowarischen Armee verschafft haben, zur Zeit, als sich die tschecho-slowakische Republik: mit lllrgarn noch im Kriegszustände befand. Lindner war vor einiger Zeit von der magyarischen Propaganda zum Kaschauer Kommandanten für den Fall ausersehen, daß die magyarische Aevoluiton gelinge. ' '. ' spaltrmg der deutsche« Sszialde«»-- kratie in der Tschecho-SloWakei. Prrg, 17. Jänner. Der Parteivorstand und btt Keichsau'-chuß der deutsch esi sozialdemokratischen Partei haben sich in der heuigen Sitzung von der Reichenberger Kre^s-organisairon losgesagt- Der ReichZauSschuß beauftragte den Parteivorstand, die ReichenLerger Gruppe anszuschließen. deren Mitglieder auch keine Funktionen. Äi der Partei mehr bekleiden dürfen; ausgenommen ßmd solche, dis die Beschlüsse des Teplitzer mb des Karlsbader Parteitages Erkennen. Dieser Schritt wird /damit begründet, daß sich die Reichenberger Gruppe idurch ihre bisherigen Beschlüsse und die Einberufung einer Sonderkonftrenz außerhalb des Rahmens der Partei gestellt und die bindenden Beschlüsse der Parteitag« gebrochen hat. Dies bedeutet die in Karlsbad Snühsarn verhinderte Spaltung der deutschen soz'.aldemostatischen.Partei. Prag, 17.. Järmsr- Inder Sitzuvs dsS Partewor- KandeS und des ReichSausschusses der deutschen fo^cal» MWEro1i)lÄV Wtterl pgfrj Mitlkilungen aus dem Publikum. leb üdersenäe meinen inniwstgeHebten Litern zu ihrer Silbernen Hochzeit die herzlichsten Glückwünsche. Mit Zlonsgruss Hoselteh MM Kimm 4347 OBEL »»»» 7il.,8chotteafelflg.24 GRÖSSTE ADSBAHl IN 13XUS- UND STIL- MÖBEIN BISSIGE PREISE 440 B RBLLANTEN, Perlon, Gold,Silber,Platin «.Uhren •kauft und v er kauft 77» ETTER Botentnrmstsr, 23, BEariafeilferstr. 98 Amsterdam Wien Anlwerpsn Bester grösste» Käufer für . <c» Brillanten, Perlen Juwelen etc. Rabinowifsehy Juweliei* 1. 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FBSfipeprl8., OSocksngasse 8 Organ der Reichenberger Krersorganisation, „Vorwärts", als nicht'mehr zur Partei gehörend anzusehen : und in Reichenberg ein rechtssozialistisches Blatt und eint neue Organisation, auf rein sozialdemokratischer Grundlage zu bilden, ' Ferner wurde der Beschluß gefaßt, sich an der Internationalen sozialistischen Konferenz in Wien zu beteiligen. - Kle'me R«chrichte«. -Gens, 17. Jänner. (Schweizerische Depeschen-AgMtur.) Die finnische Regierung hat dem Sekretariat des Völkerbundes bekarintgegeben, daß der finnische Staatsryt für die Bekämpfung des Typhus in. Osteuropa eine Summe von 25.000 Goldfrancs bewilligt hat. Madrid, 17. Jänner. (Havaß.) Die Beamten des FinanZministenums sind m den Ausstand getreten. Die meisten flöteten Beamten find den. Bestrebungen der Ausständigen günstig gesinnt. ..Die Beamtenschaft der übrigen Mlnistenen ist geneigt, die Bewegung zu unter-- stützen. Der Finanzministsr hat sein RücktriLtsgesuch emgereicht, Ministerpräsident Dato aber hat ihn gebeten,'bis-zur Beilegung des Streiks der Deamtsnschast seinen Posten zu behalten. - MrWnb, 17. Jänner. (Tel.-K-iup.') In Parma ist wrgrn urrgenügender Maßnahmen für die eLwerbs-- los'en Landarbeiter btt Generalstreik au»gebrochen. Laut „Avanti" ist der Belagerungszustand über die Provinz verhängt wordetn Washivgts», 17. Jänner. (Annlfpruch.) Die auL Europa eintreffenden Dampfer haben wegen eines heftigen Sturmes im Atlantischen Ozean beträchtliche' Vsrspätitngeit; auch der Dampfet „Imp e r a t ö r"', mit Mä Cormick cm Bord, ist noch nicht Tagesbericht. Oberrabbiner Dr. Chajes in England. London» 12. Jänner. Oberrabbiner Dr. Chajes hielt sich auf feiner Amerika-Reife in England nur drei Tage auf. Das englische Judentum benützte die Gelegenheit, dem angesehenen Führer des Wiener Judentums einen herzlichen Willkomm zu bieten. Am Sonntag nachmittags fand im PavilionTheatre eine gewaltige Versammlung statt, in welcher Oberrabbiner Dr. Chajes die Hauptrede hielt. Die Versammlung wurde . von Hillel ZlatopolskH Direktor' des Keren Hajesipd, geleitet. Dr. Chajes sprach' in seiner, immer wieder von stürmischem Beifall unterbrochenen Rede über die Not, aber auch über das Werk des W i fn c r Judentums, im besonderen über das^ Perhalteü zu den o st j ü d i s ch e n F! ü ch tlingen. .Die Tatsache» daß die Wiener National^ juden mit solchem Erfolg gegen jedes den Flüchtlingen, angetane oder zugedachte Unrecht austreten und Vev, gemaltigungen verhindern, sichert ganz Wien die Sympathien der jüdischen Massen in England, die nicht, ohne Einfluß sind. Oberrabbiner Dr. Chajes sprach' hierauf in besonders eindringlicher Weise von der P.a! a st i n a-Se h n s u ch t des jüdischen Volkes, das aus seinem Dornröschenschlaf erwacht ist, und verlangte aufopferungsvolle Arbeit für den K e r e 8 H a i es so d. Sämtliche jüdischen Zeitungen Englands, Tages-' blättet und Wochenschriften, in, jüdischer und englischer Sprache, bringen spaltenlange Interviews mft Oberrabbiyer Dr. Chajes und große Berichte über dis Versammlung im Pavilion-Theater. i Oberrabbiner Dr. Chajes verließ London Sonntag' abends und traf in P! y m o u th um 4 Uhr morgens ein. Er wurde dort von einer Deputatron, bestehend aus Mr. King Field und den beiden Rabbinern der Stadt, empfangen und an Bord des Dampfers ERotterdamE begleitet, wo Dr. Chajes dem Herausgeber der Plymouther Zeitung pin Interview gewährte, in welchem er England und dem englischen Volks für die dem Judentum geleisteten Dienste dankte. Die Zeitung brachte auch einen Bericht darüber, daß Dr. Chajes nach Amerika fahrt, um in die Aktion zugunsten der jüdischen und nichtjüdischen Bevölkerung Oesterreichs. Polens, der Ukraine, Galiziens Und Ungams einzugreifen. Zohamr Baranyai Ehal«;. Eine chLrakteristische Szene, die sich im Budapests PalästipaAmt abgespielt hat, schildert Emmerich G e r.e 8 ~ in der ^,Zstdo Szemle". Vor einigen Tagen — erzählt Gereb -7befand ich mich im.Palästina-Amt, als gerade die neuen Pioniere der - jüdischen Nationalheimstätte „aflentiert" wurden. Eine solche Cb-alu^ausnahme ist ein ' recht bewegter lyib vom Gesichtspunkt der ZMnft. des Ziidentums sghv ermunternder Anblick.- Diese , tathereiteand entschlossene Armee, welche gewillt ' ist, mit der Schaufel und der Axt in der Hand dens schönsten-Kampf, den Kampf der Arbeit für Erez Israel, durchzufeHten, rekrutiert sich aus Menschen der. verschiedensten Stände und verschiedensten Ranges:, auß. Studenbcn, Mamten, Gärtnern, Schlossern, Zimmerlruten, Feldarbeilertt usw.> Plötzlich bleibt mein Auge auf einem jungen Menschen unter den sich Meldenden, haften;. Es ist ein Junge mit offenem Blick, blondem^ Haar'und von schlankem Wuchs. Die Reihe ist eben an ihm. Verlegen dreht er den Hut in seiner HanA herum, grüßt fast bittend „Schalom" und aus seiner Stimmt klingt ein fremdartiges Zittern -- bitte auch mich.'elpzutragen! — Er nennt sein Handwerk. Er ist Bogner'ugd Wagenschmied und versteht auch etwas von der' Eurfchmiedekunst. Er ist verheiratet und hat ein kleines'Kind. Es wird ihm bedeutet, baß die Ertverbs?, verhältkissr da draußen noch nicht so gute sind, daß er ctudjLfMtfö Familie erhalten könnte. „Tut nichts", sagte ■ der.junge Mann, „bis sie gleichfalls hinauskommen können'und ich sie mit meinen beiden Händen erhalten kann. wrrdLn sie sich hier schon irgendwie fortbringen^ Ich bringe sie indessen bei meinen Verwandten unter.". . . Mie, Sache ist in Ordnung", lautet die Antwort. „Iw"-Frühjahr können Sie die Reise adtreten. KiK: dahin lernen Sie. aber fleißig Hebräisch" Der junge Mensch erwidert hierauf, daß er. ohnedies schon. Hebräisch lerne, ein Zionist aus Kleinpestl sei, sein Lehrer und er sprechen auch jetzt schon gusi. genüg'Hehräisch. Er wird nun an den nächsten Tisch „ gewiesen, wo die Prrsonaldaten ausgenommen werden^. Der^mge Mann zögert, seine Verlegenheit steigt. Lang» sam'gHh't-er auf den Sekretär zu, der gleichzeitig orkho» doxerMhöinsr ist, und halb flüsternd, bis andre Ohrenfpitzen' rot vor Verlegenheit,' steflt er nun die 'Fraget ob e.^nichts mache, daß er Ka'tholik sei. ' - Jetzt wird der Sekvetär verlegen. Es sei woM kein Unglück, daß er Katholik sei, aber er fragte ihn gleich» ' zritig-aus. welchem Gründe er eigentlich nach PalästiM omswündern wolle. Denn, meinte der Sekretär gutmütig,' wir müssen in erster Linie die Juden nach Palästina ' übersWvln, jen^ armen Juden, welch« hi^r nicht leben köun^/In? ttbvigen werde sich schon etwas rnacheu lassen?' . ■ Ms Johann Baranyai den letzten hoffnungerregeTL.' den Satz hörte) stvlchftc-M'w Blick vor 'Freude auf.' MiL naivem Ernste, fast - .schamhaft, - erzählt err wun, daß ■ heMlb. HaWw«-.'.Mhen w»Üe,-wstt-'-er?-