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Wiener Morgenzeitung · 1921-01-18 · Heft 711 (18.1.1921) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 711 (18.1.1921)
Date
1921-01-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Einzelpreis SS Kronen $5r omimn'fltf f«; Avkditi nt: -in» «bdakne nt Mt No«. 2. ©tuW. Laborkmkc t bi- '(t oder in ein» NerstdlrWtelle -Trailki: BovoUick . . Krone» ^0.— ierteliakirlich .. 15©.- V2U Postverland f&r Wie« und Oeftrrrei»: Monatlich .. Kronen H©.- Tichecho-Slowakeir Monatlich . . Kronen 15.— vierteliälirllld 45.- tntkchecho.slowaklkcherWSdvnn- Ungam: Monatlich .. Kronen 5©.- vterteljanrUch .. 15©.— in nngarischer rswrnng üngoslawirn: Movatltch .. Dm« * •*» <vter»et,avrltch » *4.- 6!ttse^ve{$B|aa^roite^ lreuer PrL»«meration»preisG 0*«nn«(IA *1 reimelt«brlid» , 151 in voloischer «atzrim, _ Dentschland: Monatlich rSLn+i!*SS-rJ- 1 l*H Monatlich. Stallen: Monatlich . . . .Lire« Nnminir«: Monatlich . . .Lei 15.-« Schweiz: a. da« übrige Aurianbj Monatlich. . . Franc« 3^ «edaktton n. Adminiftrattoa Wten.2.Bez..Taborstr.t -» »elepd-ne- «4© H. 4»5I». «5 6 Uhr abendS Str.I© üj Bsittvar UfTenionto 150.691! Nr. 711 Wien, Dienstag den 18. Jänner 1S21 3. Jahrgang Vertagung der Pariser Konferenz. Der Abbau der Partelwirtfchaft. ' . —y. Wien. 78 Jänner. In der innerpolitischen Entwicklung Oesterreichs ist eine kleine Pause eingetreten, die von den Parteien -ür Retablierung der durcheinandergekommenen Gruppen benützt wird. Beide Parteien, Sozialdemokraten wie Christlichsoziale, buchen den Ansgang des Poststreiks als ihren Gewinn und auf der Walstatt bleibt nur die Negierung zurück, arg zerzaust und von den Bevölkerung mit Mitleid betrachtet. In den Kressen der zünftigen Politiker tut man so, als ob es sich in der Vorwoche nur um ein geringfügiges parlamentarisch-technisches Geplänkel gehandelt hätte, und halt Ilmschau nach den kommenden Männern. Der Streik ist vorbei, die Enquete über den Preisabbau l-at ein dickleibiges Protokoll ergeben, und so ist es Hu die Kulissenpolitik an der Zeit, ihre Geschäftigkeit wieder zu beginnen. . Schon knapp vor dem Ende des Streiks, sozusagen knapp vor Torschluß, hatte die Regierung Mayr ihre Demission ins Auge gefaßt. Eine Erleichterung der Situation wäre damit nicht erreicht gewesen. Ein politisches Kabinett hätte der Präsident Harnisch nicht bilden können. Denn die Sozialdemokraten, die als zweitstärkste Partei zunächst in Frage kommen hätten nach dem raschen Abwirtschaften ihrer Gegner und nachdem von ibrer Seite das Henken und Prügeln geso dort worden, war, .wenig Lust '' por-der leeren Geldkasse zu etablieren.' Es wäre also nurder - Auswegs.des provisorifHen Leiterministerinm? möglich gewesen, dem als erste-Unangenehme Aufgabe, die Auseinandersetzung mit den Streikenden zugesailen wäre. , Tie Demission der Regienmg bleibt also aufgeschoben. Das Scheitern ibrer gesamten Politik. ist to offenbar geworden und ihre Schwäche ist so klar, daß ed nur eines geringfügigen Anlasses bedarf, sie zu ihren Vätern zu versamm-'n. Ob dieser Anlaß sich an dem vielgenannten' 20. Jänner ergeben wird, an dem ein Teil der Arbeiterschaft die Masznabmen für oen Preisabbau mit dem Strick auf ihre Haltbarkeit zu untersuchen versprochen bat, oder ob'der nächste Streik dem Kabinett Mayr das Licht ansblasen wird — das zu erörtern ist nur eine Doktorfragk Aber daß ds?se Regierung, wenn sie die Herrengasse verläßt, wieder, ein gut Stück Vertrauen an die aiisbanende'.Krast':des Bürgertums: mit sich nimmt, ist leider Tatsache. " Unwillkürlich sieht man von der Regierung ötif das Parlament, das Zeit seines Bestandes sich um die Disknssion der Lebensfragen des Staates, berumdrückt und in einem stillschweigenden Pakt zwischen. Christlich, sozialen und Sozialdemokraten,. einander nicht weh zu tun, seine Tage verbringt. Der Nätionälrat hat zu all den Krisen unserer Tage weder ein tröstendes oder beruhigendes noch ein aufklärerides Wort gesägt, und er hat nirgends eine tatsächliche, tiefgreifende Kontrolle der Negicrungspolitik versucht. Die bürgerliche Melub-'it der Kammer wagt es nicht, die Negierung zu stützen, die sozialdemokratische Opposition wagt nicht, sie zu stürzen. Die Parteien wollen. trotz', aller Feindschaft einander nicht,den Weg zur Koalition verlegen und die Arbeit der Sozialdemokraten ist nur darauf gerichtet, außerbalb des Parlaments ihre NegatiD des kavitaliltischeu Systems in Versammlungen zu betonen und mit den Kommunisten um die Wette Sabotage zu treiben. Im Parlament selbst sehen sie bedauernd aufdie Ministerbank. Ihre Rechnung reist.- Die christlichsoziale Staatsretterei — wenn sie femalß ernst gemeint war — mißglückt und der Partei kommt eS nur darauf an. sich einen guten Abgang zu sichern. Kann das Partewnsnstem in Oesterreich klare SWhältnisle schaffen? Niemand wird sich' heute zu einer Beiabung dieser si?wae versieben können. Aberdie Notlage ist so dringlich geworden, daß sich vielleicht jetzt der Ausweg'empfiehlt, den man im November bat geben wollen, als der -Wiener Polizeipräsident die Bildung einer Negierung vergebens versuchte. Die Schw'm'-s gellen. d'e ibm dm^S die vortefenille- Hungrigen Parteibonzen in den Weg legten, fallen bente wdg. Und ein Ministcrinm politisch unbelasteter Männer, die den Staat nicht durch die Parteibrille ausehen, würde nicht nur bei der Bevölkerung, sondern Mid beim Ausland moralischen und materiellen Kredit London, 17. Jänner. (Reuter.) Amtlich wird bekannt^egeben, daß die interalliierte Koriferenz in Paris auf den 24. d. M. vertagt wurde. London, 17. Jauner. (Reuter.) Das Neutersche Bureau ist amtlich davon in Kenntnis gesetzt worden, daß Lloyd George der Zusammenkunft der verbündeten Min'sterpräsüenten betzoohnen werde, die in Paris am 24. Jänner stattsinden wird. Angesichts der politischen Lage in Frankreich hatte der englische Minister» Präsident die Vertagung dieser Zusammenkunft, die ursprünglich für den 1& Jänner festgesetzt worden war, gefordert. Gestern abends antwortete die französische Negierung, daß sie einverstanden sei. daß die Zusammenkunft am 24. Jänner stattsinde. Die Zusammenkunft wird wahrscheinlich drei oder vier Tage dauern. Es ist nicht gewiß, ob der italienische und der belgische Ministerpräsideizt bei der Zusammenkunft zugegen sein werden. Auf alle Fälle wurde beschlossen, daß der italienische Minister des Aeußern Gras Sforza und der belgische Minister des Aeußern Ja spar daran teilnehmen werden. Von einer Einladung der deutschen Negierung war nicht die Rede. Die „Ehirago Tribüne" glaubt zu wissen, daß die Ententekonferenz als ersten V.erhMdMKTgeLMWd'M-7 L ft e r.rL i ch j s ch ei F r^ e lbeKWM wierdd,' ' um mit eurer sofortigen Hilfsaktion, das österreichische Volk vor der Auslosung und vor dem Hungertod zu retten. Man glaubt nicht, daß die Kionferenz vor .Februar zusammentreten werde. v Die Wilnarr Frage. Die Bökkerbundkommiifion — Tschitscherin gegen Polen W rs han, 17. Jänner. (W P. G) W'e aus Wilna gemeldet wird, ist dort die Kontrollkommission des Völkerbundes emgetrosen. Prris, 17. Jänner. (Tel.-Kompi) Der „Chicago Tribüne" wird aus Warschau gemeldet, daß der russische .B-olkZkcynn'ssiir.für Auswärtiges an Polen eine Note gesendet' ha V in der er erklürle, daß die Not' Air-.'e, wenn der-Völkerbund in das Plebiszitg.chiet von Wilna Trupen endenden sollte, nicht untätig zuschauen werde. Ti.ch.i sch: -i '. fügte hinzu daß die Sowjet egie u g an der' Mluaer Augetegentzeit se h r t ntere ssiert sei und nicht dulden könne, daß diese als innerer Konflikt zwischen Lilauen und Polen betrachtet, werde. Der Konflikt von Wilna sei eine Phase des Konfliktes zwischen Sowjetrußland und dem Völkerbund Tsch'tsche in fordert ferner die Merkennung Sowjetrußlands durch den Völkerbund. Sollte diese nicht erfolgen, so werde Sowjetrußland gegen die vom Völkerbund in den Abschnitt von Wilna entsendeten Truppen einschreiten. Ein «euer pslnisch-sntonomer Staat. Projekte der polnifchen Negierung. Berlin, 17. Jänner. (Tel.-Komp.) 'Aus Warschau wird heule gemeldet, baß sich das polnische Kabinett mit einem Plan beschäftigt, der auf die Zusammenlegung der früheren deutschen Gebietsteil! in Posen,- West Preußen und Obersch lesen zu einem autonomen Staat mit eigener Währung und einem Ausgang zur Ostsee abzielt, um auf die Abstimmung in Oberschlesien in einem für Deutschland ungünstigen Sinne'einwirlen zü können. Es verlautet, daß gewisse Entente kreise diesem Plane sehr Wohlwollens gegeuüberst.hcn. Eine rnsfische Drohung gegen England. Moskau, 15. Jänner. (Wolff.) Eine amtliche Kund» gebung besagt: Russische führende Kreise betraä)ten die Beziehungen zwischen Großbritannien und Rußland als sehr ernst. Sie blicken mit großem Argwohn auf die Hartnäckigkeit der brstischen Regierung bei Ler Ab» wqjchung vom Juli-Nebereinkommen. Die Folgen dieses Vertmnensbruches seitens Großbritanniens müssen voll und ganz der britischen Regierung zur Last gelegt werden. __ Eine «eitzruthenische Sowjetrepublik. Riga, 15. Jänner. (Wolfs.) Don russischer Seite wird die Proklamation der weißruthemschen Sowjetrepudliü für die nächste Zeit angekundigt. Die Re-l publik soll unter anderem die Bezirke Smolem'k und- Witebsk mileinschließen und ein Bundesstaat Sowjetrußlands werden. _ - Die russisch-rnmSnischen Verhandlungen. .,^WMM^Mtner-:-(FlmMuch.) In der Antwort aus"tzle rumänische Note schlägt der 'VotMomissär für Aeußcres nochmals Verhandlungen über alle Fragen vor, die beide Staaten betreffen, erklärt sich aber auch berest, falls.Rumänien auf seinem Standpunkt verbliebe, über die Wiederaufnahme der Handelsbeziehungen unh' der Dnjcstrschiffahrt allein in Verhandlungen zu treten. Die mitteleuropäische Telegraphen- Konferenz. Prag. 17. Jänner. (Tlchecho-slow. Preßbur.) Die Telegraphenkonferenz wurde heute unter BetcNgnng der Delegierten der Telegraphenverwaltungen Oesterreichs, Deutschlands, Italiens,. Jugoslawiens, Ungarns und Rumäniens von dem Postminister Doktor Fatka mit einer Ansprache eröffnet, in der er die Notwendigkeit der. Verbesserung der Telegpaphenverbm-. düngen m Mitteleuropa betonte. Znm Präsidenten wurde Generattnspektor I n g e! i n t <Rom). zu. Vizepräsidenten Oberrat K o l z (Budapest), Ministerialrat L i n d o w (Berlin) und. Ministerialrat Te ufenstein (W'.en) gewählt. .Hieraut würde die Verband» lungsordmmg/festgelegt, die bisher 18 tschccho-slowa» kische, 8 ungarische , und 3 österreichische Anträge, aufweist. . '_^_.; Aufhebung der Fiumauer Blockade. Rom, 17. Jänner. (Stefani.) Da die Legionäre' nunmehr Fiume verlassen haben und d'Annunzio selbst im Begriffe steht, abzureisen, hat General Caviglia die Aufhebung . der See- und Landblockade^ angeordnet. _ Die AAsMKder in Frsrnkreich. . ' PMS. 17. Jänner. (Tel.-Komp.) Don der fran-: Löjischea Negierung wird^ eine Verordnung^worleri'ite't.. wonach Ausländer, -die nicht über genügende Geldmittel' verfügen, um eine auskömmliche Existenz zu führen,. : aus gewiesen werden sollen. Ausländer hingegen,, die' dns nötige. Zbapital besitzen, sollen mit einer besoir-- 'deeen Steuer, di^ sich sehr hoch belaufen wird, betastet' werden. . /; . finden.' Es konnte mit Aussicht auk Erfolg darauf hin-' weisen, daß alle Hilfsversuche der Entente in die Irre' gegangen sind, weil sie den historischen Prozeß der Entstebnng der Monarchie nnd ihres Zerfalls nicht gewü.digt haben. Die Hiifeauellen für Oesterreicb lagen iinb liegen im Gebiet der Snkeessionsstaaten,. Die Unterbrechung der Eisenbahnen und. die Verlegung der Grenzen durch Verbote für den freien Verkehr und den freien Handel ruinieren Oesterreich, aber auch die Snk'cssionsstaoten die für den jahrhundertealten österreichischen Koi'snm keinen Ersatz finden können und dadurch in wirtichaftSj volitttcke Unückerl^it geraten sind. Ein Qeffnen des Wiener Marktes und des freien Transits duxch Oesterreich würde beiden Teilen nützen und dem den Markt., souverän beherrschenden Preistreibertum viel: roßber und radikaler den Garaus machen, als es die kommunisti»' schon Scharfrichter könnten. ' Ein Aufleben der Koalition, die ja an sich auch eine^ gute Politik treiben könnte> scheitert an . der Belaftüng: aller in Betracht kommenden Pannen. Die Nationalversammlung ist ans ibrer feigen Lethargie nicht M erwecken und wäre heute schon auflösungsreist Ble'bt j, noch der Weg des Fachmännerkabinetts,' der aber rasch!- beschriften werden müßte.

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