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Wiener Morgenzeitung · 1921-01-16 · Heft 709 (16.1.1921) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 709 (16.1.1921)
Date
1921-01-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Administration Wien.«.Bez..Taborftr.t-S Telepdone: 440 K. a» 0 llhr aderdS Ar. iS 0» VoftivariaNenlonta ll»»f 1!H»I WW5II«»»MW0M»WI»>»WWWW>WW»W>WWW>W>WWWWWWMWMM^»WMWW^MWWWW,^^MW>WWM Nr. 7VS Wien, Sonntag den 16. Jänner 1321 3. Jahrgang M^SSSSSSSSSSSSSSeSSSlSSSSSSSSSiSiMSSiSSSSSiS^;. Der Ruf an das Volk.;.?. Sif». 16. Jänner. Seit mehr als zweitausend Jahren stöhnt das jüdische Volk unter dem Fluche der Heimatlosigkeit. Alle Nöte unsers Volkes in ihrer vielfältigsten Gestalt vom Antisemitismus, in seinen verschiedensten Formen der Verachtung, des Hasses, der Entziehung der bürgerlichen Gleichberechtigung und der Zurücksetzungim geselljchaftlichem sozialen und politischen Leben bis zur brutalen Gewalt, dem wirtschaftlichen Boykott und dom blutigen Pogrom lassen sich auf die eine Grundtatsache zurückführen, daß. das jüdische Volk zahllose Vaterländer, aber kein Mutterland besitzt. Nur. diese, völligabnormale, ja beispiellose Situation unter den Völkern hgt es mit sich gebracht, das; das. jüdische Volk zum verachteten Paria unter den Völkern . und zum Allerweltsprügelknaben herabgesunken ■ ist, an dem, allen Gesetzen und allen scheinbaren oder wirklichen .Kulturfortschritten zmü Trotz, jedermann mehr, oder minder ungestraft sein Mütchen kühlen darf.-Trotz einer Geschichte voll von bei. spiellosen Leiden, trotz der großen Zerrissenheit unter die verschiedenste« Volkstümer, die uns mit ^verschiedenen Sprachen und Kulturen in Beziehung gebracht, uns ihnen unfertan gemacht hat und unseren . kulturellen Und seelischen Zusammenhang mit dem Nährboden des eigenen Volkstums so sehr gelockert hat, sind.wsr. ein Volk geblieben/, weil sich der immqnente Lebenstrieb stärker-erwiesen hat als alle Unterdrückurtgstendenzen. Der theoretische Streik mag dgrum gehen, ob mir ein,Volk. eineNatlon oder eine Nationalität Wen;' woräu^es in diesem ZüsgMmWänLqWn änkomiil^ ist, daß' WM einenichtnur -auis'MK'söM-"Indern auch unserer nichtjützischen-Unyvelt durchaus' erkennbare und sich-von dieser, durch unsere ganze Art Deutlich ablieben.de Sqndergememschaft.mit völlig' unverwischbaren gemeinsamen 'WesenSzügey . ' darstellen. Diejenigen, welche theoretische Unterscheidungen lieben, mögen darüber streiten, in welche besondere Kategorie das Judentum emzureihen..sei, aber das wirkliche. Leben, das. sich nicht an/begriffliche. Unterscheidungen kehrt, , hat die Frage bereitZi' entschieden, in seinem" und in unserem Sinne. Die. äußeren Merkmale , unseres Volkstums mögen dürftig und. unvollkommen. sein, aber die Nassenkraft sowie -die.Gru.Ndtatsache. der Gemeinsamkeit unseres Wollcns und unserer Vergangenheit, unserer beschichte und Tradition, .unserer Sitten und Gebräuche sowie des spezifische jüdischen Geistes, der sich deutlich und e»it« scheidend, durch seine ganze Gerichtetheit von dem unserer Umwelt' abhebt, formen uns zu einer Einheit, die. nur durch ein infolge völliger Assimilation bereits gänzlich entjüdetes Geschlecht bestritten werden konnte. Wenn etwas unsere Gemeinschaft lebendig erhalten hat bis zum Heutigen Tag. so war es das unzerstörbare Bewußtsein unserer Zusammengehörigkeit, das tausendmal über Not und Tod triumpliierte. Wir sind ein Volk, aber wir sind eS nicht vollständig und sind es erst im Keim. . ' ’ Der Jahrzehnte währende Kampf um unsere Selbste . behanptung^ und unser Recht wird jedoch erst dann mit Erfolg durchgekämpft werden, wenn wir den. Grundpfeiler legen, der stark. genug ist. um unsere - gesamte Sache zu tragen. - Was das: jüdische Volk braucht, ist eine H e.l^n a t. eine wirkliche. Dolksbeimat, nicht bloß als Land/ an das unsere Dvlksgeschichte geknüpft ist, dessen wir in Gebeten und frommen Erinnerungen gedenken und das in unseren Sagen und Traditionen lmflebt, sondern als Land, das wahrhaft jüdisch ist, indem es von einer mit seinem Boden festverwurzelten jüdischen Mehrheit bewohnt wird, die in der natürlichen Schichtung eines normalen Volkes vom Arbeiter und Bauern bis empor zu dem geistig Schaffenden gegliedert ist. , Was Generationen als Traum erscheinen mochte, dessen -Erfüllung in weite Ferne gerückt schien, datz will sich ' endlich in unseren Tagen verwirklichen.' Die Politischen Hindernisse sind beseitigt und P a l ä st i n a öffnetz seine Tore für das jüdische Volk. . Erez Israel, unsere Urheimat, will zu neuem Leben eiwachen, der. Fluch der Heimatlosigkeit soll von uv'erem Volke genommen werden, unser Volk, der ewige Wanderer, soll' wieder mitder heimatlichen Scholle y-rwurzelt werden und au8 ihr neue, regenerierende Kräfte saugen. Erstindem wir in Erez Israel festen Fuß fasten, Arten, wir em-irt den Bund der Völker diel«. Erde. MU.-1 jrük Einigung in später Abendstunde. W i e n, 15. Jänner. Die „Siaatskorrespondenz" meldet: Nach langwierigen Verhandlungen, die den ganzen Tag über wahrten, kam in später Aüendftnnde in Angelegenheit des Post-, Telegraphen- und Telephonstreiks eine E i n i g u n g in folgender Form zustande: Der Minister rat ist ans Grund des von ihm eingeholten Ncchtsgutachtens von Mitgliedern des Brrwaltungsgerrchtshofes und mit Rücksicht auf die destehenden dienstlichen Verhältnisse zur Ueberzeugung gelangt, daß die Schaffung eines grundsätzlich alle Angestellten der Post., Telegraphen, und Telephonanstalt erfassenden einheitlichen Dienstrechtes für den Betrieb den Wünschen aller Angestellten gemäß an-, zustrebe» ist. Dieses neue Dienstrecht wird im wesentlichen auf der B e f old n n g S o r d n u n g der / Postangestellten aufzubanen sein und es solle» dabei die Wünsche beider- Teile (Abänderung des § 30) entsprechend berücksichtigt werde». / Der ans die- DesoltzMLH^MglWr- Abschnitt -dieses Gesetzes soll drwch PtrorWÄrill^nftr Mitwirkung des HanptünsschusseS abgc ä n d ert werden können. Der sogenannte Nachwuchs erhält, da er nnn^ mehr in die neue Bcsoldnngsordnung überznsühren ist, alle ihm nach der BesoldungSvrdnung zukommenden Bezüge. ' . . Die Angestellten, die nicht optionsberechtigt waren nnd nach Ablauf der Optionsfrist zu ständigen ÄuShilssdienern bestellt wurden, erhalten die Nachträge nach der neuen Befoldungsordnung. In der Frage der Neben gebühren wird aus Grund der seit längerer Zeit schwebende» Verhandlungen deren Ergebnis zugeftimmt. AuS Anlaß des Verhaltens bei dieser Bewegung wird kein Bedienstet:t einer dienstlichen Maßregelung'unterworfen werden, noch eine Schädigung in finanzieller Hinsicht erleiden. Der Dienst wird demnach ehe st möglich wieder ausgenommen werde». » Der Poststreik, der nun glücklich beendigt ist. war gestern allgemein geworden. Telephon und Telegraph abgestellt. Polizei. Rettungsgesellschaft, und Feuerwehr ausgeschaltet. Wenn es der Regierung nicht gelang, wenigstens ein provisorisches Uebereinkommen mit den Streikenden zu treffen, war'die Gefahr des Eisenbahneransstandes aktuell und die Lösung der Zweimillionenstadt aus dem Weltverkehr eine Tatsache. Die Verhandlungen mit den Postangestellten, deren Forderungen an kein elementares Recht der Staatsantorität greifen, standen schon vorgestern vor dem Abschluß. als die Regierung erklärte, sie müsse noch hie Meinung der christlichen Postgngestelltcn, einer parteipolitischen Gewerkschaft, einholen. Daraufhin verfügte um 3 Uhr morgens die Technische Union die Abschaltung Wiens. - Die Regierung wollte keine Verhandlungen, keine gütliche Beilegung der Differenzen, sie wollte die gewaltsame Lösung. Sie wollte das Staatsvroblem.jetzt anfrollen wo, sich ibre Machssessakeft offen zeigte nnd wo ihr im Nationalrat klar nachgewiesen wurde, daß sie vor jedem. Ententeoffizier würdelos auf dem Bauch kriecht und die/ Einmengung ausländischer Stellen in ganz interne Fragen direkt , herb ei führt. Christlichsozialen liegt nichts am Staate; sie haben nie etwas anderes im Sinne gehabt als Rache für die Errichtung der Republik; sie verbünden sich mit Todwund Teufel, um ihr Ziel, die Weiße Reaktion, zu erreichen. Und steht Zwischen ihnen und diesem Ziele der Bürger« krieg, dann wählen sie. den Bürgerkrieg und, sind nur darauf bedacht, die Schuld für die Katastrophe nicht vuu mittelbar auf sich fallen zu lassen. Erst die unmittelbare Gefahr der Abschnürung alles Lebens brachte das Einlenken der Negierung und das Ende des Streiks. Abey für wie lange geben die Christlichsozialen Ruhe? \ Die Sozialdemokratie, ihr natürlicher Widerparkhilft'ihnen. Die Streiks,, die in ununterbrochener. Reihenfolge die Ordnung in der Hauptstadt erschüitertt, zeigen auf Schritt, und Tritt den politischen Zweck, -er Rührigkeit der Lmksradikalen und Kommunisten den Wind aus den. Segeln,zu.nehmen... Man. vützt das WM.-des' Streiks, der. nur als letzter -AusUeg .Sill«- haben kann, im täglichen.G.ebrllM 4% -pHMeihh dürch jenen. Teil dtt DMfMm, der' de«- Christlich^ WaW mißtrauisch getzeMbepsteht, 'direkt- . znO We - schluß an diese 'in jeder '-sKössÄüttlMÄllhi freibeitsfeindl'kche Partei. Die Sozialdemokratie Hüt -ch Freiheit des Entschlusses Verloren und/ist nur Dht dev Geschobene der Radikalen, deren , Gefolgschaft HtzlikW.- unklar, taktisch aber aüß'eropdeyftich zielsicher ,gefüW wird. Sie Hatzen. den' 20. -Jänner der Regierung al§ Termin für die Ergreifung sinnfälliger Maßnahmen-ftrr. den Preisabbau/gestellt. .Tritt dies nicht ein. dany 'erklären sie. sich als außerhalb des Gesetzes stehend. Wen« das keine' inhaltsleere Phrase' sein' soll, dann' dedentek. . dies den Sturz der Regierung, der Gesellschaft und deL. , Systems. Der!Staat; steht also zwischen. zwei Eriremen:. Herrschaft der rechten Reaktion oder der linken Revolu- . tiön. Die wenigen Tage tzis zur Entscheidung haben eine qualvolle Spannung gebracht, die noch durch die Unterbindung des Verkehrs verschärft werden kann. Die Regierung hat die Arbeiterschaft, ermahnen lassen, daß wirtschaftliche Leben nicht stillegen zu lassen und die. Austragung der Streitfragen für kurze Zeit zurückzu- . stellen. Daß 'sie diese Mitteilung aus Paris kommen läßt, ist eine sehr, schwere Unklugbeit. Denn diese Herkunftsbezeichnung gibt ihr den Charakter einer Drohung an die Kreise, die in Paris das Zentrum aller auf die Errichtung der Weltreaktion gerichteten Bestrebungen ' sehen. Diese Wirkung bat sich auch in der Ausdehnung des Streiks gezeigt. Hatte die Regierung diesen Zweck . im Auge? ' Die Dinge sind trotz der Beilegung des Streiks, die im Augenblick eine Er^ichterung schafft, so' auf die Spitze getrieben, daß sie Lebe» und Eristenz eines jeden einzelnen streifen. Das ' Bürgertum, das zwischen den Mühlsteinen letzte kann nur durch die gespannteste Vorsicht der Gefahr, zerrieben -m. werden, entgehen. Vor allem aber erwäge jeder.' welche Verantwortung er durch seine eigene Haltung durch ' Reden und Tun, durch müßige Neugierde auf sich ladt. Die Auseinandersetzung zwischen den zwei Systemen ist', auf die Straße getragen worden. Wer nicht unabse^- ' bares- Unglück heraufbeschworen will." füge ' sich der Pflicht, in feiner Lebensführung und feinem Auftreten . Reizungen zu'vermeidend; <■ r:' ifn' | II e IT II . l > i i J n II I II III III ||l|| II | ||i »11111)1 |)H HIB II.. M I M',1 Hl II 0^1 . Wir erlangen damit die Möglichkeit, ungehindert von ] eigentliche Heimat besiedelt, an Zahl hinter den äußere . fremden Einflüssen die jüdische Gemeinschaft nach den : halb derselben lebenden Volksteilen znrückbleibe, allein ' Bedürfnissen unseres Geistes aufznrichten, uiu'erem - daraus kommt es an. daß das Volk als-solches: nicht; Lande eine jüdische Mcbrbeit zu geben und damit erst heimatlos; fei. daß es ein lebendiges Zentnnn semeS Palästina wahrhaft jüdisch zu machen. Wobl wird Palt'- Oleistes besitze und einen Boden, den es aw . sein . stina nicht datz gesamte, über alle Teile der W-sst rereigenstes Eigentum ansprechen darf. : streute jüdische Volk anfuebmen kölluen. aber e§ bat Der Kachyf gegen den immer heftiger wütend!» Matz für Millionen und die nidssche Heimnt iss letzen ' Antssem'tismus ist bisher in einer vielfach' rem' «$>$» Endes unabhängig von der Zahl, wenn sie einmal tiven Weise geführt worden: Die antisemitischen.Hoher : wirklich jüdisches Land geworden ist. Es ist keineswegs aller Richtungen haben keinen Sinn für jüdischr etwas Unerhörtes, daß der Teil eines Volkes, de.' seine - Avolooeri? und sind mematö aefonnen auf o

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