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Wiener Morgenzeitung · 1921-01-15 · Heft 708 (15.1.1921) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 708 (15.1.1921)
Date
1921-01-15
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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" Seite 4 , Men, Samstag Ein jüdischer Admiral in Amerika. - Nevr-Dork, 12. Jänner. (Jüd. Korr.°Bnr.) Der bischerige Vizeadmiral Josef S trau s ist zum Ad m i r aI Avanciert, wobei ihm das Kommando über die asiatische Klotte der Vereinigten Staaten von Nordamerika übertragen wurde. Admiral -Straus ist Jude und steht, als tz9jälmger-Mann seit 2-1 Jahren m Diensten der amerikanischen Marine. Er hat sich schon im japanischamerikanischen Kriege rühmlich hervorgetan und 'im 'Wellkrieg das Kommando über die amerikanische Mnenlegerflottille in der Nordsee innegehabt. ^ie Verzögerung der englisch-russischen Verhandlungen. ' PLoskM, 14. Jänner. (Funkspruch.) Der Volks-' WNtmissär für auswärtige Angelegenheiten Tschitscherin hat in einer langen FuntenwoLe an das englische Außen- »mt die Vorwürfe wegen Verzögerung der Verhändtlungerc über die Wiederaufnahme der Hündelsbezichmr? jgen zurückgewiefen und der Hoffnung Ausdruck gegeben, Laß England nicht die Verantwortung für den Abbruch der Verhandlungen werde auf sich nehmen wollen. Leui« gesund. r. VdosKa-tt, 14. Jänner. (Funkspruch.) Die Gerüchte ^Lber den ungünstigen Gesundheitszustand Lenins Entbehren jeder Grundlage. Die beiden hervorragenden Merzte, die nach McoSkau berufen wurden, hatten ihre Dilfe dem mittlenpeile verstorbenen Mitglied des ököno- SnIschen Wirrschaftsrates Kaprpo angedeih-en lassen fbtfeit. Dies mag die Ursache Zur Entstehung des Gerüchtes über die Erkrankung Lenins gewesen sein. \ ' Stillstand in der griechischen Offenfine.? Rom, '14. Jänner. Die Agcnzia Stefani meldet iaus Sofia: Die Besetzung von Denizill durch die Kriechen wird dementiert. In der OfsLnfive der Griechen sist infolge des starken Widerstandes der Türwn ein Stillstand eingetveten und die Offensive wird.wahrscheinlich verschoben werden. ' s ' ' V _Wiener Morgerrzeitang Mitteilullgekl aus dem Publi!««. 8 RILURTßN, Perlen, Gold, Silber, Plttta «.Mar»» ktnlt nnd r«rkstift 77« ETTER Bot«nt«rnurtr, 83, Marlahilfdntr. 98 anne HlSSIGK PREISE G H R E i B maschinen — Billigste Preise Leopold Sieinhart Wien, I., Biberstr. 9 Telephon Nr. 4073/VIII Kultusu. Justiztalare SlÄÄ SpezUliaten Rudolf Coldetcltt) Schneidersiointer, Wien, II.. Tabor* (tratst St. GegrÖndat 1860. Telephon 45638. 781 WD Restaurant M AnorAr Wien, ll„ Taborsirasse 12 ™ p v FF 808 Spezialität: Karpfen und gefüllte Hechte Feine Herrengarderoben bei« Schneidermeister Rudolf (»oldnteln, Wien, II., Taborstrasae 54 Gegründet 1556 781 Grosses Lager feiner Stoffe Telephon 45-6*29 lä^ISliner 1921”’' «r. 708 " ‘ ‘ \ . .. -v T-.. ' Dr. F'a itlowi 1 sch ist der jüdische Forscher, welche vor einigen Jahre» aus einer Forschungsreise die „Fallascha", dl dunklen Juden' vou Abessinien, entdeckt hat, die in betrachiliche Zahl im Lande lebe» nyd seit den älteste» Zeiten jede Berühruus mit der LbriHen Judruheit -verloren hatten, trotzdem aber ihy jüdische» Traditionen erhallen haben. Erst Faitlowitsch' Verdien! ist es, daß die Fallascha wieder mit ihren jüdische» Brüder» ii Kyntakt üate», von deren Existenz ihnen bis dahm nichts ' betanpt.wav. so daß sie sich als de« letzten Rest des Volkes voi Abraham «isahcn. _ Pas biblische PaLästina. D« biblische FormÄ, welche Lloyd George tsj; San Remo gebraucht haben soll, daß Palästina vor ' D a n b i s B e r s e w a wiedererrichtet werden würde ist von. der französischen Diplomatie wörtlich ausgelegj und in-ihrem Sinn angewendet worden. Diese Fprmel welche die. Grundlage der Verhandlungen zwischen der beiden beteiligten Mächten bildete, ist jedoch sehr unbs stimmt, - da natürlich Landesgrenzen nicht in gerader und.geometrischer Linie verlaufen. Ueber die Fragt der Grenzen des biblischen Palästina handelt ein vor der englisch»zionistischen Föderation herairsgegebenez Schriftchen von Professor Samuel Deiches. Deiches zieht-die verschiedenen, auf'die Frage bezüglichen Bibeb texte heran, so 4. Büch Moses, Kap. 34, V. 7 bis Buch Ezechiel, Kap. 47 und' 48, 2. Buch Samuel, Kap. 24 und Buch Josua, Kap. 11 und 12, und kommt zu den, Schlüsse, daß die - Nordgrenze Palästinas von dev Zellen Abrahams bis zu den letzten Königen'vor Israel durch eine Linie zwischen S r d o n u n $ D amäsku s (mit Ausschluß der Städte) gekennzeichnet werden kann. Der Norden Palästinas umfaßt daher dev größten Teil des Landstriches, durch welchen der Litan k fließt und auf dem der Her m o n liegt. WohS gab es Zeiten, in welchen sich das jüdische Gebiet weiter ausdehnte, aber die gekennzeichneten Gebiete kann mar auf jeden Fall das alte jüdische Land nennen. Und gerade/ denLitanifluß und das Hermongebirge will be< kanntlich Frankreich für sich in Anspruch nehmen. ~ Die Krankheit Pilsndskis. * ' Warschau, 14. Jauner. (Poin. Tcl.-Ageut.) Staats>-!chef P i l s u d s t i ist noch nicht wiederhergestellt. .Sei» Aufenthalt .in Spats wurde, verlängert. Tagesbericht. DeLegierLentaZ Ä^r jMischenStudenLenschsfL Oesterreichs. - Kürzlich fand im Saale des Wissenschaftlichen.Klubs - der Detegbertentag des GesamtverbcmdLs. der jüdischen Kochfcküler Oesterreichs „Judaea" für das Studienjahr '1926/2! statt. ' Wie aus dem Bericht hervarging, konzentrierte' ßich die Tätigkeit des Höchschulausschusses imab g erufenen Jahre — der Not der Studentenschaft entsprechend — hauptsächlich auf die wirtschaftlichen Angelegenheiten. W wurde insbesondere die Mensa veademiea ausgebaut, da die Teilnahme an der „Allgemeinen Mensa" den jüdischen Studenten verwehrt wurde. Ferner wurde die Kra n.ken für sorgestdfc And das Rechtsschutz bureau neu organisiert und die Darlehenskasse in einer Werse ausgestaltet, daß den Studenten in dringenden Fällen materiell «geholfen werden konnte. Die Mittet für diese Zwecke wurden zum-großen Teil durch Sammlungen im Uuslande aufgebracht. Zum anderen Teil verdankte der .Hochschulallsschuß die Erhaltung seiner Wirtschaftsuchen Institutionen der Unterstützung des hiesigen - 'Joint Distribution Committee. Mit Bestürzung ver- »rahm der Delegiertentag die Mitteilung über den von der Zentrale des Joint geplanten Abbau der Stu--- dentenhilfsaktion. was damit begründet wurde, -daß die H'.lfstätigkeit des Joint Committee sich in Hin- Dunst ausschließlich dem Wiederaufbau zuwenden müsse', r Von den Schöpfungen des Knlturamtes stich die Hochschulkurse und die hebräischen Sprachkurse zu erwähnen, jedoch konnte der Referent über der-en Frepuenz keine günstigen ' Mitteilungen machen. - - Befriedigend war der Bericht des Sportrestrenirn, Aber die Entwicklung der Sportabteilung „Jubacr". Ueber Vorschlag des abtretenden Hochschulaus^ schnsses wurde als Zeichen der dankbaren Wertschätzung seiner großen Verdienste um die jüdische Studentenschaft Herr -. Oberrabbiner Dr. Chajes zum Ehrenmitglied ernannt und Herrn Regierungkvat Taussig^ für seine tatkräftige Unterstützung aller Studenwu? forderungen, wie auch dem Abgeordneten Herrn Ingenieur Robert Stricker für seine wertvolle Unterstützung. in allen, die jüdisch nationale Studentenschaft betreffenden Angelegenheiten der wärmste Dank mt£»' «esprochm.. Eine ungarische Affäre. Es wird noch lange dauern, bis man alle vom Weißen Terror in Ungarn verübten Greuel in. ihrem stanzen Umfang wird überblicken können. Zensurknebel, *md Grenzüberwachung hindern die .Beschaffung des vollständigen Materials und die Angst der Leidtragenden Um ihr Lehen schließt ihnen porläüfig noch.den Mund. g*g ***& MaWn der Zensur Wützt mitunter ein Bericht durch, , der ein neuerlicher Beweis dafür ist, daß selbst jetzt noch der Weiße Terror in voller Blüte steht und die Offiziersdetachements in ungestörter Aktion sich befinden. So meldet der „Magyar Hirado": Der Debrecziner „Függeilen Ujsag" beschäftigt sich in seiner Nirmmer vom/2S. Dezember des langen mit dem Abenteuer des Zkalkhändlers Salomo» S ch i f>st m'a «' n, \pdtibtzm: .Krüchte^wissest wollten, daß er nach eir^/^rbeMsM'^^MS '^aKreicken' Zug geworden worden /wäre? Debreczimir/ Divisionsgsricht führt in dieser Ungelegenheit die Untersuchung uü> hat' aus . den Mitteilungen der. bisher einvernommenen Zeugen über den, Fall , das folgende BtÜ» gewonnen: „Salomon Schiffmann ist am 22. Dezember 1920 trotz vorheriger Warnung in einen für das Militär reservierten Eisenbahnwügen' eingestiegen. Die im Zuge - Dienst leistende Patrouille hat den verdächtigen Mann zur Ausweislelstung aufgefordert, an ihm eine Leibesvisitation Vvrgenommen, wobei sie bei ihm einen Brief eines ' in Debreczkn- "allgemein bekannten, auf der Flücht befindlichen Kommunisten vorfand, und ihn des-- halb für verhaftet erklärt. Schiffmann ist aus"Angstvor den Folgen des -ihn belastendenden Schriftenfundes aus dem -fahrenden Zug gesprungen und hat dabei Verletzungen -erlitten. Die weiteren' Erhebungen des Divisionsgerichtes werden die ganze- Sachlage klarstellen und das'Gericht wird die Schuldigen.zur Verantwortung ziehen." . Diese offiziöse Darstellung enthält injeder/'Zeile , ein Rätsel. Wer wird zum Beispiel die Behauptung glauben, daß ein Mann namens Solomon Sch'isfmänn heute in Ungarn, noch dazu in der Nähe von Debreezin, welches von den Detachements und den „Erwachenden Ungarn", wie wir wiederholt gemeldet haben, in förm« lichem Belagerungszustand gehalten wird, trotz vorheriger Warnung in einen Militärwaggon eingestiegen ist, noch dazu, wenn er angeblich im Besitz eines ihn belastenden kommunistischen Dokumentes ist? Man kennt die'Art, ' wie ungarische Soldaten eine Leibesvisitation an Juden vornehmen, und es liegt die Vermutung nahe, daß dek jüdische Kallhändler Salomon Schiffmann, be-i' wahrschemlich zum Kal'keinkauf-gefahren ist und im Besitze wohl nicht koinpwmittierendcr kommunistischer Schriften, aber vieler ungaris'cher Banknoten war, ausgeraubt, mißhandelt und bann aus dem rollenden Eisenbahnzug geworfen wurde. Rur so ist der Schlußsatz des vfsiziösen Eommunigu45 zu Verstehens daß das Divisionsgericht.nach Aufhellung des Falles die Schuldigen , zur.Verantwortung ziehen werde, die ja nur dann vor--. Händen wären, wenn der unglückliche Schiffmann nichi .. freiwillig - aus dem Zuge gesprungen ist. Der Fsiut und die «beffinrsche« Arrde«. ' New-Borlr, 12. Janmr. ltzud- Korr.-Bur.) Das ^morier»- . Jolai Distribution Gommitte» erhrrlt von dem im Sommer 1919nach Abrssmirn entsenLctcu Dr. F a i t l o w i t s ch - ein Telegramm. daß er wohldchalie»- in A d e s s i N i e« emg'elangt »nd sich seiner Mvsion der H-lfelristnrig iür die dörtigm Juden er« soldreich entlldiet Ferner teilt D-.. Fa Nowusch mit. daß er - unter anderem auch sHnr.ricn : v.r.t lubm.iche lülerwur unter den: Falla chas verteilte und mangels km An-pen einen Arst aus P ä l ä si r n a h-ngebracht habe, »m fcwt eine j K d ische 9fLIV.iX mmWm. . Wiener Gemeinderat: Sitznng uom 14. Jänner. In der gestrigen Sitzung, welche erst in der zehnten Abend?. > stunde, ihre» Anfang «ahm, >da bis dahm der .Wiener. Larchta§ seine Beratungen abhielt, wurde die Tariferhohuug bei de«' städtischen Straßenbahnen, Mer ' hie ivir bereits berichtet haben, zu« Beschluß erhoben. Züglerch genÄmigte der Gememderat dir. ' Teriferhöhnnsbei der. Kraftstellwagenunteruehmuyg »nd di- FahchteisrrhShLnss auf der AutoWobrlsteAwMrnlMie PötzlernZdvrf^SalmamlSdorf..ss " " - . Ass dem Wiener Nachtleben. DiedLpierLe Schleppe« — Revision in eins« Rnchtlokal. — Das gestörte Lhampaguergelage. - Die. Revision der Brrgnügnngßlokale durch das Kriegs wucheramt wird fortgesetzt. Als die Kontrollorgane ein Lokal der Innere» E.tadt verließe», wurde» sie ahnungslos ans der Straße von sogeyanqten „Schleppern", die sie nicht als Amtspersonen erkannteu. ewgeladcn, doch in das Cafü Henmühle zukommen» wo man sich trotz der Sperrstunde bis in die frühen Morgenstunden unterhalten könne. Die Erhebungsorgane gaben sich selbstredend nicht za erlennnr und gingen mit den noch immer ahnungslosen vSchlepperü"', die sich wahrscheinlich über die Akquisition freuten, üu das.Ccrfs .H e u m ü h 1 c, IV., Schönbrmmersträße 1, dessen Besitzer' Einst Korsvwcr. ist. Bor dem Cafe wurden sie vorn eiueni Manue erwartet, der sie durch mehrere Gänge zum Hinteren Eingänge des Kaffeehauses führte. Es war ungefähr: 1 Uhr'uächts,' also 1'/, Stunden nach der osfizielleck Sperrstunde. Das Lokal .war noch schwach besitzt, füllte sich aber im Laü'r der nächsten Zeit dcratt schnell, daß alsbald Platzmangel herrschte. Die TWe wären mit champagmsirrenden Gästen männlichen und wetblichrn GeschlrchtrL besitzt. Ein Klavreispieler sorgte für dir Unterhaltung. Nun erst gaben sich die behördlichen Ogane zu erkenueu und schritten, sehr zur Bestürzung der Gäste und des Personals, ein. räumten das Lokal. Brr dieser Gelegenheit versuche ein Gast emen Beamten zu bestechen. Bemerkenswert ist, daß die Polneibchhrde schon seit längerer Zeit aus das Treibm in diesem Aasfeehüuse" aufmerksam gemacht wurde und wiederholt versucht hat, eine» Beweis für die Uebertretung der Sperrstunde zu finde«. Doch es-könnte niemals der Nachweis erbracht werden. Nunmehr hat das Kriegswucheramt über den verantwortlichen Geichä'ts-- führrr §)Skar W e i ß eine Arreststrafe in der Dover von drei Monaten 'verhängt.^ UrberdieS wurde die g ü n z l i ch e G p e r r u ng deS Lokals bis auf weiteres sofort verfügt. Wie von einem ErhebungSbeamten wahrgenommen wurde, befand sich in einem au das Lokal greuzenden, gut eingerichteten Raum ein Paar m äußerst verfänglicher Situation und in d er a n g i e r t. e r Toilette. Das Sütrnamt der Polizeidirekliou wird diesbezüglich die Amtshandlung emlrite». Das Büfett im Warenhaus Jmieback gesperrt. Dem Kriegswucheramt find im Laufe der letzten Tage zahsi reiche vertrauliche Mirteiluvgen zugekovrme», laut. welchen'im BüfKt des Wareuhaufes. Zwieback itider Kärirtnerstraße die ErnähplMgSvorschriftm verletzt werden. Tatsächlich wurde von einem . Elhebungsbeamte« am 13. d. M.. festgestellt,. daß mit Zucker.versüßter Tee und Kaffee sowie aus Edelmehl erzrvgt« „Meckerl" verabreicht werden. Eine PreiStaf'l war lm Büictt nicht vvrha den. DaS Kriegswucher amt hat über die Leilkrin des Bürcltbeirldbes Lisa R e y n a u d S eine Geldstrafe von K 50: 0 verhängt iow'.e die Sperrung des GmrrhehrtrnbtS bis auf

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