Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 708 (15.1.1921)
- Date
- 1921-01-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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\s Einzelpreis SS Kronen Praimmerattonsvrelser Sie«: Htun «bdolen « »er «xpebitton. L BeNel. Tab-»- Sttfie I biS H, über tn etxn Äersibleitzstelle «Traftl»: . . KronenkN.- vkertelsübrttch ISO.- Mit Postvet-san» fftr Me« imb Oesterreich: Monatttch .. Krone« 50.- Tichecho-Slowakei: Monatlich .. Streme« 15.- Biertelkästrlich ». i» tschecho-slowaNscherWährnn, ttnßarn: Monatlich .. Krone« 50.- Vterteltadrltch .» 1*0.— t» «ngarischer SSbrnng A»qvflaw,e«: Monatlich.. Dm« Vierreliährltch > *4.-, j»= '«.-.V;: Nr. 708 Wien, Samstag den 15. ZLnner 1921 .Lj Einzelpreis SB Kronen Prannmerationspreisei $||tK : Monat«» .. Marl vierteljabrlich ~ — in pslnischer ««lmn», DeNtkchlLAdr Monatlich. . . Mark IQ*** NranNei«: . Monatlich. . . Kranes Italien: . Monatlich . . . . Lira •*»« RmnSnlen: Monatlich . . »Lei ISw* Schweiz: u. da» übrige Aullanp Monatlich... Krane» Redaktion u. Abminiltration Wie«.S.Bez..Tab»rftrü •» relepbone: 440 'M, 4*31», ad 6 Uhr abend» Rr. 10 .0» Bostfparkaksentönto 180M» 3. Jahrgang l Eine Aufforderung der Entente an die österreichische Arbeiterschaft. Von maßgebenden Vertretern alliierter Mächte in Paris wird dem Vundesminifterium für Äeußeres telegraphisch mitgeteilt: Es wird derzeit in Paris mit allem Nachdruck über die österreichische Situation verhandelt. Die Technische Union, die Eisenbahnarbeiter und andere Organisationen sollten von diesen Bemühungen /in Paris zugunsten Oesterreichs unterrichtet werden. Es ist die Erwartung gerechtfertigt, daß die Kohlen- und Koks frage für die österreichische Industrie und die Eisenbahnen in befriedigender Weise g e l ö st werde» wird. Im Hinblick auf die Lösung der Kohlenfrage und das Bestreben der Mächte, das Problem der österreichischen F i n a n z e n zu l ö s e n, sollten die Arbeiterorganisationen alles in ihrer Kraft Stehende tun, um das wirtschaftliche .Leben aufr e ch t z u e r h a l t e n. die Bestrebungen nach Hilfe in diesem kritischen Stadium nicht zu behindern und die Austragung der schwebenden Streitfragen für ku rz e Z eit zurückzu stellen. Sanierung der Finanzen P a r i s. 14. Jänner. (Wolff.f In seiner ../ der Wahl zum SenatsprMdenten wieri> e Lage Frankreichs hin. Von den 44 Milliard'.n des Budgets seien nur etwa 29 Milliarden ans normalen Einna' MS quellen gedeckt. Für 16 Milliarden rechne man auf die Leistungen Deutschlands» a^er bishr seien nur unbedeutende Summen gezahlt worden. Bis zur Stunde sei noch nicht einmal die Reparationssumme festgeleqt. Man lebe von der Hand in den Mund. Dieser Zustand dürfe nicht andauern. Kleine Mittel kannten nicht helfen. Die Ausgaben die deutsche Kriegsentschädigung. müßten <o wert ein^r chränkt werden, wie das -Lxherr ^sOtzraW-idZe EÄrrhe. Frankreich dürfe nicht zögern, wen« feilt« Sicherheit es erfordere. Es müsse die stri kte Durchführung des Vertrages und die den verwüstete« Gebieten zu gewahrend« Wiedergutmachung .verlangen. Frankreich zweifle nicht an seinen Dsrbündctrn. Aber man müffe versuchen, ihnen deutlich auseinanderzusetzen, was Frankreich wolle und was es nicht wolle. Die Interessen gingen i« verschiedenen Punkten auseinander und diese Punkte müßte« offen b e s p r o ch e n werden. Der Streikpendel. - —y. W > i“ n, 15. Jänner. Wien ist wieder einmal von der Welt abgeschnitten. Die Post ist in Streik, weder in der Stadt noch auswärts werden Briefe oder Zeitungen befördert. Verhandlungen zwischen der Regierung und den Streikenden, die feit zwei Tagen im Gange sind, haben zunächst die Erscheinung zutage gefördert, daß daS Kabinett in der Behandlung der Angelegenheit verschiedener Meinung ist. Einige Minister, darunter der m der Frage maßgebende Verkehrsministcr. wollen den Streikenden nachgeben, andere wünschen die Autorität zu retten und glauben, mit einem Machtbefebl die Situation beherrschen zu können. Das beweist aber, daß es möglich ist. den Streitpunkt durch Verhandlungen unb durch Geduld aus der Welt zu schaffen, Es handelt sich um die Ausdehnung der Dienstvraamatik auf die Postangestellten, respektive um die Aufhebung der bisher freigesiellten Option; wie man siebt, eine Angelegenheit, die das Publiknm in seiner Mehrheit gar nicht interessieren kann. Daß es in einer solchen, rein internen Standessrage zum Streik kommen konnte, daran trägt nur der politische Charaktre. der heute allen solchen Bewegungen anhaftet, aber auch die Unvernunft der chrisilichsozialen Negierung Schuld, die durch ihr Zögern der Streikagitation eine ganze Woche geschenkt bat. Ans hxiden Seiten bat sich wieder das Ueberwuchern des Varteiwewns gezeigt, das den Staat zu sprengen geeignet ist. Der Appell des Ministerpräsidenten„ Völkerng,- stäkt^Mdr SkreitigkMMWnHern^ dem Aufbau Oesterreichs zu arbeiten', findet also in den Ereignissen durchaus keine Stützet Die vielen Streiks sind in der wirtschaftlichen Lage begründet und man kömmt bannt nickt mehr aus. den Angestellten des Staates Moral und Vaterlandsliebe zu predigen. Es ist vielmehr notwendig-eine ständige Institution zu schosten. dieals über' den Parteien siebende Autorität in Lohnfragen und bei der Auslegung von Dienstordnungen vermitteln kann. Wenn einmal die politische Machtfrage in eine Dienstangelegenheit hineingetragen ist. dann läßt sie sich nicht mehr daraus entfernen. Es geht in dieser Angelegenheit genau so wie in der Behandlung der rein wirtschaftlichen Preisäbbäufrage;'hier sind in die Diskussion Argumente geworfen worden, die wirklich von der Straße kommen. Die Beimrubigimg. die durch solche gewissenlose, bestenfalls . unüberlegte Redewendungen erzeugt wird, ist einer sachlichen Auseinandersetzung schädlich und vereitelt den Zweck der Enquete, in die verworrenen Auffassungen Klarbeit zu bringen. Weite Kreiie der Industrie und des Handels zeigen sich in Sorge wegen der in der Enauete gefallenen Drohungen mit dem Galgen und der Zensur und schon hat sich der Kunschak. einer der dümmsten Köche an der Hexensuppe, der schönen Gelegenheit bemächtigt, um sich an den Wagen zu. hängen und sein Sprüchlein von den Ostjuden zu sagen. Er haf dabei das große Glück, sich ans einen Sozialdemokraten berufen zu dürfen, dessen Partei alle Programme vergißt, wenn sie den Fluchtlingen nur Schaden antun kann. Die Heuchelei unserer großen Parteien, die einander in die Hände spelen. um gemeinsam den Staat zu ruinieren, findet in der Aufwerfung dieses Gegenstandes ihre Illustration. So oft die Oesfentlichkeit. die abseits von den Parteischlagworten ruhig ibres Weges geben will, von der Kurve der Teuerungslinie schärfer erlaßt wird, ertönt sofort das Geschrei..Die Juden!" Für den Einsichtigen ist es kein Geheimnis, daß die Aufhebung der R-chtsgarantien sich nicht auf Klassen oder Bevölkerungstelle einschränken läßt. Wenn die Kugel aus dem Rohr ist, weiß niemand, wo sie schließlich einschlagen wird. ] Aber für die Politik des Staates, der ja schließlich im Ausland, dessen Hilfe er anruft, verstanden werden Will, kann es nicht gleichgültig sein,'wenn er ununterbrochen zwischen den Unruhestiftern taumelt. Tie politische Färbung, aller, wirtschaftlichen Not untergrübl die Vertrauenswürdigkeit des Staates, von dem heute niemand im Ausland mit Sicherheit feststellen kann, wohin er sich politisch oder wirtschaftlich orientiert Er verlangt Kredite von der Entente und spielt mit dem Anschluß an Deutschland. Er sympathisiert mit Horthy und wirft Westungarn in die Debatte. Er will Hilfe und Menschlichkeit und weist Juden au§. Er will Preisabbau .und sperrt, die Grenzen. Der Poststreik noch immer , Um ,/22 Uhr nachts wird uns gemeldet, daß die Verhandlungen zwischen den Streikenden und der Negierung abgebrochen wurden. Angeblich ist eine Annäherung bei den Verhandlungen erzielt worden. Die Verhandlungen werden heute vormittags fortgesetzt. Ob der Telephon- und Telegraphenstreik einsetzen wird, ist noch unbestimmt. Die vom Verwaltungsgerichtshof eins- Metzle Kommission gab in der Streitfrage der PostangestelUen einen Schiedsspruch ab. der dem Standpunkt der Regierung als den gesetzlichen nachweist. Der Vertrag von Rapallo in Frage gestellt. Belgrad, 14. Jänner. .(Südslaw, Preßbur.) In parlamentarischen Kreisen wird die hier eingelangte Note der italienischen Negierung, worin verlangt wird, daß die Durchführung des Vertrages von Rapallo bis Mai' verschoben werde, lebhaft komment'ert. Es ist noch nicht bekannt, ob die Regierung die Forderung Italiens erfüllen wird. DLe Debatte über die Sistrerung der Schwurgerichte in dev Tschecho- Slowakei. Prag, 14. Jänner. DaS Abgeordnetenhaus setzte heule die Debatte über das Nachtragsbudget 1920 fort. D?r deutsche sozialdemolrat sche Abgeordnete Dr.C ech sagte, die Abstimmung über die Resolution auf Wiedereinführung der Schwu gerichte werde eine Kraftprobe auf die drmekrcriische Gesinnung des Parlaments sein. Die Verordnung sei ein Prachtstück fein ausgeklügelten Jesuitismus. Die Regierung sieht ruhig zu, wie rmm«L wieder neue Massenverhaftungen vorgcnymmen und die Verhafteten .wochenlang ohne Verhör im Kerker gv° halben werden. Von einer solchen Justiz, sagte Redner« wollen wir nichts wissen, und sagen ihr unsere Fehda an. Der tschechische Staat muß sich entscheiden, ob-« ein Polizeistaat sein will. Will er es sein, so ist ex nicht wert, weiter zu bestehen. Abgeordneter Hahnreich (Bund der. Landwirte) bemerkt, die sozialen und nationalen Wurzeln dieses- Staates seien falsch, weil die Grundlagen von einer., nationalen, chauvinistischen Partei gelegt worden sind. Die Deutschen haben nicht mitgebaut und darum der* knüpfe sie auch nichts mit diesem Staat- Ihr Sin«! werde immer nach auswärts gerichtet sein und Millionen werden sich nach einem neuen Haus sehneu. Es gibt Rechte des Menschen und der Nation, die sichj nicht mit dem System der Mehrheit entscheiden lassen. Abgeordneter Dr. Baeran (deuts^national) erklärte, aus dem deutschen Volke lassen sich nicht Knechte machen. Das deutsche Volk verlangt die Autonomie und es könne die Herren von der Gegenseite nichö wundern, daß die deutsche Jrredenta, so mächtig geworden sei, daß man nicht mehr über sie hinweg« kommen könne. Paris,. 14. Jänner. (Havas.) Präsident Milleran^ Paris,, 14. Jänner. (Havas.) Präsident Milleran^ hat den Kammerpräsidenten Per et, mit der Bildung des Kabinetts betraut. Peret hat sich im Prinzip hiezu bereit erklärt und wird abends dem Präsidenten sei«6 endgültige Antwort erteilen. Paris, 14. Jänner. (Havas.) „Excelsior" bringst folgende wahrscheinliche Ministrrliste: Vorsitz urtt» Inneres — Peret. Justiz — Bonnevay. AeußereS «*» Vriaud, Krieg — Railerti, Marine — Doumer. Finanzeut -- Loucheur, Schatzamt — Charles Dumont. \ ft