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Wiener Morgenzeitung · 1921-01-14 · Heft 707 (14.1.1921) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 707 (14.1.1921)
Date
1921-01-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Einzelpreis SB Kronen Pranumerattonspreiser 0irn: Hwn Abkolm n» der Expedition. U Bezirk. Taborflnftr f btS oder in einer SerfchlGsteYe.TrM: Monntli» . . Kronen *<*.— Ptertelsäkirltch .. fSO;— Mit Postoersand fftr Wien und, Oetterreiüi: Monatlich .. Kronen 50.- Tlchrcho-Tlowakei: Monatlich .. Kronen 15.— «ierteliäkirllch „. in tfchecho.slowaM»erMiirm»§ Ungar«: Monatlich ., i eliabrltch Kronen 50.— no.- OUMeitanritni ■ - i» nngariscker Wahrung Augoflavien: Monatlich .. Dm« Vterteliährltch » 24- M 4 % g'-s? ' lener ♦ Einzelpreis 28 Kronen VrLnEmerntionspreises Bolen: j Monatlich .. Marl ^O,— Vierteljährlich „ 150h in polnischer Währung Dnttschland: Monatlich... Mark 1( Krankreich: _ _ Monatlich . :??rane» 0# Monatlich lich . Francs 8^,'. Italien: i' lich . -. . Are M^ NnmSnien: *_| lich . . . Lei 15.-^ 1 »• ,» h<ii AfiriAn QlfttifOttkl Monatlich i ' Schweiz: u. da» übrige AnSlaabd' Monatlich... Franc« Redaktion u. Admini ktratiow Wien.2.Bez..Taborstr.l-T Telephone r 440X» 4381% ob 6 Uhr adendS Nr.48 Nr. 707 Wien, Freitag den 14. ISnner 1S21 S. Jahrgang Exkaiser Wilhelm will Msnü verlassen? Die hoNändische Negiepung wird die Abreise nicht verhindern. . Rotterdam, 13. Jänner. (Tel.-Komp.) Wie der : »Telegraof" mitt^lt. ist das holländische Staatsministerium naeh reiflicher' Überlegung und nach langen VeiSätüngen mit den/Rechtsge'lehrten nunmehr zu der Ueberzeugung gekommen, daß kein 'Hindernis mehr dafür ckotliege, daß sowohl ' der Exkaiser als auch der EKWUmz Holland verlassen, so wie es ihnen wüNschenM^t erscheint. Die Regierung hat ' aber gleichzeitigirMiärfr I/Mß es ihr sehr angenehm sein würde, wenn MWMzollern Holland verließen.. Der „Telegraaf^ er/äHt hiezu, daß Holland das Recht' habe.: den. Exkaiser/' auszuweisen,, falls sein . Aufenthalt die Sicherheit des Landes irgendwie - gefährden könnte.. . - r; ' , ■ Für die fskortige Hilfe a«. Oesterreich. ■ Ems eirEfchs Stimme ' - ' ' ' London. 13. Jänner. Meuter.) Die „Times" schreiben im Leitartikel: Das österreichische Problem ist von. anderster Dringlichkeit NNd die bevorstehende Kon» . - serenz Är MimsterpMsideüÄ^fnnch Darüber scheiden, sonst Ware is zii spat.'DiegügevbUcklichk.-Hage-s ist, unerträglich imd die Alliierten und. Asiqzilerten müssen sich darüber entscheiden, ob sie Oesterreich eine so ausgiebige Hilfe znteil werden lassen wollen, daß?s seine eigene Rettung durchführenkann, over ob sie den Dingen ihren Laus lasten und die unvermeidliche Folge tragen wollen. C?§ ift beareislkch. daß Einwande gegen den Vorschlag ans. Gewährung eines Kredits von 50 Millionen Pfund gemacht werden, aber, so fragt das Blatt, gibt es nicht schwererwiegeride Ernwände dagegen, daß man den Untergang Oesterreichs in Bankrott und Rinn znläsit? Die wirtschastlich-n und sozialen Gefahren eines solchen Zusammenbruches, die Europa und insbesondere die Sukzession sstaaten. zu spüren bekämen, sind offenkundig und können nur durch eine sofortige ausgiebige Hilfe seitens der Alliierten abgewendet werden, ferner durch eine wohldnrchdachte Mirtschnstsuolitik der Snkzessionsstaaten. die finanziell nnd politisch nichts Gescheiteres tun können/ als schleunigst zu irgendeiner Art von wirtschaftlichem Uebereinkommen mit Oesterreich zu gelangen. G-ey frr London, 13. Jänner. (Fnnkspruch.) Lord G r e v hat in einer Rede aus da§ große Interesse h'ngewiesen. das die Nachkol^erstaaten Oesterreich-Ungarns an der Erhaltung Oesterreichs und. W i e n s haben, daß in vstl-r Beziehung noch immer eine Art M i t t e!• Punkt bilde. _ Die französische Kabinettskrise. Pckris, ia. I8",'er. (HavaS.l Prcisidmk Millerand hat die Drm' fron des Kabinetts angenommen und dir Miniüer er'ucht, d,e laufendcn Angclegmhriten vorläufig weit r zu crle^'t'en. ... Paris. 13. Jänner. (Havas.) Der Präsident der Republik begann heu e vormit azS die Besprechungen Über die politische Lage. Dem Herkommen gemäß empfing er zunächst den Kammerpräsidenten Naoul Pe.re t und besprach sich sodann nacheinander mitD'o««' mergue. Möline und de Selves. \ Beim Verlassen des Elyseebemerkte Douijiergue> er habe dem Präsidenten der Republik dargelegt, welch« Gründe 4hm Naoul Peret als den geeignetste» Mann erscheinen ließen, die Nachfolgerschaft Leyguetz'. zn übernehmen.; _ Paris 13. Jänner. (Havas.) Aus den bisher gv» pflogenen Besprechungen hat das Staatsoberhaupt 'di« Ueberzeugung' gewonnen, daß die gestrige Abstimmung in der Kammer sich gegen Personen richtete, nicht ' aber ge^en das Programm-der Regierung. Da Präsident Millerand' der Ans'cht ist, daß Stetigkeit der Regierung das wichtigste Erfordernis ist. ist feine größt« ' Sorge, ein Kabine't zu bilden, das sicher ist, in der ' Kammer eine starke und dauerhafte Mehrheit zu finde». Aus diesem Grunde wird er zu'einer g'rißen Reih« von poliüschen 'Besprechungen schreiten und erst dan» jene Pe''sönlich'"eit zu sich berufen, der er die Macht! / anzubieten gedenkt. Paris, 13. Jänner. ^Havas.) Raoul Peret, dev zuerst -zryn Presidenten..entboten wurden hatte s'inß be'Wte^Äs'bM'^KaNräTtpMibenbMachte, -' den Eindruck, dgß er mit der, Bildung des..KabinatM.< betryut werden könnte, zumal nach den Sympathie- , kundgebrrngen, die ihm gestern und vorgestern bereitet' ,, worden sind. . . - - Man versichert, .de Selves .habe Poinearo ^emp-; fohlen.; ■ Um 3. Uhr nachmittags empfing der Präsident < Viviani, mit dem er.sich fast eine halbe Stunde längs. unterhielt.. Gleich nach ihm wurde Arago zum. Präsr-.> denten beschieden, der sodann Herriot empfing. - s j Paris, itz. Jänner. H.was/ Hutin ickbeßr seinen' Artikel, im ^Echo de Pens* mit der Mineilung emer heivorraykndeikj' Peiivnliäckert dnß d^r bonw^lbe Boischaster in Rom B a r r h r ei, der (t e e i a n e t st e M i n i st e r d e s A e u ß er n w are er spreche Englisch nnd konnte ohne Dolmetsch mit Lloyd Georg« ' v'rhrn^eln. > „OeuvreE gibt eine Aenß'>nmg Millernnds wieder. ' ees'gi bade: Wenn min LehgneS stürzt, wird meine Wahl jedermann in Erstaunen vecscyen.' Ber^ch^sbung der Pariser Konferenz. » Lorvon. 13. Jänner. (Revier.) Aus amtliches Quelle wich gemeldet, es sei möglich, daß die interalliierte Konferenz infolge des Sturzes des Ministe-' riums Leygnes Verschoben werden wird. Lloyd George,- der augenblicklich auf dem^ Lande weilt, teilte mit. daß' er heute , abends nach London zurückzukehren gedenke^ Amerikanische Kredite für Griechenland. Athsn, '12. Jänner. (Havas.) Die Regierung der Vervinig^en Staaten soU sich damit einverstanden erklärt haben, die der Regierung von Ben'zelos bere'tS! versprochenen Vorschüsse im Betrage von 32 Millionen Dollar auszuzahlen, aber nur unter dor Bedingung, daß diese Gelder zum Erwerb amerikanischer, Erzeugnisse dienen sollen, nicht aber zu kriegerischen Zwecken. l Der Schrei nach Waffen.; / . «t. W i e n. 11. Jünncr. Vor einigen Wochen trat der französische Kriegsminister Lefevre ans dem Kabinett Leygnes aus. weil er mit seiner Forderung, Tentschlands sofortige Entwaffnung durch Anwendung militärischer Maßnahmen zu erzwingen, auf den Widerstand des Ministerpräsidenten stieß. Ans den Pärlamentsreden und Blätterstimmen welche dieser Zwifchenfäll hervorrief, war zu erkennen, daß nicht der bleibende Levgnes, sondern' der scheidende Lefevre^ die Meinung -der Majorität im Lande vertrat. Nun hat eine Abstimmung im Pariser Pgrlawentdie Frage endgültig entschieden. Mit 463gegen 125 Stimmen hat die Kammer die gemäßigte und Zurückhaltende Politik der Negierung abgelehnt und das Ministerium bat demissioniert. Man muß nunmehr mit einer Verschärfung . des. französisch-deutschen Konflikts rechnen. Die angriffslnstigen Elemente haben in Frankreich Oberwasser bekommen und werden, falls Deutschland-nicht zur .sofortigen - Entwaffnung: seiner .Sicher- Heils- und Einwohnerwehren bereit. ist. auf eine.Besetzung deutschen Gebietes durch französische Truppen drängen. Diejenigen deutschen Politiker, welche aus einen Widerstand Englands und Italiens ihre Hoffnung -setzten, dürften, enttäuscht werden. Englayd und Italien werden bestenfalls nicht mittun. Aber sie werden , Frankreich nicht in den Arm fällen, wenn es selbständig vorgeht, und. nachträglich eine. Form finden.. »m sich-, unter Berufung auf den Wortlaut des Vertrages voZ , Versailles zün Fr/rnkreichs. Seite zu stellen. geMmwien - -Elemente gesiegt/ haben. ' Noch bedauerlicher überlist-.die Tatsache, daß die' Politik -dep, deutschen Regierung, welche freute ein ohnmächtiges Werkzeug in.den Händen der preußischen und, bayrischen , Reakt'onäre uyd > Revanchehelöen. ist, ihnen zu diesem Siege ver° halfen bat.- Der; Schrei nach Waffen, der jetzt in Frankreich, ertönt. ist ein Widerhall des Rufes nach Rüstung, Kampf und Rache, den Deutschlands nationale Wortführer. beständig ausstoßen. Wer den' Umschwung in der öffentliche« Meinung Deutschlands von den Tagen des Umsturzes bis zum heutigen Tage beobachtet hat. konnte feststellen, daß die Wortführer der Verständigung mit den Feinden von gestern, die. Vertreter der Idee des friedlichen. Wederaufbaues, Schritt für Schritt zurückgewichen sind und jenen das Feld geräumt haben, welche alle Hoffnung auf das Schwert, auf neue kriegerische Unternehmungen setzen. Deutschlands Führer, soweit sie nicht im. radikalsozialistischen oder kommunistischen Lager stehen, spekulieren auf den Krieg, allerdings den Krieg in verschiedenster Form. - Die einen gehen gerade aufs Ziel los. Sie reden beständig vom degenerierten. zusammengebrochenen Frankreich, dem die deutsche Faust in nächster Zeit den Todesstoß versetzen wird. Sie sammeln Kriegsgerät, gründen Einwohner- und Sicherbeitswehren, stellen sie unter das .Kommando preußischer Offiziere, lassen die Rekruten Rache und Kriegsbereitschaft schwören usw. Die anderen sind vorsichtiger und j.dünken weniger an eine selbständige Kriegführung als an den Konflikt, welcher, ihrer Ansicht nach,'in kürzester Zeit zwischen den Siegerstaaten lösbrechen muß. Sie beweisen haarscharf, daß die Kriegserklärungen Amerikas an England. Englands an Frankreich. Japans an Amerika bereits geschrieben sind Statt Deutschland zu friedlicher Arbeit und ehrlicher Verständigung aufzurufen, lehren sie es. sich an übertriebenen Nachrichten über Streitigkeiten zwischen den Westmächjten berauschen. Sie wiegen es in dem tmgerischen Wahn, daß es nur auf die Gelegenheit zu lauern braucht, um als lachender Dritter das Verlorene an sich zu reißen, wenn die anderen sich zerflesick^en weiden. In neuester - Zeit ist eine dritte Gruppe von Kriegsspekulanten ank- Maniht. Ihre Sprecher sind die Generäle Hosfmann und Ludendorff. Diese wieder biedern sich der Entente ay .und bieten, ihr Waffenhilfe, gegen die. Bolschewiken. Die Deutschen, sollen als Landsknechte des Ententckapitals - gegen Rußland. fechten. Krieg gegen: Frankreich, Krieg gegen die entzweiten Westmächte. Krieg gegen Rußland, Krieg, Krieg... So tönt es von DentschlgndS politischen Tribünen, so rauscht es im deutschen Alätterwalde, und die/Stimme der friedliebenden Vernunft ist ganz kleyr geworden! Jhie Ver- Üeter 'sind an die Wand gedrückt. Kriegerische Strammheit, Säbelrasseln und Zäbnezeigen ist wieder Trumpf geworden wie iw der seligen Zeit vor!Ll8. ' Unter solchen Umständen ist es den Kriegshetzern -in Frankreich-allzu leicht geworden, die gemäßigten ^Elemente einz'nschüchtern nnd'die dem brutalen Vorgehen gegen Deutschland abgeneigte Regierung Leygnes zu stürzen. Sie brauchten nur einige Artikel deutscher Zeitungen, einige Reden.deutscher Generäle nnd Universitätsprofessoren zu sammeln,, brauchten nur auf das kraftmeierische Gehaben der ostpreußischen und banrikchen Wehrmänner hinznweisen. um die Franzosen fra#' Gruseln zn lehren. Ten Hinweis darauf, daß in Dentichland viele Millionen schwer arbeitender Menschen lebe», die den Frieden wollen nnd Kriegsabentenern abgeneigt sind, denen das entsetzliche Elend de§ Weltkrieges alle, Kampfinst geraubt bat. der Hinweis auf diese werfängt nicht. Denn die Vertreter des friedlichen. Deutschland si'^d klein' t. bar aller Energie nnd lassen den Junkern . und Schrvei industriellen das große Wort. Und das' ist das Unglück Deutschlands. i -

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