Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 706 (13.1.1921)
- Date
- 1921-01-13
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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- Amman 1× ep/1044017
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Seite 10 Wien. Donnerstag Wiener Morgenzelrrrrrg 13. Jänner 1921 Nr. 706 im Schwimmsp-rt. Am 30. Jänner di^ Generalversammlung des SchrvimmverbandeS statt, Ncvcn Tagr-sordnung als wichtigster Punkt der Anschluß im'. o:rt Deutschen Schwimmverband steht. AuS sportlichen G'.'linden besteht bei einem Teil der Derbandsmitgliedrr eine Gegnerschaft gegen diese Bestrebungen. Kreis Ocst'rreich d r jüdis.-ben Trrrn» nnd Spr^verein.-. Die r-ä bste KrnZturnra'Ssttzung sinket Samstag den 15. d.M. um 6 Uhr abends im Eise Industriellen statt. konh Orchester D:e deutige Probe n de* nicht im Streich Lann.r-Sail. sondern im Saal' dfr Schau pietschule der Musüveremsgebütrdes (Eingang Gl'elasiraßestau. Gerichtssaa!. Der Peiniger des David Weitz begnadigt. Dir veröffentlichten gestern ein Telegramm dsS Ungarische:: Telcgraphen--Korrespondenz-BureauS, in welchem bexicT-stet wird, bcij der ReichLverweser Horthy den Räuber Attila Rum bald begnadigt und die über ihn verhänhte Todesstrafe in eine 15jährige Zuchthausstrafe umgewandelt habe. Di.' orinncr'i h, wurde nach der großen Tritannicr-Lornödi» u.nt.'r and.'r^n auch ein „Erwachender Ungar" n^meuL Attila Rumbold in Haft genommen, weil 'ich hcraußgesteltt hatte, daß er im Britannia-Krller den 80jährigen Juden David Weiß in der fürchterlichsten Weife mißhandelt und' beraubt hat. Die Empörung, die die Aufdeckung der Vorgänge im Hotel Br.ilannia in Budapest in der ganzen Welt hervorgcrusen, hat, vcranlaßte die ungarische Regierung damals, wenigstens -um' Schein etwas zu unternehmen, was der Wiedereinführung der Rechtsordnung ähnlich sieht. DaS schon früher in Geltung gewesene, gegen die „Erwachenden Uugaru" jemals praktizierte verschärfte Standrecht wurde in Erinnerung gebracht und die zwei Figuranten des Britannia-SkandalS, der Mörder des Polizisten Soltra, MeszarsS, und - der Peiniger des David Weiß, Attila Rumbold, vor das Standgericht gestellt. Beide wurden standrechtlich zum Tobe verurteilt. Wir, haben damals gleich vorausgesagt, daß der Judenpeiniger nicht gehenkt werden wird. Die Ausführung der Todesstrafe an dem Polistenmörder hat die Polizeiorgadsatiorr erzwungen. Attila Rumbold jedoch wurde jetzt von Horthh begnadigt. Den Juden handelt es sich natürlich nicht darum, daß Attila Rumbold, der nur ein Verführter^ eiu Werkzeug in den Händen jener großes Verbrecher war, auf deren Gewissen Tausende jüdischer Leben und Existenzen« lasten, die Todesstrafe erleidet. Wenn aber, wie Graf Telrks damals mit dem Brustton der Neberzeugung in dir' Welt htnausposaunte, die Verurteilung Rumbslds ein abschreckendes Beispiel sein sollte, um dem Räuber« und Mörderunwesen, den At'riei-.cn der Detachements und der „Erwachender, Ungarn" ein Ende zu bereiten, so wird die ungarische Bevölkerung, Und ganz besonders der zu allem entschlossene Anhang der „Erwachenden Ungarn" aus dieser Begnadigung dem« Schluß ziehen, daß Raub, Mord und Torturen, an Juden begangen^ unter eine andere Beurteilung fallen, als wenn» ein Nichtjude durch -einen Revolverschuß sein Leben einbüßt. Die ungarische Bevölkerung wird die Begnadigung NumboldS nur als den ersten Schritt zu seiner völligen Befreiung ansehen ur£ sie bürste darin recht haben. Das Ungarische Telegraphen-Ztorrespondenz-Bureau scheint es selbst empfunden zu haben, wie ungeheuerlich diese Begnadigung vom Standpunkt der Rechtsvergeltuilg ist, und nennt in seinem auffallend kurzen Bericht Rumbold verschämt einen Räuber. BANKHAUS M. ROHATYN Wien,Maria Theresienstrasse 10 Telephon 20-3-63 4S4 Der Volkswirt. Eine Krone °» 1.45 Centimes Geld. In Zürich notierte: die östrrrerchischr Krone. 145 ( 1.45 am 11. Jänner) dir oftert. gestempelte Krone . . . 1.-— i 1.— m 11 Jänner die tschechische Krone ...... 7.65 l 7.45 im 11 Jänner) otc Mar?. 985 9 20 am 11. Jänner Agram . .. 485 ( 430" mi 11 Jä nn Buka:est .. , .v. 8,70 ( 8.65 im 11 Jänner Bndaneü .. » . 1.15 l.Wlt rmt 11 Jänner' Warschau » . -.—.85 <-—.95 am 11. Jänner) Die Geschcrftslage ln Paläft'ni. / Die Geschäftslage in Palästina, so schreibt die Palästina- Exportgesellschaft Dr. N. Honig u. Ko. in' Berlin, stand im Dezember noch unter dm: Einwirkung der allgemeinen Absatz-! krise, die die Unternehmungslust lähmte. Die Nachrichten von; Konkursen großer ägyptischer Häuser trugen zur Verschärfung dieser Stimmung bei. Im Gegensatz zu Aegypten, wo die Krise eine außerordentlich starke Form annimmt, haben jedoch, einige Branchen .in Palästina mehr und mehr eine Belebung erfahren. .So geht besonders der-Markt in Baumaterialien einer NeubeleLung entgegen. Bevorstehende öffentliche und private Bauten, im Zusammenbang mit der Steigerung der jüdischen Einwanderung und Besiedlung, veranlassen die dortigen Unternehmer, sich mit Baumaterialien, wie Zement, Eisen, Baubeschlägen, Glas, Holz u. s. w., rechtzeitig einzudecken. Auch der-Anteil Deurfchlgnds an dem Export der genannten Waren wird zusehends lebhafter. In diesem Monat erfolgte die seit Kriegsausbruch erste Zementbestellung, in Deutschland. Nebenher wurden Eisenträger und Drahtstifte in Deutschland bestellt. Im Vergleich zu dem Gesamtimport in Baumaterialien waren die Bezüge auS Deutschland jedoch verhältnismäßig gering. Mit Hilfe kulanter'Zahlungsbedingungen gelingt eS den , ausländischen Häusern, den Markt, zu beherrschen, obgleich ihre Preise etwas hoher waren, als deutsche: Firmen ofse- riert hatten. Infolge der ' stetig fallenden Preise auf dem internationalen Daumaterialienmarkt beschränken sich die Einkäufer natürlich auf dey notwendigsten Bedarf. Von anderen Artikeln, die Mutschland im Dezember nach Palästina exportiert hat, sind zu '-nennen Papierwaren, Eisen- und Wirkwaren. Zumeist waren eS palästinensische Kaufleute, die zu Einkaufszwecken; persönlich nach Deutschland kamen. Eine wirkliche Neubelebung des Geschäftes der-, spricht man sich in Palästina erst im Frühling kommenden Jahres, nachdem , die Anleihe^ untergebrächt fein, und das jüdische Siedlungswerk im, Lande feinen Anfang genommen haben wird.';; •. -t Die paIäst ine nsi sch e R e gie ru n g hat an die Zionistische "Organisation nach London telegraphiert, daß sie für die Durchführung öffentlicher Arbeiten sofort tausend Arbeiter benötigt. Die während der Regenzeit hercschende vorübergehende Arbeitslosigkeit hat auch im übriger inzwischen ihr Ende gefunden. Das Departement für öffentliche Arbeiten in Palästina kündigt die Vergebung,neuer Chaussee bauten an, darunter einer von Alka nach Safed und einer zweiten im Ost jordanland von ES Salt nach Amman. Die BaumwoMrise in Aegypten. Die gegenwärtige Baumwollkrise in; Aegypten ist io erster Linie durch den außerordentlichen Rückgang der Baumwollpreise verursacht, die während dtzil Krieges, ähnlich wie in Amerika, eme ungewöhnliche Höh« erreicht hatten. Obzwar die Bestände zurückgegangen sind und die Ernte nicht größer als vor dem Kriege war, ist der Preis für den Kantor Baumwolle von über 180 auf 85 Talari herabgestürzt. Die ganze Existenz Aegyptens beruht auf dy: Baumwollproduktion und die Folge des Preissturzes stich Zusammenbrüche einer ganzen Reihe von Firmen sowie eine ernste Krise, deren Dauer vorläufig unabsehbar ist. Unter der allgemeinen Geschäftsstockung leidet daS ganze Land empfindlich und die Kaufkraft der Bevölkerung ist außerordentlich gesunken. Um eine Ueberproduktion für daS nächste Jahr zu verhindern, wurde die Anbaufläche für Baumwolle auf die Hälfte reduziert. Es wird sich jedoch erst zeigen. ob 'dies eine wirtschaftlich zweckmäßige Maßnahme ist. Für den Baumwollinteresscnten ist eS jedenfalls vvw großer Wichtigkeit, daß er gegenwärtig nirgends billiger als in Aegypten einkaufen kann. Baumwolle für die Tschecho-Slorvarrr. Prag, 12. Jänner. (Tel.-Komp) Wie die „Tribuns" Mkldct, ist in den letzten Tag n eine Offerte auf Middlingbaumwelle um «men Preis von 5b0 Punkten ü!ur den New'Vvlkrr Futures, lieferbar ,m Marz, gestellt werden. Der Preis versteht sich ab Hamburg. _ Holländisches Mehl für die Tschecho-Tlowaker. Prag» 12. Jänner. (T l.-Komv.) Der Direktor der Slaatserireideausialk hat in Holland den Ankauf von lfOO Waggorw Mehl abgeschlossen. Die Bezahlung dürste m barem ersolgen. Ein WeltKreKord in der Getreideausfuhr. London, 12. Jänner. lTel.-Komv.) Argenttmen hat i« Jahre 1920 den Rekord der Getreideausfuhr geleistet. Die exvo.tiertcn 11,00 > 00a t Getterde rutprcchen eine« Wert vov- 1115 Mlllromn Goldpcsos. Angarn und die Liquidation der Notenbank. Budapest, 12. Jänner. Der Berichterstatter des Ungaschen TelegraPhen-Korrespondenz-BureauS m^det aus Im Laufe des gestrigen Nachmittags hatte Pr. Hegedüö eine mehrstündige Besprechung mit derst Gouverneur der Oesterreichifch-rmgarischen Dank Dr./Spitzmüller und dem Generalsekretär'. Rapp. In dieser Konferenz wurden drei Gruppen ponFragen besprochen. Die erste Gruppe umfaßt die Befriedigung der schwebenden Kreditansprüche der ungarischen i Regierung. Der ungarische Finanzminister steht auf dem Standpunkt, daß, wenn die ungarische Nationalversammlung die vom Finanzminister eing<Hrachten Vorlagen» bis zum 1. Mai 1921 erledigt, über diesen Zeitpunkt hinaus nicht die Notwendigkeit bestehen wirb, die Notenpresse. in Anspruch zu nehmen. Die zweite Gruppe von Fragen bezieht sich auf den Austausch der Banknoten. Asarja wartet. ÄuS dem Ungar/cben des Emmerich AbLdi. In Tel-Awiw, der neuen jüdischen Stadt bei Jaffa, wird die Aufmerksamkeit der Neuangekommenen auch von einem bedauerlichen, zugleich sonderbar komischen Straßentypus angezogen. Just auf den belebtesten Plätzen, vor den Geschäften und unter den Spaziergängern tummeln sich bloßfüßige, plutjunge Mcnschenf kruder mir stark gebräunten Gesichtszügen., Eiy sieis.es Hemd oder eine breite, schäbige Hose bilden das Habit. Auf dem Kopfe sitzt ein billiger, paprikaro.er Tarbuö. Das komische Wesen der kleinen Figürchen wicd durch die auffallend langen Pajes vepvollständigt, welche aus der Kappe langmächtig heraus-. hängen und, während die Buben laufen, neben den Ohren mi schwingen, wie die Flügel eine? bshinsliegenden Vogels'. Betrachtest du sie, während sie vor den Fußgängern eiuhcriausen und bald lächelnd, bald mit trauriger Miene urn eine milde Gabe be.teln — „adon, ten li nedava, - len li nedava" — so muten sie dich in ihren alten, für Erwachsene bestimmten Kleidern an, als wären sie Gnomen, welche bisher als farbige Stein- und Gipsfiguren unter Sträuchern und Beeten eines großen Ziergartens standen und plötzlich lebendig wurden, dem Garienarrcst entflohen und, ihre Bewrgungsfvkihe'.t in vollen Zügen genießend, unermüdlich in der Stadt u.mherlausen. Das Gleichnis vom Ziergarten und vom Arrest ist umso zutreffender, als diese Menschenkinder in der Tat von der glücklichen Erde Arabiens kamen, wo sie aber das Leben unter den ärgsten Bedräng«issrn sristeten. Die Haupteigenschaft dieser bedauernswerten und lustigen kleinen Figuren ist ihre Ausdauer. Hast du nämlich einmal, aber auch nur ein einziges Mal, in dum ich wachen Augen bl'ck, da du dich chrer nicht erwetz^y konntest^ , irgendeinem gegenüber eine Missetat bis zur Hohe von zwei Kobaken geübt, so wisse, mein Freund: Der Beschenkte ist dir in ewiger Treue verbunden, dein Angesicht bleibt unauslöschlich in daS Gedächtnis deines Günstlings eingeprägt und du kannst ihm fürder nicht begenen, ohne daß er dich aus großer Distanz erkennen würde. Kein einziges Mal kannst du fortab deinem Schicksal entgehen, ja du wirst dich gar bald von dem telepathisch in die Ferne schweifenden Gefühl deines rotkäppigen Gnoms überzeugen missen. Denn sväter wird er schon vom anderen Ende der Stadt wittern, daß du -ein Haus verließest, und plötzlich gewahrst du. daß er auf den Flügeln der Pajes mit glücklichem Vächeln dir zustiegt. Solch ein Gnom mit dem. roten Fes spürte einmal, als ich zwei Tage nicht auf die Straße gehen konnte, sogar meine Wohnung aus. Ich wohnte damals noch in der Lilienblumstraße. Tel-Awiw war nur bis Nachlath-Benjamin ausgebaut, die Hasmonäerjrmße harrte noch der Architekten. Doch'Tel-Awiw war auch so schon lieblich. Mit der weißen Fassade des Gymnasiums, mit den Türmen einiger Dillen blickte es lächelnd über die Ansiedlung der Jemeniten und über die Sanddünen auf das Meer, wie ein blutjunges, knospendes Mädchen, das sich neugierig auf die Fußspitzen stellt. / Eine solch' lautlose Stille des zurückhaltenden Atems, des jungfrÄrlichen, neugierigen Lauschens herrschte auch an jenem Frühlingsnachmittag, als ich eben an nreinem. Tische vor dem auf Straßengärtchen-' schauenden Fenster saß, mit der Sichtung von Daten beschäftigt, und jemand hinembrummt: „Adon, ten li nedava, adon, adon!ten U ... * (Herr, gib mir Almosen . . . ). Ich blickte auf. Ein roter Fes mit einer abg?t'"rgenen Quaste, darunter eine braune, glatte und zwei leuchtende, schwarze Augen.Soviel sah ich vom ganzen Kopfe. Bald hob er jedoch seinen braunen, halbnackten Arm über das Gesimse so. daß ich auch die langen schwarzen Nägel an seinen Fingern sehen konnir. Ich erhob mich ein wenig. „Du bist es!" rief ich, meinen treuen Gnom er« kennend. „Adon, adon, ten li nedava.^ Sinnend und lächelnd betrachtete ich ihn einige Augenblicke, inzwischen wiederholte sich die gutbekaunts Phrase: „Adon, adon ten lr nedava." „Komm' herein!" rief ich ihm rasch entschlossen zu. „Ke-l-ew" (der Hund), wimmerte er durch das Fenster. ..der liegt dort auf der Veranda.. .* „Der Kelew tut dir nichts zuleide, komme nm." Der Junge verließ hierauf das Fenster, mutloS drückte er die Klinke meiner Türe und steckte das eine Ohr samt Schläfenlocke herein.- „Komm' nur ganz getrost. So. Jetzt setze dich schön. Wir wollen se^en, ob du auch ein wan'g geduldig sitzen kannst. Ich bin gleich fertig." Schüchtern setzte sich der Junge nieder. Aber nach einer halben Minute gmg's wieder los: „Adon. ten li nedava!" . . Diesmal sagte er es in einem Tone, als wollte e? mir zu verstehen geben, daß er auf eine Nedava nicht so lang warten könne. Ich legte meine Notizen beiseite? und wendete mich freundlich zu ihm. „Sage, mein Junge, wie heißt du?" „Asarjah." „Asarjah?" „Ken, Asarjah Perez ben Jehoschuah." „Sage mir, Asarjah Perez ben Jehoschuah, bist tot auch in den „Cheder" gegangen?" ..Ich ging." /Kannst du auch schreiben?" . Ich kann . . . Adon. ten li nedava." ' „Warte nur, eile nicht so. Wo ist drin Paler? Was ist er? „Mein Vater heißt Jehoschuah." sFortsetzuug folgt.)