Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 706 (13.1.1921)
- Date
- 1921-01-13
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Wien Donnerstag i - > > .. " '" " ' ..— bankengange angreifen, und rein «arische Studenten demon» strieren in seinen Vorlesungen, bis die Lage so unleidlich geworden ist. daß sich Einstein zu der Erklärung genötigt siebt. er werde Berlin für immer verlassen. Hier ist eine neue gute Gelegenheit für uns, selbst ein wenig mehr Prestige zu erwerben. Wir schlagen vor. eine englische Universität scüe Einstein eine Professur anbieten auf so lange Zeit, bis die Deutschen cinsehen, daß sie sich, ihm gegenüber ebenso aloern wie undacklbar benommen haben. Wir haben keineswegs den Wunsch, die Deutschen ihres großen Mannes zu Trauben, aber es wäre doch sehr hübsch, ihnen zu zeigen, daß wtr ihn besser zu behandeln wissen als sie"' usr». AuS diesem Artikel können wieder einmal die deutschen Hetzer ersehen, welchen, für das Ansehen Deutschlands schädigenden Eindruck ihr Treiben auf das Ausland hervorrnft. Ueberaus bedauerlich ist eS jedoch, bei dieser Gelegenheit fest» stellen zu müssen, wie schlecht noch immer die Engländer über Deutschland unterrichtet sind. WenN selbst eine so angesehene wissenschaftliche englische Zeitschrift, durch daS gemeingetähr» liche Treiben des sogenannten „wissenschaftlichen" Antisemitismus irregeführs. ^derartige verschrobene Urteile Über das deutsche Nationalgefühl abgibt, so darf man sich nicht wundern, wenn in geistig minder hochstehenden weisen Englands nvkb viel schroffere Urteile in dieser Hinsicht gefallt werden. ES Nt zum mindesten sehr übertrieben, die von unreifen und die antisemitische Hetze als Geschäft betreibenden skrupellosen Personen ausgehenden Angriffe gegen Einstein als Ausfluß deS deutschen Nationalgefühls hinstellen zu wollen, wogegen jeder anständige Deutsche aufs entschiedendsts protestieren muß. Von wirklichen deutschen Wissenschaftlern deutscher Herkunft hat, unseres Wissens, kein einziger den Juden Einstein angegriffen. Im Gegenteil, gerade die hervorragendsten deutschen Vertreter seines Faches — eS sei nur auf die für ihn mit Entschiedenheit eintretonde Erklärung der Herren Nernst, d. L a u e und Rubens, von denen die beiden Ersten H>äger deS Nobel-Preises sind, hingewiesen — sind seiner wissenschaftlichen Bedeutung in jeder Beziehung gerecht geworden, so laß er gerade durch das Eintreten seiner.Hervorragendsten deutschen Fachgenossen für ihn in Berlin und in Deutschland zu blerbe« beschloß. In diesem Sinne schrieb Einstein auch dem Unterrichts- Minister H a e n i s ch : „Ich habe rn bjefett Tagen erlebt, daß Berlin die Stätte ist, mit der ich durch menschliche «nd wissenschaftliche Beziehungen am meisten verwachsen bim Einem. Ruf ins Ausland würde ich nur in dem Falle Folge leisten, daß äußere Verhältnisse mich dazu zwingen." Somit ist auch der Vorschlag des „Athcnaeum". Einstein an eine englische Universität zu berufen, vollkommen hinfällig geworden. Dr. S. Gewürz. --- •' t " Weiß mann und ZahottnsKy in AmsterLa>m Amsterdam, I?» 'er 1981. Die Anwesenheit unserer Londoner Gäste bedeutete für das jüdische Amsterdam ein-Ereignis. Zunächst fand ein engeres Parteimeeting statt.-auf-welchem Professor Weih mann ans die verschiedenen Begrüßungen unter anderem ansführte: ' Wir Zionisten befinden uns in einer solchen Lage, daß es nunmehr für uns kein Zurück gibt/ Unser ganzes Tun und Lassen wird von der Welt kontrolliert und beurteilt, und wehe, wenn die Welt'uns verurteilt^ Sie werden in kurzer Zeit die genauen Bestimmungen des Mandats über Palästina-lesen können. Diese Bestimmungen, das hangt von euch ab, können ein Blatt Papier werden/ oder wenst - sie wollen, eine Magna Charta. Das wird nicht nur für unsere Generation, sondern auch für die künftige Generation ein Stück großer Arbeit sein. Die- Türen Palästinas stehen offen, der Schlüssel zu diesen Toren liegt in eurer Hand. ’ Was die Grenzen Palästinas betrifft, bin ich mit diesen auch nicht zufrieden. Das* Sßocfr Litani kling f in allen Straßen. Der Verlust ist für uns schmerzhaft, aber wir können ohne den Fluß auch leben. Uebrigens müssen wir nicht alles tun. Unsere Kinder - können auch noch arbeiten- Ueber die Litani ist schließlich und endlich noch nicht das letzte Wort'gesprochen worden. Wir sind keine Partei mehr, wird find ein internationales. politisches Problem geworden. Wir müssen jetzt fchaf'en und das, was wir erreicht haben, gut machen. Wir müssen auf unsere eigenen Kräfte bauen. Auch jetzt gibt es vielleicht Zionisten, die sich, auf die Regierungen stützen werden. Das ist eben unsere Schwäche. ,- Ich habe vor vierzehn Tagen Gelegenheit gehabt, mit einem der größten englischen Männer zu sprechen. Er warnte mich und machte mich darauf aufmerksam, daß keine Negierung, keine organisierte Mach«- imstande, war, baS zu erreichen, was wir erreicht haben. Wir haben das erreicht, nicht mit Macht, sondern auf moralischem Wege. Die jetzige Zeit der Demokratie ist die geeignetste dafür. Wer weiß, ob wir nicht in Zukunft vor einer neuen konservativen Weltordnung stehen In einer. konservativen Welt könnten wir srch-r das nicht erreichen, was wir erreicht haben. Benützt also diese Zeit, um etwas zu schassen. Die Tii--rn Palästinas stehen offen. Tausende' und abertausende Heimatsloser warten, um hineinzukommen. Diese zurückzuweisen, warne ich euch! (Stürmischer Beifall.) Am 2. Jänner fand ein großes Massenmeeting statt, an welchem auch der englische Gesandte aus dem Haag. Sir Ronald Graham, teilnahm. Dieser dankte für den warmen Empfang und ßob hervor, daß deo stürmische Beifall eigentlich nicht Sbtenrr Moraenzeitnng_ Ungarn — eiste Gefahr für Europa. « r t e, l 2. Jänner. A (Statt«*!*fe sich Im Leitartikel des „IsrrrnÄl De" als" mit der Monarch!' Ischen Restauration in Ungarn, die eine Gefahr für Europa bllve. und kommt zu dem Schluss: Di-" manya» ri che Ps'ltik ebenso wie die bulgarische kann niemals Mit der chen über iustimmcn. Frankreich dtzrf sich nicht an d e KluSfslhrunaen der M'lsten n lallen, die in An^avn tendenziös informiert werbe»?, sondern muh sich au dr^Miitoilrrn en der befreundeten Sukzejfionsstaaten halten. Vor der Auflösung des Prager Parlaments. Draa, 12. Jänner. Wie die „Tr'buria" m-lde^, kam es im Verlaufe einer im Nbrieo^dnet uchaüfe «-gehaltenen Konf retrz über die M Hh l a b a « d e zu 1 eftl en g us * wt* m e ft 5 f: e rr Machen de« S o % i a 11 fl t n und dnAnrar 1 ern, so daß die Sitzung aufgehoben werden mußte. Der Prästdr t der RepttSlik «n^ der M i n i ft o r p r ä f i d e n t baden eine Reihe von Narteifil^rern -n stch dsrn^n. Am Parlament wird aA^emein von N e Nwählen gesprochen. ihm persönlich gehöre,. sondern der britischen Regierung. Er bemerkt, baß. jetzt die Zeit gekommen ist, wo die Solidarität det Judeninsbesondere der verschiedenen Gruppen in Palästinä, äm notwendigsten ist, und baß die weitere Gestaltung und Entwicklung. dev-Verhältnisse in Palästina voN den Juden selbst, abhängt. - Wladimir Jäbvtinsky erklärte: Es gibt zwei Urten von Propaganda, die eine ist die beschlichtendedas istdie,, wo allez verschönert wieh, um auf'diese Weise zur Tcft anzüeiFrtt. Dre andere istldie' erschwerende, ^fvobeidirekt gesagt' wird: S:He. wie schwer es ist. Die "erste. Arl jst bestimmt füe Schwächlinge, die zweite dagegen für Männer sslchev Völker, die' sich berufen sühlen/meue Maaten zu,s,chäMn und zu prgani» sixrey..'.Zi;h biMn, VMM^ tzMrt auch das. Mische Bö'tt, weMr? g 'zwHtansLndWriA' Tradition, hufchhalten. könnt«, um sehtwieder die ungeheure .Mission und Äufgahe erfüllen zu können. Denn jemand glaubt, daß die 'Türen offen bleiben, bis rs die Juden^ für angenehm finden werden, hinzugehen, der irrt sich! „H'.c Nhodus. — hie salta!" Hier Muß man zug'eisen, und das kann nur verwirklicht werden, wenn wir arüei.en und schaffen. Wenn man im Osten Blut und Feuer sieht, kann man nicht kleinlich denken, man muß die un .erg eh ende Masse vom Unglück wegreißen, und wenn sie etwas schaffen Wollen» müssen sie etwas Ebenbürtiges schaffen. Man muß bauen,, und etwas Ewiges. Man muß einfür allemal die Tragödie wegschaf'en. Den Judcnstaat bauen wir oder wir bauen ihn nicht!-Mit solch einer Frage und solche einer Aufgabe haben wir zu. rechnen. . Alles wikd man entbehren müssen, üm bauen zu können, denn nur dies ist das System, worauf baS Judentum im zwanzigsten Jahrhundert gebracht werden soll. Und 'darauf auch wurde der Keren Hajessod aufgebaut. Er bettelt nicht um Ersparnisse, sondern basiert auf der größten und' ältesten Tradition, auf Ma ssöv.-Ein Zehntel gehört dem Staat und das muß Mer Jude leisten! Der Unterschied zwischen Zionisten Und Nlchtzwnistett ist abgcschasftk Die großen Mächte kennen nur Juden, und ob Zionist oder Nichts zionist, er tragt dieselbe ' Verantwortung. ' Professor Weitzmanu: Wir müssen den Aufbau auf drei Dinge stützen. Erstens auf den Ackerbau. Palästina ist kein fertiges Land, es muß erst geschaffen werden zu einem solchen. DaS Land ist verwüstet, und so wie .Frankreich seine verwüste en .Gebiete wiederherstellt, so müssen wir Palästina aüfbauen. Für uns ist es aber schwieriger als wie für den Frarrzosen, denn dieser Aufbau geht nicht von einer Stelle aus, sondern muß von Amsterdam, Warschau. London, Chicago aus gemacht werben, und unsere Anst engungen müssen auch von dort ausgehen. Dazu haben wir keine Ackerbauer, wir müssen diese erziehen, denn wenn unser Ackerbauer so sein soll wie der rusf'schL Muschik, dann ist die Lage sehr traurig. Jeder Fuß Landes muß freigemacht werden. Große, halbe oper viertel Landstriche, müssen bearbeitet werden und das in großem Maßstab. Der ganze Süden von Palästina ist leer. Die zweite Aufgabe ist die in dustrielle. Die Mittel, die vorhanden sind, sind bedeuterrd genug. Und das war der Grund, warum wir die Wasserkraft, die uns abgesprochen / worden ist, verlangt haben. Der Jordan gehört uns, und was dem Jordan gehört, gehört ihm. Die dritte Ausgabe ist der -tzeistige Aufbau und daS gerade bei den Juden. Der Jude fmgt nach einer Schute, gerade wie nach eiuem Zelte. Zwar gibt es unter den Zionisten solche, die anders denken, daS find die sogenannten praktischen Zionisten, welche einfach hier übertragen und anpassen wollen, waS sie in anderen Schulen gelernt haben. Wir Juden können das nicht 13. Iünner 1921?U. tun. Wir bauen aüf einet zweitausendjährigen Tradd tion und setzen die alte Geschichte fort, und eben darin liegt unsere Stärke. Sollten wir ohne Tradition, zu bauen beginnen, dann würde vielleicht auch das ge« sche'-en, was geschehen soll, aber wir würden in diesem Falle kein jüdisches Paläst'na haben. Alle Juden sollen es machen! Wir rufen alle Juden zur Arbeit und hier liegt eben die Schwierigkeit, die man Überwinden mußt ' Wir arbeiten nicht im Dunkeln, nur im Tages-, licht. Ja, wir werben überwacht. Jede Tat, jedes Unterlassen wird zum Gegenstand großer Debattengemacht. Ich habe meines getan und kan» meine Arbeit aufweisen. WaS habt ihr gemacht? Uns hat die Balfoursche Deklaraüon in eine solche Lage versetzt, daß es kein Zurück gibt. Wir aber werden euch tu eine solche Lüge stellen, wie e§ während des Krieges in Belgien, Frankreich oder in England war. Wer keine SoldatenmÜtz« aufhatte» der wurde auf offener Straße gelyncht! Der. kein Massor zahlen wird, der wird sich auf der Straß« nicht zeigen können, denn er wird nicht nur von dem Juden, sonder« auch von den Christen verachtet.. Wir wollen den Arabern unsere Kultur nicht aufzwingen, wir wollen nur unser« schassen und fortsetzen. Si« haben genug, wo sie sich^au-Sdehnen können. Wir wollen nur in Palästina bleiben. Es ist ganz schrecklich, was man auf den Straßen sieht, di« überfüllt sind von wandernden Juden aus dem Osten,, die trostlos zugrunde gehen. Und ihr habt noch den Mut und baS Herz, zuzusehsn und zu schweigen!? Ihr habt die heilige Pflicht, denen zu helfen, und wenn.thv das Nicht tut, dann kann diese Gefahr auch euch brohenß Ich sage, die Tore von Palästina stehen offen, die, Schlüssel aber sind nicht bei uns, sondern nur in ihren Händen. Ihr könnt tun, was ihr wollt, wir müssen, im Moment, wo Tausend« vor diesen Toren stehen., zeigen, daß wir wenigstens Zehn-., Zwanzig, oderi Dreißig tausend empfangen können. Heute verlangt man nur einen Teil, morgen wird inan vielleicht schon den ganze« Körper verlangen müssen. (Stürmischer «fei*, füll.) - - Brief aus Warschau. Bon »usere« 8.-Ko»rrspoudenten. Die Wahlen in die jüdische Gemeinde, welche so lange hinausgezögert wurden, sollen nun tznd-!ich in ungefähr sechs bis acht Wochen stattfindew. DaS polnische KultuZmiNlsterium hat endlich trotz aller Bemühungen der Asstmilanten daS neue Wahlstatiü für die jüdische Gemeinde bestätigt. Danach werden.. di« Wahlen nach dem Muster der Wahlordnung zum Polnischen Sejm allgemein, direkt und^ proportional sein. Aktives Wahlrecht haben alle in Warschau wohnhaften Juden männlich e n Geschlechtes, welche das .25. Lebensjahr erreicht haben, das passive Wahlrecht ist an die Erlangung des 30. Lebensjahres gebunden. Zensus, Kurie und dergleichen, alle die Mittel, durch welche sich die Assimilanten gegen den Willen der jüdischen Bevölkerung Warschaus auf ihren Kahalstühlen zu behaupten gewußt hatten, sind zum Leidwesen dieser Herren, die mit längst abgelansenen Mandaten die Gemeinde verwalteten und durch ihre Mißwirtschaft in. eine geradezu katastrophale.^ Lage brachten, im neuen Wohlstatut nicht mehr zu ftnden. Wenn dieses also auch nicht allen Forderungen. der modernen Demokratie entspricht (so haben zum Beispiel die Frauen kein Wahlrecht in dis Gemeinde), so ist eS doch geeignet,, der Lotterwirtschaft eineS volksfremden Assimilantenklüngels^, durch welche eine der größten Judengemeinden der Welt allen Aufgaben, die g« : sie gestellt werden, hilflos gegenübersteht, ein Ende zu setzen. Der beste Beweis, wie weltfremd die heritigen .Herren in der Warschauer Gemeinde sind, ist. daß sie ihre Be amten hungornlafsen. (So wie in Wien.) Es ist z». erwarten, daß die neue Warschauer Gemeindeverwaltung demokratisch und national, sein. wird. Sie muß es aber auch werden, da der Gemeinde wichtige Aufgaben bevorstehen. Wohl hat nach dem neuert Statut deS Kultusministeriums die Gemeinde nur einen religiösen Wirkungskreis, doch ist ausdrücklich vermerkt. daß im Zusammenhang mit dem Paragraph 93 des Versailler Vertrages durch eine spezielle Zusatzver? ordnung eine E r w e i t e r u n g d e s Kompetenzkreises der jüdischen Gemeinde auf dem Gebiet deö Schulwesens erfolgen wird. Gerade dann, wenn durch die Ausführung der Klauseln über die nationalen Minderheiten der Wirkungskreis der Gemeinde verbreitert wird, ist es von Wichtigkeit, daß die Assimilantcst keinen Einfluß in der Gemeinde haben. Denn das beste Aussührungsgesetz über die Rechte der nationalen^ Minderheiten ist nichts wert, wenn die. welche e§ ausführem offene oder verkappte Afsimilanten sind, die jede- Aeußerung jüdischen Wesens fremd und feindlich' gegeni' überstehen. Aber auch in dem - heutigen Wirkungskreis ' der Warschauer Gemeinde können die Assimilanten nichts nützen, sondern nur schaden. Nach den neuen- BcstiNl« mungen ist die jüdische Gemeinde in W o h l t ä t i gkeits- und religiösen Schulangelegenheiten autonom. Das Wöhltätigkeitd- Und Fürsorgewesen m der Warschauer jüdischen Gemeinde war bisher im Zustände skandalösester Almosenwirtschaft. Sonst verließ man sich aus die bewährte ausländische Hilfe. DaS Prinzip konstruktiver Selbsthilfe fordert eine moderne Verwaltung auf sozialem Gebiete. Daß assimilatorischt: Kreise für eiue jolck)e Lein Verständnis haben, das habetr