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Wiener Morgenzeitung · 1921-01-12 · Heft 705 (12.1.1921) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 705 (12.1.1921)
Date
1921-01-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Einzelpreis 28 Kronen Einzelpreis 28 Kronen Pränumeratton-preise: Wie«: ftnm Abboln, in der Hkvedttto«» ‘L Bezirk. Tafrur» piüafte I biß 8, oder m eine« VerschleitzfteLe <Traflk>: . SlonatHrft .•. Kronen iv.— lvierteljährltch 1üS.— Mit Postversand kür Me» und Oefterrcick: VHntäiUdi.. Kronen 50.- N»eSo-Slowaket: Monatlich Kronen 15.— BiemljöftvUrft », 45.- tit tschecho-slowakisckerWältnms Ungarn: Monatlich .. Kronen 50.— lvtertelfnitrlich ,, 150.— ' in nnqarischer WSdrnng Augoflawren: Monatlich .. Dm« »«— PierteNiihrltch » 24.- Nr. 705 rener Vrän«Iqeratio»ispreisei Polen: Monatlich .. Marl M*.— Äierrelinlltrltch „ ISO*«», in polnischer Währung Deutschland; Monatlich.... Mark 10.— Frankreich:! Monatlich. . . Francs S«-s Italien: , Monatlich .... Lire 8.-> Rumänien:! Monatlich ...» Lei 15.—- Schweiz: u. da? übrige Ausland: Monatlich . . . Francs 3.«^ Redaktion». Administration Wierr.S.Bez.,Taborstr.l—3 Telephone: 440 X, 43810, ab 6 Uhr abend» Nr. 18 -Ol Poftsparlassentonto 150.688 Wien, Mittw ch den 12. ZKnner 1921 3. Jahrgang; , Galgen und Zensur. —7. W i e n. 1?. JSnner. Das Memorandum der Staatsangestellten an die Reporationskommission spricht von ejnem VerzweUlungsausbruch dieser Kategorie von Beamten, der bei einer Fortdauer der Not sich unvermeidlich einstellen müßte. Wie die ersten Formen dieser Verzweiflung sich äußern wurden, haben wir vorgestern in der Gmquete für' den Preisabbau gehört. Der Wortführer der Technischen Union, einer viele Tausende von Mitgliedern zahlenden Vereinigung, hat Prügelstrafe und Todesstrafe für. Schieber und Preistreiber gefordert. Wenn Lvr Preisabbau bis zum 20.'Jänner nicht Tatsache geworden fein sollte, würden „wir" — der Redner drückte sich hier etwas undeutlich aus — die Schieber bei der Börse änfbängen. Ferner müsse für-den telephonischen Und-telegraphischen Verkehr die'Zensur eingeführt, werden, um den Schiebern das Handwerk zu legen. Dieses Kraftmeiertum wird vielleicht dem sanften Herrn Mayr Und den politisierenden Bierbänklern imponieren Den Schiebern aber nicht, die einfach in ihre Preise' das Risiko hineinkälkulieren üierden. - ' ' Pas Problem liegt nicht so einfach, wie die vielen perrneinen. die da an dem kranken Körper des österreichischen Volkes hernmdoktern. Abgesehen davon, daß' eine juristisch einwandfreie Definition der Bezeichnung- Schieber noch nicht gegeben werben konnte (wofür' natürlich die summarische Justiz der Technischen Union' 'Wni^-ZW:reÜe^hMe), ' wäre Mit einer' noch Iso drastiischsn^ HerÄufbeschwörlMg desmittelalterlichen - - RLÄtsveyfährens nichts getan. Das- Schiebertüm.'das heißt der Wucher mit'Lebens- .und'BddärfZä'. tikeln, ist nicht aus sich heraus entstanden.' es ist eine Folge der durch den Krieg erzeugten Ueberspannung aller Volkswirtschaft» lich tätigen Kräfte. Wo Helden sind, sind auch Hyänen. Das Land kann nichts nusführen, es muß Lebensmittel einführen. Das bedingt ein stetes Bereithalten ausländischer Valuta, wodurch ein Hinausströmen des eigenen Geldes, dessen metallische Deckung sich in die Strümpfe^ lind Truhen der'bäuerlichen Hamster verzogen hat. Die Währung sinkt, das Land erzeugt nichts, hat keine Rohstoffe, keine Maschinen, keine Kohlen. Das ist die Luft,- in der der Schieber gedeiht. Natürlich wissen das alle, die nur irgendwie mit öffentlichen Dingen zu tun haben, und wenn sie dem Volk erzählen, daß man nur die.Gendarmen und Scharfmacher bemühen müsse, so treiben sie damit die niederträchtigste Demagogie, &tl? sich denken, läßt. Oesterreich verhungert. - Man müßte ihm zu essengeben, und das wäre möglich, wenn die Kammern der Bauern geöffnet würden und wenn Lebensmittel aus dem Ausland zugeführt würden. Aber die Bauern liefern nicht nur nichts;-durch ihre politische Vormachtstellung verhindern sie die Oeffnung der Grenzen, über die nur teure Luxuswaren kommen können. Die christlichsozialen Gönner dieses agrarischen Kurses sabotieren den Staat, den fie für die^ Verbannung der' Dynastie solidarisch haftbar machen.' Ihre sozialdemokratischen Gegner wiederum gefallen sich, seit sie in die Minorität gedrängt worden sind, in der Nolle des Uninteressierten. Sie treiben ausgesprochene Parteipolitik/ treiben durch die Aufwerfung der Machtfrage immer neue Kategorien Won öffentlichen Angestellten in Streiks und unterw-ühlen immer* stärker den Unterbau des Staates, den nur mehr kümmerliche Deiche vor der ° Ueherflütung. schützen. Nun haben sich beide gefunden. Das Volk tritt beiden mit der bangen Frage mach^dem Morgen entgegen und da haben sich beide auf bas Luegeriche Wort besonnen: Es muß was geschehen! Also erhöhen die-einen die.Brieftaxen, die anderen die Straßenbahn. Und damit das Volk diesen Betrug nicht sofort erkennt, veranstalten ,sie eine Enquete und schreien dort nach dem Preisabbau. Als ob Oesterreich,, das. von''seinem Landvolk und dem Answurf der Siegerlqnder ausgeplünderte und gefesselte Land selbst mit der Reduktion, der für teures. Geld eingekauften Waren beginnen könnte! . Man bestimmt' sogar einen Termin, ' den 20. Jänner. Ist der vorbei, dann wird gehenkt. D'.e Telegramme werden zensuriert! Da wäre es vielleicht gescheiter, den Leuten sofort das Reden und das Schreiben zu verbieten. In Ungarn besteht die Prügelstrafe und es wird dort weiß Gott genug gehenkt. Aber die Teuerung läßt sich dadurch nicht beeinflußen. Kredit und Arbeit — etwas anderes kann Oester» Mich nicht Helsen. Aber um diese .Angelpunkte der Erhöhung der Salz- und Tabakpreise, Erhöhung der Alkoholsteuern, Erhöhung der Eisenöähntarife. - -. Unter Hinweis auf die a b l e h n e n d e H a l tun 9 der sozialdemokratischen Partei zu diesem Bedeckungsprogramm erinnert Präsident Seitz an.die wiederholtvorgebrachte Anregung nach einer Ausgestaltung dep direkten Steuern, insbesondere der Grundsteuer,, der Effektenumsatzsteuer und Einführung einer jährlichen Vermögenssteuer und einer Vermögen?.- znw-achssteuer sowie schließlich nach schleunigster Durchführung der -Vermögensabgabe. Dr. Seipel betont, daß jedenfalls'gleichzeitig' mit der Bewilligung der neuen Forderungen auch.für, die Bedeckung Vorsorge. getroffen werde, und verlangt, daß die Höhe der neuen Zuwendungen unbedingt inner«, halb des Rahmens' dieser Bedeckung' gehalten werde., , Bei der Beratung des Antrages der Bundesregie-. rung auf Neufestsetzung der Portogebübren stellt Vräfi< dent S ex tz den Antrag, den im Jahre 1916 aufgehobenen llnterfchied. zwischesi^ Lokal- und Fernverkehr wieder einznsühren.und beim. Porto für den Lokalverke'br eine geringere Erhöhung eintreten zu lassen, ferner das Porto' für Zeitungen und Monatsschriften nicht um .100, Pro« ‘ zenü wi e/für ' and.exe. Hrncksorten. . sondern bloß '. ttm . djs A'mDgenheit arck m p r g e n ve^r t a gt. ' ... i . Pie vom Bundesministerium für Handel und/Ge» - Werbe Vorgelegten.Verordnungen, betreffend, die weiteres Anwendung der Vertragszölle und die ÄllMÄäng-HerZi Verkehrsbeschränknngen für. R 0 h h a r z und,' .. H a r y:;*■ pr 0 d ukte. werden genehmigt. . ' . Die nächste. Sitzung Wes Hauptausschusse? morgen mach der Hanssitzung statt. . , Wien, 1!. Jänner. Der erste Veratuggsgegenstand der heutigen, unt'r Vorsitz des. Präsidenten^ Dr.. Weis 5 irchner abge« haltenen Sitzung des Hauptansschusses war der V e r i ch t der Negierung über die Forderungen der S t a a t s a n ge st e l l t e n, S t a ä ts b a h n a n gestellten, die Beitragsleistungen zu wen ana'oaen Personalmaßnahmen der Länder und Landeshauptstädte sowie die staatlichen ‘ Vorschüsse an die S,ü db 0 bn° G e s e l l s ch a f t und.die im Falle der Genehmigung Ziefer Förderungen notwendigen VedeckungsmaßnahmLN. - Das Mehrerfordernis - für -diese Genehmigung berwgt schätzungsweise 4040 Millionen. . . Der Hanptänsschuß beschloß einstimmig, dem Antrag der. Regierung auf. Erfüllung .dieser Forderungen zuznstlmmen. und forderte' prinzipiell. daß die N''gierisieg für dieses Mehrerfordernis die Bedeckung zu schaffen habe- Mit Mehrheit . würden die Richtlinien für die Be» schaffnng der 'Bedeckung dahin-gezogen, daß eine .Erhöhe ng der Salz? und/T'äbakpreHe, ^eine' cho fetün g' der 7hW'WM^M-rD.NMch^chmha r i f e Platz.greist^> 'bei welch letzteren abergegen eine lineare Erhöhung- Stellung genommen undeine. Berücksichtigung Wer wirtschaftlichen Verhältnisse nach wen einzelnen Worengattüngen. gefordertwnrde^ Jedoch .wur.de ausdrücklich 'Volke-- halten, daß dieRegierung separate Vorlagen über jede e: nz eine d i es er E,rh o h-'n n g s m aß'nä h mer dem Hauptailsschusse zur Genehmigung zu.unterbreiten habe. AMs.ÄiialLM su>ÄeRDSerftsn Rat aus.' ■ ' FdZröÄkzietzung der KMeriKanisch'en - TrrrpPeZr vom Slheirr. Berlin, l l.'Iänner. „Hollandsch Nrenw? Bureau" meldet aus Ma hiugton r In der MiiLeilirng des amerrkamschen Bot cha Lers in Paris Wall a tz an den französch?» Wnisterprüsidenten Laytines als Vorsitzenden der devorire^enden Pariser Konferenz des Obersten Rates heißt es, datz die ä m e r i k a n i s ch e Regierung aus dem Obe r ft en Rat au s sch erde und sich brr der Paris e r K 0 n f e r e n i n i ch t m e h r vor tr eten l as s en werde. D'e amerikanische Regierung sei der Ansicht, datz sie nach den Wahlen, die gegen st? ausgefallen seien, nicht me r dieVerantwortang fürdauern e politische E rtschlüsie im Zusamm'nhang mit den eupopLischeu und den Friedeusfragen übernehmen Könne. Dagegen werde Am rika seinen Platz im WiederguLmachun saudschutz rmd in der R einlandskommission nach wie vor bei'ehaUen, so daß st' bei den Entscheidungen über die D r^chführunz des Vertrages von Spa mit'prechru könne. Verl i n, 11. Jänner. Der ».Lokalaursi^er". meldet aus Wafhiugron: Im a irerrkanifchen Senat wurde Auskunft darüber Verlangt» wie lange die amerikanisch in Truppen noch R ein bleiben würden. Von seiten der Regierung wurde erwidert, datz man mit der baldiien Abberufung der Truppen rechne. Paris, 11. Jänner. (Tel.-Komp.) Wie eine Agen- , tur aus Washington berichtet, ist der Beschluß der^ amerikanischen Regierung - zur Abberufung ihres Der« treters aus dem Botschafter rat-in Paris auf die Forderung Frankreichs zurückzuführen, daß Deutschland' gezwungen «-werden. soll. - die in Spa vereinbarten Ab- , rüstungsbedingungen' stnkte zu erfüllen. - . Der ..Matin" dagegen glaubt, es handle sich hiebei um eine rein innerpolitische Frage. Da Präsident H a-r» d i n g gegenüber dem Versailler Vertrag eigentlich , keine klare Stellung eingenommen hat, habe es die- Washingtonex Regierung, vorgezogen, ihren - Bot^chaftei'. nicht mehr'an der Konferenz teilnehmen zu lassen. ,und-- übrigens Hatto der amerikanische . Vertreter im Rät ohnehin nur die Rolle eines Beobachters gespielt. Wenn, sich Amerika wen Deutschkandgegenüber-zu treffenden. Maßnahmen nicht änschließt. so geschieht es, weil' es am' Vorabend eines Regierungswechsels steht. ' - . ° " Paris, 11. Jänner. (Havas.) Gegenüber gewissen Erörterungen bezüglich des Entschlusses , der Regierungder' Vereinigten Staaten, sich bei der Botschaft.erkon-:' serenz nicht mehr ^vertreten .zu lassen, wird . hervor-, gehoben, daß es sich um die Durchführnng-des bei-' reits im Dezember 1919 . g e f.a tz-t e n /rein f o,r^' mellen Beschl-ussLs' Han.delt,. .wodurch dem: Botschafter, der: Vereinigten Staaten in - Pa'rrS - porge» Mieden wird,von nun an den Beratungen der Ver-- bündeten nicht -mehr/ in der Eigenschaft eines Vertr-eters, sondern als Beobachter -beizuwohnen . ' za s"rs; Not zu überwinden, muß die Parteidemagogie, das freche Spiel mit der-Ahnungslosigkeit-der großen Masse eingestellt werden. Würde England mehr Baumwolle liefern, wenn in Wien Spekulanten am Galgen hängen? - In der Tschecho-Slowakei haben im Vorjahre Arbeiter mit Galgen feierliche Umzüge veranstalteh- Ausnahmsgesetze gegen den Wucher gefordert und durchgesetzt — die erwartete Absparm-ung ist ausgeblieben. Die ganze Welt arbeitet an der Hcrstellrmg des freien Verkehrs und des freien Handels, m England beklagt der Ministerpräsident - die .Arbeitslosigkeit' als Folge des Niederbruches Mitteleuropas,-' in Derrtschland einigen sich Unternehmer und Arbeiter aus der Basis der Erhöhung der Produktion, um dem Mrenhunger und 'damit dem Warenwucher entgegcnzutreten.' In' Oester-' xcich preisen Fromme'und. Atheisten, Schwarze'.und dlote, Radikale und Reaktionäre ben Galgen.' Und arbeiten gemeinsam dem Geschmeiß der. Wucherer'in die Hände.

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