Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 704 (11.1.1921)
- Date
- 1921-01-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Einzelpreis SB Kronen Einzelpreis 22 Kronen P?a»«m«ration»preile: fiin»: #wm fl&bplen iu der Expedition, L. Bezirk. Tabor- «aste > bis 8, oder m einer Serschleißfteae <TraNk>: Monatlich . . Kronen lro.-. lvierteljährlich 1SÖ.- Wit Poftn^kand fftr Wim und Oesterreich: Monatlich .. Krone« 50.- Tichecho-Slowakei: Monatlich . . Kronen 18.— Vierteljährlich ,, 4 k!.— tttschecho-slowakifcher Währung ' Ungar«! gionatlich .. Kronen 50- 1erte1sal,rlich », 18«.— in ungarischer Wädnmg!. Jugoslawien: Monatlich .. Dmar <-<~ Uterielsährttch » 24.- rener Vrarmmerationspreises Bolen? Monatlich . .Mark Nst»— Viertelsqstrlich „ 150«*t in polnischer Währung Lnttschland: Monatlich... Mark 10.— Frankreich: ' Monatlich ... FraneS 0«-* Italien: I Monatlich . . . Lire ö*—> Rumänien: ' Monatlich ... Lek 15*<« Schweiz: u. das übrige Ausland! Monatlich. . . Francs 0^ Redaktion ».Administration Wien.S.Bez..Taborftr.1—8 Telephone: 140 43310, ab ft Uhr aveudö Nr. IftOH Postsvarkasseulonro l5(t.SK Nr. 7V4 Wien, Dienstag den 11. Jänner 1921 3. Jahrgang Der Finanzexperte. ); —y. W ' e n. 11. Jänner. Zwischen den Schlagbäumen, die der Vertrag Kon Gaint-Germain'rings um Oesterreich gelegt hat, erstickt das wirtschaftliche Leben. Das Volk lebt in einer dumpfen Verzweiflung, die von dem Bewußtsein genährt wird, haß seine Sorgen von den Zwingherren nicht verstanden Werden.' Die Entente hat noch nicht das Empfinden, daß das Wiener Problem langsam zum Problem Europas geworden ist. Ihre Bestrebungen, zum Frieden und ungestörten Genuß des großen Sieges zu gelangen, bewegen sich auf einer Linie, die deutlich erkennen läßt, daß sie Mitteleuropa noch immer nicht als Körper mit eigenem Willen und eigenem Lebensdrang, betrachtet wissen will. Die fieberhafte Tätigkeit der Geheimdivlomatie der großen' Mächte, die man überall am Werke spürt, dr-HL sich um die Vorbereitung des großen Entscheihungskamp.fes zwischen der westlichen.Demokratie und dank östlichen. 'Bolschewismus, der seinerseits zu der in-seinem? Wesen und in. seiner inneren Situation begründeten. Offensive rüstet. Es ist vielleicht — wir können, das. noch nicht genau, übersehen — gar nicht mehr das Ringem zweier; Weltanschauungen, ' der kapitalistischen Privatwirtschaft und. der sozialistischen Gemeinwirtschaft: eher' das Anfeinanöerstotzen der sich um städtische Zentren gruppierenden Industrie mnd des in. kleine Gemeinwesen sich auflösenden Bauerntums, der Bejahung und der Verneinung des'großen, geschlossenen WirLschaftsstaates der von:. .derautarkischcn : HigenLrz^ugung . znm organisierten Güteraüstcmfch.oinhc damit Wx stufenweisen.kY.stM rell^sk .EutwiWung^strebdie der Bauetnsiacitnichtsucht. Rußland, das immer konzentrierter ans das. agrarische Ziel lossteuette. hat seine Arbeiterschaft' und Industrie verkümmern lassen. Die Größe, seines Territoriums zwingt itnu aber, die' Heranziehung einer kavitalistisch geleiteten.Industrie.auf, die es nur, vom Ausland erhalten kann Im Brieden oder im Krieg:. Und da die von Frankreich, gemäß seiner zentralen Lage, bestimmend inspirierte Entente der Sowjetdiktatur, dieser schmalen, dem proletarischen Sozialismus konzedierten Fassade der Bauern nichts geben will, liegt. eben ein bewaffnetes Hinansgreifen Nußlands ans seineü Grenzen durchaus im . Bereich des Möglichen. Im Innern konnte die Moskauer Negierung die'Söldner Frankreichs Niederschlagen. mit einer ans dem B.anerntnm gezogenen Volksarmee. die , ihre Scholle undjhrPRecht auf die Scholle verteidigte. ' Sie - konnte gegen den polnischen Angriff Ken NatiarmliSmus aufntfen und. obzwar geschlagen, doch in respektabler Situation Polen den Frieden Vorschlägen. Sie muß aber als militante Idee auf Eroberung und Annexion ansgehen, also die Traditionen des Pan« flawismns in anderer Form fortsetzen, um sich selbst halten zu können. Sie muß um den agrarischen Kern ein industriell belebtes Land legen, um.für den Uebergang zur radikalen Demokratie, der heute schon sichtbar wird, ein Gleichgewicht der inneren Kräfte herzustellen. Anh moralische Eroberungen/kann. Rußland nicht mehr ansgehen. Der Zustand seiner menschenleeren Städte, seiner Eisenbahnen, seiner Schifffahrt, spricht zu laut. $ f Aber diese moralischen Eroberungen besorgt ihm die Entente. Ihr Friedenssystem vernichtet alle Vorausfetzrjngen eines Aufbaues Mitteleuropas. Alle technische Einsicht und. alle kommerzielle Erfahrung muß vor. dieser Kurzsichtigkeit kapitulieren, die sich stets nur von strätegischeu Gesichtspunkten leiten läßt. In Deutschland hindern die Reizungen der stets schreienden französischen Vaterlandsretter die volle Aufnahme der A beit treiben die radikalen Strömungen de- Aitbänger dm Wertrevolntion und der alldeutschen Patrioten zu einander überbietenden Tollheiten. In Oesterreich ist das eingetreten, was wir mite'leben. Bulgarien ist in einem sich selbst auszehrenden Bauenüystem verkapselt und die Türkei verfault. Die Zerfallsländer der alten Monarchie sind anS einer znm gewohnten Leben gefestigten Wirtschaftseinheit zu einer Bettelsouveränität geführt worden, deren staatliche Aufgaben ihr noch neues Gefüge zu sprengen drohen. Und überall zeigt sich das gleiche Bild, das Walter Ratbenan mit den Worten zeichnet: „Die Geschulten und Verantwortlichen unterliegen heute, der Last ihrer Arbeit und ihrer'Verantwortung." Nnd itire NbMnra? Die W'ener Christlichsazialen. das Bndmwswl- Hortlm^Gesinvel und die schwache deutsche Nepnu vng! Es ist der Fehler des historiichon^ Mater'c-Hsmus der Alteren joLialMschen Kchule^ wenn alles Gefcheher» ans M siekM eines üenlsch-pvlniseften mmn. Dentsche Meldungen xbrr polnische Truppenansammlungen. Berlin, 10. Jänner. (Tel.-Komp.) Von mrilitärischer Seite wird erklärt, daß durch die polnischen Trupvenansammlungen in der Nähe der deutschen Oftgrenze eine außerordentlich ernste Situation geschaffen worden ist. Während bis jetzt an der ganzen Grenze nur ungefähr 5709 Reiter standen, stehen jetzt ^allein an der oberschlesischen Grenze 17.509 Mann .Kavallerie, wozu >noch eine Jnfantriebrigade mit drei Regimentern und zwei weitere Divisionen kommen, so daß der Stand an der/oberschlesischen Grenze allein ungefähr 45.600 Mann he,trägt: Außerdem sind zwei polnische Divisionen an die polnische Grenze und eineinhalb Divisionen an die von Westpreußen gelegt worden, die durch weitere Divisionen verstärkt werden sollen, so daß die polnische Armee an der deutschen Oftgrenze insgesamt auf mehr als 170.000 Mann angcwachsen ist. Eine derartige Truppenmenge ermöglicht jederzeit einer? überraschenden Angriff, dem .ernsthasten Widerstand entgegenzusetzen ganz aussichtslos ist, zumal die alliierten Truppen den polnischen regulären und irregulären Verbänden kaum entgegentreten würden. In herrscht ob dieser Btt* stäubt außerordentliche Aufregung, die sich durch die aufreizenden Reden einiger polnischer Generäle, anläßlich einer Festlichkeit bei Ucberrcichung eines Ehrendrgcns an General Haller, noch gesteigert hat. Die polnische Alarmnachrrcht von der Verstärkung der deutschen Truppen ist vollständig ans der Lust gegriffen, da * an der Ostgrenze nicht mehr als die nach dem Friedens- Vertrag uns zustehcnden Truppenmengcn liegen. Die deutsche Regierung hat in London, Paris und Rom, insbesondere aber in Warschau, auf den Ernst der Lage hingewiesen. ._ : Die ungarischen Thronkandidaten. SLrm^"tt/'smKche für einen belgischen Pr'nzen. Paris, 10. Jänner. (Havas,) Andre Cheradame belichtet aus Budapest dem „Matin" über die Ergebnisse seiner Untersuchungen über die Kandidaten, die auf den Thron Ungarns berufen werden könnten. Er legt den juristischen Standpunkt der ungarischen Legitimisten Lar. wonach der frühere König Karl noch immer Herrscher der durch die Friedensvertrage den Rumänen, den Jugoslawen und den Tschecho-Slowaken zugewiesenen Gebiete wäre. Daraus folgt, sägt Cheradame, daß die Restaurierung des Verbannten'von Prangins die Verwerfung der Verträge von Trianon, Saint-Germain und daher auch von Versailles bedeuten würde. Der ehemalige König Karl würde so die Verwirklichung des Pangermanimus erleichtern. Das sind genügende GrÄnde für die berechtigten Vorbereitungen der Jugoslawen, der Rumänen und der Italiener, um sich mit Gewalt einem S t a a t sstreich zu widersetzen, der Karl nacheinander in Budapest Nnd in Wien wieder einsetzen würde. Cheradame verweist ferner auf die Kandidaturen O t t o s und A l b r e ch t s, die er verwirft, und auf jene Josefs, die in Aussicht genommen worden sei, und über die er sich folgendermaßen ausspricht: Frankreich darf keinerlei Initiative ergreifen, ohne vorherige An- Wirtschaftsprozesien erklärt wird.. Die Relalivitässtheorie Einsteins gilt auch im politischen..Leben. Tie Menschen reagieren verschieden auf Anstöße, und Anregungen von archen, ihr Denken und Fühlen ist nicht nnd nie einheitlich rmd kann durch.das: Volkstum: durch die volklichen Kriterien der Sprache. . Tradition. Erziehung und durch die Faßdauben von Staatsgrstßen nur bis zu einem gewissen Grad beeinflußt werden. Die .Homogenität hat man in den verprenßten Kasernen Deutschlands zu erreichen versucht, und der W^'ltk'-ieg! war die entsetzliche Probe auf die innere Hohlheit dieses [ balonettbswehrterr Ungetüms. nähme dieser Kandidatur seitens der interessierten Nachbarn Ungarns. Cheradame schließt: Die von den Magyaren dem Hanse Habsbnrg gegenüber bezeigte Abneigung ist sogroß, daß zahlreiche Royalisten einen Kandidaten unter den fremden Prinzen suchen. Englische und italienische Prätendenten würden' auf vielfache Opposition stoßen, sei es bei den Magyaren, sei es bei deren Nachbarn. Der Sohn des Königs der Belgier jedoch wäre imstande, die große Zahl von Stimmen unter den auswärtigen Prinzen auf sich zu vereinigen. Eine neue griechische OffensiAe. Rom, 10. Jänner. Die „Agenzia Stefani" meldet' aus, Konstantknopel: Die Griechen sind im Begriffe, eine neue^bedeutende Offensive.auf der ganzen Front Brussa-^ Uschak zu beginnen. Wie aus Angora gemeldet wird, ,be«. reiten die Türken eifrig ihre Verteidigung vor,, sie würden. sich, jedoch, nicht mit allen Kräften engagieren, bot seinem Stäb in der Richtung" nach' Brussa abgegangcn, Man meldet Zusammenstöße zwischen Griechen, und Türken in der Gegend, des Meander. Zahlreiche. Verwundete sind in Smyrna eingetroffen. Die Angriffe sind von den Griechen ausgegangen. Die Türken sind , an mehrere^' Punkten in tzie griechischen .Linien eingedrungen. .Im" Abschnitt Nazli haben die Griechen große TruppenmäW' und gewaltige Mengen an Kriegsmaterial züsam'mew gezogen. Die Ankunft König Konstantins in Kleinasien^ soll unmittelbar bevorstehen. ' Jugoslawisch-österreichische Verhands * Lungen. Laibach, 10. Jänner. (Tcl.-Komp.) Wie „Jutrs^ aus Belgrad meldet, werden noch iu diesem Monat Verhandlungen zwischen Jugoslawien und Oesterreichwegen Aushebung der Sequester beginnen. Die öfter-' reichische Regierung hat einen Vertragsentwurf vorgelegt, nach, welchem sich Jugoslawien verpflichtet, di« Sequestration sofort auszuheben und den Österreich'sche» Besitz vom Stande des 3. November 1918 zurück-, zuftellcn. Dafür hebt Oesterreich alle Seuqestratione^' - über Besitztümer und Depots jugoslawischer Staatsaugehöriger auf. Schulden auf Grundlage von Wertpapieren werden eiuve.ständl'.ch so geregelt werden, dass alle Schuldner in ihrer Valuta bezahlen. Auch dir Form der Uebersiedlung von Unternehmungen, dere< Vetriebsort in Jugoslawien liegt, soll zur Erledigung gelangen. Der Entwurf der österreichischen Negieruuj begegnet nach dem „Jutro" starker Zurückhaltung. Dr. Ulrich der neue Wiener tschechische Gesandte. Pr^g, 10. Jänner. (Tel.-Komp.) Wie der „28. Nijen" erfährt, ist für den Posten des zurück-'' .tretenden .Gesandten,, 'der, Tschecho-Stowakei in Wien Dr. .Flietzer der bisherige Bürgermeister von Könige grätz,Dr. Ul rich ausersehen. — . , ' v »vy. ^T-rrara Der Grenzpunkt der ^Spannung scheint nun erreicht Das Erdbebenzentrum Europas 'hat sich nach' Wien verschoben. Das Leben ist hier uner5rüg!ich geworden und di^ Möglichkeiten müssen nicht mehr nach Monaten oder Wochen berechnet werden. Jede'Stunde zeigt ein anderes Gesicht-i '«Der-- staaMfe Organismus zerfällt, die Skäde.r kommen zum Stehen und sogar - diese ^Daß-sich'Gc>tterbarme-Rkyierung muß gebeten werden, doch mit Ruder 'u h^-ihen. W.iS tut die Entente, die doch die Felgen der Katasti-opr-e hc-itrtcilen kann? Sie schickt einen neuen Frnc-nzerperten nach Wien<