Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 702 (9.1.1921)
- Date
- 1921-01-09
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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S>i1e 2 'Mm. Sonntag r" Gattin ...... geboren am.in „ und feine Kinder . . .... ., geboren am.in.. die Optionserklärung zum österreichischen Staate ab. .». . Beilagen. Name. Berus . * . . . * Adresse .. ..? r Beilagen können sofort angeschlossen oder auch nach dem 18. Jänner jederzeit beigebracht werden. s Wer diese Friste eingehÄten hat,, wird auch dann, wenn er mangels ausreichender Belege mit seiner Erklärung vom Vnndesministerium zurückgewiesen würde, um Wiederaufnahme des OpLionsverfahrens ansuchen und unter deutlicherem Hinweis auf bisher vorgelrgte gder Berufung auf neue, erst später erlangte Urkunden und sonstige. Beweismittel eine Aenderung Lex Entscheidung herbeifiihren können. Ilm allen südischen Bewohner. Wiens zu ihrem Rechte zu verhelfen, als österreichische Staatsbürger anerkannt zu werden, haben die jüdischen Mandatare im Jüdischen Nationalrat in Wien,, 2. Bezirks Taborstraße 20 a, eine Nechtsschutzstelle eingerichtet, in welcher Interessenten unentgeltlich in O^tionsfragen beraten und Beschwerden über Behinderungen des Optionsrechtes angemeldet werden können. Sache der südischen Mandtwre. wird es dann sein, wie bisher, auch in Zukunft, bei den zuständigen Stellen aus Behebung der Hindernisse hinzuwirken. '_ Die chronischeeuropSischeKrise —k. W ) f ri; 9. Innrer. Immer mehr gestaltet sich die europäische Kr'n'e sowohl betreffs des Verhältnisses der einzelnen Staaten zueinander, als auch mit Beziehung auf die inneren Verhältnisse zu einer chronischen. Man braucht kein berufsi-äßiger Pessimist zu sein, um auf die Gefahr binzuweisen, daß die Fortdauer dieser Krise vielleicht'schon im Frühling zu neuen Verwicklungen führen könnte. Alle die nationalen und ökonomischen Fragen, die seit Jahrzehnten Europa in Spannung hielten und später zum Weltkrieg und den verschiedenen Umwälzungen führten, sind nach wie vor ungelöst. Gilt das hier Gesagte fast für die gesamte Kulturmenschheit, so gilt dies ganz besonders für die Nachfolgestaaten des früheren Oesterreich-Ungarn. An dieser traurigen Tatsache ändert weder der Vertrag vomRapallo noch irgendein Offensiv- oder Defensivbündnis zwischen irgendwelchen Staaten irgendetwas, umsoweniger alsdadurch die Kriegs- -gefahr nicht beseitigt-wird. So traurig es auch sein mag, so ist es doch eine unbestrittene Tatsache, daß das Europa des Jahres 1921 - ebensowenig lebensfähig, vielmehr ebenso schwer krank ist als das.. Europa des Jahres 1914. Die Grundursache liegt darin, daß man sich fast nirgends zu wirklich modernen Anschauungen über den Staatszweck durchgerungen hat und daß-die alten Parteien aus dem Weltkrieg und den ihm fplgenden Umwälzungen absolut nichts gelernt haben. Vor kurzem erst hat der Präsident der tschecho-slowakischen Republik, Professor Masaryk, darauf hingewiesen, daß der Staat nicht der oberste Selbstzweck sei und die Staatsidee nicht in Gegensatz geraten dürfe mit den kulturellen*und ökonomischen Bedürfnissen der Staatsbewohner. Wenn man mit dieser an und für sich richtigen Anschauung aber die Negierungsmethoden sowie die parlamentarische und außerparlamentarische Betätigung der überwiegenden Mehrheit der Politiker, und nicht nur speziell in den Sukzessionsstaaten des Donaureiches, sondern auch' anderswo, genauer betrachtet, so muß man überall die allen nationalen. konfessionellen und ökonomischen Herrschaftsbestrebungen unter neuer Firrna konstatierest, welche zur Permanenzerklärung des Chaos in Europa führen. Blickt man nach Tschecho-Slowakien oder nach Oesterreich, nach Polen oder nach Ungarn, nach Jugoslawien oder nach Rumänien, nach Griechenland oder in die Türkei, so sieht man mit geringen Modifikationen dieselben traurigen Erscheinungen wie in Italien, Frankreich, England und Rußland. Ueberall steht vor den Toren die ungelöste soziale Sphinx, aber überall sucht man, anstatt in erster Linie mit dem wirtschaftlichen Wiederaufbau zu. beginnen, sowohl in der Außen- und Innenpolitik das Schwergewicht darauf zu legen, unnatürliche Bündnisse, beziehungsweise ungesunde parlamentarische Koalitionen herbxizr,führen, die außerstande sind, den modernen Staatszwecken, den kulturellen und sozialen Fortschritten - zu dienen. Die naturgemäße Folge davon ist, daß die Staatskrise kn ihren verschiedenen Formen mit ihren steten Begleiterscheinungen von Minister- und Parlamcntskrisen, bald in Prag, bald in Wien, chald in Warschau, Pest, Belgrad und Bukarest, auf der Tagesordnung steht und schließlich zu gewaltsamen VolkscmShrüchen führt. ' Wenn nin ein demokratischer Staat wie Jugoslawien zur Auflösung radikal-sozialistischer Organisationen schreitet und damit der sozialen Bewegung Herr werden will, so ebnet er nur solchen Eruptionen den Weg, wie sie sich in den Bukarester Kammer-Attentaten äußerten. In Mittel-, Osteuropa «nd am Balkan zeigen sich Ne Wirkungen des Irrtums, daß man durch eine brutale Gen-siLrolitik in ihren verschiedenen Formen eine soziale oder national-' l?vvoütion an? die Dauer uirder- Hasten kann. Dur.1sin che "H't'ik sisiasi'j man. nur «W Wjojr-Ur Jrrsdorsta. i Wiener Morgenzeitrrng 9. Jänner 1921 Nr. 7öi Nikolai v. Wasfilko taucht wieder auf. Elrre Korporation Petlsuras und HsrthhS. Wie wir erfahren, weilt der gewesene Abgeordnete Nikolai v. Wasfilko, ehedem Gesandter der ostukrainischen Negierung in Bern, seit Mehreren Tagen in Begleitung eines leitenden Beamten der Wiener ostukrainischen Gesandtschaft in Budapest, um dort einen innigen Kontakt zwischen den hinter ihm stehendest Kreisest, vornehmlich der Petljura-Regierung. mit dem Horthy-Mgime Herzustetten. Wasfilko betreibt vor allem die Uebertragung des bisher in Wien bestehenden ukrainischen Propagandad'.enstes nach Budapest. Sein Politisches Ziel ist die Anbahnung e-nes gemeinsamen Vorgehens her.. Petljura Regierung und der' ungarischen Regierung gegen die Bolschewiken. Um sich- Ungarn gefügig' zu machen, verspricht Petljura die Hervorrufung. irvedentistischer Unruhen im karpathorussischen Gebiet, das durch den Friedensvertrag der Tschecho-Stowakei zuMprochen, wurde. Die ungarische Regierung soll zunächst veranläßt werden, die seinerzeit bei vcrichiedcnen u g.ri,ckM Stet e t Hinte,leg en ukrainischen Guthaben im Betrage von 20 bis 25 Millionen Kronen Herrn v. Wassilko zur Verfügung zu stellen. _ Eine Krise irr der Reaierungs- Kommsifion in Wilna. Aus Warschau wird uns berichtet: Die polnischl^ruischen Verhandlungen wrgen des Wilnaer Gebietes sind vorläufig gescheitert. In Wilna selbst will Z i e l^j g o w s k i die Volksabstimmung mit allen Mitteln verhinderst und den Völkerbund vor ein Fait accompli stellen,hindern er durch seine provisorische Regierungskommission die Wahlen für ein Wilnaer Parlament vorbereiten läßt, Dieser „Sejm von Zentrall'tauen", der am 6.'.Februar gewählt werden soll, ist bereits durch die Wahlordnung derartig zugeschn'tten, daß er eine. Majorität für den Anschluß Wilnas an Polen haben würde. Run will Zieligowjki. daß dieser Sejm einzig die Ausgabe haben soll, darüber abzustimmen, ob das 'Gebiet von Wilna zu Polen oder zu Litauen gehören solle, und dann sofort aufzulüsen fei. Wenn er sich dann für Polen entscheidet, sollen seine Funktionen sofort dem Warschauer Parlament übertragen werden. Diese politische , Komödie, welche Zieligowski und die nationaldomokratischen Mitglieder der Wilnaer Regierustgskochchfssiyjr zu^ Inszenieren versuchen» begegnet selbst "Ms En ^polnifcheü Soz'alisLLN und Demokraten. Es-in der Rstgieru^rWoMmission fitzen, dem lebhaftesten Widerstand. Diese Gruppen streben ein Parlament der Selbstbestimmung an, das sich eventuell auch für ein selbständiges Mi.tellitauen entscheiden könnte (was aus eine Föderation dieses Gebietes mit Polen hinauslaufen würde) und selbst tm Falle einer Entscheidung für Polen seine, die Autonomie des Wilnaer Gebietes kennzeichnende Funktion behalten müßte. * Diese Meinung vcrsch'edenheit über b n Charakter des zu wählenden Sejm ist nun innerhalb der Regierustgskommission fo - weit gediehen, daß die Zielt? gowskis Absich.en oppost'.erenden Gruppen die weitere Milarbeit in der Kommission verweigern. Es ist nicht ausgeschlossen, daß diese Gruppen ihre Vertreter aus der Regierungslkommission zu.ückziehen. Damit wäre auch Zielig-owskis politischer Rückhalt stark geschivächt. Die Entrvafinrrngsfrage. . Berlin, 8..Jänner. (Korr.-Bur.) „East Expreß" meldet' aus Washington: Die französische Regierung übersandte der Regierung der Vereinigten Staaten eine Erklärung, worin es heißt, daß sie nicht die Absicht habe, das Ruhrgebiet zu besetzen oder die deutsche Vesechungszone-anszudehnen. Sie müsse sich aber das Recht Vorbehalten, zu verlangen, daß Deutschland seinen Verpflichtungen in der Entwaffnungsfrage im Sinne des Friedensvertrages Nachkomme. diese Politik führt Europa immer neuen Katastrophen entgegen, unter deren Wucht, wie der Weltkrieg und die danach folgenden Ereignisse beweisen, gerade die Juden am meisten leiden. Wenn nicht allüberall der Abbau der Volkerverhetzung endlich erfolgt und Ernst gemacht wird mit der Inangriffnahme einer großzügigen Kultur- und Wirtschaftspolitik, welche die parteimäßig errichteten. Schranken der nationalen und konfessionellen Undutö-'" samkeit des .Rassen- und' Klassenhasses niederreißt, dann müssen alle die ungelösten Probleme im Verhältnis der einzelnen europäischen Staaten zueinander sowie innerhalb der' einzelnen Staatsgebiete zu neuen elementaren Entladungen führen: Die brennend gewordene' westungarische Fragedie ungeklärten tschecho-slowakischen imb österreichischen Verhältnisse, die Staatskrise in Polen, die ungeklärte ukrainische Frage, das gespannte Verhältnis-zwischen Rußland einerseits, Polen und RnMänien andererseits, die nationalen und sozialistischen ttmstnrzbewegnngen in Jugoslawien und nicht in letzter Linie die türhisch-nationalistlsche,' nach Asten und Afrika ^reifende Bewegung find ein ernster Fingerzeig an Europa herrschenden Regierungen nnd Parteiführer. neue Wege-einZuschlngen. damit die chronische europäische Krise nicht zu neuen Verwicklungen führe. Meine Erlebnisse in Pilisesaba. Bon Enrannel Siofenstingl. r. Der Autor dieses Aufsatzes ist öfter«, reichischer Staatsbürger, was ihn nicht . , davor schützte, die Höllenqualen im Buda». . ■■' ' pester Schubhäus und im Jnterllsi'runq«« . krger durch sechs Wochen zu etleibctj, Herr Rosen st ingel hat, nach Wien. zurüchgekehrt, an den königlich üngarLl rischen StzratSaalwcÄt über seine Erleb«! - mfse im'Rechtsstaat Horthys eine Denk-' . schrift gerichtet» welche wir hier der Oeffcntlichkeit zur Kentnis bringen. Die Redaktion An die Königlich, ungarische Staatsanwaltschaft Budapest. ' Als das Gesetz beschlossen wurde, nach welchem fest' dem Jahre 1914 eingewanderte Ausländer ausgewiesen werden sollen, war es keinesfalls zu dem Zwecke geschaffen worden, daß die mit seiner Ausführung betrauten Organe sich den bedauernswerten Opfern dieses Gesetzes gegenüber des Mißbrauchs der Amtsgewalt, der Erpressung, der öffentlichen Gewalttätigkeit,, der Kuppelei, des Vergehens gegen .die Sittlichkeir, der Gefährdung gegen die körperliche Sicherhit, des Diebstahls, der Unterschlagung, der tätlichen Mißhandlung, der Beleidigung ysw. schuldig machen und hiedurch dem, ungarischen Staat in her ganzen Welt, in welcher sich die aus ihren Wohnsitzen vertriebenen Opfer zerstreuiM, und die Hrlfsmissionen in Anspruch nehmen müssen und werden, Schande bereiten. Im Vertrauen zu den ungarischen Gerichten zeige ich die mir während meiner Internierung zu Ohren gekommenen, beziehungsweise selbstbeobachteten Falle hiemit der königlich ungarischen Staatsanwaltschaft an und schließe mich dem Verfahren unter Forderung der Ersetzung des mir verursachten Schadens als Privatbeteiligter an. Am 20. November 1920 erhielt ich eine Vorladung zum Polizeihauptmann Dr. Schweinitzer in Kispest, welcher ein Protokoll über die von mir bewohnte. Werkmeisterwohnung in der Wilhelm Menzelschey Fabrik in Kispest aufnahm, vermutlich zu dem Zwecke, daß dieselbe für irgendeinen Waggonbewohner requiriert werde. Diese aus zwei Zimmern. Küche und Speisekammer bestehende Wohnung ist, wie ich mich am 5. Jänner 1921 durch den Arbeiter Stephan Müller der obigen Fabrik überzeugte, welcher mir half, mein Gepäck zur Bahn zu bringen, noch immer leerstehend. Polizeihauptmann Dr. Schweinitzer ist ein g'uter Freuntz des Generaldirektors K a h n h e i m (kein Jude!): der Wilhelm Menzelschen Aktiengesellschaft in - Kispeft - und Herr Direktor Kohnheim will offenbar nicht, daß. ein Waggonbewohner die Werkmeisterwohnung in seiverr. Fabrik bezieht. N .. Am 24; November 1920, als ich die Wohnung. für mich als alleinstehenden Menschen ohnehin zu groß, war, bereits längst geräumt hatte, erhielt ich neuerlich eine Vorladung zur Polizei, der ich ahnungslos, ohne mich mit Essen, Geld, Bettdecke oder auch nur mit einem Winte'rrock' zu versehen,' Folge leistete. Ich wurde kurzerhand in das Schubhaus in Budapest, Mösostpntca- Und von dort am 3. Dezember 1920 in das ' - Internierungslager in PiliScsaba , überführt. Es macht den Sicherheitswachleuten in Budo- Pest, welche die Leute, die ins Schubhaus und von dort nach Pilisscaba kommen sollen, vorführen, besoüderH Vergnügen, den Vorzuführenden Zu verheimlichen,'womit ihnen geschieht, und die Leute versichern/ daß' stö gleich wieder nach Hause gehen können. Dienstmädchens Näherinnen. Modistinnen, Schuster- und Schneidergehilfen, Lehrlinge üsrv.. werden auf diese Weise von ihren Arbeitsplätzen oder in der Nacht aus den Woy-' nungen geholt und nehmen sich auf diese Versicherung hin weder Reservekleider noch Wäsche oder Geld mit. Einen Befehl, das Land zu verlassen, habe ich . weder früher noch spater erhalten. Dagegen wurde 'meinen wiederholten Bitten, das Land freiwillig a u f eigene Kosten verlassen zu dürfen, zumal ich'Nachweisen konnte, daß ich bereits einen anderen Posten in Deutschland gesucht und gefunden batte, nicht willfahrt, Im S ch u b h a u s in Budapest machte ich nun folgende Wahrnehmung: Wer mit genügend viel Bar- ' g'eld versehen ist, kann für . das Porto mit 50 bis 160 Kroneg per Brief Bri.efe expedieren lassen. Er erhält auch für 25 Kroüett. pro Nacht einen nicht whr - verlausten Strohsack in einer warmen Zelle mid' kann sich gegen entsprechendes Agio Essen, Nanchzeug und LenchtMittel beschaffen. Eine -Kerze, die in 'Vndäpest' 6 bis 7 Kronen kostet,' wird im Schnbharrse beispielsweise mit 80 Kronen berechnet. Hiebei kann eö' aber 'böft kommen, daß, wie es dem Schuhwarcnfabnkanteg Einasinel Koh>n, Budapests Vaczi-ut, beziehungsweise Wien,, 17. Bezirk, passierte, der SicherheitSwachmann d äH , Geld für drei Ker zen in Empfang nimint nn.8 . sich dann nicht s"hcn läßt. Doch war dies rin Airs-' nahmsfall, da ^as Geschäft inr allgerneinen für die. SicherheiLspiachletitc viel, zu nutzbringend ist, als daß'sie. eS sich dauernd mit Ihren' äahlilngsl-räftigen Kunden v/si'"- herben würden. Wer nicht mit genügend Göldmikt'cln Persehen ist, kaün, ohne Mich 'nur ein-aal' siersiän "'zli/ werden, dort - ' . ' ''' tuou'siclang v/rweü.ü ., l biß ihm die Kleider in Fetzen vom Cr