Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 702 (9.1.1921)
- Date
- 1921-01-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Einzelpreis St Kronen Einzelpreis Pränrrmerattonspreise: Viepr ftttm SMitflnt tu der krpeditio«, ‘4. Bezirk. Tabor- Irsfir I biS H, oder in tiatt SerfditriPcflf 'Srafift: 80N«tU(fi. . Kronen s«.- »erteljithrttch .. 150.- ttlt Psftveriand fflr Wien mt» OefterreiS: Kounttich . ..Krone« 50.- TiiveLo-Slowakei: giüttatUAi .. Krone» 15.- vierteljnkirlitl» .. A5‘- Utschecho.sl«wakis«erWSbrult- ' Ungarn! Monatlich .. Kronen 50vtertetiakirlich ,, 15«.— in augansLer WLdrnng Ingoslawie«: Monatltch . . Dinar Vler«eli«Uirltch » Al.— Wiener Prünumerationspreis« Bolen: . Monatlich .. Mart N0^> Vierteljährlich „ 150«J in polnischer Währung Deutschland: \ Monatlich. . . Mart 10.-' Frankreich: I Monatlich . . yraneS 0.-- Atalieu: Monatlich . . . . Lire 6.— Rumänien: \ Monatlich . . ,8ei 15h Schweiz: u. das übrige Ausland Monatlich . . . Francs Redaktion «. Jldminiftratiot Wien.L. Bez.,Tnborstr.1 —Ij Telephone: 110 X. 48310/ ab « Uhr abends Nr. 1« -0Ü Voftspartasfentonto 150.6 Sir. 702 Wien» Sonntag den 9. Jänner 1921 3. Jahrgang Option. Ihn. Gcmn'nderal Dr. Leopold Plaschdeo. Anmerkung der Redaktion. Dieser. Artikel enthält Belebrunaen, deren genaue Befolgung ' für alle jene, die das österreichische StaatS-- - - bürgerecht erwerben wollen, unerläßlich ist. , Vor dem 1 k Jänner, dem letzten Tage der OptionSftist, deren Verlängerung ursprünglich in Aussicht geklommen war, aber schließlich aus „diplomatischen" Rücksichten unterblieb, sollen noch einmal jene Nicht« Ihtien zusammengefaßt werden,. deren Einhaltung den Erfolg der Optionseingabe ermöglicht.! Das Optionsrecht steht gemäß . Artikel 80 deS Friedensvertrages nur Personen zu,' welche in einem Nachfolgestaat der ehemaligen österreichisch-ungarischen Monarchie heimatberechtigt sind. Daher bildet der Heimätschein ein wichtiges, allerdings nicht unerläßliches Erfordernis. An seiner Stelle können etwa Musterungsblätter, Abrüstungsscheine, Konskriptionsamtsauszüge, Pässe, Arbeitsbücher, Meldenachweise aus den Jahren vor dem Kriegsausbruch usw. beigebracht werden.. Für verheiratete Personen wird im allgemeinen die Vorlage eines Trauscheines nötig sein. Da nicht jeder dieses Dokument bereit hat, müssen als Ersatz der Geburtsschein der Frau und der Meldezettel, beziehungs« weise eine gleichwertige Urkunde (Bescheinigung des Rabhinats auf Grund von Zeugenaussagen) anerkannt werden. , Für Kinder unter'.achtzehn Jahren sind Geburtsscheine, allenfalls an deren Stelle Ochplnächrichten anzns'chließen. '. Kinder, die am 16. Juli 1920 das achtzehnte Lebensjahr überschritten haben) müssen persönlich optieren, können sich aber bezüglich der Heimats- und Standesdokttmente auf den Optionsakt ihres Vaters, beziehungsweise ihrer Mutter berufen. Witwen haben außer dem . Trauungsschein noch den Totenschein ihres Gatten oder ein Ersatzdokument (Todeserklärung, Zuschrift des Kaders oder der Miiitärseelsorge), geschiedene Frauen das Ehescheidungserkenutnis vorzulegen. Vom Optionsrecht kann jede in ernenn Nachfolgestaat hermatberechtigte Person über achtzehn Jahren (Stichtag 16. Juli 1920) Gebrauch machen, welche-nach ihrer Umgangssprache der Mehrheit , der Bevölkerung Oesterreichs angehört,' mit anderen Worten, welche sich -er deutschen Sprache als ihrer Umgangssprache bedient.. (Paragraph 2 Vollzugsanweisüng vom 20.- August 1920, M.-G.-Bl. Nr. 397.).. . . Es ist eine unleutzbare Tatsache, daß diese Voraussetzung für mindestens W Prozent aller Juden der ehemals „im Rejchsrat vertretenen Königreiche und Länder" undl für einen hohen Prozentsatz der in Transleitbanien wohnhaften zutrifft, ferner, daß dieser Umstand allen zuständigen Behörden.hinlänglich bekannt.istp umso auffälliger daher, daß . man den Juden bezüglich' des Sprachennachweises, so große Schwierigkeiten in. den Weg legt. Vor vornherein abzulchnen ist! jedoch, -er'. Standpunkt Einzelner Unterbehörden (magistratischer Bezirksämter), daß nur deutsche Dolksschulbildung den' Optionsanspruch begründet.. Abschriften von . Volksgählungsbebelfen der Jahre 1900 oder 1910. Zeugnisse über den Besuch deutscher Bürger-, und Mittelschulen, schriftstellerische Arbeiten aus . früheren Jahren.' Vet'- wendungszeugnisse von Firmen, des deutschen Sprachgebietes, insbesondere ober Korrespondenzen mit solchen Firmen, ferner Bestätigungen über die Zugehörigkeit zu nationalen Wählerkurien u. s. w. geben denselben Beweis und werden auch anerkannt. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, in glaubhafter Art diesen Nachweis der deutschen Umgangssprache zn führen, vor allem etwa auch Zeugnisse im öffentlichen Leben stehender Persönlichkeiten, anerkannter Korporationen und Vereine oder seriöser alter Finnen.u s/w., kurz, die' unbestreitbare Tatsache, daß fast alle Juden die deutsche Sprache im Umgang gebrauchen, muß noch durch glaubwürdige Bescheinignngsmittel verstärkt werden. - - Tie Staatsbürgerschaftserklärungen auf Grund des Gesetzes vom 5. Dezember 1918 müssen vorgelegt werden; Personen, die bereits lange Zeit in Wien wohnen, tun gnt daran, auch diesbezügliche Auszüge seitens de§ ZentralmeldungsamteS zn beschaffen, welche geeignet sind, den Nachweis der Umgangssprache zn erleichtern ader gar zu ersetzen. Angehörige des Bnraenlandes sind sie»n stiiemn Ser stegienmg. Die kritische Lage der Staatsfisaaze«. Die „Staats?orrrfpon-enz" meldetr Zu den in letzten Togen verbreitete« Gerüchten über Aücktrittsab sichten der R e gier «ng wird von maßgebender Seite feftestellt: Die Demrsfionsgerüchte find offenbar durch die von der Negierung rückhaltlos zngeg bene kritische Lage der Staatsfinanzen hervorgerufen worden. Die Regierung ist sich aber im klaren darüber, dah ihr Nücktritt in diesem Augenblick die Lage nur noch v erschürfen würde. So undankbar auch unter den gegenwärtige« Verhaltniffen dis ihr gestellte Aufgabe sein mag, glaubt sie es ihrer Verantwortung dev schwergeprüften Bevölkerung gegenüber schuldig zn sein, auf ihrem Posten auszuharren. Der Zusammenbruch Äer österreichischen, Wirtschaft. Paris, 8. Jänner. Im Zusammenhang mit der Entsendung eines französischen Finanzexperten nach Oesterreich schreibt „Figaro" folgendes: Das unglückliche Oesterreich mache nicht nur eine Ernährnngskrise. sondern auch eine kommerzielle und industrielle Krise durch. Die bisherigen Aushilfsmittel genügten nicht mehr. Es sei notwendig, ein umsiisftirdes Wieder« aufbanprogramm festzulegen. Oesterreich könne, so wie es die Vertrage geschaffen .h^ben, weder leben noch atmen. Um Oesterreich ein stlbstäpdigeK Lebert Hu ermöglichen, müßten die abgerissenen Bande mit den anderen Donaustanten wieder angcknüpst werden. Diese Lösung sei jedoch leider nur Theorie. Die Restauration eines Habsburgers auf dem ungarischen Thron, die wahrscheinlich bevorstehe, werde in Mitteleuropa neuerlich die größten Schwierigkeiten Hervorrufen. Neben dem österreichischen Problem gebe es ein ungarisches, und die Alliierten sehen sich wieder einmal vor dey Gefahr, daß die Ereignisse sich ohne ihre Einwirkung, vielleicht sogar gegen sie, entwickeln. Die Wahrheit sei, daß die Staatsmänner», die Zcntraleuropa zerschnitten haben, weder den wirtschaftlichen noch, den historischen Gesetzen MmWdn^ gesehem . Kampfansage derMcbenKomi im i.#n AlLimaLum an die ArbeiLergewerkschasLen. Berlin, 8. Jänner. Die kommunistische Partei Deutschlands veröffentlicht in der „Noten Fahne" einen offenen Brief, an die politischen und gewerkschaftlichen Arbeiterorganisationen, in dem sie eine gemeinsame Aktion auf folgender Grundlage vorschlägt: Einleitung von einheitlichen Lohnkämpsen, wobei die Lohnkämpfe der Eisenbahner, der Beamten und der Bergleute sowie der anderen Industrie« und Landarbeiter zu einer ge« schlossenen Aktion verbunden werden sollen; Maßnahmen zur Verbilligung der Lebenshaltung, zur Abgabe verbilligter Lebensmittel aus Kosten des Reiches und Beschlagnahme aller zur Verfügung stehenden bewohn« baren Räume sowie zwangsweise Ansanartiernng kleiner Familien. ans großen Wohnungen; Maßnahmen zur- Bereitstellung von Lebensmittlen nnd Bedarfsgegenständen durch Kontrolle aller Rohmaterialien, der Ernte und des Verkaufes' von Lebensmitteln; sofortige Entwaffnung aller bürgerlichen Selbstschutzorganisationen und Bewaffnung des Proletariats; sofortige Ausnahme der Beziehungen zu Rußland. Die Antwort auf diese Einladung wird bis zum 13. Jänner erwartet. Im Falle einer.Ablehnung würde Oesterreicher und haben nicht zn optieren. Die Staatsbürgerschaftserklärungen der sogenannten „Altausländer" (Russen, Franzosen, Italiener u. s. w.) haben ihre Geltung beibehalten. Die Optionserklärung soll persönlich oder durch einen Spezialbevollmächtigten in der Regel vor der Konskriptionsamtsabteilung des Wohnbezirkes (Magistratisches Bezirksamt) abgegeben werden. Diese Abteilungen sind angewiesen, Optierenden keinerlei Schwierigkeiten zu bereiten, auch ungenügend belegte Erklärungen anzunehmen und auf dieUebersetzung landläufiger Dokumente (Heimatscheine, Geburtsscheine, Trauungsscheinei in den Sprachen der Sukzessionsstaatcn. die jeder Konskriptionsamtsbeamte von der Volkszählung ster kennen muß. zu verzichten. Machen diese Abteilungen Schwierigkeiten, dann steht eS jedem Optanten frei, seine Erklärung in der Direktion dos Konskriptionsamtes (NeneS RathonS, | Stiege 8) abzugeben, wo eine besondere Optionsstelle eingerichtet wurde. Findet der Optierende auch hier i wider Envarten sein Recht nicht oder fürchtet er, die! Fallfrist des 16. Jänner zrr versäumen, so kann er seine die kommunistische Partei Deutschlands allein den Kampf a n f n e h m e n und durchführen. Zu dieser Veröffentlichung äuch.ert sich der /-Vorwärts": Wir möchten den Kommunisten dringend raten, aus solche Spässe zu verzichten und sich einmal mit den Vertretern der großen Arbeiterorganisationen zu ver>> nünftigen Verhandlungen an einen Tisch zu-setzen. Viel-p leicht wäre es aus diese Weise möglich, die neuen Dumm-, hciten zu verhüten, die die Kommunisten zum Schadender Arbeiterklasie zu begehen im Begriffe. sind.? Die - „Freiheit" spricht anläßlich des Aufrufes der. Kommunisten von einem neuen Kriege. . Herzte KoMMimiftendeMsustratiSK. . Berlin, 8. Jänner. Der Bezirksverband^ der-11. E P. D. erließ einen Aufruf, einer iür morgen von den Kommunisten im Lustgarten geplanten Demonstration aus Anlaß der Ereignisie in Flensburg. fcrnzublciben. In der Begründung wird darauf hingcwicsen, daß W Kommunisten ihre Demonstration am Sonntag zn )Zwecken'anSzunützen versuchen, die daS Gefamtinterefie des sozialistischen Proletariats schädigen. schriftliche Erklärung samt Beilagen auch in d« Ernlaufstelle deS BundeSnnnisteriumS für tzrmsrqA (1. Bezirk. Judenplatz 11) direkt überreichen. Es empfiehlt sich, der OptionSerklärung, wo mim« sie angebracht wird, eine schriftliche Erläuterung der beigeschlossenen Belege über die deutsche UmgangSjpsache beizufügen, in derselben auch da- Fehlen gewiss« Nrkunden (Heimatschein, TranungSschein usw.) zu rechtfettigen. ans die Bedeutung der' Ersatzdokumente hmrid' weisen und sich im allgemeinen über dr« indivitzueLo« OptionSanspnrch zu äußern. Nicht nachdrücklich genug kann cheworgehsb«« werden: Wer optieren will, hat dies bis z^m 15. Jänn« 1921, 8 Ubr nachmittags, mündlich vor einer fc«r ofc* genannten Behörden ober mittels einean eine selben gerichteten eingeschriebenen Briefes zu tun! - Der eingeschriebene Brief an die Konskriptionscrrnts^ abteilung ' es Wohnbezirkes hat mindestens folgerrdew Inhalt arifznweisen: „Der Gefertigte, geboren am .... . ln zuständig nach..... (Land), gibt für sich, ftrns