Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 695 (1.1.1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Einzelpreis SB Kreme'- Pränvmerationsvreise: wt»«: »Zm« «ddoln, m de» Krvrdttto«, ‘i. AkUrk. Tflfor» (tatfr i Md :f, or» ,n eine» tönrfitilfWtcne >Tra,'!kl: atuirrttMit». . -krönen Vterteljakrktch .. iro.- Mtt Poskv^anr '«r Wien «nd Cefierrcirtj; Monatlich .. f Dchechii-?l!i Monatlich . . üv Vlertesin!,t-lich „ kntschccho.slowakikchrr'! Monatlich .. Kroir^ Uterteltarirlich .. ü» uns,anM,e» Wöh Wiener Ait<,»slannk«: Moaotirch > . Dm« Bterieltitl>rrtch , ®4.-- Einzelpreis SB Kronen! ""■■vt■. ui .... iiiimiiiiiiwiwiiiBiirTTOiriB Prünumerationspreise? Bolen: Monntktch . . Mar» vierte, jakrUch ,. 1 in Polnischer .'rähnmg?e»tschlanv: Monatlich . . Mark 19,-<. Frankreich: Monatlich . Francs 6r^ Monatlich IM re Ruiunnkrn:! Monatlich . . Lei 15.— Schwei/,: n. daS fiörfrs« Aiiklaal») Monatlich. . . Francs ■;«— Redaktion n.iNdniiniftrailo« Wie».2.Aez..Tavor,rr.l-L in.: i ■ ■/:? I'elepboner äldmintstratio» 440 H, Redaktion 4 ad Ü Uhr avenss Nr. Id Ol tSostsvarkossenronts 150.6!$ 911. 695 . Wien, Samstag den 1. Jänner 1921 3. Jahrgang Die nächste Nuinmcr d?r „Miener Morgenzeitung" erscheint Montag den 3. d. M., mittags. Der Entwaffnungskonflikt. —7. W > e n, 1. Jänner. Die Entwaffnung der Einwohnerwehren Deutsch, lands wird von Frankreich gefordert. Deutschland hat daS Verlangen mit dem Hinweis auf die Notwendigkeit eines militärschen Schutzes der Republik abgelehnt. Ter französische Kriegsminister Lefevre hat darauf öie De- Mission gegeben, was für die französischen Nationalisten der Anlaß zu einer großen Aktion bildete, die sich gegen die Negierung richtete. Frankreich wiederholt nun feine Forderung und bringt die Besetzung des NuhrrevierS als Zwangsmaßnahme wieder anss Tapet. Die Berg, arbeiter dieses Reviers haben nun der deutschen Negierung die Einstellung der Kohlerrlieserungen für Bauern wegen dessen Intransigenz angedroht. Gleich, zeitig kündigen die MehrheitSsozialisten die sckjärsste und rücksichtsloseste Opposition gegen die Negieruno Fehren« bach an. Die Frage der Einwohnerwehren hat schon zu wiederholten Malen die inneren Verhältnisse Deutschlands wie nicht minder seine äußeren Beziehungen vergiftet. Die Institution sieht, politisch genommen, Herrntos ans. ihre Entwicklung aber zeigt, was hinter der auch in Oesterreich bekannten „i'npolit!scheu Wehrmacht" steckt. Es ist eine ausgesprochen reaktionäre Gründung,! als deren Zweck dieAnsrechlerhaltnng der inneren Nahe j vorgeschützt wird. In Wirklichkeit handelt es sich um j eine ausgedehnte Bewaffnung von Elementen, die, selbst - monarchistisch rn'.d antisozial. in der Hand ..erprobter" Männer von cinmonbfrticr nationalistischer Gesinnung, ein starkes Werkzeug zum Sturz des Systems, zur Restaurierung der Dynastien lind zur Einleitung des NevanchekriegeS gegen Franueich abgeben sollen. Die Frage ist durch daS nuverbüllte Atiftreten der bayrischen Negierung akut geivorden. deren von dein Fcnurat Ein er ich geleitete Organisation bewaffneter Bauern vor kurzeyi auch in Tirol ein Gastspiel geben wollten, das aber durch einen Eisenbahnerstreik verhindert wurde. Zwischen den bayrischen Wehren und den mitteldeutschen sotvie ostprenßnchen Gruppen besteht ein sehr inniger Kontakt ltnb die rechtsstehende Presse läßt erkennen, daß es auch zu einer innigen Fühlungnahme mit Ungarn gekornmen ist. Das > Fiel dieser Bestrebungen ist angeblich die Bildung einer einheitlichen Front gegen den russischen Bolschewismus, in Wirklichkeit aber der Sturm gegen die in Deutschland und Oesterreich aufgerichtete Volkssouveränitat. Hätte eZ sich tatsächlich um die Bolschewik^ gehandelt, so wäre den Anstiftern des Planes der französische Segen sicher gewesen. Das Auftreten Frankreichs aber beweist daß der Hund ganz wo anders begraben ist. Frankreichs Volk, das man nicht mit den Nationalisten identifizieren darf, weiß, was die Rückkehr der Hohcnzollern und WittelSbarher zu bedeuten hätte. Was aber dielen, Fall eine über die gewöhnliche!n Deutschland beliebte Konjunkturpolitik hinaus, agende Bedeutung gibt, ist die Haltung -der deutschen Regierung. Tie Bauer. Kapp. Lüttwih und Lrrdendorfs tragen, nachdem durch ihre Schuld daS deutsche Volk ML Elend geraten ist und daS Urteil über solche Dinge der post fest,im richtenden Weltgeschichte anheimgestellt wird, für ihre Brandstiftungen keine Verantwortung. Aber die Negierung ist über daS ihrer Schlväche zuzubilligende Maß von Kurzsichtigkeit weit binauSgega«. gen. Sie kriecht vor der bewaffneten Faust des bann» schcn Ministerpräsidenten Karr, der in München mit der durch die höhere Kultur bedingten Nuancierung Horthy spielt. Sie tut aber noch mehr: Sie hat der deutschen Oeffentlichkeit sehr ernste Erklärungen der französischen Vertreter und der interalliierten Militarm-ssion in Berlin nicht mitgeteilt und es verschwiegen, daß sie von der Entente ausdrücklich auf den Zusammenhang Zwischen der Entwaffnung und den Brüsseler Verband, lungen aufmerksam gemacht worden war. Durch diese Verschweigung stellt sich die Negierung offen auf den Standpunkt der Orgesch-Leute und leistet ihrem Hirnverbrannten Treiben Vorschub, fällt aber gleichzeftig Men in den Rücken, die sich im Schweiße ihres Angesichts um ein erträgliches Verhältnis zu Frankreich MÜbLlL. Die Schuld damn. daß Ls io weft Summen ipf M üle kinmnikiMg in N 5 W - 2) 3 v ft, 28. Dezember. (Iüd. Korr.-Dm.) Washingtoner Meldungen zufolge tritt Senator C o Lt von N-vde Island, der Vorsitzenderdes Sinwanderungslromitees des Senats ist, g e p e n die cegenwärListe Kampagne für ein EinwanderungsverboL Ln Amerika auf* Senator Colt behauptet, dich die gegenwärtigen Informationen über die Einwanderungs« frage nicht genügend seien, um die Haltung derjenigen, welche die Vereinigten Staaten für alle Fremden schließen möchten, zu rechtfertigen. Das Hrrumreden von 15 Millionen, die di« VereinigLen Staaten nderfluie«, sei nichts als unbegründete Hysterie. Das Komitee werde auLhenüsche Informationen und TatfacheamsLerlaL erhalten und dementsprechend die Lage Leur!eilen. * Nerv-Borl, 25. Dezember, ßiib. Korr-Bur) Die verein! at?rr j ü bischen Gewerks ch a s t e n wandten sich an die American Federation of Labour mit dem Ersuchen, alle möglichen Anstren «ngen gegen die Ni ' tzulassung der jüdischen Kriegsnnd Pogromopfer aus Osteuropa zur Einwanderung nach Amerika zu mache». Ms rmgarifche Gefahr. Italien übernimmt die Fahrung dor kleinen Enlente. — Die HorLhy-HUfe. c Pv.r'kS, 81. Dozcm:,''-. <Tr'..-Komp.) Der ..TeiupS''' befoßt sich in seinem heutigen lkeitortikel mit der Note, in welcher die rumänische Negierung ans die von den Bolscben-iken und der ungarischen Negierung drohende Gefahr aufmerksam macht, und bespricht anschließend daran die Folgen der Wiedereinsetzung der Habsburger. Das Blatt sagt, Ungarn sei beute keine Republik mehr, sondern in Wirklichkeit eine Monarchie ohne Monarchen, ein Zustand, der unmöglich audauern könne. Die kleine Entente habe den Zweck, die Wiederkehr der H'v b S b iirof r. die den Krieg hedo'-ten würde, zu v e rhindern. In» Vertrag von Rapallo habe Italien »nti Jugoslawien gleichfalls ein Abkommen getrosten, um die Rückkehr der Habsburger unmöglich zu machen. Wenn n»an die Erklärungen de? Grafen Sforza richtig itsierpretiere, so könne man sagen, daß sich Italien an die kleine Entente anaeschlossen habe, um als Großmacht deren Leitung zn übernehmen. Es sei daher mit eine der arößten Ansaaben. der italienischen Raaiernng, neue Wege zu finden, wie man der ungarischen Gefahr begegnen könne. London, 31. Dezember. (Reuter.) Zu den rmnanl. scheu Veschnwrden über die Besetzung der neutralen Zone durch ungarische Truppen schreibt der diplomatische Korrespondent deS „Daily Telegraph": Angarn wird es kaum wagen. Rumänien anzugreifcn. sondern es mochte eber für einen bestimmten Preis mit Rumänien gegen die Boschewiken kooperieren. Aber die ungarische Intervention ist nicht wünschenswert, weil sie schließlich zu der Forderung Budapest? führen würde, die territorialen und dynastischen Fragen wieder aufs Tapet zu bringen. Der Kampf der LugosLaWischen Regierung gegen die KoMMUNisterr. ekler Belgrad, St. Dezember. (Privat.) Im Laufe des TageS hat die Negierung Maueraufchlüge astichieren lassen, in denen mitgeteilt wird, daß alle kommunisnschen Organisationen in Serbien aufgelöst werden: die Versammlungslokale der Kommunisten wurden geschlossen und die kommunlstische Presse unterdrückt. Die Aufrufe der Kommunisten für einen Generalstreik wurden kon» slszierti jede Fortsetzung der kommunistischen Propa« ganda wird mit den schwersten Strafen bedroht und der A.,,Sbnnh von etwaigen' Unruhen auch an den moralischen Urhebern derselben mit der ganzen Strenge de§ Gesetzes geahndet werden. Ter Besitz von Massen und Explosivstossen ist sofort zu melden. Jede Nichtbeachtung dieser Vorschirft wird mit drei Monaten Gefängnis bestraft. Während der ganzen Tauer der AcbeiteL der Konstituante ist in Belgrad jade Kundgebung unter* sagt. Jeder Urheber eines bewaffneten Aufstandes wird dem Kriegsgericht übergeben, ist er ein Ausländer untz an etwaigen Unruhen beteiligt, so wird er auZgewiesen» Die Kundgebung der Negierung s.hließt mit folgendem Worten: Die Wahlen in die Konstituante haben sich r« Ordnung und Freiheit vollzogen, in Ordnung untz Freiheit muß die Konstituante ihre Aufgaben erfüllen/ für welche sie von dem Vertrauen des Landes ge< tragen ist. Die obigen strengen Maßnahmen der Regierung gegen die Kommunisten sind durch die Tatsache hervorgerufen, daß die Negierung angeblich im Besitze vo« Beweisen ist, daß aufrührerische und kommunlstische Elemente mit dem Feinde rm Auslande Derlundunz unterhielten und für die nächste Zeit einen Anschlag gegen den jugoslawischen Staat nach dem Muster des russischen Nevolutionäre behufs Einsetzung der Diktatur des Proletariats planten, um in Serbien einen neu-.» Abschnitt der Front zu schassen, welche die Dolschewike» gegen die übrige Welt zu errichten planen. Trotztzy abgrsctzt? WashingÄrn, 31. Dezember. (Funkspruch.) Drohstist vom Kommando des No:en Hce es ab ge setzt wov^ den. (Anmerkung dos Tel.-Krrr.'Bur^ Aus R.'ßlaM liegt eine Bestätigung der Nachricht nicht vor.) Der Krieg in Irland. London, 81. Dezember. (Funkspruch.) Nach einem zehntägigen Waffenstillstand während der Feiertage b*> gannen gestern wieder die Angriffe der Sinnfeiner auf die Krontruppen. Tie Verhandlungen Zwischen nichtamtlichen Vertrauensmännern der Negierung und FüK» ' rem der irischen Bewegung darrern an. g! konnte, tragen auch die Mehrheitssozialisten, die mit der Noske-Erfindung, der Reichswehr, so lange zeliebäugelt haben, bis sie ihnen über den Kopf gewachsen ist. Ihr System der Feigheit vor dem Nationalismus ihr sietes Kotau vor den Empfindungen des militaristi. scheu Pöbels hat die heutige Stimmung geschaffen. Die niederträchtigen Urteile der Militär- und Zivilgertckte gegen geständige Sozialisten- und Pazifstenmörder, alles das, was den Namen der ehrlichen deutschen Arbeit in all'er Welt geschändet hat. die Erklärung alles Nichti nationalen als Hochverrat imb nicht in letzter Linie das antisemitische Kanai'lemnesen — die Wurzeln liegen in i der UaatvliinItlcrifdjcii Halbheit der SozialdemoKaue. die aus dem KorPoralSgeift nicht herarrskann. Daß fts heute nicht in der Regienmg sitzt, befreit sie nicht vs» der schärfsten Kritik. In der Entente arbeiten sorgfarne Partner brr deutschen Kriegshetzer an der pi'mklickien Registrier,-nx aller Vorgänge in Derrtschland, die sie irgendwie für ihre Zwecke verwerten könnten. Ihre Arbeit träg§ giftige Fruchte. Wieder schäumt die Boulevardpresse, wieder müssen die wenigen Besonnenen ihre ganz« Kraft aufbieten, um Nngiück zu verhüten. Aber wenn in Deutschland nicht bald die Vernunft zur Herrschaft kommt, N'ird es sich nicht verhüten lassen, daß s:au- Lönlckre Truppen wieder über dis ll^reirrbrückeA Lorr.ll^u,