Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 693 (30.12.1920)
- Date
- 1920-12-30
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 693 Wiener Morgenzettlmg /SO. Dezember 1920 Wen. Donnerstag Sagerkost ganz ungenießbar ist. Es ist auch den Behörden nicht unbekannt, daß die Leiter des Lagers mit den für die Internierten angeschofften Lebensmitteln Geschäfte mach e n, doch wird nichts unternommen, um diese Mißbräuche abzustellen. Die Behandlung der Internierten hat sich infoferne gebessert, als in letzter Zeit die Prügelstrafe nicht mehr angewendet und auch das noch bis vor kurzem geübt«? An bin den alZ Strafe seltener in Anwendung gebrächt wird. Das Zeitunglesen ist nach wie vor ausgeschlossen. Fm Sinne der neuen Verordnung soll das Lager stufenweise evakuiert werden, weshalb von Zeit zu Zeit Internierte in Gruppen von fünfzig bis sechzig Personen entlassen werden, welche sich in ihrem Wohnorte bei der Verwaltungsbehände zu melden haben. Sie werden unter polizeiliche Aufsicht gestellt und ihnen eventuell der Besuch öffent. sicher Lokale verboten. Die gegenwärtig tätige Unterfuchungskommissivn läßt sich bei ihrer Arbeit ausschließ, sich von konfessionellen Gesichtspunkte» letten und j ührsche Internierte werden überhaupt nicht in Freiheit gefetzt. Als Maßstab für die Freilassung der Gefangenen gilt, ob und in welchem Maße die Betreffenden ihre „schweren Sünden" bereut und inwieferne sie sich dem chriftlichnationalen Geiste assimiliert haben. Natürlich gibt es unter den Internierten viele, die es verstehen, patriotische Einkehr simulieren. Vor kurzem wurde im Lager eine Schule zur Ummodelung der zu. verbessernden kommunistischen Internierten errichtet. In dieser Schule halten Lehrer und Geistliche den armen Hungernden Vorträge, durch welche diese überzeugt werden sollen, daß das gegenwärtige System in Ungarn das herrlichste und vollkommenste sei. Von Zeit zu Zeit werden die in Korrektur befindlichen Internierten einer Prüfung unterzogen und diejenigen, die sich der Besserung weniger zugänglich zeigen, der' Bestrafung zugeführt. Wer kann polnischer Offizier werden? ° Bekanntlich wurden Offiziere, welche sich zur jüdischen Nationalität bekannten, aus der polnischen Armee entfernt. Darüber interpellierten die Abgeordneten Dr. Thon und Genossen den Knsgsminister Sosnkowfti und erhielt mmmehr, wie das Preßbureau des Klubs der jüdischen Abgeordneten im Sejm mitteilt, vom Minister folgende Antwort' »Der Staat beruft. . . auf verantwortungsvolle Stellen, also auf Ofsiziersstellen, nur Personen, die sich durch, Vaterlandsliebe und OpferfShigkeit auszeichnen. Solche Personen sind grundsätzlich einzig diejenigen, die außer durch die Staatsbürgerschaft auch durch die EinheWichkert der Nation mst dem Staate verbünden sind." Rach defem Grundsatz hat das ZknegstNimsterium den Leutnant'Jakob Stein und alle anderen jüdischen Offiziere, welche in ihrer Qualifikätionskarte sich zur jüdischen Naiiouvlität bekannten, aus der Armee entlassen, ohne sie in die Reserve zu übersetzen. Durch diese Interpretation des Kriegsministers zum Gesetz vom 17. Juni 1919 wird eS allen Nicht- . polen, deren e§ im polnischen Staate etwa 85 Prozent der Gesamtbevolkerung gibt, nicht nur unmöglich, Offiziere zu werde«, sondern e§ wird ihnen obendrein noch Vaterlandsliebe und Opferfähigkeit abgesprochen. Es liegt auf der Hand, daß durch solche Verfügungen die liüberbrückung der Gegensätze zwischen den einzelnen Nationalitäten in Polen nicht erleichtert und der Weg zur ^Verständigung" mit drrr Juden nicht geebnet werden kann. Der Lebemann mit achtzehn Jahre«. Vor einigst Tagen erstattete der Expedient der Firma Th. Bindters Nachfolger, Johann Weschta, am 4. Juli 1902 geboren, 4. Bezirk, Pretzgasse LS wohnhaft, folgende seltsam« Anzeige: Er sei für seine Firma auf dem Westbahnhof tätig gewesen, und habe dort die Bekanntschaft eines französischen Offiziers gemacht,- der sich Jean Franguise, Mitglied der Reparationskommission, genannt habe. Die Be- Lrnntjchaft datierte feit Juli dieses Jahres und der Franzose sprach dem jungen Mann gegenüber von vexfchiedener- Geschäften, die großen Gewinn versprächen, wenn vxäx\ nur das Nötige Geld hätte. Run hatte Weschta wohl 'kein eigenes . Geld, über der in Aussicht gestellte Gewinn habe ihn verlockt, daS, Msld feines Chefs zu risttrren,, in dem sicheren Glauben, es nicht nur rückerstatten, sondern auch großen Gewinn für sich selbst erzielen zu könnerr, Er chandißte.'dmn 'Franzosen die Summe ein, dip dieser verlangte. Immer tiefer griff re in die Kasse seines Chefs, und bis zum November sparen es schon 350.000 Kronen, die' er, dem Franzosen ianvertraute. Mitte November sei der Franzose verschwunden smb er habe sich sodann mit der Firma wegen Gütmachung des Schadens ausgeglichen^ Durch die Erhebungen wurde die Vermutung. hmfällig. Laß sich eüt Gauner. für errr-en französischen Offiziers aus- «gegeben haben könnte. Der Franzose'lebt nur in der Phantasie Des Weschta. Gr hat die Figur frei erfunden, um sich sozusagen als Opfer des Franzosen darzuflcllen. Am 22. d. M. wurde Weschta, der indessen in Freiheit gesetzt war, wieder ins SicherhettSbuvLau gebracht und dort gestand er nach längerem Leugnen, daß erbos ganze der,Firm« veruntreute Geld,nur' für sich verbraucht habe. Der junge Bursche hätte , eme Bekanntschaft mit einer in Meidling wohnhaften MusikschLlLrirh, ehrem' 17jährigen Mädchen. Ihr, hat er Geldgeschenke gemacht And Kleider und Schmuck um etwa 50.000 Kronen. gekauft. Er galt als ungemein freigiebiger Kavalier, und warf mit den Hundertern und Tausendern nur so herum. Nach seiner Be-, hauptung wußte die Musikschülerin nichts davon, daß er das Geld veruntreut hat. Ihr redete er ein, er habe ein großes Gehalt und verdiene durch andere Geschäfte viel. NcbeÄirs 5Mik iK Will W> d-rr Bö.rZr ryrv habe, farmt Exfolst. Netz Mittkilsnge« ans dem Publikum. 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Dieses grossangelegte Wörterbuch zeichnet sich durch eine reichePhraseologie, sowie sämtliche Kunstausdrücke aus allen Wissensfächern aus von Dr. M, Marge! (Agram) an erster Auflage, den ganzen hebräischen Sprachschatz mit Quellenangabe umfassend Beide Wörterbücher dürften je 1600 Seiten in Qrossokiav umfassen xcss Weschta und seiner kleinen Freundin wurden r^ch Wertsachen um 100.000 Kronen gefunden und zur.Gutmachimg des Schadens verwendet. Weschta ist gestern dem Landesgericht, eingeliefert worden. ._ ZrrgserrrschrLnkrmTen am 1. mtb 2. FÜrrnex. Die Slaa'Sbahndnrktion Eien-Wefi teilt mit: AufderWestbahn entfallen am Samstag den l.Jöinner folgende Züge mit Abfahrt vo» Wien-Westbahnbos:. Um 12 Uhr 4b Min. mckmittägS nach Amstttten, 1 Uhr 3L Mm. nachmi'tags nach Pmkersdvri, 3 Uhr nachmittags nach Pöchlarn, 6 Uhr abends nach Neulmgbach, 6 Uhr 55 Mm. abends nach Rckawiukel. In der Gegenrichtung an Wirn-Westbahnhof: 6 Uhr stütz von Rekawmkel, 7 Uhr 40 Mi», früh von Neulcngback, 8 Uhr 40 Min. vormittags von Pöchlarn, 3 Uhr 30 Mn», nachmittags van Purkeisdori, 4 Uhr 15 Mm. nachmittags von Ämstek'm. Am Sonniag dm 2. Jänner: Ab V en-Weftbahnhos 1 Uhr 35 Mm. nachmittags nach Pur erSdorf. 3 lt!n nachm tiagS nach Pöchlarn, 6 Uhr abends nach Neulengbach, 6 Uhr 55 Mm. avenos «sch Rekawivkel. ^Sette'M An Wien-Westbahnhof 6 Ube früh von Rekawinkel. 7 Uhr 40 Min. früh von Neulrngbach. 8 Uhr 40 Min. vormittags vott Pöchlarn,' S Utzr 30 Min. nachmittags von PurkerSdörf. 1 Auf der Franr Joiefs-Bahn entMr. am Freitag de« 31. d, Mi der Zua ab Wien-Franz Joscfs-Bcrhnhof 9 Uhr abe.nds näch Tullns Am Samstag den 1. Jänner: ab TuAn 5 Uhr 44 MiD srüh nach Sigmundstzerberg und in der Gegenrichtung dj Sigmundsherberg 4 Uhr 41 Min. nachmittags nach Wien-Franz JasesSBahn-host lan 6 Uhr 42 Min. abends). Ferner ab Wieni Frau; Josefs-Bahnhof N Uhr vormittags nach, Krems üüd itt der Gcaenrrchttmg ab Ktems 12 Uhr 55 Min. nachmittags nach Wien-Franz Josefs-Bahnhof (an 3 Uhr 55 Mm. nachmittagW weiters enisallm am Samstag den 1. und Sonntag den 3. Jänner zwischen St. Pötten und Hamstlb: Ab St. Pölten 5 Uhtz 50 Mm. früh vnd in der Gegenrrchtung an St. Pötten 8 Uhij 49 Min. früh. " Zionistisches Landeskomitee für Oesterreich. Inkrasiobureau. Da es sich wiederholt ereignet, daß den vom Jnkaffodureau b stellien Inkassanten seitens einzelner Zionisten mir Mißtrauen begegnet wird, macken wir darauf aufmerksam, -aß die mit uustrra veg t>ma!:onen ousgestattven Jnlastanten zur Entgegennahme von Beträgen gegen Ausstellung einer vorgedrudLeu Oumung ermächtigt sind, und werden alle GesinnunM gen-sic n gebeten, dieselben m ihrer Arbeit auf das Beste zu unteg* stützen. .* * Gin Lebenszeichen Sa«l TscheenichorvSkis. W!( .Hmrez" vom S. Dezember miiteilt, erhielt Dr. Klausner m Jerusalem über Bulgarien einen Brief auS Odesia vom hebraii scheu Dichter Tschernichowski Er teilt mit, daß die Gruppe der Odesiäcr Schnsisteller sich wohl befindet, da sie sehr viel arbeitet« Es wurden sehr viele eigene Werke geschrieben, wie auch Uedersetzungen aus der Welilttkratur gemMt. Auch haben sie Viels Operviexte für die hebräische Bühne Chisajom übeifetzt. Eis baden aber-keine Möglichkeit, ihre Arbeiten zu vcrdffeutticheni Der Brief tft vom 14. September datiert. ] » Der Hilfsverciu für Polnisch: Sümtsrmgehörlgr Men hielt am 22. d. M. im Saale des Hotels.zur Postz eine massenhaft besuchte Versammlung ab, um vor der Oesfent-- lichkeit Bericht über seine bisherige Tätigkeit zu erstatten^ Der Sekretär des Vereins Dr. Pordes erstattete ein com sührliches Referat über den Zweck, die statutarischen Ausgaben und die bisherigen Erfolge des Vereins, insbesondere über; seine Aktionen zur Regelung und Linderung dev A u s^ wetsungsangclegenheit. Es entwickelte sich eine &8* hafte Debatte, an der unter anderen Rechtsanwalt Doktor Grünberg, Rabbiner Horowitz, Direktor Feldmans Redakteur Racker, Dr. Meier Geyer, Dr. Krämer «M Redakteur Schmerler terlnahmen.. Die Diskussion er-gay die vollständige Uebereinstimmung der Versammlung mit devj Zielen und Bestrebungen des Vereins und fand ihrei^ Ausdruck in der einstimmigen Annahnre folgender ' Resolutionr „Die Versammlung der in Wien wohnenden p o l n i s ch erj StaatSan geh örigen, die als Opfer des Krieges untz ihrer ZugehSrigLeit zu Oesterreich unter Preisgebung ihrer Habe nach Wien geflüchtet und Herr feit JahreZtz ansäßig sind, richten an die österreichische Regieirung deÄ dringenden Appell, der Ausweisungspraxis, die gegert die unter dem Schutz des Völkerbundes stehenden B e st i m m u n«i gendes Friedensvertrages verstößt, Einhalt $jj tun, zumal durch diese Praxis jene Betvoffenen, welche jeden Zusammenhang mit ihrer alten Heimat verlorÄr «haben, bei de« gegenwärtig in Polen herrschenden Verhältnissen "der vollständigen Obdachlosigkeit und Vernichtung ihrer wirtschaftlichen Existenz, ausgeliefert werden. Die Versammlung ersucht daher die Regierung, die auf diesem Gebiet bei UNS herrsche^ den chaotischen Zustande abzustellen." ' l * Sin neues hebräisches Warteirbuch. Demnächst «Z scheint in neuer, vergrößerter" und verbesserter Auflage.' zirka 1600 Seiten Großoktav, das bekannte deuüch-hebräu'che Wörtev« buch von Dr. M. Marge! iAgram). Das Werk, dem Kennq eine große Gründlichkeit nackriihmen. zeichnet sich unter ändere« dur«h seine Berücksichtigung, der Termini technici aus alle» Wissensgebieten ans und ist bestimmt, die Vertiefung der ÄeuiZdi üisie des modernen Hebräisch rn fühlbarer Weise zu fordern. * Fortdauer der passive« Resistenz in Staat« betrieben. Die Unterhandlungeu mit den Bertravensmannerp der Angestellten der StaaiSdrucker-ek, des MönzamtcS und der „Wiener Zeitung", die gestern nachmittags im Dundesministerm« für Finanzen durch mehrere Stunden gesirhrt wurden, führte» keinem Ergebnis. * Bearabnisie am heutige« Tage. A l t er Fr, eU H of: 10 Uhr 15 Mm Lehrer Lena, NUbr Marburg Kärolina 11 ÜHr 45 Mm. Elras Rosa. — Neuer Fri e d H o f: 9 Uhr Gelblich Mka. 9 Uhr 20 Mm. Nofenberg Max. 9 Uhr 40 Min. Karmel Adcll. 10 Uhr Lukäcs Irene, 10 Uhr 20 Mivi Beubaszad Elieser, 10 Uhr 40 Mm. Natzersdorfer Frrtz. " * Israelitischer Gottesdienst. Bon Fretta« de« 31. d. M. cm sindtt mir Rücksicht auf die noch bestehende Nnbenkitz» barkeit deS durch das Brandunglück zerstörten Lcovokdstädter» Temvels der lsraeliiüche Gottesd enst an den Freitag-Abenden und SamSragen im T ü r k i f ch e« Tempel, H., ZrrhiR gä^e 22, statt.; « Wetterbericht. E n warmer Westwind ist von FrE irrch her übei den gioßten Teil von Deutschland und. die offev reichischm Alpenlander hereingebrochen und hat frublingSmaßig warme Tempelaturen gebracht. In W>en stieg die Temperalm heute bis 12'7°. Gegen Abmd begann ks zu regnen. — Vorhersage: Vorwiegend trüb, zeitweise Regen, Ädkühlmig,. rvestttch« Wwde. ' . , . Das Abholen den «Dollarpakete*. Die Leitung W amerilanii'chen Hilfslnoei Hauses fl.. Parkrmg 8) teilt mii:.. Bei Anfragen, betreffend Schecks für Dollar vaket? (Food Drafts), tiiit'fj die Schecknummer angegeben werden. Die Anweisungen sind vör der Ueberrrickung au! der Rückseite durch den Adressaten eigen-" bändig zu ,m'er<er1,gen; Lcg>t>matronÄapiere tot? LelmaMem oder Paß sind voizuivelsen, außerdem ist der Meldezett'l Wd evmtuellein«Bollmacht^Lr den B o r e n m i tz u b r i n^gM * Kohlenausgabe im Jänner. Im Jänner werden auf einen ganzen Ksichendrand 7 feg Steinkohle (Koks'> odei 10 hg Braunkohle rmt einen ganzen Zimmerbrand 3 kg Stem» kohle (oder 4 KZ BiaunkohleV auf einen ganzen Ge« werbe!'ttrieds- und Hrnbrand je 100 Ks Steinkohle iKokS) od« 132 kg Braunkohle. Auf Gruud der Bezngssäeine ^vrrden fü, Betrieb und Hcrmng die unter dem Buchstabe» L festgesehtW Monaismmgen abgegeben. * Ein Streik der Innsbrucker Kellner in SichL Airs,J nn Sb ruck wird, gemeldet: Die Angeftelllen der Hotels Gast- und Kaffe hauSdciriebe , haben rhre am 17. d. M. Lb'er^ reichten Lobnko,derü»gm (Lohnerhöhung um 80°/.. AnschaffnuM beikrag nnr Erhöhung des Qaauiergcldes sowie Äusarbeitirns einer emheitlichln Bttriebsordnang) bis morgen vormittags d«4 fristet. Wenn in den Berhandlnugen keine Ein'glmg erzielt.werden 'vüir. wird^ eine morgen abends ah nhalrende V.'Lsaminkung darüber enlschkiden, ob die Angestellttn mit dem Sl. d. M, ist dm AllSÜLnd treten. j