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Wiener Morgenzeitung · 1920-12-29 · Heft 692 (29.12.1920) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 692 (29.12.1920)
Date
1920-12-29
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Einzelpreis SS Krone Einzelpreis SS Kronen Peanmneratlonspreise! Bif«: .Hittn fflbftolen tat der tzrpkditio«, L Bezirk, Tabor- -ratze > l>iS?„ oder in ein» «erschleiststelle «Trafik,: Vtattafllrfi. . Nronen NO.— Vierteljährlich .. 1*0.- Rtt Postveriand für Wien und Dcftcrreidb: Monalltch .. Kronen 50.- Tichecho-Slowakei: Monatlich . . Krone« 15.— vierteljährlich .. p, tschecho-slowakisÄer Wäbrunß Ungarn Bionatltch .. Kronen 50.— terteljahrlich .. 1^0.- 1» «myarisäicr Düvnmg IngoslMvien: Monatlich .. Dinar ft.— kvierteljährlich » S4rener PrLn«merattonspv«rfei Bolen: Monatlich .. Mark W** Vterreijährlich „ 130,— in polnischer Währung Dentschland: Monatlich. . . Mark LO^-i Nrankreich: i Monatlich . .serane-V^- Italim: I Monatlich . Lire Rumänien: Monatlich . . Lei 15.—' Schweiz: «. dar übrige Ausland! Monatlich. . . Francs Redaktion n. 4ldmini ftration, Wien.S.Bez..Dal>orstr.l -§ Telephone: 'Administration 440 ft, Redaktion 4051V, mb 6 Uhr adendS Nr. 10 0» vrftsparkafsentonto lSV.AS Nr. 692 Wien, Mittwoch Ven 29. Dezember 1929 2. Jahrgang Ein Schutz- und trutzbiindnis gcgm die Habsburger. Graf Sforza reist nach Prag und Belgrad. 1 V a s s 5, 23. Dezember. (Tel.-Komp.) Der „Seeolv" S?riHtrL, dnft zwischen Lev i L a l i c nL- 1 che11) südslawi?ch en und Lsche ch oslowakischen Ä giernng Vorverhandln«?en anfgenom'iisn wurden, um ein Schutz- «nd Trutzbürrdnis <r" Mschlietzen. Der italienische Minister des A-n^ern Gra'^ S?ovz«^ wird demnächst ein? Reise nach V e l g r a d irnd Prag antreten. ©«m Der Imperialismus der Sowjets. —7. Wien, 29. Dczember. Verschiedene Gerüchte, deren Glaubwürdigkeit aber nicht über allen Zweifel erhaben ist, deuten das Gelingen des Rigaer Friedens an. Die diplomatische Lage bat sich allerdings in einem solchen -Maße verschoben, dost ein Nachgeben Polens nicht ausgeschlossen ist. Tis Frie» denspartei in Polen ist, nicht zuletzt infolge der bekannten NedeLeygues', gestärkt worden und die sozialistischen Parteien drängen auf die. endliche Beendigung des Mordens. 'Der Stand der' polnischen Volkswirtschaft, das Sinken ihrer Währung und die.Erschöpfung der. Volksmassen hat für Polen 'kaum /zu bewähltigende Schwierigkeiten geschaffen. . die ihm die Rückkehzur friodlichen Arbeit und die Verständigung mit seinen nationalen Minderheiten als ernstestes Gebot ouferlegen. ' ' . Wenn Joffe in Riga tatsächlich seine Unterschrift unter das Friedensinstrumenp seht, so schafft er damit einen völlig neuen Zustand, für Rußland wie für die» Welt. Tie offizielle Terminologie Rußlands gleicht.sich, je weiter die Zeit worschreitet,' der längstverg'ängenen Periode öes Zaren an. Tie Besiegung Wrangels gab der „Jswestija" Anlaß zu der an die Sld.rLsse Europas, gerichteten warnenden Feststellung:. '/„Der Westen must jetzt in ganz anderem Ton. mit muß reden/' Aus einem anderen Blatte, der „Grasnaja Gäzetq",Zerfährt chan, daß nach der Kapitulation gelassenen Truppen ein . Vertrag'. Mt' erster' englischen Gummifabrikt nitf, zwei Millionen.Hsstnö. abgeschlossen. wrirde, wobei die Abrechnung in russischerPapierlvährung' erfolgte. Das gesteigerte, .berechtigt gesteigerte Selbstvertrauen der. Moskauer Rgiernng. zeigt sich aber in noch stärkerem Licht ans dem'eben tagenden. Sowjet« kongreß. . Trotzki kündigt ein umfangreiches Militär- Programm an. ^enin hält eine Rede,, tu -der er zunächst die Notwendigkeit der Zulassung ausländischer -Konzessionäre verteidigt, dann' aber mit Bezug, auf den Frieden mit Polen .erklärt: „Wir'müssen, vor unseren Feinden auf &erjÖitt sein un»d' eine erstklassige Armee schassen damit nmere Nachbarn verstehen, daß wir, obwohl stets zum Friedensbereit, militärisch zur Abwehr stark genug sind." / ' - - Das ist die verfluchte Tonart, die .wir vor 1914 oft genug gehört haben. De freche Lüge der Geschichte, das ois pacem, para bellum" taucht da wieder au^ . Damals wurde sie von Wilhelm dem Zweiten, von Kurspatkin und Such.omlinow ausgesprochen. Jetzt ron Lenin, der iinmer tiefer in d'w Allüren.Väterchens hineingleitet. Es war stets russische- Sitte, innerer Unruhe durch das Answerfen äußerer Machtfragen die Gefahr zu nehmen. Dieses'Spiel ist auch jetzt im Gange, gumal die Gelegenheit viel verlockender geworden, ist. Rußland ist vielnmworben und hat in seinem Gebiet kaum einen Feind mehr sieben. Von Moskau bis Wladiwostok reicht heute Lenins. Wort,-der Vormarsch der tu rtischen Natwnalisten, der schon bis vor Datum gediehen war, wurde auf einen kurzen, scharfen Befehl Moskaus, eingestellt. Die . Frage der sibirischen Konzessionen, die man Herrn Vanderliv, einem Freund des neuen Präsidenten Harding, erteilte — zufälligerweise braucht Amerika gerade jetzt während seiner Debatte mit Japan einen eisfreien Hafen und Kohlenstation an - der kamtschadalischen Küste — hat wie ein Steinwurf in einem Teich gewirkt und eine höchst entrüstete Depesche Frankreichs gezeitigt, die TschUscherin mit. einer amiisanten 9iote an England, Frankreich und Italien beantwortete. in der er im Namen des Aelbstbestimmungsrechtes für das Recht der Griechen auf einen König Stellung nahm. Die Aehnlichkeit mit der Romanow-Zeit wird aber noch stärker erkennbar, weiw man den inneren Zustand des ^Reiches bedenkt, dessen' Wrrtschaftsq nellen durch einen fast schon sechs Jahre kaufenden' Krieg, durch den . Stillstand der Produktion und durch die jede.schaffende Initiative des Einzelindividnums tötende Reglements bis zum Versiegen gebrächt worden sind. Dis russische Presse hat jüngst ein Dekret veröffentlicht, das die Beschaffung technischer Kräfte und Materialien aus dem Ausland zur Steigerung der Produktion ankündigt. Dieser Prozeß könne' durch Heranziehung kommunaler Znstitutioru'n, Gesellschaften. Prwavu'Ucr'.'. - egen.!. ..Kulaki", der bäuerlichen Wucherer, zeigt das Wuchs> KerMeMMLeu und UMüerorMMtiorten des Ans.- 1 tnur -der inneren Schwierigkeiten, aus denen sich eben, Derh»«idl«llgr» zWijcheü'JtaNett» Ingoslawien «nd der Tschrcho-SlowaKei. Paris. 28. Dezember. (Tel.-Komp.) »Petit Parisien" soll in der La e sein, den Anhalt des vom Grafen Sforza am 17. d. M. in der Kammer an^edentet^n Zusatzvertrages von Rapallo dahin feftsteLen zu können, datz sich die beiden Staaten diplomatische «nd politische Hilfe ge en iene auf die Wiederherstellung der Habsburger - Monarchie hinzi^^^e Bewegung znstchern. Die bevÄrstchend: Rnfe des siidslaEchen Ministerpräsidenten nach Rom soll mit dem Zusatzvertrags in Verbindung stehen. .#■ für 'MgLMLiue Abrüstung. ... Per's, 28. Dezember. Wie>d's. Blätter melden, veröffentücht H a r ding in der „New Dork Warld^ die eine Kampagne für d'e. internationale Ab 'üstung begannen hat, eine. Erklärung,, in. der.eZ heißt, die allge- .mejne Abrüstung sei d'e-wich'igste P/adw Durch- 'streben. Die Siaaten, deren bewaffnet Macht am be- Leu'endsien fei. sollten vor allem mit'der, Abrüstung beginnen. Er habe nie den Gv.daulen gehegt.-daß de Dereinig'en Staaten an 'dech ML laus.der Nüsinngen zur See teilr-ehrnen.sollte-:, .'s.mdern' sei'/der Meinung, daß Amerika eine be.dew'.enLe-Flotte brauche, um d'e Handelst marine zu fchi'ch.ey U".d die-Küsten ver eidigen zu können. Die aiuerikanische Flo'.te 'wäre'n'e eü-.e B drohung des' WrWed-enZ. .Das dem Kr-eg immer, feindlicher wch'deride Wellgewlfse'n sowie'.der str'ge:rde Wunsch jeden VölleZ.nach F.rieden.erwe-:hen. in ihm'd'e. Uebe z ugung, daß der Art.Punkt nicht fern sei, wo die.Erwägungen des Rechtes, nicht'aller der. Gewalt, herrschen werden und die' Abrüstung nicht mehr bloßer Traum, sondern Tatsache geworden sein werde. Der'frKrrZssische SsZialistLuLÄAgreß. Gexen Nrn realiLiorril^en f .inzösifchen Militarismus. .Derlbu, 23. Dezemler. - Rach einem Pr'M'tekeg'amnrder „Baseler Nälionalzeitung" konzentrierte sich las ganze In e esse der Sonnta^Ssitzung des französischen Sozalistenkv/g e,seslauf b'k Rede S.nubats, der verg'blich die KonsereuzTeilnehmer von der Entwicklung znm 'Extremismus abzuhalten suchte^ Der ehemäl'gr dän.ische"NeHslagsabgeorönete W l erklärte in seinem Sltüat'ousbericht,' daß Frankreichs rcak'.ionüre Politik inr 'Innern und Aeüßerw stärk ans die Gemütsverfassung - tcr clsäss 'sch -loLhringischen Bevölkerung ' drüche, insbesondere herrsche eine ' erregte' Stimmung über die Fortdauer der Militärischen Lasten und die Cinschränkustg der poli.isch.'n 'Meinungsfreiheit sowie d^r Unterrichts,re'.heit in den Schulen. Die Unzufeiedenheit habe fich in einem solchen Grase gesteigert, .daß es'erklärlich' tzi. wenn ,^ch die f zialistischen Berbän'.e von Elsaß-Lo h i.'.gen in ihrer Mehrheit für den A.ijch.'uß an MMkau au'gesp.'ochen haben. Berlin» 2-<. Dt.',cmbn-. Tcr «Borwörs^ nieldct auS P a r i s: Ter So iü,simko>wrm m Tonrs har eine Em-- schtieliunä angcnommcn. dir die Bckprcclnmfl iibcr den Awchlun >m die Dcitte Ji'teinalcollale veMielch da d e Baun» rm allgemein m bic dor, Moskau gcstellien Bedingungen noch wenig - tegre-fen. Longn't und Blum erklärte üch für die Annabme der Eniichließung, nur die Kommunisten wandten sich scharf dagegen. StaniLuUM gfdttSt nicht an i»ie Kleine , Entente. Warschau. 28. Dezember. (Poln. Tel.-Agentuv.)' l Der bulgarische Ministerpräsident Stam b üli'ski, der mit dem polnischen MlnisterpräsidenMn Witos und' ' dem Vizepräsidenlen Daszynski in Zakopane B-.'spre- ' chnngen g'.'pficgen hatte, erkläre Pressevertretern gegen- ' über, er g'aube nicht an die kleine Entente, die'übrigens. in ih er gegenwärtigen Form bloß als eine Annäherung-' der Tschecho-Slowakei an Jugoslawien zu- - bewerten sei. '. __; Eine polnische Note an Joffe. Warschau, 28. Dezember. Wie -die Blätter berichten,, hat der Vorsitzende der polnischen Delegation Dizemmrster T o m b s k i an Joffe eine Note gerichtet, worin er erklärt, daß die polnischen Streitkräfte, die sich auf jenem Territorium befinden, das an die von Zkeli« . gowskr besetzten Gebiete angrenzt, durchaus genügen, um jeden Angriff erfolgreich abzuwehren. Die Note stellt ferner fest, daß sich unter den Truppen Zreligowskls keine Abteilungen des Generals B a- , l acho w rc z befinden nnd daß Zieligowski rm Sinne der Anordnungen des Völkerbundes dre Demobilisierung erngelertet habe. ' AbDerufMg .PäderewsKLs aus •; ° Krakau, 28. Dezember. <),Poln. Stimmen".) Dem „Kurzer Codziennh" wird aus Warschau gemeldet, daß Pa'derewskr als'.polnischer Delegierter beim Völkerbund, seine Demission überreicht habe und daß er höchstwabr-- scheinlrch abberufen werden wird. ' Ein, LebensrnMeMÄtator Iz - W-iv schau. 28. Dezember. (Tel.-Komp.'» ^>o:;icc;- Krakowski" me.de:, man bcals'.cht'gl in Ne i.rnugS-.. kreisen, den Posten des zrrrückgrtrctenen Verpslegs--.- miui-sters nicht'zu beseßen, sondern die Lebensmittel- - dik.atur eiuzusühreu. Zum Diktator fei General-S t- ' korskr auZerschen. .. .. londes beschleunigt werden. Es seien deshalb Konzessionen an das freie Kapital Enyopas angezeigt. Da mm dieses europäische Kapital sE nicht ohne sichere Klauseln politischer uwd wirtschaftlich-sozialer Natur nach Rußland wagen ,wird, liegt .hier bereits ein sehr aufschlußreiches. Kompromiß 'mit den-polnischen Notwendigkeiten vor, das nicht ohne.Wirkung nach innen bleiben kann. Die auffällige Vermehrung der Angriffe der Sowjetpresse' gegen die Sozialrevolutionäre und ihre scharfen Artikel über die Gegenrevoliktien der ganz wie in den alten Zeiten eine erhöhte Tätigkeit er-' gibt, die ja übrigens auch in denn offensiven Charaktet des Bolschewismus gelegen ist. Mit dem Bolschewismus ', als Idee hat diese durchaus die Bahneu der Romanows '■ einschlagende Richtung zum Imperialismus wenig mehr' zu tun. Die außenpolitische Lage des Staates ist dank der Verhältnisse in der'Entente glänzend, nach innen können die Sowjets die Zustände ohne Hilfe des. aus*- ländischen Kapitals unh der Intelligenz micht rneistern. Tie ist aber nur dann in dem notivendigen Ausmaß zu erreichen, lvenn die Diktatur der Demokratie Platz, nrackrt.

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