Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 691 (28.12.1920)
- Date
- 1920-12-28
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nc. 661 Wien, Dienstag Ultimatums am 2. JSnner 1921 in, vollem Umfang erfüllt fein sollten, am 3. Jynrier mit Sem CireK emznsttzen. Die Fordrrungen der Lehrer'Lestehstt bekanntlich in fslgenbem; 1. -Di«-, automatische Gleichstellung t»:r Bezüge M Mibe ,m»' PensLonistern mit '' töt-- Bezü-gen 8er'' Lehrpersonen der Gemeinde Wien/ rückwickeind BIS 1. Oktober 1920>' 2.5 Erhöhung der Bezüge der RelrgionslehM um 80 Prozent im Nebenberuf, schließlich Erhühnttg drä Stunden-. Honorare der sirppletorisch zugewiesenen Unterrichtsstunden »mb der Ueberstundsn um 80 Prozent imd die Brwtlliigung eines den niodernen Ansorderungeu entsprechenden Penstonsuormrlss. Dir Religioaslehrer sind umsomehr entschlossen, im Falle der NirhtöetvLlNgung ihrer Ford-erun^n mit hem Streik vorzugehen, als das Pcillidium des Berbcmdes her städtischen Angestellten der GemeinbL Wi.M den KeligionS- Lehrern vollste Unterstützung-der Forderungen zugesagt und hirvon den KultuZvorstand und gÄlchzrällg LäS BundeAministerrum für Unterricht, den Landesfchu.rat und den Bezirksschulrat verständigt hat. ES must ohnemeiterS festgestsllt werden, baß-hie Fordrmngen. der jüdischen RelittmslehrLr.durchaus berechtigt sind. Bllan, wird eß überall begreisen, dost, die jüdischen ReligivnS» Schrer nicht hie einzigen-Lührpers-onen in Wien und-ir^ Oesterreich, sein können und sein, wollen, welche schlechter gestellt sind als alle ihre iibri.zm Berufskollegen der verschiedensten Kategorien. Gerade die jüdischen NeligionSlehrer müßten wenn möglich .besser behandelt werden als die übrigen Lehr- Personen, weil man es ihnerr unter, allchi Umstände^ möglich machen muß, ausschließlich von ihrem BerusSernhomrnen standesgemäß leben und, sich klcidrn zu. können, wen^ man nicht will, baß ihre Autorität in'den Augen der SchÜlerund der Eltern herab sin kr. Dis Art, rvvr' der Religionsunter- -richt in der Kultusgemcinde behandelt , wirb, die Unzulänglich kctt der Lehrpläne ustvl haben ohnehin den jüdischen Religionsunterricht in de» Augen der jüdischen Eltern und der Kinder in Mißkredit gebracht. . Wenn es heute an manche« Schulen dennoch besser, steht - als bisher, so ist das eben nür cm. persönlirhes Verchieust mancher Lehrer, die sich Autorität errungen haben. Diese durch unzulängliche Besoldung und deren Konsequenzen zu untergraben, wäre ein mutwilliges Verbrechen.' Aber auch rechtlich sind bk Forderungen der Rrligkonslehrer ohne Zweifel berechtigt. Anläßlich des letzten L-ohnkampsrs vor ungefähr breivirrtel Jahren wurde m der damals eingesetzten Paritätischen Lohnkommis.'ion einstimmig, daS heißt also mit Zustimmung der Vertreter des DorffMdrS und sämtlicher DelegiertenbsZ Verbandes der Angestellten der KultuSgemeürde, also auch derjenigendi: nicht dem Lehrberuf <mgehören, dis Gleichstellung der - jüdischen Religionsl-chrer mit den Lehrern der Gemeinde Wirn anerkannt und .zugelilligt. Auch ., damals.. stand ^disAngestelltenschäst' vor dem Streik. Wenn nun heute'der Hrrstand.' '6dr 'Mltusgemeiiidr' M auf i den Standpünkt stellt, dast^er eine automatisch« Gleichstellu«»; aus prinzi/rckle'n Gründen nicht anerkennen wolle und''könne, st> weist er, di« Lehrerschaft direkt auf den Weg des Lohn" kampses und des Streiks hin. Denn der Standpunkt des Kultüsvorsta-ldrs besagt eigentlich, nichts anderes, . als daß die Lehrer jedesmal, so oft die Lehrpersonen der Gemeinde Wien, den geänderten wirtschaftliche« Verhältnissen entsprechend, eine Erhöhung ihrer Bezüge erlang^, , sich diese. Gleichstellung jedesmal erst im Lohnkämpf erzwingen mstssM.' Dies und nichts anderes tut nun die ReligionSLHrecschaft; weil sie yber nicht jedesmal zu dem ttaurigen -Schauspiel eines jüdischen 9keli.zionslehrerstreiks gezwungen werden will, verlangt sie diesmal endgültig die Festlegung der automatischen Gleichstellung ihrer' Bezüge mit denjenigen der Lehrer der Gemeinde Wien. _' VerbLKd jüdischer ZKgeKieirre urrd Techrriker W/ den Aufdarr, Dalästiurrs. Der beginnende Ausbau Palästinas erfordert dringend alle verfügbaren technischen Kräste. Um dieselben zusaminvn- Mfa.sen, soll ein Verband jüdischer Techniker in Oesterreich gegründet zvsrd/n. Der Verband, hat sich zur Aufgabe gestellt: Zusammenschluß jü:i'ch;rTechrä'er aller Fachrichtungen, die den technische:: Aufbau iPa^ä"irrS be^wrcken. Förderung der technischen Ausbauarbeit i,i Palästina durch planmäßige Vorarbeiten, wi: Sammlung von einschlägigem literarischen Material. Bearbeitung von Einzelsragm, Abhaltung von Vorträgen, Herausgabe von Veröffentlichungen, Schaffung einer Bisli'thek, fachnrämnsche,Beratung,, Erteilung von technischen Auölünsten, Begutachtung von Dorfchlägen. nsw. Zusam mettarbeit mit Orga-isationen der ganzen Welt, welche ähnliche Bestrebungen verfolgen. Technische Beratung der zionißischeu Organisation^ durch delegierte Wttreter. Empfehlung geeigneter technischer Kräfte fürs d.i: .Aufbauarbeit. Errichtung von Kursen und Lehr.werkstätterr für die Heranbildung jüdischer Handwerkern und 'Arbeiter für Palästina. Hebung der wirts.haftlichen Lage-der-Mitglieder durch soziale Hilfeleistung, wie Stellenvermittlung,-Gründung einer Ünter-- stützangSkasss und Rechtshilfe usiv. >• - » - .Das vorbereitende Komitee beruft für den 9. Jänner 1920 um 10 Uhr vormittags im Saale des Oesterrcüchischen Ingenieur- und sArchitektenvereins eine konstrtuierenbe Gerfralversammluirg. ein. - . . Jüdische Einwairderrrng «ach Argenttnie«. Warschau, 26. Dezember. (Privat.) „Der Najer Hajnt" läßt sich von seinem Pariser Spezialkorrespoy« deNten telegraphieren: Der Oberrabbiner von Argentinien Dr. Halfon ist zn längerem Besuch Europas in Paris eingetroffen. Er bringt eine Botschaft der argentinischen Regierung, die Einwanderung hon Inden nach Ar g-e n-t in i e n zu b e g ü n st i» «ei?. -Der fefoec, Uchr-eM ALL Mutznos Zlires batte der Wiener MsrgerrzerSvns 28. Dezember 1Ä20 SKe^S MtkWnM qns^dem Pübliklim. [aanyjäh "VÄrl'öbte* . WcvtjJm 'bezerpber 1920■' ‘ US elud. pharm. •f£33 l....rterzam v.':j - Msy- NMH»L»AT» Erste}' orteste* "■ Käufer für 4039 B Pitt Fea*lei5i iuwis’en 'Rä'Mnowteh) .JksWeliei* - 1. 682'^, Mx'msikslistl'ssss 5 'sösstflbon SL41 2. BezSrlf, Stephanieslrasb 3. nur im eigenen Hause . Te!cohon.45t; Frei tagab 4 Uhr rnick Samst.i» (jeschlossen ' Hören Sie aneh nnsere Prefce. B K!L!,a53T53a. ^«rl^.srorö.Stlds -.Platin tLÜhre» k »n 11 u o'd v e t k a a f 4 - 77a El'TEill HotCBtnxais r. 23, MazlalAiJ.t0Tatr. S3 —■■ILLLaBM!■■■■ MW M<JW-WWlll ■ I ■mittoum w mm am® ViI.}ScMttenfei{!g.24 GRÖSSTE AUSWAHL IN UXÜS- UND STIL- MößELN- MÄSSIGE PREISE 440 SL«; SpezialHaus für feine Seiden« n. Wollwirkwaren El!a Lederer, I., Grabest» Boro.tfieerg. r lf-P||- Schs,8ibmasohine 8 M 11 p kauft und bezahlt am besten llkilfc Leopold Steinhart 8., UZö«rsns.'L.PSSLe 9. 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Dieser erklärte, Argentinien habe seine Entwicklung der Einwanderung von Fn d e n zn verdanken, und forderte.den. Rabbiner-auf, Schritte in Europa zu unternehmen, damit ein Teil des jüdischen E m t g rati ons st-ro me-s , nach A r g e.ri-. Linien gelenkt werde. Den'^üöMMlE'mwandi'rern sollen besonders günstige Siedlungsbedingungen gewährt werden. , .. _' , . . - - > Die tiefe KlM.? Das tägliche Tiielbild der 'MenbÄuZgabe der „Reich'7.post" ist bekanntlich der Wiedergabe jüdischer Typen -gewidmet.- Während diese aber gewöhnlich, der anlisemitischen Tendenz des Blaltes entsprechend, karikaln 'enhast verzerrt, der Heiterkeit eines. ,,chr'stli'ch" empsiudeirden .Publikums prei-^gegeben werden, kamen die Juden und Jüdinnen, die-in der „Heiligen Abrnd"- Ausgabe dr«eseI Organs vom Stifte des frommen Zeichners festgehalten wurden, etwas besser davon. Es war eine durchaus würdige, von jedem anlifemitischen Spott freie Abbildung des christlichen -ReligionSstifterS, feiner. Mutter; und feines Nährvaters, obwohl bekanntlich alle drei aus dem Königshaus« David stammen sollen. Aber der Lrsdiiion der ^Wiener Stimmen", ihren gläubigen Anhängern ad oculos zu demonstrieren, wie wesensfremd die in ihrem jen-eiligen Titelbilde verewigten vmen un , ,i e g' -mübersieben, und die rosen, rmüberbrü^bar.'n Geg-ensätz-L der Kasse vor dem Blick des erschauernden Lesers deutlich werden »h lasses ist da« H'-mme' d-ätGkM'l--i.tr auch in - öles-er-, WeihttachtStLüSsaLs-treu-^Mbliebettr rührender Hilflosigkeit liegt der' künftige Märtyrer de- , Nächsten- und Fsindesliebe in einer ärmlichen. Wle^l — aber. nmfo . kräftiger -Lönt,itn Innern des Blattes d«L Haßgös-ang: eines antisemitischen Krakeelers,., der', sich', ungestraft für - einenspätg-ebornen Jünger - deS'- GKq' kreuzigten.ausgeben darf, obwohl er dessen Geburtstag nicht würdiger zu feiern verstsht, als durch LoslassunK 'einer Pathetischen Haßpredigt gegen die jüdischen Äka» demiker. '"f- \ ' . •'' - Den willkommenen Anlaß hiezu 8ietet ihmder Zwifi eines reichSdeutschen U.niversitätspr'ofessvrs, der sich M Antisemit — und mit als solcher — einen' Narnerr z-Ü machen sucht, mit seinen 'Ksllesett,^dje^ei«e.---höhe« Mlsfassung von dem Beruf eines Hochschullehrers habeit» Diese relativ unbed utLnde AsfM fall den Beweis liesiM wie sehr das druischL Geisteslebo-r vom Jud-entum böhextschl witd/- Leider ist dieses. Beweis gründM?mitzlungen,- da - der Hetzapostel durch fein , eigenes BerhahLe« . bezeugt,' wie wenig, sich - jüdische - Geistigkeit innerhalb zweier Jahrtausends im gerwan'schen Geistesleben durchsetzen konnte und welch tiefe-Kluft heute noch zwisiche» den beiden gähnt. Denn. während der arische Schmock sein Christer^»;. tum in einem zu dem Anlaß in gar feinem VerhalLuiZ ' stehenden Griinm - gegen Juden und Judentum aus». t-obt. singen im Bilde desselben/Blattes^jüdäische Hirten.. an der Wiege des DavÜ)-'Sprößlings das schöne Lüchr „Ehre sei'Gott in der Höhe/Friede mtf Mdeu uud'beH...' Menschen ein Wohlgefallen . ... Dr. HSp./-' MAfikhysterie. „Unsere.Musik ist eine rein christliche Kunst,".'?,-- hebt der.zweite Teil eines der bekanntesten Lehcbüches der Musikgeschichte an. Historisch betrachtet' ist die B's« hauptung richtig, wenn auch die unbedingte Notwendig - feit, diesen Umstand besonders zu betonen, nicht gerade cinlerrchtet. Trotzdem wird selbstverständüch kein vernünftiger Mensch gegen die eifrige Betätigung 'betr jüdischen Jugend auf dem Gebiete der Musik irgendwas einzuwenden haben. Gehört doch die Tonkunst zu de« edelsten Anregungen, die uns gewährt., sind, und''ihre Pflege ist in Men seit den Zeiten der Klassiker guts alte Tradition. Was aber jetzt in Wien vor sich geht,' was namentlich in jüdischen Kreisen auf. diesem Gebiet., vor sich geht, das ist nicht mehr Freude an " der Mustk> sondern.gehört ins leider so umfangreiche Kapitel deü Kunfthysterie. Die Musik wird' von alt- -und jung einfach zum Lebenszweck erklärt. 'Nicht nur von den -B?-? gabten' und Auserwählteu, was ja begreiflich und richtig' > wäre,'sondern schlechterdings von jedermann. Menscheir» - '«die Dür" unS Moll nur Unterscheiden können, wenn in deutlichem Drück auf dem Titelblatt' vermerkt ftehb" gebärden sich, als könnte« sie eher aufs Essen verzichte^.' als auf dar „Dankgebet"°Qüartett von Beethoven. Un-. endliche Mengen von »Zeit und Kraft werden von be»' sesienen Mädchen und Jünglingen auf die Erlangung' der notwendigen technischen Gewandthett auf dem ' Klavier vergeudet. Und unter allen Hemmungslose« die, Hemmungslosesten sind selbstverständlich die Sohne und Töchter des jüdischen Bürgerstandes/ denen die jüdische Uebertreibung, das unselige Erbteil, im Blute liegt: Siü' werden umso fanatischer, je weniger enge ihr wirkliches': Verhältnis zur Musik ist. Als Mode ist die Sache schon/ dadurch gekennzeichnet, daß die Musik, .der die höchste.' Schwärmerei gilt, gar nicht „christlich" genug.—wie jenes: enge Buch es nennt —7 sein kann. - Nun soll gewiß nüD' von jedem Juden Bewunderung für Mendelssohns glatte / undvielfach äußerliche Kunst, für Mahler ooer Bizek-' als nationaler Zoll gefordert werden. Aber zu den tief gründigen. Werken von Bach haben ja schließlich — seien wir ehrlich — doch nur wirkliche Musiker ein Verhält-/ nis und die Begeisterung, die der Altmeister in letzter- Zeit erweckt, ist immerhin-etwas derdächtig. Sie. wirk ein bißchen tendenziös und demonstrativ. Junge" Mid-' che«, die behaupten, von der „Missa solemnis" jede». Ton zu kennen und in ihrem Innern widerhallen z«.^ lassen, die mit geschlossenen Augen hingerissen jeder must--, kalischen Aufführung folgen, sind oft in großer Der- ' /legenheit, wenn sie ein Volkslied nach dem Gehör bs° -gletten sollen. ES ist überhaupt nicht gar so selten, wie; man meinen möchte, daß Pianisten, die durch den Dlanz ihrer Technik blenden, nicht imstande sind, die kleinste. Kleinigkeit-frei zu spielen. Und leider muß es gesagt \ werden? daß. unter diesen Musikkrüppeln die MehrzM? Juden sind. Sie haben sich durch ihre Phantasie, düpch. ihren.Willen so weit in die Schimäre Ijtneinimbe» lassen, daß sie nun selbst nicht mehr wissen, wo die Waho. heit endet und die 'Dichtung'änsängt. Damit soll sicher- / - lich nichts' gegen die Musik,/noch weniger geg^en Musizieren der Jugend gesagt werden. Es gißt kein»--, schönere, keine edlere Erholung von des Tages Last und . Mühe. 'Aber mit dem snobistischen Wahn soll ein' End»' gemacht werden. Die Musikpflege, gewisser- Kreise hat.' die Grenze der Hysterie überschritten. K. R» ' ... " Ä ZioniM^eS Lariveskomitee fc« Oesterxrrch;?oiwtag dm 2 Jänner 1S3! mii lfl Uhr vsrmiltagS.sinder tzch- Sihuna d S errveiirrttn Zionistüslien Landeskomi'eeZ im SitzunÄt-' laal? d.k§ <ÄLwcrdeve->eir'^, l, Eichrndachfl.asse 11, statt. Tazes» ordmmg: Bencd^ rrr Rc'crenten. Ksirss Abberufung des Gesandte« Dr. Flieder. Das Preßiiweau rer TscheHo'sinwakrschcn (Tksanducdaft tS* Wim teilt un& mit, raß die Nacdncht uncs hiesigen Monta»> bllrtt.'S üver die ÄbLemiLUg dci- N'äccLrv-swrr-ai.s.chzn KxiMm- F1. r L d s r rät* ,wj - —