Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 690 (27.12.1920)
- Date
- 1920-12-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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“■ 1/ W L/r / Einzelpreis 23 Kronen Vrött unter oft onspretft; Otrit: Hk» «bMni n W» «xdkbitiatt. L V-Ur». radm» ßtÄr I blS:t, oder in t\»tt verschkeitzstrvr iltsRf»: Vtamtftd». . fttnrtm »«.- Vieeteljälrett» ISO.— Mit P»stvers«m» *ftv Wien kkI Oeßorcirtj: Monatlich .. Sronea SO.- rj»e»o.Sl«wakkt: Monatlich . . Kronen 18.- «trtteliSdrltch „ 4».- t» tschrche-slowaNschrrSAm«, «nsap» Monatlich .. Kronen 00.- ivtrrleltahrltch ,, l-SO^- tn a»aarik«der Wild rang ^»qosl«»,«,: Monatlich .. D«<n »«— »tfrieliithrltch » «4,- Ernze^reis^W^Krone^ lener PrSnumerattonspreiset Polen: 9 Monatlich .. Mark ' vierieliak'rltch „ 150,- te bolnifrtitr WLtznmg Ttuti&lini: WlotetUtit. . . Mark 10*—> Frankreich: Monatlich . . Kranes (I* Italien: Monatlich . . Lire 0. Rumänien: Monatlich . . Lei 15.-, Schweiz: u. da» übrige Auslands Monatlich. . . Francs Siedakt ion «. Ildmtnistratlou Wt«n.S.Bez..Taborstr.I-K Lel »Pkon« Administration 44« 'di. Sledakiion 4^310, ad 0 Uhr abeud» Nr. lO OL choftsparkaffenkönt» 156.« Nr. 690 Wien, Montag den 27. Dezember 1920 » 2. Jahrgang ' Neue Balkangefahren. k. W , e n. 77. DelMber Dke momentane Gefahr eines itaNenisch-jugoskowischen Krieges ist Wohl geschwunden; damit aber keineswegS die Gefahr anderer 'baikonischer Verwicklungen. Vor allem drehen solche als Konfeqilenz der nichtkonsolidierten Verhältnisse Jugoslawiens. Rumäniens und Griechenlands. Die neu zusammengetrelene Skupschtina in Belgrad bielet ein ganz anderes Bild als ihre Vorgängerin. Während im früheren jugoslawischen Parlament die Regierung über die überwiegende Mehrheit verfügts. ist in der jepisien Konstituante die Regierungspartei eine sehr geringe, umso radikaler nnd zahlreicher die Opposition. Sie besteht aus zwei Hauptgruppen, den 58 Kommunisten und den 50 Anhängern der kroatisch, föderalistischen Bauernpartei Nadir. Beide stimmen in der Negation des grotzserbischcn Einheitsstaates. mit der Dynastie Karageorgewitsch an der Spitze, überein. Huldigt die erstere Gruppe dem SozialradikaliSmuS. so steht die Bauernpartei insofern auf einem ftnct?- rechtlich-radikalen Standpunkt, als sie das jrrgoslawische Parlament boykottiert. In ihrer letzten, vor kurzem in Agram von 50.000 Dauern aus Kroatien, Dalmatien und Bosnien besilchten Versammlung proklamierten die Anhänger Nodic' die Unabhängige kroatische Bauernrepublik. lehnten den Treueid für die Dynastie Karageorgewitsch ab. forderten die Räumung des kroatischen Badens von serbischen Truppen nnd erklärten schließlich^ alle ^Beschlüsse des früheren jugos!. '.rischen Parlaments, Kroatien betreffend,- sur^ n'rrll-nndnichtig:-. Begreislicherwerse haben diese Beschlüsse große Aufregung in Belgrad hervorgerrrfen. umsomehr. als. der Bunernfübror Radic eine föderative Gestaltung des S. H. S.-Staates fordert und Einbeziehung — BnlgarienS. Wie eine blutige Ironie klingt eS. daß fast gleich. Zeitig Jugoslawien seine Beziehungen mit Bulgarien abgebrochen hat und daß andererseits d'Annnnzio seine Unnachgiebigkeit in der Fiumaner und dalmatinischen Frage damit begründet, daß sich ohnedies Jugoslawien bald airslösen werde und in Italien eine Krise ber orstehe. DUnnunzio rechnet bei einem Konflikt mit Ingoslawien nicht nnr auf einen Teil der Kroaten, sondern auch auf — Rumänien, welches Ansprüche auf einen Teil des Banats geltend macht. Die rumänischen Verhältnisse sind allerdings nicht viel geklärter als die jugoslawischen und daS Attentat in der Vnkarester Kammer erbellt bengalisch die ungeheure Verbitterung, dm infolge der Militärdiktatur, besonders in Nenrnmämeu. in Weiten Volksschichten unter anderem auch darüber herrscht, daß .MIO sozialistische Vertrauensmänner im Kerker schrnachten. darunter auch eine Reihe von Abgeordneten. von denen drei lknter Mißhandlungen sl.nben. In Rumänien kompliziert sich aber die wachsende ökonvwische Unzufriedenheit mit der Dojarennnrlschast, mit der Unzufriedenheit der nichtrmnonischon Nalionontäten, die leicht zu Komplikationen mit den konnationalen Nachbarstaaten führen könnte. Speziell die Politik der Nomanisiernng in Bcßarabien könnt? die Gefahr eines rnmänisch-rnssischen Krieges umsomehr herausbeschwören, als verschiedene russische Kreise wm Zlveck der Wicdereroberung Deßarabiens einen russisihrumänischen Krieg wünschen, lleberhanpt könnte nichts jo sehr einen neuerlichen Brand am Balkan hemnsbeschworen als die Behandlung-der nationalen Minderyeitcn in Jngoskawien, Rumänien und Griechenland. Nicht nur, daß die Nachbarstaaten die Vergewaltigung ihrer Konnationalcn als Anlaß zu nenen Kriegen be- Pützen würden, eS mutz auch mit der Wahrscheinlichkeit gerechnet werden, daß sich die nationalen Minde, besten überall in die Arme des Bolschewismus werfen winden. In Jugoslawien ist dies ja bei den letzten Wahlen bereits geschehen. Die Wahl von fünfzig kommunistischen Abgeordneten. die sich zum größten Teil anS Bulgaren. Albanesen nnd Muselmanen rcfntliercn, ist gleichmäbiz yls Protest dieser Bevölkerung mit den sozialen Fustäuden wie auch gegen die Politik der großserbischen Fontralisten aufzusassen. Wenn nicht in den Valkangebieten genau wie in den Sukzessionsstaaten des alten Oesterreich-Ungarn eine andere Nationalitätenpolitik und somit auch eme andere Judenpolitik verfolgt wird, dann bleibt nicht nnr das Balkanproblem ungelöst, sondern es werden vie mehr dann in ganz Europa balkanrsche Verhall n'che i rischen und naturgemütz neue Kriege zeitigen. Der WitMnim der Bolschewiken. Tro^kij KLrrdigL die obligatorische Militärische Ausbildung an. Niga, 27. Dezember. (Ukr. Pressedienst.) Trotzüij hielt irr einer Volksversammlung eine N de, tüor'rn er «nssRhrts, datz -Wischen der Noten Armer und Ser ZivUbrv'Merung in Nuszlarrd ein stnrtrer Antagonismus herrsche. GezenwLrtig wrvide Las PrvjelrL einer neuen miUrsrischen Dr§L«isation ins Auge gefetzt, die dies?« Antagonismus be- {t\t\ ett soll. Diese Organisation baue sich auf dem Prinzip einer intensiveren M l Larifterung der Indu'trre,Zentren svwir auf der E i nirhrung der «rr-zemein bindenden in i i it S risch e n Ausbildung aller Männer Vom IÄn'»linqHa!Ler bis 50 Jahren auf. Nutzland mLfsr in ein mächtiges Militärlager umgenrandelt werde«, das vor der ganzen Welt achtunggebietend dastehe. Die Pls»e Äosüans. London, 26 DeZ'.mber. Emckstnuch.) Aus Konsiantinopel wird gemeldet: Nach der Auilichtunq der Sowjelherrschast in Armenien' beabsichtigen die Bolschewiken, sich gegen Georgien , zu wenden, um sich dort eine Dosis zu ihrem Borgehen gegen Persien zu schaffen, da sie troß der Verhandlungen mit England für das nächste Frühjahr eine mächtige Offensive im Osten planen. Die griechischen Truppen längs der Küste des Marmarameeres sind zurückgenommen worden, werden die Linie Vigha—Erzeni besetzt halten und überlasse» das geräumte Gebiet den Kemaliften. DieWirLschastspoMikSowseLrußLaAds Moskau, 26. ^Dezember. (Funkspruch.) Ei» Dekret der Negierung ordnet 'an, daß ab 1. Jänner 1921 die Sowjetmä-azine die rationierten Waren unentgeltlich abzugeben haben. Abgebrochene Beziehungen zwischen Amerika und Rntzland. Moskau, 26. Dezember. (Funkspruch.) Der aus den Vereinigten Staaten ausgewiesene Sowjetoertretet Martens wurde angewiesen, die russischen Untertanen in Amerika zur Heimreise nach Rußland ausznsordern nnd die russischen B e ft e 11 u n g en in Amerika rückgängig zu machen. d'Aittmnzio nklikt denKrlegs« znstKnd mit FLalien. Mailand 27. Dezember. (Tel.-Komp.) Nach einem Bericht dcs „Cvrricra della Lcra^hotre d'Anvnnzio dem Ö3cttera( Caviglia eine Note zustellen lassen, nach der sich die Regent chast von Quarn-rs am 28. Dezember, 6 Uhr ai-endS, .mit Italien im Kriegszustände befindlich erklärt. Nach einer weiteren Meldung versichert die nnionisiische Partei in Fiume, d'i>lmuuizio habe m einem KriegSrat einen abenteuerlichen Plan iür die gleichzeitige Hi-rauibeschwömng eine Revolution in Italien und in Dalmatien entwickelt. T>e Sicvolution in Dalmatien iskl im Einverständnis w't Radic erfolgen «vd auch ein msntenegnnijcher Heerführer sich daran bcteiUgcn. Fiume soll tn dis Lust grsprengt Werden. 27. Dezember. (T-l.-KomP.). Nackt einem Triester Bericht dcs ^Eccvlo" sind die militärischen Operationen gegen den Staat von Quarn-'r» bereits in ihre eiste Phme «ngetret^n.^ Die Vorhuten d'NnnunzivS ha' dn m der Nacht ans Fre tag die AnSliru'er der Dcrge Lubani und Erolwico geräumt, div von regulären ilali''N!'chen T'Uppen beschr wurden. Man nimmt «n, eaß die Truppen des 6)e«?r«!S Ferero ylci' zeitig mit einer Landung vvn Marinetruppen de» Eintritt in Finme et'-- twingrn w-rdm. Nnmittckbar darsuk wll eins BolköMimmung über die Nnnabme oder Äblebnnng Ui Vertrages von Rap cko stallst.'.den. Ueber die Berteidignngsvsrbereitungen b'Annunzios wird ßemelder, daß in der Umgebung der wich-tigsre« Gebäude sowie «n wichtigen Pnnkten der Lmdt Iiu.ne M-neniel^er nn.'elkgt wurden, um in einem geeignrli'n Augenblick die ganze Stadt in die Lust zu sprengen. Keimpfe v»r Fiume. D 26. Dezember. (Eiesani) Infolge der Zwischenfälle der letzlen Tage und' in^vlge der drohenden Haltung, der Kommandos.»on Fiume hat General Caviglia am Freitag die Drsetzung der vsraejckoüenen Stellringen um Finme «ngeordnet. Diese Beietzun^ ist gestern und heute «usgesührt wurden. Da die Leßisnüre bewaffneten Widechkand geleistet hn-rm. sind auf feiten der regulären Truppen fünf Tote und ungefähr dreiß^ Verivundete zu vsrzeichuen. Zon<eu tritt &*vv $. 23. T-C cv. ' - i der t •i'tlidu’it Pmrei Mcciauiei, Lake ^üueicu i werde ^e<unäckst zurücktreteu. InLernKtLouals ArbeiLsLsnfereAZ. , G^nf, 26. Dezember. (Tel.-Komp.) Das internationale Arbeitsamt beruft für den 4. April 1921 eine internationale Arbeitskonserenz ein, die sich mit' einem Abkommen über die Regelung der rvirtschaftlichen Verhältnisse der Landarbeiter beschäftigen wird und deren Programm folgende Punkte umfaßt: 1. Anwendung der Washingtoner Beschlüsse auf die Landarbeiter durch Einführung des Achtstundentages und der 43 Stuadenwoche und hinsichtlich der Arbeitslosigkeit und der Frauenarbeit. 2. Fachunterricht für Landarbeiter, 8. .Hygiene, 4. Vereins- und Streikrecht für Landarve Iler rmd 5. Unfall-. Kranken-, Alters- und Jnoalidenver- * ficherung für Landarbeiter. FxrmZZsische Ratschläge für Mitteleuropa. P^ris, 26. Dezember. Im ^.Eclairbespricht Mare Henry' die Frage der Anwendung der von der Brüsseler Konferenz ausgestellten Formel „Sparsamkeit und Arbeit" auf Aentraleuropa und meint, datz die Duichsührung dieser Grundsätze^ nicht genüge« werde, um überall eine fühlbare Besserung -der Lage herbrizusühren. Oie Länder Mitteleuropas seien wirtschaff sich und sinanziell viel zu sehr erfchöpst. Wed» die Entente noch Deutschland könnten das Prvblern ^entrslel'.ropas in einer Dauer versprechende» Weise lösen, sondern nur die interessierten Staaten selbst; diese foflJCK verstehen, daß dar beste Mittel, ihre politische Unabhängigkeit zn Mahren, i» »irischasülcher Bereinigunz und geZenseitiger Ergänzung liege. Der Krieg irr IrLaVd. Washitt.'Lo», 26. Dezember. (Funkspruch.) 'Aus . den südlichen Teilen Irlands werden große Truppenbewegungen gemeldet; die englische Regierung erwaltet dort Unruhen in größerem Matzstabe. Der GneriTakrreg irr OftZaliZieN. KräLn;*, 24. Dezember. ,<Privat.) „Kurse: Codsienny" meldet: Im Bezirk Dolina ist eine gratzt bewaffnete Guetillabande «usgetancht, die sich aüs ge« wesenen galizisch-ukrainischen Soldaten zusammensetzt An der Spitze dieser Bande, die bei den radikak«; gesinnten ukrainischen Gemeinden in den Karpathep Unterstützung findet, stehen vier gewesene Gendatmerr nnd mehrere Unter»sfiziere der galizisch-ukrainische« Armee. Das Hauptguarrier dieser Guerillabande, dtz schon me^-rere polnische MilirärabterOmgen übersalles und ausgerieben bat. bejindet sich iu der Stadl Berchinsko.