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Wiener Morgenzeitung · 1920-12-23 · Heft 687 (23.12.1920) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 687 (23.12.1920)
Date
1920-12-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Der Entwurf enthalt sozusagen als integrierenden Bestandteil dreier Magna Charta zrvei für das jüdische Volk antzeror-ent ljch bedeutungsvolle Grundbestimmungen. Cs wird das historische Anrecht der jüdischen Nation auf Palästina anerkannt, das die in der australischen Gesetzgebung angewcndetete staatsrechtliche -Bezeichnung „selfgoverniny cpmmonwealtb", autonomes Gemeinwesen, 'erhält, es wjr.d ferner die Zionistische Organisation als diejenige, haß Judentum repräsentierende Körperschaft genannt, deren Meinung in wirtschaftlichen Angelegenheiten und bei der Vergebung öffentlicher Arbeiten einzuholen ist. Gleichzeitig mit dieser durch ein. internatonales Abkommen bestimmten Vorlage des Mandatsentwurfes an den Völkerbund hat die englische Negierung mit Frankreich die Vereinbarung getroffen, die nördlichen jüdischen Kolonien, die' bisher zu Syrien gehörten, an 'Palästina anzuschließcn. Die Nordgrenze Palästinas, deren Festsetzung die jüdische Bevölkerung schon mit einiger Ungeduld erwartet, soll durch eine französisch-englischjüdische Kommission an Ort und Stelle bestimmt werden. Die jüdischen Ansprüche verlangen die Einbeziehung der , für Palästinas wirtschaftliche Ausschließung wichtigen Oyellengebiete des L'itaniflusseS nutz des JarmuktaleS, deren Wasserkräfte dos kdblenarme' tzand für' seine indnftriellf Cntwichnng braucht. ^Täshiet'. angr'ewMde syriM Gebiet ist arg vernachlässigt und befindet sich. ln.einer durch die alte türkische Wirtschaft erzeugten Und durch den Krieg noch verschlimmerten'Verwalt',ngs-. Anarchie, die bei einem Fortbestand der Grenzunsicher, heit immer wieder Komplikationen ergibt, die von den landesüblichen Näyberhorden für ihre Zwecke ansgebeutet werden. - Immerhin bringt die Mitteilung der Mandatsbestimmüngen der jüdischen Oeffetttlichkeit die Lange erwartete Klarbeit, daß das jüdische Volk in Palästina breiten Raum , für die' Entfaltung seiner staatsbildenden Kräfte erhält. Da seine Ansprüche ans sein Vaterland anerkannt werden, weiß es. daß es für sich schaffen kann und bei aller Rücksicht auf-die-anderen im Land lebenden Nationalitäten den Bau des-eigenen Heimes beginnen kann. Diese Ueberzengung ist die Verwirklichung des im August 1897 vom ersten Ziomstenköngreß beschlossenen Baseler Programms. / das die Schaffung einer' „öffentlich-rechtlich gesicherten Heim- , statte für das jüdische Volk" als erstes Ziel der zionistischen Arbeit' erklärt. Dieses Ziel ist erreicht. Nun kommt die Arbeit und als deren Anfang die nächste Forderung: nach.Menschen und Geld. Von der Kulturwelt konnten wir die juristisch klar formulierte Feststellung unseres Rechtes verlangen und erbosten Mehr können und dürfen^ wir nicht erwarten. Den Eintritt der Idee in die Welt der Realität haben wir erreicht. Ihre Durchführung' ist in unsere Hand gelegt. ' Das Land muß bebaut und verwaltet, in das Weltvp'kebrZnetz einbezogen, geordnet werden. Es muß Schulen erhalten und der höchsten Kultur entgegengeführt werden, es-muß alle Einrichtungen öffentlichen Lebens besitzen und einen regulären Haushalt bestreiten können. Das' alles kann geschehen, wenn, die erstell Vorbedingungen geschaffen werden. Wenn das jüdische Volk zeigt daß eS imstande ist vorn Traum zur febenschaffendm Arbeit überzngeben. Das Volk mutz erkennen, um was es sich handelt. Vor den Augen der Nationen, die ims.da« vor zweitausend Jahren geraubte Recht znrückgeben. müsien wir die große Prüfung bestehen, ob wir auch die Kraft und die Fähigkeit besitzen, als Volk für uns selbst wirken zu können. , .,i Die Verbannung hat uns schwach.'aber nicht mptlos gemacht. Der Krieg bat nns körperlich, aber nicht seelisch ermattet. Wir nehmen in allen Staaten, in jeder, auch der feindlichsten Umgebung, regen Anteil an der wirtßhästlichcn Anfbanaröeit und die jüdische Organisotionssäbigkeit hat sich allerorten selbstlos in den Dienst aller Bestrebungen gestellt, den Krieg zu überwinden. Sollten Wir nicht imstande sein, diese positive. fruchtbare Schaffenskraft für unsere eigene Zukunft zu bewähren? Unsere von Energie und Idealismus fiebernde Jug'nd will mit Schwert und Kelle das jüdischa .Haus bauen Wer kann, soll nsi.lbanen. Wer nicht bauen kann, soll ftrtfr Mteji LaL^cdttL üvtttL Mre ÜW m§s Jüdische 3nteroenlion beim UülKerbund IIIV Memoranden über die ukrainische« Pogrome «nd die Behandlung der Flüchtlinge in Wien. Paris, 20. Dezember. (Tel. der „Wiener Morgenzeitmrg".) In Fortsetzung ihrer Tätigkeit beim Äölkerbnnd in Gens haben die Vertreter des „Komitees der Jüdischen Delegationen", Cokolow und Motzkin, dem Präsidenten der Völkerbnndversammlung ein Membran d u m bezüglich der Ausrottung der ukrainischen Inden überreicht. Das Memorandum enthalt sechs Beilagen: Den Noten-Kreuz-Derrcht, ein Verzeichnis der Pogromorte und die Zahl der Opfer, die Zahl der geschändeten Frauen, typische Details der Pogrom foltern n gen, den seinerzeitigen Appell der französischen Intellektuellen an die Menschheit nnd ein Verzeichnis der Pogromorganisatoren in der Ukraine. Das Komitee fordert eine strenge Bestrafung der Pogromanstiftbr nnd die Einsetzung einer Untersnchnngskommission. (Von uns bereits gemeldet. Red.) In der öffentlichen Sitzung der Völkerbuudversninmß'ng brachte Lord Eeeil eine Interpellation in d et Angelegen heit eill. Der Vorsitzende erwiderte, daß die Eingaben . deS „Komitees der Jüdischen Delegationen" und der „Alliance Jsraclite Universelle" in Druck gelegtund mit der Beigabe zahlreicher Dokvment e an die Mitglieder des Völkerbundes verteilt werden sollen. Weiters überreichte daS „Komitee der Jüdische» Delegationen" der sechsten Kommission des Völkerbundes ein Memorandum bezüglich der Natu r a l k°. s a t i o n der Juden von Dan z i g, in welchem gegen die vorgesehenen Erlchwernngen protestiert und dev Schub der jüdischen Minderheit verlangt wird. >. Gleichzeitig überreichte das Komitee dem Chek'der - AbteilllNg für die Fragen der Minoritäten ein auS-! snhrliches Memorandum über die Lage der ihnen bereitete» Erschwerungen bei der Option. D'<?'rk«n«)lo gibt nach. FiUwe wird hlochiert- ' "-s NE/-2S.-DezembeMDeWß)-DM^^FÄE^o,- erwlvsrte: gestern abeMs auf das Attlmatüm des G'nerass E^vi^lta, er habe ieiner leHten Antwort ntchts hinzurufKirei'. Er halte uneutweqt an seinem Deschlufse, Widerstand zu leisten, fest. In"o^ge -ieker Nblehnunq und der Landung von Fmmauer Legionären in Dalmatien verbände Caoiglia über Finme, Veqlia. ArSe und San Mireo die st r e n g e Blockade. Personen, die diese Or^e verlassen wollen, w^rd eine Frist von 48 Stunden gewährt. Horthy-Ungarn verlangt von Desierreich Gntschüdigung. Die je^ig^n Budcipester Machthaber scheinen noch ilmner in dem Wahn, zu leben, daß Oesterreich die Meikkuh der ungarischen Gentry geblieben ist, wie es bis zum Zusammenbruche der Monarchie der Fall war. Ungarn verlangt von Oesterreich den Hm „gebührenden Teil des festen und beweglichen Vermögens der ehemaligen gemeinsamen Armee" und des hofärarischen' Vermögens, ohne jedoch davon zu sprechen, ob Ungarn an Oesterreich jenes früher gemeinsame Vermögen herausgeben will' das sich airf ungarischem Boden befindet. So waren sie immer die Herren Betharen: In Ungarn war alles königlich ungarisches E'gen'um, während alles andere gemeinsam war. Hoffentlich beeilen sich ihre Wiener Freunde, die Chriftlichsozialen, den Wunsch Budapests rasch zu erfüllen. Bttdatzest, 22. Def.emler. Auf Bestellung intern pellierte Abg. Vernelak den Ministerpräsidenten, ob ihm bela mt sei. daß die auf das „gemeinsame^ Etgentum bezüglichen spräche Ungarns inf.'lge Bersügun-' gen der öfterre'chischen Behörden gefährdet seien. Ministerpräsident Graf Teleki erklärt unter ande em: Er bedaure, daß Oesterreich zu einer Zeit, da Ungarn nicht in der Lage war, se'ne Interessen in 'dieser Äifgelegenheit wahr',unehmen, vieles, um was es sich hier Handelt, zum Teil verkauft, zum Teil für rein ösierreichische Zweck« verwendet habe, so zum Belsp'el Pharma'eu ische Artikel aus der Medikamerrtendirektion im Werte von ungefähr 33,5, Millionen, sämtliche Militcirkassm und Mckitärwerkstättcn, ferner habe Oesterreich sämtliche im gememsamen Staatsschatz befindliche Valutabestände sowie das gemeinsame Eis.'nbahnma erial übernommen. Der/Ällinisterpräsident möchte auch erwähnen, daß im Besitze Oesterreichs das Ma erial des Militärgeographischen Instituts verblieben fei, von dem ein Teil beinahe als Makknla'urpavier verkauft worden sei. In allen diesen. Noten an. Oeftrrre'.ch Haien wir den uns gebührrnden Keil dssL ruch UWKÜL.WK MutMcM das sich auf österreichischem Gebiet befindet, und Eigerttum des ehemaligen k. u. k. Armee-Staatsschatzes bildet? Hierin sind natürlich auch alle nrilitürjschM- Einrich-' tnngen inbegtiffelr, sd daS Arsenal, die Walkers-- äs r ser Mvr t>re B l u mIme r Fabrik, das mLlitA>' geographische Institut, das Kriegsmuseum sowie Lei». Komplex der Sachdemobilisierung, ebenso, das 'Var-,; mögen des Hofärars und der Hof-Schtajtz-, kammer. Wir hoffen, daß die österreichische Regie-, rung nunmehr keine Schwierigkeiten mehr machen und ' unseren Forderungen Genüge leisten werde. . CowjetrutzlaAd konzsntriert die Krimtruppen in der Ukraine. L e m b e r p, 22. Dezember. (Poln. Te!.-Äg.). Die Blätter melden aus Tarnopolr Peesonezi,. die vier aus der Ukraine eintrafen, erzähl er», die Sowjetregiernug konzentriere dort die Krim * v u p v e n. Diese Truppe» feie« ehemaU e Angehörige der. Armee Wrangel,. die aus den Beständen dieser Armee ausgerüstet find. Diele Konzentrierung erfolge in Kamenetz-Podolsk. Mohilew, Zampol nnd m Gebiete von Odessa. Dcmerkenswert sei die arotze Anzahl der technischen Abteilungen.. Nach Angaben der nkrainischen FrLchSling« sei der Angriff aus R u m ä ni e'n im FrH«. fahr zu erwarten. Die Brüsseler Konftre«z. - Brüssel, 22. Dezember. (Wolfs.) Die. Brüsseler, Sachverständ'.genkonferenz wurde Heu e nach einstünbigeo Sitzung auf Montag, den . 10. Jänner 1921, 10 Uhr vormittags, vertagt. Die heutige Sitzung war durcheincn^ Bericht Delacroix über den Stand der bisherigen' Arbeiten der Konferenz ausgesüllt, die. wie Delacroix besonders'betonte, trotz der kommenden Feiertage aucht in der Zwischenzeit durch die mit der Prüfung nnd deet Hjtör.eruug der einzelnen Fragen beauftragten alliierten, utzd' deutschen Delegierten. kräftig gefördert twerden^ Wen. Es handelt sich dabei insbesondere um eine weitere Erörterung des deutschen Budgets, wobei auch die Frage der Schuld- und Steuerlasten vergleichend; bdhanbelt werben soll, ferner um Sach- und Wd-, lelstungen. die Meistbegünstigung, den deutschen Schiff-' AhrtDranm, den Artikel 18, die Besatzungskosten und' die Sequest-ation. Das zweite Mitglied der französischen Dell'ga.ion, Cheysson, hat die P.'üfung. unp Evökterüng etwaiger weiterer Fragen übernommen. SÖfic' Spezialfrage des .Clearing wird von dem zweiten eng-' lischen Delegierten Sir John Bradburry weiter behandelt werden. Die Arbeiten der Konferenz werde« also unbeschadet der Pause in vollem Gange bleiben^^ T'e deutsche Delegation verläßt heute, nachmittsg^

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