Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 686 (22.12.1920)
- Date
- 1920-12-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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VI / V v v t' \i kJ Nr. 686 5! mmtpin* W- & Pra»»«rr«tto»»P»ei1«: 0.U«: H«, «ddM, mm»' MMW.Sr L Cc/iirf, r.»M» Itttr I. M3 3, .Mt t« rnttr , pers»I»ttzft«k« <TM*Ö: R0MHII4I.. ftamai 5°»~ vt-rteii«»»»» .. •®- Vitt Prsnxrlaod »Sr Sie» Ml Oesterreich: V?«tätlich .. Krone« "v.- r,chrchv.elo»«kei: Monatlich .. Krone« to.— «terteljulirn» I» tschtcho.sloweMchnWSiir»», Nugonu - 8!o«oitt« .. Krone« "tt.- lerteltittzrlich h-a ®<Vta lmrorischer Msnatltch .. Lm« V^» Bienttiftitttt« EI°,eI»reIs«LL.S« rener PrSttttmerattimsPretsm VettM ' * Monatlich .. Morl terrektadrktch „ 1MM in polnische, »ttnw* _ rnnschland: VtwMtu«.. . __ MdA! . 1 Momntizch... Kreme» *■«$ Movatlich?^'. Sire fcW V»»» Slevoktto« «. firtminf ffrftff m rSten,».ver..rai'orstr^-S Erl«»»««« Aldmintstratto» 440 M. Siedallion 4#819. a»IU|r«NiMV«.10i.BI V»M»«»keV-«lO«s« IBM Wien, Mittwoch, den 22. Dezember 1920 2. Jahrgang ChrisMchnaLiormle Finanzdiktatur. —7. W i i n. .SS. Dezember. . Der Ernfuhrungsrede des Grafen Teleki im Vndaf^ster Parlament ist nun das Reförmprog ramm des ZlnanjministerS Hegedüs gefolgt. Teleki sagte mit vielen Worten, Latz der Kurs beibehalten werde. Hegedüs zeigt das Ende dieses Kurses:, die Reduktion der Gesamtschuldenzinsen bei Staates. Er will als Finanzdiktator gelten und meint, daß sich die Gläubiger Ungarns seiner Diktatur unterordnen werden. Wir werden sähr bald die Antwort der auswärtigen Herren Ungarns zu lesen.bekommen. Wir werden aber auch sehr bald erfahren können. ob der Diktator Hetzedüs mit der Armee fertig werden wird, die er dazu erziehen will, keine wirtschaftliche, staatliche und finanzielle Politik zu treiben. In dieser Angelegenheit, kulminiert die ganze Horge des vom Bankrott bedrohten Landes, dem der Friedcnsvertrag alle finanziellen Hilfsquellen genommen hat, dem er aber gleichzeitig die tnnel-e Rechts- Unsicherheit als böses Geschenk in die Wiege gelegt hat. Alles rhetorische Feuerwerk des neuen Finänzministers känn die Lücke nicht verdecken, die er in seiner Rede offen Massen bat, die er wahrscheinliche hat offen lassen Müssen. Wird er die Mördecoffiziere Pronay, Hejjas Und Osztenburg ihrer Herrlichkeit entkleiden können wird er dem Recht Geltung verschaffen, die Preß- und BeysammlungsfrirMit. Wiederhexstellen, -können? Er hat dl.e^M Angriff mmrnL^ Wen-an'Mster'''Kräft-^DifD'. Er Mt ä0 Offiziere in Banken untergebracht, den Hof' stäat Horshys reduziert,, das Marschallsgericht abgepfft; dle ^Zahl der 'Minister verringert und einen Teil fsex. Staatsautomobile verkauft. Diel ist das nicht. Aber Kngacn ist änf diesem Woge nicht zu Helsen. Eine durchgreifende Reform der inneren Politik, eine Besserung der Verwaltung und' das Znrückgehen auf die Traditionen polnischer, Freiheit ist. dem Lande nötiger wie solche Kinkerlitzchen. Tie Lage des Landes ist doch ernster, als daß'sie, durch den unerschütterlichen Willen eines Men> scher:/ als der sich Hegedüs vorstellt, gerettet werden könntet. Es gehört dazu der Wille aller Menschen, die Ungarn bewohnen. Ungarn gibt stündlich 2.3 Millionen Kronen aus. denen 1.2 Millionen an Einnahmen gegenüberstehen. Die Schuldenlast beträgt im Augenblick 57 Milliarden, zu denen noch 17.5 Milliarden neuer Kredite treten. Jede Einfuhr schwächt die heimische Währung, erhöht aber den Geldbedarf Ungarns. 73 Milliarden beträgt der Schaden, den die rumänische Okkupation, die von den heutigen Machthabern herbeigerufen wurde, verursacht hat. Rechnet man zur Wirkung dieser Ziffern, die jedem Familienerhalter die Last von 10.432 Kronen — wir folgen hiebei offiziellen Angaben — jährlich auserlesen noch den Mangel an Kohle und an Materialien für die Industrie, so muß man billig verstehen, daß sich der allgemeine Unmut gegen die Mächte richtet, die den Vertrag von Trianon diktiert haben. Aber es ist nicht — wenigstens nicht aus der westeuropäischen Atmosphäre-- zu begreifen, weshalb dieser Unmut , sich gerade gegen die Kreise richtet, die der Handelsminister vorsichtig als Hen „ganzen Handel" bezeichnet hat, der nach Wien ausgewandert sei. Ja. weshalb ist diese Auswanderung gekommen? Ihre Gründe können nicht unmittelbar im Friedensvertrag liegen, der ja Oesterreich noch viel schwerer getpoffen hat. Die ruinösen Wirkungen dieser Auswanderung zeigen sich schon jytzt. ‘ Der christlichnationale Kurs hat 'sich die Vertreibung oder Vernichtung der Juden zur Ausgabe gesetzt. Die Juden sind denn auch tatsächlich, soweit sie'Noch am Leben sind und nicht in den Kellern der Hotels npd Kasernen bei lebendigem Leib verfaulen, zur Passivität oder zur Auswanderung genötigt worden. Sie haben die ungarische^ Industrie geschaffen und in ihrem selbstvergessenen magyarischen Patriotismus vollständig m den Dienst der nationalistischen Expansion, gestellt. Run aber, wo, das jüdische Element.aus dem Wirtscbafts'- lörper ansscheidet, ist das Gerüst der magyarischen Industrie bloßgelegt und in seiner Mangelhaftigkeit enthüllt. Es kann den Druck des Staates nicht mehr tragen und mutz für die entfallende jüdische Pölzung andere Balken suchen. Die ungarische Industrie ist heute schon übeifrcrnM. Die Schürf- und Montan rechte für Mineralöl und m KrigliLchex RstiA biq für die wiMafilicbe Donau- Konföderation. Englischr VorschlKge zur London. 21.'Dezember. (Reuter.) „Daily Telegraph" schreibt, es sei möglich, daß Oesterreich innerhalb einiger Monate seinen ganzen inneren politischen und sozialen Zusammenhang verliere und seine sechs Millwrichz Einwohner vom Hunger zur Verzweigung getrieben werden könnten. Ein solches Unglück müsse im Namen der Humanität und auch aus Vernuuttgründen vermieden werden. Die Westmächte seien an dem Schicksal Zentral- und Osteuropas nicht so uninteressiert. daß sie Oesterreich mit verschränkten Armen seinem Schicksal überlassen könnten. Es müsse rasch etwas geschehen, um den sozialen Organismus aufrecht und sein Volk am Leben zu erhalten. Es gebe nicht viel Auswahl unter den anwendbaren Mitteln. Eines wäre d!x Vereinigung Oesterreichs mit Deutsch land, aber eine solche Aenderung des Friedensttbereinkommens könne nicht zugelasfe» werden. Wiest als großes wirtschastlicheS und strategisches Zentrum wäre für jedermann ein zu großer Gewinns als daß es zum Kampspreis in der politischen Arena werden dürste. Es Ware jedenfalls heAer, wenn Wie st-wie Konstäptsnopel bis zur Wiederkehr rMgerer Zeiten unter r n t e r n nt i o n a-l e » Schutz und internationäle Garantie gestellt würde. Dies sei auch die Ansicht der Reparationskommifsion, die aber das gleiche Vorgehen gegenüber ganz Oesterreich wünsche. Oesterreich braucht .sofort G^ld, und zwar nicht irgendwelche Wohltätigkeitsbeitxäge, sondern eine ausgiebige Summe von mindestens 5t) Millionen Pfund oder mehr. Die Ententemächte sollten Oesterreich diesen Kredit gewähren und dafür die Kontrolle über die öffentlichen Finanzen und Einnahmen verlangen. Wenn diese Kontrolle von französisch-britischen Organen ausgeführt würde, konnte Oesterreich eine garantierte innere Anleihe auSschreibrn und fremden Kapitalisten wertvolle Konzessionen verleihen, die auf die AuSbeutnug der Wasserkräfte, der Mineralschä^e und der industriellen Hilfsquellen hinzielen. Die A l l i e r t e n wären als H e l f e r O e st e r- Sanierung Oesterreich». reichs dafür verantwortlich, das Land mit denr Notwendigen Minimum an Kohle und Koks zu vqrfehe« uuv darüber zu wachen, daß sich die Produktion an Milch, Getreide und Kartoffeln hebe. Sie würden aber dafür auch das Vorgehen einer unparteiischen Dudgetkommission zu überwachen haben, die die E i n s ch r ä n k n n g der Staats- und Gemein de aus gasten sowie der militärischen und Regierungsauslagen durchzusetzrn hätte. Wenn dieser Plan rasch angenommen und wirk« sam durchgeführt würde, könnte die Republik Oester reich erhalten bleiben und langsam wieder gum Ge. deihen. gebracht werden, vielleicht sogar ihre Stellung als Angelpunkt einer Wirtschaft!ichen Dona föderativ» znrückerhalten. Die Ausgabe könne weder, der Reparationskommission noch dem Völkerbund' überlassen bleiben. Die Westmächte müßten, eventuell im Verein mit Italien, die notwendigen finanziellen, und verwaltnngstechnischen Kontrollmaßregelu er.; greifen. l Die LestensmittelvorMe u Oesterreichs. ' ' Gins' Anfrage 'lEentzlifcherr^ MtestzÄ^ - Lo«-d--o-»,‘t\\ Dezstmber. Meuters' Im Unterst au s stellte Alfred Davies die Anfrage, ob die britr.? sche Regierung angesichts der vom österreichischen Bundeskanzler . gemachten Mitteilung, daß die Lebensmittel- Vorräte Oesterreichs nicht über den Dezember hiuaüs reichen, Maßnahme» ms Auge gefaßt hahe. UnterstäätS--' sekretär für Aeußeres H a r m S w o r t h erwiderte: Nach - de» letzten ihm bekanntgewordenen Aeußeruugeu des Dun» deSkanzlerS reichen die Vorräte Oesterreich bis M«t t e Jänner und um den 1. März würden ändere bereits erworbene Vorräte greifbar werden. Zur Ueberwinrüng der Zwischenzeit seien 60.00D Tonnen Getreide nötig. Harmsworth sei inzwischen davon unterrichtet worden,^ daß 57.000 Tonnen für diesen Zweck beschafft seien. Es ' erscheine daher der britischen Regierung nicht nötig,'; sofortige Entscheidungen zu treffen. Sowjettruppen Ä^erfchreiten die polnische Grenze. Warschau, 21. Dezember. (Funkspruch.) . Russische TntPPen habe» am 18. Dezember die polnische Grenze überschritten und sich der Ortschaft P u z o w o bemächtigt. Die polnische Abordnung bei der Friedenskonferenz in Riga hat die russische Abordnung in einer Rote lsievon in Kenntnis gesetzt, die strengste Bestrafung der Schuldigen verlangt und mitgeteilt, daß russische Truppen, die in Hinkunst die polnische Grenze nberschreiten würden, nicht als Soldaten einer kriegführenden Macht, sondern als Räuber betrachtet und demgemäß behandelt würden. Die pslnUche-Kabinettskrise. Warschau, 21. Dezember. (Poln. Tel.-Ag.) Minister- Präsident W.i tos hat an D a s z y n s k t ein Schreiben gerichtet,, worin er ihn ersticht,/in Würdigung der Wichtigkeit des jetzigen Augenblicks für dem Staat bis Ausnützung' der .Donau-Wasserkräfte hat 'sich ein französisches Konsortium gesichert, Die Margareten-Jnsel gehört einer französischen Finanzgnippe, die Salgo-Tarjaner Kohlenwerke haben rumänisches und französisches Kapital cheranlassen müssen. Es gibt m Ungarn heute kein unabhängiges Jndnstrieuntern.ehmen mehr. Hat das christlichnationale System dieses Resultat erreichen wollen? Und kann ein Finanzminister das Budget auch nar beherrschen und der Nation widmen, wenn die Industrie in den Händen des siegreichen Kapitals liegt? Ist er .Mterieü Imstande .djejeL jrsuwe, pnhe'unttch mobile zu der Zeit, kn der es möglich sein wird,, nach oltseittger und gründlicher Prüfung.. der Lage einen entsprechenden Beschluß bezüglich der Stellung der Gesamtregierung, zu fassen, im Amte zu bleiben. Krakau, 21. Dezember. (Poln. Tel.-Ag.) Das Blatt „Goniec Krakowski", dos Organ der Polnischen Volks- Partei, meldet ans Warschau: In gutinformierten Kreisen verlautet, daß Mini'^erpräsident.WrtoS seine Demission e i n z u r e i ch e n beabsichtige. Die Ursache sei die unerhört leidenschaftliche Agitation gewisser Parteien, die in der heutigen schweren Zet dM Staat gefährde und der Regierung der Republik eine normale Arbeit und Koordinierung aller Kräfte des Volkes unmöglich mache. ' Bedeutende Besserung des ZustKnde» Dr. Max Rordaus. Paris, 20. Dezember. (Jüd. Korc.-Bur.) Der Gesundheitszustattd Dr. M?x Nordäus hat sich bedoutondjgebessert, so daß keine Gefahr mehr vorhanden ist. s Kapital zu den Lasten des Staates in dem notwendiger Ausmaß heranzuziehen? Statt die einheimischen bewährten Kl äste frei zu entfalten und die verMnliche. Wirkung der ungehemmten aktiven und werteschosfen- Len Arbeit für die staatliche Gemeinschaft zu nützen, hat das herrschende System unsinnigsten Hatz zur Grundlage seines Programms gemacht. Keine Rede und kein« auf diesem System aufgebaute Reform kann den Schaden wieder gntnrachen. WaS der Fnedensvertrag nicht zugrunde gerichtet hat, verdirbt die Jzchenpolitik. '