Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 685 (21.12.1920)
- Date
- 1920-12-21
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Men, Diensta- , Wiener Morgenzeitmtg N. Vezemver rm Die Nordgrenzen Palästinas. London, 19. Dezember. (Iüd. Korr.-Bur.) Wie die zionistische Organisation erfährt, wurde betreffs der Rordgrenze Palästinäs nachstehendes A bereintzommen zwischen der britische« und franz'öfischen Regierung getroffeur Alle im Norden gelegene« jüdischen Kol oni c it einschließlich Met « l l a h werde« zusammen mit den Städte« von Danias in das Gebiet Palästinas ein. gefchtoffs«. In Bezug auf die Gewahr d s Barmuk und einer Rebenftüffs sowie des oberen Jordan sind die beiden Regierungen Sberein^ekommen. die Fraqe der Benützung dieser Gewässer durch Palästina und d e notwendigen technische» Arrangements für deren Regulation und Erhaltung durch eine aus Vertretern der franzSf Ischen Regierung, j ü di s che n Ingenieuren und Vertreter» dr britischen Neuerung bestehende Kommission an Ort und Stelle z» lösen. 3m Falle non Meinungsverschied mheiten wird die Angele enheit den beiden Regierungen unterbreitet werden, woran? die getroffenen Abmachungen als eine i n t e rnationale Abmachung in Kraft trete». Die französische Re ierung hat beschlossen, diese Frage in liberalster Weise Z» behandeln. _ Das PalLstina-Mandat. Äsirdsu, 18. Dezember. fIüd. Korr.-Bur.) Einer Meldung der „Times" zufolge wurde der Entwurf des britischen Mandats über Palästina ausgefertigt und nach Gens übersendet. Dir Meinung Franlre'chs und Italiens M diesem Entwurf wurde eingeholt, d e Amerikas offenbar.nicht. Die-. Anerkennung der historischen Ansprüche der Inden auf Palästina wurde in das Mandat ausgenommen. In der Klausel, betreffend die politische 'Zukunft des Landes, wurde der Ausdruck „autonome Institutionen" beibehalten, an dessen Sle!le>,/rutonomes Gemeinwesen" („felfgoverning Commonwealth") oder ein ähnlicher Ausdruck als Ausbesserung vorgeschlagen worden war. Eine andere Klausel aniihpit die Zionistische .Organisation als diejenige, deren Rat die palästinensische Regierung, besonders in bezug auf wirb- -chafiliche Fragen und die Kontrahierung öffentlicher Arbeiten einzuholen hat. Eine Kundgebung der Sinu- . feiner " , London, 20. Dezember. (Wolfs.) Der Vizepräsident der Sinnfeiner. Pater O'F lanaga n, hat auf ein Telegramm Lloyd Georges eine Antwort gesandt, worin er bestreitet, daß er die Türe zum Frieden geschlossen habe. Es heißt in dem Telegramm weiter, die Sinnfeinervereinigung sei eine' friedliche politische Olganifatioy. Nur die Angriffe der englischen Regierung Hätten eine gewaltsame Reaktion hervorgerufen. Wenn die Ursache beseitigt werden würde, so würde auch die Wirkung automatisch aufgehoben. Am Schluffe wird gesagt, die Versöhnung werde nur zustande kommen, wenn die Vertreter der beiden Nationen gleichberechtigt ein Abkommen träfen, das die Billigung beider Völker fände. Lands», 20. Dezember. (Funkspruch.) Pater O'Uanaga» hat dem Premierminister auf den Brief, worin Lloyd & e or ge ihm die Unterstützung der RL^rüirg bei' einer Aussprache. mit Grifsich und dsValera zusagt, mit dem Vorschlag geantwortet, m direkte Verhandlungen mit beBalera zu treten, Leu als Präsident der irischen Republik der berufene Vertreter des irischen Volkes sei. ' Der Premierminister erwiderte in scharfer Weise, daß Verhandlungen, die dis 'Anerkennung der irischen Republik tzsraussetzen, unmöglich f:i:n. Ein Tagesbefehl des OberkornmandantLn in Irland bedroht alle jene, die Bergeltungsmaßregeln treffen, im Sinne des herrschenden Stand rechtes mit. dem Tode. . . Ankunft des Prastdertten de?irischen Republik. London, 20. Dezember. Der Präsident der irischen Republik, de Valero, befindet sich auf der Reise nach Irland. Die englische Regierung hat sich mit seiner Rückkehr nach Irland einverstanden erklärt unter der Bedingung, daß er sich nicht an die Spitze öer Srnnfeinerbewegung stelle, sondern sich damit begnüge, die gegenwärtig aufkommenden Friedenstendenzen Zusammenzufassen. »De Valera war bekanntlich im letzten Jahre von den Engländern als Führer der Sinnfeiner-Bewegung verhaftet und im Brixton-Gefängnis interniert worden-. Von Lori aus gelang ihm ein kühner Fluchtversuch, der seinerzeit großes Aufsehen erregte.' Es glückte ihm, sich nach Amerika zu retten, wo - er einen großangel egten Propagandafeldzug für die irische Sache in Szene setzte. Sinnfeiner als Geiseln. , Landon, 20. Dezember. (Funkspruch.) Alle Militärzüge r.t Irland werden Sinnfeiner-O ffizte re als Geiseln mitführcn, da sich die Angriffe auf di?se Züge nähren. ' In Dublin wurde ein Anschlag auf das Hotel, in lsskLM. siL, n'.M in d^a Laaer«.' MittcilWgkN ans dem Publikum. «mstaerSsm WIEN Nntv»ep«n * Erster grüntet Säufer für «ae9 Brillanten, Perlen Juwe'en »tö. Rabfno witsch,Juwelier 1. Bezirk, Maximilianstrasse 5 Telephon 8541 2. Bezirk, Stephaniestrasse 3, nur Im ebenen {lause Freitag 4 Uhr bis Samstag abends geschlossen. Telephon 451^3 BRILLANTEN, Perlen,Golfl, Silber, PUtln«. Uhren kauft snd Tarksstt 776 EITER Botentumrr. 23, ZSarlahllferstr. 98 aJmqaatefx und 7%*/*tö&££lßGFQ, 2JCea 112ctviaMt£ers}f:8} GRÖSSTE AUSWAHL IH LIXÜS* UND STIL- MÖBELN MÄSSIGE PREISE 440 anne VH.,SchottenfeIdg.24 8*0» Spezlalliaus für feine Seidenn. Wo’llwirkwarcn ETa Lederer, I., Grabcn,Dorotheerg.i 0 H RE I ß maschinell — grillte Unsoslil Billigste Preise Leopold Steinhart Wien, (., Biberstr. 9 g . 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Telephonisch herbeig-eruseirr Truppen vertrieben Pie Angr^ser, von denen einer fangen wurde.? . > , In der Nähe von. Mitchelstons wurde ein Kraftwagen angÄI.ifsrn; vier Solda.eir wurden getötet, zwei verwundet, der Magen verbrannt. AZei Emisthmon kam es zu einem Kampf, in dessen Verlaus vier Solba'^en und zwei Polizisten verwundet und zwei der Mgreiser gesangengeuommen würden. Das Ende der sntivolschewrkischrn Arineen. Ksmdekg, t?0. Dezember. (Tel.-Komp.) „Kurser Lroowsli" rru1d?t, daß unwr dom Druck bor bolsch-.'wi-- tischLü Trupv.n c'wu 50.000 Eoldaleir die polnische &rcnx; 'Nbrn. wsc-Ln-' 'hi tirtwaUtter. mch interniert wurden. Davon entfallen zirka \0.000 aus die Armee PetljuraS und je 15.000 uf Armeen der Generale Balächowicz und Peremykin. Dolschewikische Truppenkonzstra» ttvae« an der galtztschen Gnnze. . Korfchsn, 20-'Dezember. (Tel. - Komp.) ^„Rzeez^ - pospolita" meldet: Immer hartnäckiger zirkuliert die Nachrichten über bylschewikische Truppenansamilungen an der galizischen Grenze. Das bolschewikische Ampprn» > kommando dirigiert immer neue Wteilnngen, Vs allem - Kavallerie, aus dem Innern des Landes nach Kanenetz^ Podolfk. Mlgemeiner StaatsbeamtenstreU in --- Triest. Triest, 20. Dezember. (Privat.) Seit einer Goch«' ist der Telephon- und Telegraphenverkehr mit D: lest vollständig unterbiöchen/ Dies hängt mit dem Beäntenstreik zusammen, an dem die Beamten aller DienstzveigL teilnehmen. Sogar die richterlichen Beamten finb itn . Ausstand.' Das Geschäftsleben ist durch völlige Still-' legüng des Post, Telegraphen-- und Telephonverkehres, schwer betroffen. Ein sozialistischer Sieg in Frankreich. Paris, *20.’ Dezember. .((Wolfs.) In der gefhwn vor« .. genommenen Siichwlrhl im Departement Loive-et-Garönne wurde der sozialistische Kandidat, Le. R«naud mit 17.743 Stimmen gewählt. Der' Kanb.Ät. des na" tionalen Blocks, Fauvel,.unterlag.mit, 13.081 Stimmen. Der . radikale Kandidat Balle erhielt 6975 Stimmen. Durch s diese Wahl, verliert der nationale Block ei« Mandat. Senator Cormick in Prag. Prag, 20 .Dczeinber .(Tschecho-slow. Preßbnr.) Der ameriiäyische Senator MäcCormick ist heute vor. mittags hier etngetroffen. Er hat mit verschiedenen Nepräsenianteu der Staatsverwaltung Unterhandlungev gepflogen und den Abend beim amerikanischen Gesandte« verbracht, worauf er die Reise nach W a r s cha u antrat. Der Postoerkehr Prag—Wie» wieder ausgenommen. ' .Pvag, 20. Dezember. Wie die „Abendzeitung" erfährt, ist-der Postverlehr mit Wien wieder ausgenommen worden?; Die Wilna^r Frage — eine Gefahr für den Östfriede«. Daß die Frage. der Zugehörigkeit von Wilna, welche durch den Handstreich des Generals Zieligowsft aus. dem Stadium des-friedlichen Ausgleiches zwischen Po^n: und.Litauen gehoben wurde, den Anlaß zu neuen. Konflikten und Komplikationen im Osten geben tverde» warvorauszusehen. Es. scheint nun so weit gekommen zu sein, daß diese Frage den endgültigen Frieden! zwischen-Polen und Rußland, wenn nicht verhindert, so doch wenigstens verzögert. Der Völkerbund hat durch seine Kommission die beiden direkten Streitteile Pole» und Mauen.auf die Vornahme einer Volksabstimmung im strittigen Gebiete verpflichtet. Diesesoll' durch 1800 Mann Militär -aus verschiedenen Staaten fan* trolliert werden. Um die Freiheit der Bollsabstimmung zu wahren, mühten vor allem die Truppen Zieligvwskis. aus dem' Gebiete von Wilna entfernt .werden. Nun erklärt Polen, daß es mit 'Zieligowski nichts zu tun habe und daher keinen Einfluß darauf übe« könne,, ihn zur' Zurücknahme seiner Truppen zu veranlassen. Dem Völkerbund fehlt es an den nötigen Mitteln, diesen^ Abzug ' Zirligowskis direkt dur^zusetzerr, und da'man in Genf Litauen nicht in den Vöslkerbund ausgenommen hat, werden die SchwieritzkeitLn noch gehäuft. Rußland nun, kvelches vor allem wirtschaftlich au einer endgültigen Feststellung der Grenzen zwischen Polen und Litauen interessiert ist, hatwährend der Friedensverhandlungen'in Riga.schon mehrfach Anlaß genommen, die Wilnaer Frage aufs Tapet zu bringen. Bon polnischer Seite' hat man sich auf den Standpunkt gestellt, daß biese Frage laut den Vereinbarungen des Vorfriedens von Riga zwischen Polen und Litauen dire'kt zu erledigen fei. Nunscheint aber Zieligowski, dessen politische und .militärische Situation ziemlich schwankend ist,^ von' Wilna' aus gewisse Beziehungen mit - den sgeschlägenen militärischen Faktoren der russischen^Gvgenrevolu'tivn,'''vor allem mit Bälachowicz, angeknilpf^zu haben,' die a'uf die Herstellung einer neuen Front gegen Rußland zielen, und damit werden Rußlands'. Interessen direkt' berührt. Die Sowjetregierung hat. denn^auch eine' Pro tc.st'no te an die polnische FriedsnHelcgatloU überreichen lassen, ‘ in welcher 'erklärt chird, daß GvüeM- 'ZieNgowski im Wilnaer Gebiet reakstMuLre Kräfte organisiere und auch dm Resten der Hsere Sawittkow's und Balachowicz' Zw' flucht gewähre.'Da- ZMgowsN'mit der polnischen Rei» gierung''m enger 'BÄÄndmrg' stehe, müsse die 'Sowjet regierung' die polnische' Regierung "für' eine eventuelle' Verletzung ' der russischen Interessen 'perantwortlich" machen/'. ' ' ' - ' Bichnm ist es zu keiner Klarstellwtg in dieser Frage geoomindü, welche geeignet wäre, das FriedeUswerk im Osten mn-erdi.ilgs zu gefährden.' ' . ' 74