Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1920-12-21 · Heft 685 (21.12.1920) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 685 (21.12.1920)
Date
1920-12-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2979076-2979416-2979763--06148-2992073
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Einzelpreis K J—SSO $rättsmer*H«>i»0i’veifc: Dient On» ftMrten m Mt •MMHn, & De*«*, «Mm» DMM I M# 9, »Mt tn einer VMchlettzftrLe itratm; Mnvmltch. . Nennet» s«Vr BltrttlwirM .<, - Mil VeftMrfeni für Wien «M» . CcftfcmfA: «ImntliA . ^Strsncn S0.~ ' St«eAi*l'»«rei: Monatlich .> Arenen IS.- DferteJiäbrtiA »».- in tschechs.slel»ekis»keWSH»«n, Itngtns SonotlichKronen "0.- ter«»ttotzrttch „ «»>- in nnflerifArr Setzrnn- -n«aiio»«nt Momoelich .. Si*«r 0#— •fenetlftbrliA . »«- Einzelpreis LL L.Z8ÄV Wiener Priiovmerottonspreife» Del«,:!> Monatlich .. 2)!ark »0^ vierteljährlich „ «<W - in poknifcher »älirnnp Tetttjchland:! Monatlich. . . Vlark KV« Nnmkreilli: Monetllch . . . K-raneS Br*, Italien: Monatlich . . . Lire S.-- Lchwei?,: Monatlich... Franc» »«-< KedakttortN. Administration W te«,«.Bez..Taberstr.1—L Delrpboner Administration 44« H, Redaktion 4#310, ■t C Uhr adende 91t. I0»0* voksdariessenronto VSOjBSK Slr. 685 Wien, Dienstag, den 21. Dezember 192S 2. Jahrgang Albert Einsteins Bekenntnis. .... et. Wien, 21 Dizemdrr. Der Berliner „Zentralvercin deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" vertritt^ die gleiche Tendenz wie die Wiener „Oesterreichisch-israelitische Union". Auch er erblickt sein Hauptziel in der Bekämpfung des ehrlichen Bekenntnisses Zum jüdischen Vylke. istftnmer zur, SreUe, wenn'es gilt, die .Zchnisten.als Vaterlands» Verräter und Schädlinge des Judentums zu denunzieren, und, fehlt immer, wenn es sich um tatkräftiges Ein» schreiten zugunsten der verfolgten Juden. bandelt.. Er hetzt, ganz wie unsere „Union", gegen die Ostjuden und wist.das sogenannte „bodenständige Judentum" dadurch vor antisemitischen Belästigungen schuhen, daß er jede Gemeinschaft der Westjuden mit den Ostjuden ableugnet und letztere als. moralisch rückständig und kulturell tiefstehend den Antisemiten förmlich zinn Fraß hinwirst Er arbeitet, wie die „Union", mit ^Protesten, welche mit pompösen Unterschriften, geschmückt sind. Wenn die Zionisten irgendeinen Schritt von Bedeutung" unter-, nehmen, mietet der .Zentralverein, wie unsere liebe „Union", in den Tageszeitungen 'für teures Geld einen Raum, um zu erklären, daß die „maßgebenden" Juden vom Nationaljudentum nichts wissen wollen' pnd daß lediglich eine, unbedeutende Schär Hetzer und Nnhestöccc sich als Natronaljuden gebärden. .Was im Judentum Rang und Namen hat, sei gut deutsch. Als Beweis folgen bahn die Unterschriften von kaiserlichen und königlichen West, Bankdirettoren. Universitütsprofessoren, Groß» indüstxiellen msy?., Unterschriften. von Leuten, . ffoM rttit.dem Judentum Nichts PeMeM?Whr.Moyen,. üVtz'^-Hren.' Namenszug immer gerne herborsten. iöenn er in;%o vornehmer Gesellschaft erscheint. Natürlich be» - müht > sich der „Zentralverem", - seine Unt^schriften» sammlung immer reicher und glanzender zu'gestalten. Als Professor Albert Einsteins. Name Weltruhm erwarb, waren natürlich die betriebsamen -Führer und. Sekretäre. des Zentralvereines sofort bemüht, diesen Warnen ihrer antijüdischnatlonalen Unterschriftensammlpng einzuverleiben und luden Einstein zum Beitritt ein. Sie waren des Erfolges so sicher, daß sie aus der Einladung kein Hehl machten und ihre Absicht öffentlich kundtaten. Ueber das Resultat aber schwiegen sie sich gründlich aus und es sickerte nur durch, daß Einstein jede Gemeinschaft mit den'Herren sehr energisch abgelehnt hat. Seim Antwortschreiben, wurde geheimgehalten und . konnte seinerzeit der jüdischen Oesfentlichkeit. auch in der „Wiener Mörgenzeitung", nur auszugsweise und andeutungsweise mitgeteilt werden. Nunmehr ist dieses wichtige Dokument aus zwingenden Gründen vom Zentralverein selbst veröffentlicht worden. Es ist ein stolzes Bekenntnis zum Nationaljudentum, > ein niederschmet» terndeS Urteil für-die ordens- und. titelgeschmückte Ge» lellschaft der Antijüdischnationalen. Es lautet: An den Zeytralver.e.in deutscher April 1920. Staatsbürger jüdischen Glaubens Berlin. ' Ich ^erhalte heute Ihre Einladung zu einer * Sitzung am 14. d. M., welche dexBekämpfung des Antisemitismus in akademischen' Kreisen gewidmet sein fM'Ich. würde gern kommen, wenn ich an einen möglichen Erfolg eines derartigen Unternehmens gsaubte. Zuerst aber müßte der Antisenutismus und die knechtische Gesinnung unter uns Juden selbst durch Aufklärung bekämpft werden. Mehr Würde und Selbständigkeit in unseren Reihen! Erst wenn wir es lvagen, utt& selbst als Nation anzusehen. erst wenn wir uns selbst achten, können wir die Achtung anderer erwerben, beziehungsweise sie kommt dann von selbst. Antisemitismus im Sinne eines psychologischen ' Phänomens wird es geben, solange Juden mit Nicht», juden in Berührung kommenwas schadet es? Vielleicht verdanken wir es ihm, daß wir uns als Raffe erhalten können: ich wenigstens glaube es. Wenn ist zu. lesen kriege „deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens", so kann ich mich eines schmerzlichen Lächelns nicht erwehren. Was steckt in dieser schönen Bezeichnung? Was ist denn jüdischer Glaube? Gibt es eine Art Unglauben, kraft dessen man aufhört. Jude zu sein? Nein. In jener Bezeichrumg stecken aber zwei Geständnisse schöner Seelen, nöm« Eine M-Mionen-LMr-MWe M Oesterreich. Meldttttgett englischer Blättert — Die London, 20. Dezember. (Funkspruch.) „O bserver" berichtet» das; die britische Regierun' sich mit der Frage der Kredite w L h v tt « g an Oesterreich t esasse; die Entscheidung stehe unmittelbar bevor. Die britische Negierung habe sich darüber zu ent cheiden, ob sie einen Teil der auf fünf Zahre zu verteile n d e n Arrleibe auf sich neßmsrr wolle. Die Sfterreichifchs S ktion der Re^aratlonskommission ftabe sich für die Gewährung des Kredits ausgesprochen und die Vertreter der Tschecho-Slotvakei, Südllawieus, Polens, Rnmäniens und Griechenlands hätten unter Hinweis ans die Notwendigkeit, ' ien als Handelsstadt zu erhalten, den Vorschlag der Re, mationskommi siou unterstützt. Londoner Finanzkreise glauben, f1 2 as; die englische Negierung sich an der Kreditgewährung beteili en werde und hoffen, daß sie dies trotz der dadurch vermehrten Verantwortlichkeit tun werde. Entscheidung unmittelbar vevorstehenv. London. 20. Dezember. (Reuter.) „Tally Telegraph" bespricht den Bericht der österreichischen Sektion der Neparatronskommission und dringt darauf» daß man nicht mit kleine« Hilfsmitteln arbeiten» sondern d?n drohenden Zusammenbruch Oestepreichs durch energischen Zugriff verhiudern solle. Das Blatt warnt die Mächte ernsthaft davor. Mätzrsgeln ins Au e zu fassen, die nnr für kurze Zeit wirksam wären, und verlangt, daß die Vorschläge der Reparationskommission beachtet werden m'ö e», darunter die Gswährnng einer Anleihe von 250 Mi l lro n en D o l lar» Versorgung mit Le ^ensmitteln» Kohle und 5toks un> Entwicklung der eigenen Hilfsauellen Oesterreichs m'.t Hilfe fremden Kapitals. DaS Blatt schlägt vor» dätz Großbritannien und Frankreich gemeinsam als finanzielle Bürge« für die Republik Oe st erre ich auftreten mögen. Ende des Kellnerstreiks. Aufnahme des Gast- und Kaffeehausbetriebes heute vormUtags. W'en» 20. Dezember. Sogleich nach Ausbruch des Streiks im Gast- und Kaffeegewerbe war das Vündesministerium für soziale Verwaltung besttebt, durch Verhandlungen mit jeder der beiden Parteien die Möglichkeit für eine Wiederaufnahme der Verhandlungen zwischen ihnen zu schaffen. Da diese Möglichkeit endlich gegeben zu sein schien, wurden beide Teile für Sonntag den 19. d. M. nachmittags ins Bundesministerium für soziale Verwaltung geladen. Es handelte sich in erster Linie darum,. in der Frage der Arbeitsvermittlung zu einer Einigung zu gelangen. Nach vierstündiger Verhandlung, an der Dundesmmister Dr. R e s ch teilnahm, erklärten die Unternehmeroertteter, die Verantwortung für eine einmütige Stellungnahme zu dem Vorschlag, unter Teilnahme der Unternehmer und sämtlicher Berufsvereinigungen einenFentralarbeitsnach weis zu schaffen nicht allein tragen zu können, sondern hierüber erst eine Versammlung der Funktionäre der vier Genossenschaften befragen zu müssen, die für Montag nachmittags einberusen werden solle. Da eine Einigung nicht erzielt wurde und die Gefahr des Abbruches der Verhandlungen drohte, berief Bundeskanzler Dr. M a y r heute abends die Vertreter der Arbeitgeber und. Arbeitnehmer ins Bundeskanzleramt, um im Beisein des Bundesminifters Dr. Res ch und des Dundesministenialrates Dr. Adler die Verhandlungen neuerdings aüfzunehmen. Nach mehrstündigen Beratungen gelang es schließlich um M i t 1 e r n'a ch t, eine volle Einigung herbeizuführen, so daß die Sicherheit besteht, daß die Arbeit 1. Ich will nichts zn tun haben mit meinen , ,. armen jüdischen (ostjüdischen)^ .Brüdern. 2. Ich will nicht als Kind meines Volkes ange» sehen werden, sondern nur als Mitglied einer religiösen Gemeinschaft. ' Ist das aufrichtig? Kann der „Arier" vor solchen Leisetretern Respekt habön? Ich bin weder deutscher . Staatsbürger noch ist irgend-etwas in mir, was man als ..jüdischen Glauben" bezeichnen kann. Aber ich bin Jtlde und freue mich, dem jüdischen Volke anzu» gehören, wenn ich dasselbe auch nicht irgendwie für I ein anserwäblteS {falte. Lassen wir doch ruhig dem I Nichtjn^en seinen Antisemitisinns und bewa?)ren wir t unS die Liebe au unseresgleichen! in allen Betrieben noch im Laufe des morgige« Vormittags wieder aufgenomme« w erd en wird. Wie man uns spat nachts mitteilt, ist die Einigung um den Hauplstreitpunkt auf der Grundlage erfolgt, daß zur Errichtung einer Slellenoermittlung unter der Leiluyg des Ministeriums für soziale Fürsorge ge« schritiüen werden wird. Präsident Hardings künftige Autzenpolttik. Basel, 20. Dezember. (Tel.-Komp.) Wie aus Marion (Ohio) gemeldet wird, umschrieb kürZlich Harding in einer Konferenz mit den hervorragendsten Partei« führern in scharfer und präziser Form den Plan, den er für die von ibm einznschlagende. Außenpolitik ausstellte und zur Ausführung bringen wird, sobald er Präsident der Vereinigten Staaten ist. Man nimmt all, daß sein Einfluß ansreichend sei. auch die unversöhnlichen Gegner einer Einigung mit den europäischen Mächten dazu zu 'bringen, einzusehen, wie notwendig eine' solche Verständigung sei. Senator Fall, einer der - intimsten Vertrauten Hardings. erklärte nach einer! Aussprache mit demselben, daß zweifellos kurz nach dem Amtsantritt Hardings neue Verhandlungen in Washington beginnen werden, durch die Artikel 10. 11, sowie andere'Paragraphen der Dölkerbnndakte, gegen die die Senatoren Opposition machen, geändert werden sollen, Fall ist der Ansicht, daß Amerika in der Lage sei,' die Fübrung der ganzen Welt zu übernehmen, rmd glaubt, daß die anderen Nationen bereit sein werden, alle Bedingungen Amerikas anzunehmen und sich dessen Mitarbeit beim Wiederaufbau der Welt zu sichern. 1 .vA •»■»Tw.'* Macht nicht böse Gesichter wegen dieses BekenntnissEsl Es ist nicht böse oder unfreundlich gemeint. :; : - Mit vorzüglicher Hochachtung gez.: A. Einstein. Der Berliner „Zentralverein" und die Wiener ‘ „israelitische Union" werden aber weiterhin unter Beibringung zahlungskräftiger Unterschriften beweisen/ daß nur unbedeutende jüdische Hetzer und Wirrköpfs' dem Phantom de3 jüdischen Nationalgedankens nach--^ jagen. Dem Uebelstande, datz^ Einsteins Name nunmehr' unter dem jüdischnationalen ^Progrgmm zu finden ist.- werden sie dnrm Beibringung weiterer Unterschriften ' c. so!gleicher Börseaner und Engrossisten wirksam begegnen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.