Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1920-12-20 · Heft 684 (20.12.1920) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 684 (20.12.1920)
Date
1920-12-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/2979076-2979416-2979762--06143-2992067
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Einzelpreis «L L. Einzelpreis ML L. Praunmerarionspreis«: wtea: gm> «»die, m Mt «pOiti»* & mitt, SadM- Mt l »i* 3, fktt m tttta Schlei,stelle «Er ««»aelttlh.. ttotuen *<»*— «terteltiehrll» „ W>- 011» Poftver»«» *ftr Wie» tu» OrOerrrich: 0ImmH!<A . . Krone» 80.- rlchecho-er-waket: Monaillch .. Krone» 18.— «Vtertelfitnrttch „ »O.- .*. .SMB« O - itcliMvlitb (. «KVm er VStzn«, A«S»Na»tr»: VtaMtltA .. Tmer O,rrttli«d,tt» . ifkr~ Wrener $räit«tm*raK tmftyveif es ■ ', .Bolem , / . mtliatUfy .. Mark 3<W Oirrteljahriidi .. OOW iu ptlnischrr WSHrtmr>k»tfchl«rndr Motraelich. . . Mark IV _ . kpraokreichr . , nraitlie. . . KraneS JlaUm: Monatttch .... Lire S.-, Schweiz: ' Monatlich. . . pmtcS 8»«i i Kedarttonn.AtzmtniM'attop kLeen,rr.Bez..2crliorstr«l-!-S; Dekephoner Sl-mlnistratlo» Mefcoftion 48810- ®* 6 Ntzr avcnLL Nr. 1Ö..Ü1 Woftfrstltfienfpiä* lÄXfiSS Sir. «84 Wien» Montag» den 2®. Dezember 1320 2. Jahrgang Genf, 19. Dezember. In der gestrigen Schlußsitzung der Völkerbundversammlüng wurde ein Antrag Cecils, die Kodifizierung des Völkerrechtes zu verschieben, angenommen. Zu dem Anträge, daß der DWerbundrat so rasch pls möglich prüfen möge» mit welchen, Mitteln die moralische Autonomie des Völkerbundes in den Dienst der Kiuderhilfsaklion gestellt werden könne, gab Osudon (Holland) ein anschauliches Bild der Notlage chr den vom Kriege heimgesuchten Ländern. Allen (Neuseeland) teilt mit. daß sein Land 80.000 Pfund» davon 12.000 Psun^ für Oesterreich» im Kinderhilfswerk aufgewendet habe. Der Antrag wurde angenommen. Der Antrag, der das Studium des Esperanto empfiehlt, wurde abgelehnt. Das Haus hatte Gelegenheit, die Uebersetzung eines Teiles einer Rede in Esperanto zu hören. . Zu dem Anträge, daß der Völkerbnndrat die im Gange befindlichen Arbeiten zur Organisation der geistigen Arbeit unterstützen möge» bemerkte Barnes, haß in der Wertschätzung der geistigen und der manuellen Arbeit heute kein Unterschied gemacht werde» der übrigens auch gegen die Grundsätze der Demokratie verstoßen würde. Dw Frage gehöre in das Gebiet des Internationalen Arbeitsamtes. Der Antrag churde gegen die Stimme Englands und einige andere Stimmen angenommen. - ■■■ In seiner Schlußrede gab Hymans «in Vild der MstMeiterm Der Völkerbund habe feine Pro b e bestanden. Der weiteren Arbeit zur Sicherung des Friedens der Welt stehe kein Hindernis entgegen. Die Rede Hymans' war vielfach von Verfall unterbrochen. Hierauf hielt Ätotta die bereits gemeldete Abs ch i e d s r e d e. Die Anteilnahme der Delegierten an den Sitzungen der Völkerbundversammlungj blieb mit seltenen Ausnahmen die ganzen Wochen Hindurch auf'voller Höhe und der Eindruck, den die. erste Völkerbundoersammlung hinterließ. ist. daß die großen Probleme der Menschheit mit ernster Gewissenhaftigkeit in Angriff genommen wurden. Scharfe Kritik Ceetts den Völker-rmdrat. — Balfours Verteidigung. Genf, 18. Dezember In der heutigen Vormlttogssitznng der Bölkerbrmdoersammlyng wurde die Frage der Mandate für die deutschen Kolonien im Sinne der gestern gemeldeten Beschlüsse des Völkerbundrates erledigt. C e c i l kritisierte scharf das Vorgehen des Völkerbundrates, vor allem, daß er in der Mandaisfroge hinter geschlossenen Türen arbeitete, wodurch die Feinde des Völkerbundes in ihrer Haltung bestärkt, worden seien Es gebe nur einen >Weg zum schließlichen Erfolg: Es anders zu machen als beim Wiener Kongreß. Die alte Methode müsse verschwinden. B a l f o u r trat hem Vorredner ebenso scharf entgegen und führte aus. man müsse alles vermelden, was geeignet sei. Versammlung und Rat gegeneinander auszuspielen. Di« Mandatssragen gehörten in die Kompetenz des Rates. ihm stehe auch die Zusammensetzung der Mandatskommission zu und er trage die Verantwortung. Cecil erwiderte, daß er sich fragen muffe, warum Mr.BerttWr^GrMriMvlE.M-ÄV^WNte^.M die Versammlung habe. Rat und Versammlung, hätten die schwebenden Fragen zu diskutieren und er hoffe, daß der Bat die Vorschläge, die er (Cecil) mache, ernstlich prüfen werde. Diese Vorschläge bezögen sich auf die Zusammensetzung der Mandatskommission, in die mindestens eine Frau härte ernannt werden sollen und die der Versammlung verantwortlich sein müsse. Die Entente gegen König Konstantin. Pari s, i9. Dezember. (Funkspruch.) Nach einer Mel ung aus Achen haben die alliierten Regierungen beschlossen» daß ihre G esandten vorläufig in Athen bleiben, aber an k iner Zeremonie teilttc?meif zu König Konfian t i n in keine Beziehungen treten werden. Dasselbe gilt für die Mit lie er der M.litür- «nd Marinemüfiouen. Die Schiffe der Verbündeten haben die griechischen Gewüsser verlassen, um eine Begrünung des Kreuzers» auf dem sich der König befind t, zu vermeiden. Die Brüsseler Finanzkonferenz Brüssel» 19. Dezember. Wie Havas-Reuter meiden, sind Seydoux und Lord d'Abernon zur Prüfung der einzelnen, die Reparationen betreffenden Fragen, mit der deutschen Delegation bestimmt werden. Seydoux wurde mit der Behandlung der Naturalreparation, d'Abernon mit der Besprechung der Barleistungen bettaut. Auch der demsche Delegierte Bergmann hat die deutschen Vertreter bezeichnet, die nach ihrer Zuständigkeit die Aufgabe haben, jede Spezialsrage mit den Alliierten zu besprechen und die etwa verlangten Näheren Aufklärungen zu geben. Paris, 19. Dezember. Die Aqence Havas meldet aus Brüssel: Die Vertagung.der Sitzungen der Internätionalen Konferenz auf Moniag nachmittags bedeutet durchaus nickt einen Stillstand in den Verhandlungen. Die . erste persönliche Fühlungnahme zwischen den Delegierten, die mit der Erörterung der einzelnen Punkte betraut sind, scheint einen entschieden günstigen Eindruck hinterlassen zu haben. Man hofft, daß die Konferenz vor Weihnachten ihre Arbeiten beenden wird. Einlagenrmd Depotsperre irr Ungarn. Budapest, 19. Dezember. (Nilg. Tel. Karr-Bur.) Eine Verordnung des Finanzministers nimmt 20% «flct bei inländischen Fiiiaiizmstilulen placierten Einlagen und Depots. Rechnungen und Bargelddepots in'Kronen sowie in fremd r B.ünta unter 'Sperr e. Dieie erstreckt sich nicht auf Forderungen ans ändis tzer StaatUurrger oder Firmen. Der Finanzmsiister ist jedoch, bere'ügt, die Sperre auf gewisse, individuell zu bezeichnende ausländische Staatsbürger oder Firmen im Verordnung? wege anszudehnen. Forderungen, die auf dem Gebiete des tsrl'echo-stowalischen Staates zuständig sind sowie Forderungen tschechischer Firmen werden dis 20% ebenfalls unter Sperre genommen. Jene Depots oder Einlagen, die einzelne Geldinstitute bei anderen Geldinstituten, bei der Oesterreichisch-ungariichen Bank oder bei der Ungarischen Postsparkasse erlegt haben, sind von der Sperre befreit. U.ber die miqesperrten Depots kann frei verfügt werden. Der Devlsenverkehr bleibt frei. _ Die tschechisch-französischen Znckerverhandlungen resnltatlo». Pr'Äfl, 19. Dezember. Den Blättern zufolge wurden die tschechisch-sranzösischen Verhandlungen über den Verkauf von einer Million Meterzentner Zucker tschechischerserts abgebrochen, da Frankreich Bedingungen stellte, welche die Tschecho-Slowakei genötigt hätten, den Zucker wert unter dem Weltmarktpreis abzugeben.__ Der Streik Im Ostrauer Revier beendet. MahrvOstran, 18. Dezember. Im Ostrau- Karwiner Revier wird in vollem Umfarrg gearbeitet. Mähr.-Ostrau, 18. Dezember. Aus verläßlicher Quelle erfährt das Tschecho.slowakische Preßburean, daß dir Bergleute bei dem eben beendeten Streik tm Ostrau-Karwiner Revier Über 5 Millionen Kronen an Lohn Dul'oim haben. Die Abnahme der Kohlensötdsmna betrua 500,000 Tomlen. ,• Jüdische geistige Not. Das Wort von der Not des geistigen Arbeiters ist von den jedes, sozialen Ethos baren Tagschreibern zrun Schwatz über den Dozenten und die Waschfrau erniedrigt worden, in welchem das geistige Elend auf eine»; Vergleich der Einfommensziffer mit dem Arbeitstaglohnreduziert wird. Daß e? der geistigen Not nicht abhilft,^ wenn der geistige Arbeiter so viel wertloses Papier ae»' zahlt bekommt wie die Waschfrau, darüber nachzrldeuken' fehlt es den Klugschwätzern an Ehrlichkeit. Die geistigs Not besteht heute in WirKichkeit darin, daß die Internationa! ität des^Geiftes sich a!S ein Ziel erstnesen hat, von dem die Welt noch weit entfernt ist. Die Haßkunögebungen der Männer des EleisteS in den emzemen" Ländern haben eS'genugsam kundgetan, zu wie viel Lügs) das wahrhaft große Wort von der »Jnternotionäle beZ Geistes" mitzbraricht wrrrde. Und trotz Krieg, Revolution' und Frieden finden sich keine Ansätze, um die^Jnrernationale des Geistes in w a h r e n F o r m e n zu ver-' wirklichen. Das und di« Tatsache, daß beute das.Schassen der sogenannten geistigen Arbeiter in die engsten Greiizen der jeweiligen eigenen Staatlichkeit eingeschränkt ist. daß/ abgesehen von Virtuosen,. Tänzerinnen und Variereegauklern. die Schöpfer geistiger Werte ihr Schaffen nicht über die Grenzen ihres sogenannten Vaterlandes hinaus auswirken lassen können, daß ferner das geistige -Schaffen, in sozialer Verkümmerung gebundenauch irr seinem Wert verkümmert, das ist der Kern der geistigen, Not.Das jüdische Volk, welches in allen'Belangen durA das Unheil; das in die Welt gebracht wurde, am schwersten gelitten hat, hat auch die 'schlimmste geistige Not zu tragend In den letzten Jahrzehnten begann Verheißung^, voll. der.'Anfang einer die traditronelle basiS 'verbreitenden JubeMm HM europaS anfzufprletzen. In'hex allgerncnni^ MWrophei die das osteuropHsche Judentum getroffen hat, ist i das; jüdische geistige Leben in Qsteuropa Zusammdrigebrochcni Die osteuropäische Judenheit/ frilher durch den Bestand eines großen Reiches und. ,zrimlirh Igltzlchartis^ '..sozial^ Verhältnisse zu einer' gewissen Einheit 'zusämmsngejaM ist heute zersplittert und jeder der abgesplrtterten Teile; ist von Rot und Tod umdroht, hat den Kontakt mit best übrigen Volksgenossen lockern müssen und lebt m unge«, wissem Schicksal dahin. Damit hat das jüdische geistige Zentrum in Osteuropa anfgehört zu existieren. Die günstigere materielle und soziale Lage der Juden Amert. kas hat sie in den Stand gesetzt, in den letzten Jahren anch einen jüdisch-kulturellen Aufschwung zu nehmem Diesem fehlen jedoch die Tradition und die K^utinui-' tat. welche früher durch; den ftänd'gen iüdischen Zriftnst aus Osteuropa gewährt waren. Kommt es. tatsächlich zst der drohenden Absperrung Amerikas gegen die, Eim Wanderung, so wird der kulturelle Aufschwung der amerikanischen Juden, die sozial und wirtschaftlich sehr an ihre Umgebung gebunden sind, bald vorüber sein. . Die Juden Mitteleuropas sind kulturell, wenn mich in anderem Sinne, isoliert. Ein Beispiel bietet W i'e n! Hier hat der Krieg mit dem Strom jüdsicher Flüchtlinge aus dem Osten eine Welle jüdisch-geistiger Ele. mente herangespült, durch die der jüdische Inhalt Wiens belebt wurde. Das politische Schicksal dieser Stadt ha! dos jüdische Schaffen in Wien von jeder Auswirkung in die Ferne abgeschnitten. Diese allenthalben hervor» gebrachte Zersplitterung und Isolierung ist das Spezifikum der jüdischen geistigen Not. Sie vermindert aiidjdie Hoffnung auf einen raschen Entwicklungsgang eines jüdischen Kulturzentrums in Erez Israel. Denv nur wenn Menschen mit gesunden Kultnranlagen ins Land kommen, kann dieses rasch das Wachstum dieser Keime fördern. So hat die Weltkatastrophe dein Juden, tum anch in geistiger Beziehung schwersten Schaden zu» gefügt. * Hier muß Hilfe kommen. Hilfe von den Schaffenden selbst, welche gerade jetzt fühlen müssen, daß sie nicht bloß Exponenten ihres Schaffensge'lstes sind, sonder« auch Exponenten des Volksgeistcs. Es muß sich darum handeln, daß die Schöpfer und Träger der Kulturinhalte sich ihrer sozialen Sendung bewußt seien, und diese ist: Die Aufhebung jener Zersplitterung und Jsolieitheit des jüdischen Geistes, wie sieheute besteht, durch Z u» s a m m e n s ch l u tz aller Träger Und Schöpfer der jüdi^ schen geistigen Welt. Dieser Zusammenschluß muß er ermöglichen, daß die geistige Not der Judenheit vielleicht rascher überwunden wird als die materielle. Für de» materwllüA WiLderaLMall der eucopailchsn JuderM-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.