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Wiener Morgenzeitung · 1920-12-18 · Heft 682 (18.12.1920) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 682 (18.12.1920)
Date
1920-12-18
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4- Wien. Stomsiöfl ivrkÄ>ig zu Um schichtungSmatznahmen, jndern manverfucht, größere Teile des Volkes der Landwirtschaft Kuzuführen. Man Hai dnnüi verhältnismäßig gute Erfolge yehoLt. Eine Besitzung des früheren russischen Ministers Stolypin . dient zurzeit a!S. l <r n d w ir ts ch a f t l i ch e r Lehrbetrieb. Wo Juden kleinere larrdwirtschafürche Verriebe innohaben, geht e3 ihnen ebenso tote den litauischen Bauern, auch jetzt schon meist erfreulich. Dem Händler? sucht man durch Kredit, Beschaffung von Handwerkszeug und durch bessere Ausbildung crufzichelfen. Für die gesamte Judenheit der unteren Klassen ist eine ganze Anzahl von Dolks banken begründet worden. Auch die kulturelle Fürsorge ist so einfach nicht, da innerhalb der Jud:n verschiedene Strömungen. bestehen. 2er Zionismus hat während des Krieges bedeutende Fortschritte gemacht und mit ihm zusammen die hebräische Bewegung. Es ist eine ganze Anzahl 0 1? m n ei j i c a mit hebräischer Unterrichtssprache begründet worden, auch ein hebräisches Lehrerseminar. Neben der bebräischrn bcftctzt eine starke arthodox-religiöse Gruppe, die irreng am Ritus und an der Erziehung in gläubigem Sinne ftffthäll, Die rrddisrhe Gruppe besteht meist aus politisch links gerichteten Elementen. Sie tritt ein für die Förderung weltlicher Kultur, bricht mit dem Alten, will den Grbrsuch der, jiddischen, nicht den der hebräischen Sprache. Der Natwnolrat verhält sich diesen Strömungen gegenüber objektiv. Aus der schweren wirtfchafclichrn Lage des Oftjudcntum-5, die nicht erst eine Falxc deö Krieges, sondern durch seine unnatürliche Zusammenürängung verursacht ist, entstand schon längst eine starke Auswanderung. ' Cie dauerr an g-elst nach zwei Richtungen. Eürmal ziehen Juden, die Amerika ansässig geworden sind, ihre VersarLten nach. 'So. gehcrr viele Frauen, Kinder, auch alte Leute bis ins höchste GrLlsenat.'rr, über daö' große Wasser, ws sie eine bessere materielle Lage erhoffen. Dir zweite Richtung geht nach Palästina. Sie wird durch die Autonomie deö dort zu errichiend-n Judenfraates ebenso lebhaft gefördert wir durch dir zionistische Bewegung. In Litauen, wie üfcratt, gibt es eine Gruppe junger, ideell gerichteter Juden, dir sich in Larrdbau und Handv^erk für die Arbeit am nationalen Sraar vorberriten. Meist grbst'.'n sie den besser siturer» Lea Kreisen an und rhc Idealismus streitet oft har: -mit >:m zea£in Sinn der Vät-w. Indem der litauische. Staat für fr'rr« Juden befried'.- gende politische Verhältnisse geschaffen ha:, erreicht ec ohne ^DetfeT — und das läßt sich setzt schon Sbersehen — daß die Juden dresom Srsat wohlgesinnt ge-^nüberltchen. DaS' ist den Stent selbst umsomehr von Bedeutung. al$ ec durch?2i!nir' und Grodno und snderc Städte des neuen Gebiets ein-n frcrrwn jüdischen Zuwarbs bekommt. Er wird - nicht schwer eirrzuc.-'ledern sein rrnd der Regierung die Arbert in?>en -komvkrzierten Äarronaln ä:i»verchältnüsen Rou-Litauens srleichtew!. Darüber hincruO ist drc An der: Lösung, dre irr Litauen getroffen, worden ist, vor: alitz^n-e.rn-polrLischer Bedeutung. venu es ist der erste dur<bp.ffirL2re Versuch/ einer. Sedeutsarnon Minderheit vollständige poli:r>chr Autonomie zu geben.' Es w:rd - sich in rer weireren Er-uviölung zeigen müssen, ob bas M wrnig erfreulichen lst.'iwurgen eines Staates im -Staate führt oder zu einer Abfchlcr-nurg der. Gegensätze,. die, itiSt-at .tut Reibungen verhindert, beit cn Natunralitaten unddem Staa'Sgauzen zugute komm:. uub WaUbet&tikan$ttt im Wiener Gemeisverst. Der Gcmeinderot war gestern wieder trx Schauplatz wüssrr Szenen. In cev {eitlen Sihrrn-z!?ctte Stadtrat Siegel gegen den Grmer.NLerat K a r aiel, welcher - }tä5Ujcher Santlätsoiene'. t'i, den Borwurf erhoben, daß er vom Dienste serngebltedeu jii, und pflichlwidrig gehDnbekt habe. Karasek batte nun an den Bürgermeischr einen Brief gerschrr:, in wellhenr ec die ganze Ar:g^.^nhelr mit der Bitte qusklärt, seinen Brief. in öffentlicher Kitzurkg vorzrr» Men. Ds nun Stadtrat Sieger gestern anläßlich eines Neferats k-c3 Schlußwort erstattete, rrtöntrr: o.i den Christlich-, sozialen immer lauter dl: Ruse: ,^Den Brie; recl-.-jerrDer Bürgermeister rntgegurtc, daß er Linon Aulasi' Hase, den Aries zu verlesen. ,J&et Betreffende kann die lIrrlofuny beantragen", meinte ec. Die.'- Worre gaben das Signa! zu stürmischesten Protesten ftitrns der Chr'lstllchsoziaSerr. Sie riefen, indem si? auf eie Pult» schlugen: „Der Brief muß verlesen werden, sonst g'i&tS keine B:rh«ndlckng.' Hinaus mit dem Verleumderl Abzug Siegel!" Ein ohr^rbetLubender Lärm -nlstand im. Saale. Man sah und hörte, «ur schreiende und gestituliecends Menschen. Milten in diesem Trubel ließ der Bürgermeister abstimmen, und da? in Verhandlung stehende Referat wurde von den Sozialüemotratrn mit lautem Beifall ung-nommen. DaS war natürlich das Signal zum Sturm bei d^n Christlichsozialen. Sie riefen: „Da gibt'3 kein Verhandeln mehr!" Die GemsindLräte Kunschak. Bmmerling, Speiser und Skaret eilten auf die Präfident«r°> «ftrade und sprachcn auf den Bürgermeister ein. Mrttkerweilr Legannrn die Christlichsozialen mit' BLcher^k ’ unL den Metallenen Aschenschalen auf die Tische zu Novfen. die Laden der Tische wurden heftig auf- und zugesch-öen und mit -den Mßen gestampft. Immer lauter u.E'. stürnrischer wuvdim die Zurufe. Und wieder erstattete Siadtrat Siegel, trotz i>es ungeheuren Lärms, ein Referat, aber er kam nicht weit, die Proteste der Christlich-- -sozialen ließen es niht zu. Da oer Lärm sich immer mehr %u einem Sturme Verdichters, unterbrach der Bürgermeister die Sitzung auf etwa zwanzig Minuten, roa'! die Christlichjfozialen rntt den Woctt-n: „Airklöferr? Die Bude sperren!^ beantworteten. Rach Wiederaufnahme der Sitzung erklärte der Bürgor-' "«eist«, daß er den Brie: ^ara'sets zur Derlesung gebracht mm & sich ivß ‘-rinlauf feefu.-j.*}-» hätto. Da?c , MitteilmiW- NUS dem Mlikirm. Rudi .Dier , Sender Ebel Pomoriany. Beiz 'T6rloMc . '-1 -'t: Wien, Im Dezember 1Ü20 ‘ «M Statt Karten Elsa Ndsseiibannt Jakob fferz Verlobte Wien, im Dezember > 4iss Glückliche Zukunft I Zer Vedohtrrig unseres Freimdcs Herrn Gerson Piper mit Frä’.dein Jenny Ehrlich giamlieren herzUclist David Majer und Familie \H Perl««, ©oia.SHba-.PItttlan- Uhren k a a f t a n a v e r k a u 1 ti 776 ETTS^fu Rcteiitxu'mc'r. S3, LSarlahilfcrsir. S3 1S1 8 •mammaiemasvaar 6BÖSSTE W 1I|S&Ij AUSWAHL - sMWi MW II L1XÖS- USD STILfiÖBEUi 1| D MH MM > »11' 11II1 MlSSTGE! 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Er ist gerichtet!^ Daniit hatte der Sturm seine Erledigung gefunden w.-b BizLbürgerm-eifler Eur itttt it« g referierte hier auf über die bereits ver-tirntlichtt ärhü.hu'ng' der Brrom» preise. si^2.ch -einerffebhasl aefüürken Debattr wurden die Antrags auf Erh')li'.:ng der 'Stromvreisv ge-zr:: die Sli rn'-r.-.' der .Cyristlichsc»5i«-lcn genehmigt. GnuduS rat Siegel Ksgeu Gew.inÄrcal Kneasc? .Stadtrat Siege l '(So-iuldewokrat)' urklüctc, düst es. feflgestellt sei, bäfl. Grmfindcrc'.t Karasck seit Mai 1919 keinen Dis^st als SanitälSnusftber gemacht hat. Ev» .kundiguttgcn bei ddn Ainlssttllcu ergab-en, das; keiner seinrr Berge setzen von seinem Fernbleiben etwas wußte. Die Sitzung wurde hierauf geschlossen. Hilfe Len jüdischen geistigen ArbeitevR! Die gcisti>"ä Arbeiter in Wien. Schriftsteller, Künstle»!. Gelehrte, iit , ben Ruhestand versetzte Hochschullehrer, Richter sowie geistig SchaffÄrbe sind oer. Derzvieiffung und der Not vrLiZg'egrben. Mssnäer, die für bas SfftnMch« Wohl, -M DissLrffchaff und Kunst'und füz das Judentum chc Leben 'lang gearl>:itet hassen, fe.he-n fth am Ende ihres. Lebens der ernftdrigündsten?hi über liefen und darben mit ihren ' Familien. Di.: Hiffsatstionen'können nicht so ausgiebig und diskret Helsen-, wü cs b:-r drn Ungehörigen der gelstigeu Berufterforderlich' ist. Hier must individuell vorgegangeu werden, die Hilfeleistung muß. wenn sie ihren Zweü ex* füllen soll, ohne den bedürftigen Mittelständler zu demüti.;eu, von Pers'yn zu Perlon dargereicht werden. ' Die Aktlisu zue Unterstützung bedürftiger Au geh 8r iger g r-i.ft i g e r Berufe steht ftit zwei Jahren in vorderster Lii.i: beim Kampf oegrn das Elend unter -den jüdi-'chsn (j'-'r.iwt Arl-ütern Wiens, und sie kann auf Erfolge, zurückb-.'icken, die ii h!u rinc-rn Millionenbndget ans" drücken. An ihrer Spitze stützt ci r Philanthrop, Hvrr Bernhard! Go l d ft eChef der Lr \nv.'AndrmternrhmMiZ, Bien, i 1. Schotten ring 2n. 18, Dezembrr 1920. \ Aflt 682- ——O—— --- ■ ■—— .1. i.j .... r w-->•-•» ■ ...Sn . Dieses Hilfswerk zn unb-rMtzen^ggo Dache jebeH wahren Menschenfreundes sein, und Äl« die in der glück.'i.hen materiellen. Lag« sin hesfM zu. können, mögen sich daran beteilizen. (GeldspLwn, wel^ charitativen Prranstaltung zugebncht tverdch mSgou. b'eL .amerisninschen Bank für Rechnung deS ^«ner '.Ba.nif-. Vereins, in Wirn. zugunsten der gena,^ Aktion e^ r gezahlt tverdrn.) ’ ' Tagesbericht. - Streiks und LshÄbeWrgMgetiu Wie«. Kaffeehäuser und Srestaurants «eschrosie«.-Vor einem allgemeinen StreM. Seit gestern^ 8' Uhr früh, streiken - die'Gehilfen des Gast« und Schankgewerbes. We Kaffee uv Gasthäuser der Juireven Stadt waren, gestern geschlossen und in der Beherbergung der Fremden erhalt ein Scotdienftber Strekken^ den den Betrieb aufrecht.! . t' Der Streik wird heute eine bedeutende. Usdehnung er-- - fahren und scheint sich zu. eurem..iFesamtLüsstäd^ über ganz Wien zu entwickeln. AuZ. den .Millei7uugen^»ee Gehilfen-* schuft ging gestern herwör,- baß. -.'von^'heutK ■% ' der Streik auch frn"6.', 7./ 8.^ und kl. -Bezirk proK^iiert werkMti bürste. Augrsichts differ Sachlage -hielftn geftrn sämtlich« FuiikLioiräre' der vereinigten, vier 'Genossenfchafttt ein« Ber* samchlüng ab, in' der bsfchlosfeü wurLie, zün^Schutze der zwischen den zw:i großen Sirrttgebietch, lftgeiröMB et riebt im 3., 1. und 5. Bezirk vor Terrorakten auch d^ese heuts früh sperren. Die vom Aüsstaltd betrsfsenei Genossen^ schäften / sehen sich hle'zn' umsomehr gezwungen, css die Ge« hilfenf-chajt ohnehin bertfts üüess dft Bezirksgrenztzr hinaus, am Neubau, in der Josrfstadt, am Ätsergrund Md in der 'Brigittenau bi: Sperre auf. einzelne-'Betriebe ausgÄehut hat. Jeden Tag würden dann neue Bezirke in ien Streik' einbezogen, .so daß am Dienstag der Streik ganz Wien.umfassen wird. Sollte bis..dahin eilte Einigung nicht znstanbekommen, so dürste auch in den iFemeins ch a f Ls k ü ch e n der Ltreik proklamiert werdest. Die Gchrlftuschast hat beschlösse«, den Streik heute im 6., 7„ 8. und 0. Bezirk durchzuführen, Irr den Sana» Lori e u ist daö Personal, ebenfalls ausgeLlieben. Gegen die DtittagLftunde veranstalteten Äs Sireikenp«« des 1. und L Bezirkes, ernen Dsmonftpationszug, der. vom Arbciterhetm seinen Ausgangspunkt nahm und über di« Favorjtenstrasse zur Ringftra tze sich bewegte. Die Sprtze de- ZugeZ bildeten die.Mitglieder des Streikkomitees. Die Massendemonstration erregte, als der Zug auf der Ringstraße anlamfte,'-großes 'Au-fsehem Die Gruppen losten sich beim Stadtpark auf. Die Demonstration. erfolgte ohne jeden Zwffchonfall in vollster.Ruhe. .-. . Eine grosse Nersammlüng' der SchlmrgewerbetreiSenbvM - HLifte findet um 10 Uhr vormittags im Zi.ckuL Dusch, Prater,. AusfLelluitgsstraßo, eine große Versammlung aller -Mitglieder der' vier Genossenschaften deS Gast» urtd Schank» geweröeS, und zwar: der Gastwirte. Hoteliers, Kaffresredee und L^rffeeschänker statt. Der Zutritt zu dieser Versammlung ist nur gegen Vorweisung eines KonzessionS, oder Perfonal» dokumvntes ' gestattet. Beendigung deö Streiks der Postchauffeuee. Die Postzuürsimig wud heust wieder <mstze»vMW«'Mch düst ar<i« Kalamität , endlich behoben. Am'sich wirb über d'st Streikbemdiaung rnsttaeteilt: Während die Verhandlungen über die von ihnen vast kurzem .gestellten 'Forderungen noch nicht zum Abschluß gebracht waren, traten vorgestern, am 16. Dezember, die Postrhauffeure in den Ausstand. Gestern wurden die Verhandlungen mit der Personal« Vertretung fortgesetzt und wurden feste mat'eri-'llen F«..rde» rungcn, die sich auf die spezifische Chäüffeurdienstleistung beziehen, won der Regierung bewilligt. Die Postchauffeure werden daher ohne Verzug ihren Dienst wieder aufnehmen. Die Bewilligung der erwähnten Forderungen konnte von der. Regie..ung nur unter der .. wauLsetzung gugestanben werden, daß bei der in Aussicht' genommenen Postgebührenerhohung auch auf die Bedeckung iieser Mehrauölagen Bedacht genommen werde. , Rene Ferderungen der städtischen Angestellten. Der Verband der städtischen Angestellten hat beschlossen., an di« Gemeinde Wien mit der Forderung heranzuireten, den städtischen 'Angestellten eine einheitliche, noch vor Weihnachten' äüS^ntzahiendL 'Aushilfe von 6000 Kronen -> Mtz». wahren. ' SyMPathie» int Auslcmd. "J In der Not zeigt sich nach einem alten Sprichwort der Freund. Man kann den Satz aber auch variieren undsagen: .'In her Not muß nran.es. verstehen, sich Freunds. zu erwerben. Diese Kunst ist in der österreichischen Republik^ bekanntlich zur Virtuosität ausgebildet. Unser Staat, der sein Jammerdasein durch ein stetes Herum" schnorren fristen muß, tut alles,' um das Ausland vor den ,8dopf. zu stoßen und sich um den Rest aller SyM pathien zu bringen. Man lugt dem Nachbar Hilfeheischend 'ins.Fsnster und vergnügt sich in der Zwischen" zeit mit dem Hineinspucken. ' : Einem Pnvatbrief ans. Jugoslawien, den wir dieser Tage erhielten, entnehmen wir dl« folgend charav» teristische Stelle: . ' „Ja Wien wirb's immer schöner. Kein Mehl für Ausländer, aber dafür ihr Geld! DaS schönste. Prinzip, l um diu Juden verhungern zu lassen. Was, Titus 71

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