Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 672 (8.12.1920)
- Date
- 1920-12-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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I,.l. |I<| IXI I UI. «VU ■![»* WSiPfP ^WMWDWWWWWWW WT; ^/, Einzelpreis «L 1.80 Cinzelpreks LL L- Pra«»merati»«svreise: Mteur An« SUpIcn m fece «forttttop, L ««Irf.iflket. , pM0e l bis 3. «>er m.eiqer :'■ DrrsihleWebe Lttlstd: «-»««». j Httmtd »».— BlefheltäfcrHiJj ,,t 80.-« •O M <! , mrer Ktt Psstocrsan» M Wie» u»d Oesterreich: ■ W)r»»arNch .. Krotten 30,- lr,cheilj»Äo«aket: MsMatlkch .. Kronen Vt.— ÜinrteljÄlirHrti „ »0- BMech0'll,wakischeßWahen«» Ü-. y* - ttttgacM: k-: «»»afirch. .Mretitn "«».— Similfittirlid) „ 00«— \; ta «sgatifiher »Stzenng Augosiawin« M»«atl»ch .. Lmor 0<- WerteliSdrNch » »8.- 9tSwiMceftftA«f|wiifa[ ssÄ&ad m VEcher «W»n» { «östlich : . . MchrtZ^ MmSreichr-' ) «»»«tlich. . . Frnner ' . MslÜnr ' «nnntNch . . . . Str» L.-1 «snatlich^^.^räurS Sw-* ArdEi»« n.-ldminiftr»«»» Löte«»».B^Täb»rWÄ-8 sl(iC9v9mR mDwmifmRtf« 440"«, Weballiou 4381«, •b« Utzn «benv« ptr. tGE chnsrfp«r»stevl««t» Mich» Sir. 672 Wien» MMmoch, den 8. Dezember 1820 JäEäm 2. Jahrgang! Jüdischer Dolksschutz.; . : . ,'y : —y. S t r n. 8. Dezember. ' ‘ In diesem Blatt ist Ende November der jüdischen Oesfentlichkeft der Plan.der Einberufung eines jüdischen Volksschutztages vorgelegt worden, welcher die Sicherung LnL' den politischen Ausbau des jüdischen .Volksschutzes zum Zweck hätte. Der Gedanke, dev hier '.ausgesprochen wurde, bat eme^Flut von Zuschriften an Uns ausgetöst,' deren Zahl beweist, .wie tief das Fehlen eiiHr autoritativen Repräsentanz' der - jüdischen Nation in-tzen weikestön Kreisen'empfunden.chird. Die Miefe, die' uns zu^ehem zeigen, daß ein Bedürfnis nach einem t ösfentlichrechtllch anerkannten jüdischen Forum - chesteM ' welches.im .Namen und im Auftrags der breiten Massen des''jüdischen Volkes zu sprechen Und .zu'Händeln berufen wäre? Diese' Aufnahme, die der?. von.; uns mtwichekte Plan in der Juöenschaft MMreichs' und des 'MrÄandes-' gefundenchät, gibt Ms die Gewähr, daß' die von uns eingeleitete 'Diskussion dach angestrebte Ziel er. reichen wird:??? . "Ein jüdischer' Volksschuhtag ^hätte vor allem die Vedeutyng, daß er in. nicht mißzüverstehender klarer. Weise 'LH>?Pejden.' der jii.dischen Volksteile? im. Osten wor. der Deffentlichkeit aufkollen würde.'. 'Wenn.es ' überhaupt möglich'ist. .das Gewissen der Kultürwelt aufzurütteln, so-könnte dies nur an einem' Ort geschehen, wo die /von . dem Unglück Betroffenen selbst sprechen und das träürige Schicksal der voft aller Welt verlassenen .jüdischen Massen des-Ostens ani der 'Hand eines unwiderleglichen Mate, rrüls 'schildern' könnten. Es würde sich so die Gelegenheit ergeben?, der PeMschungsLccktik: der; Negierungen,,-d^ dis cheschdstigechdew vövr entftMon Berichte der Ententemissionen in: das richtige Licht zu setzen. Damjt aber wäte idje -Aufgabe einer solchen Tagung nicht erschöpft. Daß jüdische Elend hat einen solchen Grad erreicht, daß' es nicht mehr-Möglich istz mit - den Mitteln und den Methoden der bisherigen Nnterstützüngstätigkeit Abhilfe zu schaffen. Es ist der Fluch der Wohltätigkeit, datz?.fie bei den Ausübenden wie bei den Empfangenden Verhärtung und Stumpfheit erzeugt und mit der Zeit zu einer-gewissen Müdigkeit der Geber führt. Dieser Zustand scheint uNs jetzt in. weiten Kreisen des Judentums eingetreten zu sein. Wir konnten gestern einen Bericht über die Sitzung der Joint-Direktoren in Wien - veröffentlichen? in welchem ausdrücklich darauf hingewiesen war, daß-die Sammlungstätigkeit für die' Kriegsopfer in der. letzten Zeit in Amerika ins. Stocken geraten sei. Es mag dies eine Folge davon sein, daß auch-die Wittschäft' der Vereinigten Staaten in. den Bereich der Wellen der Kriegszerstörung gekommen ist; 1 es besteht die Tatsache, daß in das groß gedachte und groß angelegte Hilfswerk der amerikanischen Judenschaft eine breite Lücke geschlagen wird: Die Welthilfskonferenz, die vor kurzer Zeit in-Karlsbad stattgefunden hatte/ ist nichts imstande gewesen, das große Problem zu lösen, dem -nur mehr die 'organisierte Kraft-, der: ganzen Nation gewachsen wäre.-' Die Hilfe kann nur in der Schaffung von -Arbeit, bestehen: diese Arbeit kann aber in -den Ländern der Zerstreuung nicht gefunden werden,'und die zionistische Idee.in der systematischen' und vorsichtigen Konzentrierung der jüdischen Massen cnrf einempolitisch gesicherten Gebiet zeigt allem den Weg zur ’■ Schaffung von - Arbeitsmöglichkeiten für das in Elend und Verfolgung verkommende jüdische Proletariat. - Hie Judenfrage/muß national-und sozial erfaßt werden. Darin liegt die Hauptaufgabe einer jüdischen V.alksfchutztagung, die nicht nur die Vertreter des von Pogromen heimgesuchten Volksteiles im Osten, sondern auch die Vertreter des in schwerer politischer Not leidenden Westjudentums zu umfassen hätte. Me Organisation, die hier, zu: bilden wäre? wußte alle Elemente in-den Dienst, der. Bolksidee. ziehen,- die das Judentum bejahen und erhalten walken.. Es.mußte eine Körperschaft ins Leben, gerufen werden, die; getragen vom Vertrauen der jüdischen. Masse, und gestützt auf ihr durch Wahl zu erhärtendes.Votum, alle notwendigen Arbeiten im Dienste der höheren Idee einer alle Weltteile ums^annenden' jüdischen Valksgemeinschaft zu leisten^ hätte. Sie wüßte überall auf. dem Plan erscheinen. w.o Jüden für ihr jüdisches Bekenntnis zu leiden haben, sie müßte aber auch positiv wirken und die Erziehung des Volkes zu einem politisch gleichgerichtetm Körper .in Angriff nehmen. Griechenland für siönig Konstantin. Das Ergebnis der AhfÜMMurrg. ’ Athen, 7. Dezemöer. lTel.-Ko,mp,) Das A-stimmungsergebUls ist von der fest L r itz geschmückten Stadt mit ««^eheurem Jubel ausgenommen worden. Bei unbedeutende» SrimMeneMaltüng haben sich SS Prozent der Bevölkerung f ü r d i e R ü ck k eh r K ö n i g Konstantins entschiMn. : FNttBirchen-, ,-^->?unKbhLugige ' 'ZteMblik. : A g! v ü m, 7. Dezember.?(Tel.i-Komp.) Bela Li n d e r.derzswrfens Kri^smirristerKarolhs rmd derzeitige BürgerMe-ster dsr' von d n Serben L esctztsn. Ungarischen Sradt Fünf- Kirchen, und' Oskar Z a f W, M nister der nationalen Mrud?rheitLu ich der Negil'rung Karoly?» find in BealeitunM emss Sekretärs in den letzten Lagen des Nchrembnrs in Belgrad e ng"troff.«, wo die seWische Regierung für ihre Unterkunft sorgte. ^Mährend .ihres d oMgen AufeMaltes, ^abech fie häufig mit -dei»'> Ä'nLsterprMdeÄen ^^unb den ReffortminiftLrn fuv Finanzen, für r AenHeres und Krie'. eingehende' 'Besprechungen.' .'sepflogeu. Als Ergebriis dieser Vesprechnngen ist nun e'nAbl-omm;nzuftLnve7.ekommeu,detnzufolge Her.-5werLiem reiche Äm<»ebmrg mit materieller und Moralischer RnterfL'itzunq Sophiens zur u n a b h ä n a i g e n N e P U d l L k p r o k l as mieren wird. Ingo lawsen verpstichtet sich, im Falls eines ungarischen Angriffes dem nenen S aut durch miMarische Intervention z« Hilfe zu' Kommen.-" - Der BölKeLbunVKonDretz« Einsetzung eines Odsrko^miMrs für Kinder» Hilfe. — Gegen den Typhus in Polen. G^nf» 7. Dezember. (Tel.-Komp.) Als erster Punkt der Tagesordnung dir Völkerbundkommission wurde der schweizerische Antrag auf Einsetzung eines Obe rk o m mi s s ärs für Kind er hi I f e in den vom Krieg heimgesuchten Ländern verhandelt. Präsident Huysman schlägt vor, den Antrag der zweiten Kommission zu überreichen. Die Versammlung beschließt demgemäß: Sodann wurde die Frage der Abwehr m a ßn a h m e n gegen den T y p h u s in P o I e n, die bereits in den Sitzungen der Unterkommission der zweiten Kommission und in dieser selbst vorberaten worden sind, besprochen. Berichterstatter ist der kanadische D elegierte Sir. Boster, du ln feinen Ausführunger ifeftstellte. daß die ungemein schlechte Ernährungslag« in Osteuropa Grund der. Typhusepidemie setz Iw Juni - und. Juli dieses Jahres wurde ein Appell an . alle Regierungen der , Welt gerichtetum; die nchigen . Geldmittel zum Kampf» gegen diese Epidemie aufzubringen. .Die Regierung«! haben jedoch an die Bewilligung dieser Beträge ge< wisse Bedingungen geknüpft, die die Hilfeleistung ungemein erschweren. Der Berichterstatter schlägt :voy den Regierungen e.ine Mitteilung zukommen zu lassen worin sie aufgefvrdert werden, Polen Hilfe zu. geben Es würde in erster . Reihe die Sorge für die besser« -Ernährung der Bevölkerung in Betracht kommen. Ir Rußland sind dem Typhus.im Laufe dieses Jahres 26.000; Menschen ' zum. Hpser. gefallen. Gegenüber dieser furchtbaren Gefahr müssen alle Staaten sich-zur Hilfe vereinigen. (Beisall.) . : . i - Genf, 7. Dezember (Tel.-Kömp.) Bei hem bereits gemeldeten Rückzug Argentiniens ans der .Völkerbundversammlung handelt es sich um folgend« Vorgänge: In den Kreisen des Völkerbundes hetrsch« eine heftige Auseinandersetzung über die Frage de» Erneuerung der gesamten Oberleitung. Während bw Entente die jetzige Besetzung noch vier Jahre geltev^ lassen will, uch dadurch ihren Einfluß zu behaupten d verlangt die Opposition, die die südamerikämscher Staaten, Portugal und die nordischen Staaten unir» ' der Führung Schwedens umfaßt,, daß ein schyeste»'' Wechsel platzgreise und die bisherige Oberleitung ttm ' noch, zwei Jahre im Amte verbleibe. Nach diefew ." Zeitraum sollen nach einem festgesetzten Turnus alle Staaten an der Leitung des Völkerbundes teilnehmew ' Friedenswille in Irland. London, 7. Dezember. (Funk'pruch.) AM./ Hend erfon hat über seine Eindrücke in Irland ' geäußert, er habe während seiner stüheren Besuche jv ' Irland nie den Wunsch nach F r i e. d e n u n d! R uh e so verbreitet gesunden, wie diesmal. Das; Volk fei sichtlich des Kampses mit der Regierung ' müde. Sie müßte bestrebt fein, einen einbeitlichen jüdischen Massenwillen, hervorzurufen. Das Judentum geht durch eine harte Schule und ist heute für eine solche Aufgabe vorbereitet. Gewiß erfordert ein solches Werk große Kräfte und Mittel, aber, was das griechische Polk leisten konnte, das aus der Diaspora heraus mit. seiner „Ethuike hetairia" den modernen griechischen.Staat, geschaffen bat, das wird auch für das jüdische Volk keine unüberwindlichen -Schwierigkeiten zeigen. ... Der Organisation, die wir Vorschlägen, dürfte nichts Jüdisches fremd'bleiben. Sie müßte durch ihre Organe die Handhabung des Minoritätenrechtes in den einzelnen Ländern kontrollieren: sie müßte die Erziehung der fildischen Jugend einheitlich regeln und den.Eltern beider Berufswahl ratend zur Seile stehen: sie müßte, eine Berufsstatistik des jüdischen Volkes schaffen, itm: endlich Klarheit über die Schichtung der Nation zu bringen: sie ' müßte einen Stab von volkswirtschaftlich und sozial .reschulten Kräften heranziehen, der bei dem grandiosen Aufbauwerk in Palästina zur Verfügung stünde.- Kurz, sie müßte alle Gebiete jüdischer Schaffens und Wirkens beleben und befruchten.. Seien wir uNs klar darüber, daß das iüdische Volk nicht viel Zeit zu verlieren bat. Die Verl"sie, die es im - Krieg erlitten hat, sind größer als die einer jeden anderen Nation und reichen weit bümus über das zifsern» mäßige Verhältnis. Was aber das Judentum nach denk Krieg durchzumachen hatte, ist kaum mehr' zu fassen- und - läßt es 'als unbedingte Notwmdigkeit' erscheinen,- die Rettung ungesäumt und einheitlich zu beginnen. Wie brauchen uns auch nicht von den Unkenrufen derer, irre-' machen zu lassen, die nicht in erster Linie an die Not»' Wendigkeiten des jüdischen Lebens denken, sondern an die Reagenz unserer antisemitischen Umgebung. Wir wissen ganz genau, daß sich das Geschrei vom Staat im -Ztaaö erneuern wird, und daß auch die jüdischen Gegner sü^ scher Arbeit mit dem Patriotismus werden krebsen geh.'rr. Es wird wieder die in allen judenschänderischen Schn'terr und Reden so beliebte „Alliance Jsraelite" auftauchew dre, irgendwo verborgen,, ihr geheimnisvolles Svreh tr-tzibt. Schaffen wir diese zentrale Körperschaft,' die vör' aller Welt die Forderungen des Judentums erhebt und vertritt und arbeiten wir daran, der Schwierigkeiten 'Herr - zu werden, die sich aus der furchtbaren Situation des Judentums ergeben. -Wir müssen das; jüdische Vvlk - retten. Alles andere ist nebensächlich. - .Und das entz» gültige llrteil darüber - hoben nur dieienigen im Jliden^ tum zu sprechen, die da wünschen, daß das Judentum 'efe; und sich für den Augenblick vorbereite, wo es.sein-Nvliti-'- sches und nationales Schicksal in seinem ewigen Nats^' lande selbst in die Hände nehmen kann. ' '