Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 671 (7.12.1920)
- Date
- 1920-12-07
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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S sitt 4 ... — m..— I „■ ^lav Wie». Dienstag Wiener Morgenreitnug 7 Dezember IM - ‘— - - ‘----1 ‘-lilrr r~nn»nnir-iiir~nii'~nr—im-- » - n > m. > SK. 671 «nchr. Die Sicherheit in Wilna laßt, alles zu wünschen Lbrig. Kein Bürger wagt f'ch abends auf die Straße, Soeil sich aus den entflohenen Gefangenen und Deser- «euren Banden gebildet haben, die sogar in den Straßen Lee Stadt morden und rauben. Damit hängen auch die Mage» der Juden zusammen. All diese Dinge erzeugen eine tiefe Verstimmung. Trotzdem würde bas Ergebnis einer Volksabstimmung unter der 'Besetzung Zieligowski bei dem durch die Truppen ausgeübten ^ruS nicht zweifelhaft sein. i -- Die Ioint-Konferenz in Wie«. Ei»stell»«g der UnterMtzungen am 30. Juni 1921. Ueber den Verlauf und die Ergebnisse der Kon«?erenz der Jornt-Direktoren, die vom 1Ü. bis jd. November in Wien stattgefnnden hat, geht uns fol° jgender Bericht zu: Die Konferenz, an der über 20 Regionaldirektoren aus allen europäischen Arbeitsgebieten deZ Joint Di» siribution Committee, wie auch aus Palästina teilrrahmen, hatte die Frage zu prüfen, wie die sehr bescheidenen Mittel, über die das Joint Committee noch verfügt, aus die noch immer hilfsbedürftigen Länder aufzüteilen waren. Die Beratung war ursprünglich als eine rein administrative Besprechung gedacht, deren Gegenstand ein Austausch von Erfahrungen und Beobachtungen' sein sollte, der eine einheitliche Durchführung des Hilfswerkes und ein Zusammenarbeiten der Leiter der NotstarjdSgebiete betraf. Zu Beginn der Konferenz verlas jedoch der der» zeitige Generaldirektor für Europa eine aus New- York eingetroffene Kabeldepesche, die für die Anwesenden eine Ueberraschung brachte. Wohl hatte jeder schon vorher zeitweilig Andeutungen erhalten, die ihn auf den Zwang einer sehr weitgehenden Einschränkung.seines Tusgabcnbudgets vorbereiteten. Nichtsdestoweniger bildeten die ziffernmäßige Bekanntgabe der gegenwärtigen Finanzlage, die 'A u f n a h m e 11 ngarns in die Reihe der hilfsbedürftigen Länder, das plötzliche Auftauchen des Flüchtlingsproblems als. eine der Hauvtaufgaben des Joint Distribution Committee, und insbesondere die Notwendigkeit, sich für einen , rasche» sofortigen Abbau Lnd eine eventuelle vollständige Einstellung sämtlicher zur Linderung der augenblicklichen Not gewährten Unterstützungen vorzubereiten, eine Reihe von Leberraschungen. Man sah sich nach Mitteilung der New°Dorker Depesche lediglich vor die Ausgabe gestellt, darüber zu beschließen, in welcher Weise der R e st d e r amerikanischen Hilfsgelder auf die in Betracht kommenden Tätigkeitsgebiete verteilt werden solle, um möglichst nutzbringend für die Hilfsbedürftigen verwendet zu werden. Die Kasse der New-Iorker Zentrale verfugt gegenwärtig über drei Millionen Dollar. Dies sind sämtliche Geldmittel, die in btt Zeit dom i. November 1920 bis zum 1. Juli 1921 für Unterstützungen zur Linderung augenblicklicher Not in den elf Tätigkeitsgebieten Europas und Kleinasiens verfügbar sind und über die hinaus nach Ansicht von Kennern der amerikanischen Verhältnisse keine weiteren Fonds aus Amerika erwartet werden können. Diese Uebeczeugung leitet sich aus der Tatsache her. daß bereits vor zwei Jahren die Geldsammlungen täglich wachsenden Schwierigkeiten zu begegnen batten und daß sie im Vorjahr in verschiedenen Gebieten der Vereinigten Staaten wett hinter den niedrigsten Schätzungen zurückgeblieben. waren. Die Konferenzteilnehmer mutzten jedenfalls mit Tank anerkennen, daß sie rechtzeitig genug, acht Monate vor dem Versiegen der amerikanischen Hilfsgelder, verständigt wurden. Sie hoffen, bis dahin in heir Lage zu sein, viele von den teilweise oder gänzlich auf die amerikanische Hille Angewiesenen unabhängig zu machen. Die Konsequenzen der geschilderten finanziellen Situation wurden, ollen Konferenzteilnehmern eindringlichst vor Augen geführt. Es gilt nunmehü, einen energischen, mehr oder minder bescheunigten Abbau aller Unterstützungstätigkcit zur Linderung augenblicklicher Not. Die Versorgung mit MazzoLh muß eingestellt werden: für die Flüchtlingssürforge werden keine weiteren Geldmittel zur Verfügung stehen nab auch die Hittsouellen zur Unterstützung von Hochschu.ü.a sind verwiegt. Angesichts diesem Jachlogs beschloß die Konferenz eine Res olution, in welcher die versammelten Direktoren an die amerikanische Oesfentlichkeit appellieren, alles zur Aufbringung neuer Geldmittel euszuwenden, um eine Fortsetzung des vor sechs Jahren begonnenen Hilfswerkes des Joint über den Juni 1921 hinaus zu ermöglichen. Mese Resolution wurde telegraphisch nach New-Aork übermittelt. Die Wiederausbautätigkett, &uf die sich der Joint in Zukunft beschränken will, ioll unabhängig von der im Juni emzn stellenden Unterstütznngsvrbeit durchgeführt werden. Sie wird sich auf breitester Grundlage bewegen und im Sinne der von der New-Aorker Zentrale des Joint sestzulegenden Pri° tzivM ^litzSAep. p?erd^ Mitteilungen ans dem Publikum. , STATT KARTEN! VERMÄHLUNGSANZEIGE HEINRICH L SONNENFELD und FRAU, ß b. POLDI TAÜSKY, zeigen hiemit die Vier« nlhlnng. Ihrer Tochter, ELLY SONNENFELD mit Herrn MORITZ GRÜNSTEIN, Kwfaaim ans BERN, an welche am P.d uml Uhrnadim. inj Tempelgebäade la BADEN k. Wlea stattflndet Tcfegtaimae: Sotmenfeld, Baden bek What, Mayerjassd IM» U Mtz fflniidtr"' empfehlen sich als Verlobte Wien, im Dezember 1920 4cas jVla'zia Sucher \ David |fajer Berhometh Delatyn Terlobte Wen, im Dezember 1926 ftimsterdani Wien Antwerpen Erster grösster Säufer f&r Brillanten, Perlen Juwelen ©to. RabinowitsoBs, Juwelier 1. Bezirk, Maximilianstrasse 5 Telephon 8541 2. Bezirk, Stephaniestrasse 3, nur im eigenen Hausa Freitag 4 Uhr dk Samstag; abends geschlossen. Telephon 45140 B RILIANTEN. Perlon, Gold,Silber,Platten. Uhren Kauft nn4 TorianJt y7fi ETTER Botentnrmsir. ad, MarlahUferatr. 98 jae-Erster grösster Känfer—Mnaw i Brlllaaten, PerleDToiiren u. Jawelen1^ ■MS7 Juwelier FORST . Ssrechrzim IX.AISGrsfrasse 10 Tel. 80787 Praktische Öesehonk« ia KM-«MWÄ!!r Äplclwaron au. 1 Wülfer LL Feine Herrengarderoben “ÄTÄS'S beim Schneidermeister Rudolf Go«ds>telii, Wien, II., Taborstmse 54 Oegt findet 186% 781 Grosses Lager feiner Stoffe Telephon 484*29 maschinen — Billigste Preise 153 Leopold Sielnf&arl Wien, 1., Biberstr. 9 Telephon Nr. 4073/ V.lll Ihre Ein-': kaufe in: | Bevor Sie Herren leidem und Wfisch« nach \ J S12 Mass und konfektioniert sowie : : sonstigen Hcrren»]1/lodeart!Sce!n besorgen * i Besuchen Sie das Herrenmodehans I iA. 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Wiener Gemeindebezirkes, insgesamt bei dreitausend .Personen, darunter viele Jugendliche, auf verschiedenen Wegen, zum. Schwarzenbergplatz, um ■ dortselbst vor dem Hause der Industrie, in welchem zu dieser Zeit Unterhandlungen zwischen den Vertvetern der Arbeitgeber und Arbeitnehmer der Metallwaren«' bvanche pa'.tsanben, zu demonstrieren. Wahrend des Anmarsches hatte er» Teil der Demonstranten in mehrere RingstratzenkafftehSuser ein« zudringett versucht, war jedoch von der Wache hieran gehindert worden. Bei - .den Kaffeehäusern ■ „A t l a S« Hof", ,Lo low rat ring"/ „Prückl" und „Garten-- bau" wurden Fensterscheiben durch Steinwürfe ein geschlagen. Aus dem Schwarzenbergplatz wurde die Menge von der Sicherheitswache am Einbringen in baS Jnbustriehaus gehindert. Eine Fensterscheibe des Jndustriühauses wurde durch den Steinwurf eines DemonstrantLn zertrümmert. Mährend der Demonstra« tion fuhr ein Automobil der s r a n z'ö s i s ch e n Mili« tärmission, in welchem die Gemahlin und die Schwiegertochter des französischen Generals Hallier saßen. Über den Schwarzenbergplatz. Die Glasscheiben, des Autos wurden durch Steinwürse seitens der Drmon« stranten zertrümmert und hiebei die beiden Insassinnen durch Glassplitter an Kopf und Händen verletzt. Die Demonstranten wurden schließlich abgedrängt. Ein Teil derselben suchte in die J?mere Stadt zu gelangen, wurde jedoch durch die Sicherheitswache daran gehindert und schließlich zerstreut. Beendigung des Streiks der Musiker. 'Gestern abends fanden Verhandlungen zwischen den Vertrauensmännern der Aergnügungsetabli,'fe« mentsbesitzer- und dem Streikkomitee der, Musiker ddp Salynkapellen statt. Nach mehrstündigen Auseinandersetzungen bewilligten die Vertrauensmänner die von den Musikern gestellte Forderung eines Honorars von 150 Kronen für dis dreistündige Spielzeit per Mann und' Tag in den Etablissements der ersten -Klasse, 130 Kronen gegenüber den geforderten 135 Krone« für Etablissements der zweiten und 110 Kronen gsgen" über den geforderten .120 Kronen der dritten Klasse. Das Streikkomitee nahm diese Zugeständnisse zur Kenntnis und erklärte,.sie einer VollversammlMg.dsr.. Musiker zur Annahme, zu unerbreiten.; .. - Die Etablissementsbesitzer beriefen für Freitag eine Vollversammlung ihrer Mitglieder ein., um von diesen die Genehmigung der den Musikern g »machten Kon« Sessionen zu erlangen.' Sollten die Musiker das ihnen gestellte Anbot minehmen, so wird der Streik brS zur Beschlußfassung der Unternehmer unterbrochen werden. Heute dürfte bereits in allen Konzerllokalen wieder gespielt werden. Streiks in Linz. 3Ü»3,r 6. De^mber. Seit heute mittags ruht beL Verkehr , der elektrischen Straßenbahn vollständig» da hie Straßenbahner und auch die übrigen BediLnsteten der Tramway- und ElettrizitStsgesellschaft Linz in den Ausständ getreten sind. Wie die Blätter melden, ist - der Streik deshalb ausgebwchen, weil ein Mvto.vführer, der vor sechs Monaten einen Geschäftsdiener überfahren und schwer verletzt hatte, zu dr ei Monaten Arrests verurteilt und heute das erstrichterliche Urteil in der Berufungsverhandlnug vor. dem Landesgericht bestätigt worden ist. Wie man die Wv^nungsnot LeLßmpft. .J. / ES ist wiederholt versichert worden, daß die mit dLk Ansorderung von Wohnungen gefaßten Stellen eirgrseitS mtt der größten Rücksicht vorzugehen angewiesen sind, anderer-- frils Klemwohnrmgen verschonen sollen. Me dieje Anweisui-- gen wirken, zeigt der folgenbe Fall: Die Familie Joses Blcmkops, bestehend ans Mann, Frau und vier Kindern, bewohnt 'eine anS Zimmer und Küche bestehende Wohnung in der KlosterneuSurgerstraße Rr. 68. Es leben also sechs. Personenin zwei Näunien. Di'se Wohnung wurde dieser Tage vom Wohnungsamt .der' Stadt Wien angeforderi. Nun stammen die Betroffenen aus Buezacz, einer ostgalizischen Stadt, die sich stit mehr als Jahresfrist tm Zentrum heftiger Kämpfe zwischen Polen Und Nüssen befunden hat und heute» weil KrirgSgetiü, nicht zugänglich ist. Die Wiener Behörde kennt diese Tatsachen so gut wie wir./. Wer sie weist auS, fordert Wohnungen an, ohne sich für die Folgen ihres Vorgehens weiter zu interessieren. - Wern nützt die Beschlagnahme dieser arm'.i.5)Ln Wohnung? Die Sümlosigkeit d'ts Wütens gegen kleine Leute steht in einem aufregenden Widerspruch mit der Rücksicht, die Sei Bewohnern großer Wohnungen mit ' überflüssigen Räume« •' geübt wird. DaS inappellable Walten der kleinen Herr" götter in den Wohttun^Sämtem stimmt schlecht zu den Prin*» zipien einer Partei, die sich syzia.'demokratisch nennt, paßt aber ganz gut zu der Art, in der die Organe dieser Partei ihre soziale Derpsllhtung gegenüber jüdischen Flü^tlinge« ai'.kübcn. _ BkßEbreR und seine 3^—• Die Lrir.'u Jndrri sind nach Bdstarabi^u auS P ll'a ur.d Zwitylwb;m. 16. ^hrhrmdrrt m&eAmtiteu» NN M 97 2541