Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1920-12-05 · Heft 669 (5.12.1920) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 669 (5.12.1920)
Date
1920-12-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
84% known words query
IRI
…/2979076-2979416-2979747--05988-2991897
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Einzelpreis »L L WWWWWMWWSMWMNWUIMirrMMM^WMMI Präanmerytt-nspreise: Die«: firn» «kbpm m m Gpie-Mo». 2. ve-irf. Lad»». g«tze I tif ‘4, em ix ei*a veritliMßftrve,Tr,sik,: Movxtlt» . . Nrorie» «<».— Wmcticftrit« ooyltl P»ft*k»s«,» f*r Viru vmI Orfterrkich: ' Mrnatlt» .. ftroiieti RO»- 1 rschkLo-Lk-vokei: f ounittch . . Krone« t».— fmetfänrlirii * »O.« tsq«cho-ilo«»r»chrrvShruxs Ungar« V}««fltllA .. Kronen "O.— virrretiahrlt» ,, 9<W ■ in Mflftrifäet WLtznm, AvgaNaw,«: «»«rnch.. t«« «4«* «trrreitithrtt« . eittjdvvtis K £.30 mrrr PränvmerationspreiseS Brirm ■ ■ : l Monarli» .. Marl äW<4 OSicrselfofipNit» .» flKM ta ÖslntfÄtt Snttttf reupchlun»: «auarttch. Marl IM R»«ch>rr«r. _ ■ 1 MonalUch■. ■. . Krape- Ä Stilin: Monatlich . . .Eire Echwerrr' Monatlich. . . KremeS R edoMon «. 4tt«r«ik Wiev,^B«z.,^abor? Dele-Noner AdministrattoK S40 x. Redaktion 4331% «l» 6 Uhr abrsd» 9&« KK^P» 1 «oKK»«rraff»hß«t« Sir. 669 Wien» Sonntag, den 5. Dezember 1920 2. Jahrgang Das Fest der! Lichter. . Ä l e n. s. Dezember. <//.. Das kleine Lichtlein, das wir heute zünden, gemahnt '^8' jüdische Volk an eine große Tat. In. dem kritischen Moment unserer Geschichte, als-der syrische Eroberer *- durch brutale Gewaltmittel das ' jüdisch-kulturelle Eigenlieben, diese Insel im Ozean des Hellenismus, zu verachten versuchte,l fand sich unterlder Führung des Makka- ^ierpnesters. und seiner Söhne eine beherzte Schar, die Hm übermütigen - Tyrannen entgessentrat und, von Be- Msterung. erfüllte die Uebermächt seiner Heere brach. Ke Heimat. befreite und die Fortexistcnz des jüdischen Honderhüse'mS-gewährleistete. Kein.Denkmal hat jemals Aß heilige Befreierwerk verherrlicht, denn der alr- Wische Geist mit seinem Streun ins Absolute war Mcher Weile abhold. Aber währeMidie riesigen Tempel-, igp und Pyramiden, die DenkingM des schöpferischen Mistes uralter Kulturen, in WM Sinn erst von üHrmermüdem- Forschergeist enthüllt, herabschauen auf M Gräberstätten untergegangener-Dölkstümer. lebt die Mjmerung an die Helden unseres großen: Zeit in der unendlichen Kette; der aufeinanderfolgenden Generationen fort und bedarf nicht erst der Ausgrabung durch gelehrte Interpreten. ■ - Das kleine Lichtlein,' welches allenthalben auf der Welt, wo Juden leben, an diesem Tage erstrahlt, ist das schöne'Wahrzeichen eines lebendigen Volkes, welches ällen jahrhundertelangen Anfeindungen zum Trotz' - gebeugt. aber nie gebrochen, verkümmert? aber.entschlossen. Hrafl fü^ri sjeUen Aufgaben stets erneuernd, feinen Weg geht Lurch eme beispiellos finstere 'Geschichte und sich heute anschrckt, den' Staub Ahasvers von den. Füßen zu schüt- Mch Uiid das ist 'der Sinn des Chanukachunders, das spatere'fromme Legende In dem jüdischen Streben, auch die realsten und weltlichsten Ereignisse mit dem Neberindischen zu verknüpfen, der hefreienden Tat der Makka- Häm 'angeschlossen hat: Das kleine Krüglein mit dem heiligen Oe!, dessen Inhalt so viel länger reichte, als Man von' ihm erwarten mochte, war der Genius, des jüdischen Volkes selbst'und seine unzerstörbare LdbeNskraft, und das Wunder, das sich, erfüllte an unseren Vätern, reicht „von jenen Tagen bis auf diese Zeit", i -So.bedeutet die Chanukaferer nicht bloß die alljährlich erneuerte Erinnerung an die Rettung des jüdischen Polfes und des . jüdischen Geistes-aus der. Not des drohenden Unterganges, sie weitet sich zum Symbsl^für die rrrjs vom Schicksal gegebene Kraft ewigen Widerstandes pyd. steter.T-aner,,und die Weihe hes jüdischen Altars jvarbi nicht.' bloß, damals vollzogen. Immer undüberall, cho jüdische Jugend in. neuent»lammtem Idealismus die Verkrustung.des Alltags von sich abtun will und den wahren , jüdischen Gedankt den ihn entstellenden Schlacken zu säubevn unternimmt, überall, wo, sich das karstige schöpferische Neue gegen die bequeme Indolenz, gegen Verrat und. Abfall qnfznlehnen beginnt, und sich anjchickt., das'jüdische Volkslchicksa! aySder ihm drohen».', den Ghettoenge den dreien Weg seiner Bestimmung, hinauzuführcn. überall dort weht ein Hauch -es alten Makkubäergeistes. .. . So-war es die neujüdische Bewegung des Zionismus»? welche) es -mit! Erfolg. unternommen hat..’ rmserem Volke, die ganze Bevölkerung seines Lichtweihfestes inS Gedächtnis, izurückzurrrfen, so wie sie es mar, welche in sausenden von: schwachen und irren'Herzen ein neues Licht des' Glaubens und l der Begeisterung, eine unsichtbare Menorah entzündet hat. " - In einem enfscheidurlgsvollen Augenblick begeht heute däS jüdische Volk sein Chanükafest. Während Unzählige von uns den härtesten Verfolgungen einer finsteren, -verruchten' Zeit ausgesetzt sind, unser Volks- ■ ^vrp?r aus. tairsenden frischen Wunden blutet, Mord und Verwüstung im 'Osten''umgeht.' 'will' dem jüdischen Äolk fin "der, alten Heimat ein nerres-Licht aufleuchten. - -eigen sichim 'Osten' die Umrisse der.'-w^ede'rerrungenen Heimat. "Noch ist uns Erez Israel nicht Heimat, noch ist das jüdische Volk ohne.Heim, doch was' wir nach langer, zäher Arbeit errungen haben, ist das Bewußtsein, daß es von.uns abhängt,' westn unser Volk vom Fluch der Heimatlosigkeit: aus der alle unsere Nöte entsprisigen, erlöst werden soll. An/ uns liegt. eS nunmehr: heweifen. daß der alte Rebellengeist der Makkahner. oiq nichts von einer Passivität gegenüber einem mach. : tiger scheinenden Schicksal wissen wollten. Nöck nicht er. Uor wichtlgW €nl$cbcidungen W o rsch E U, 4. Dezember. (Polrr. Tel.-Ag.) Der Spezialberichterstattev des „Kurjcr Dorannh" in Mqn meldet: Drs KoufereNz in Riga vefirrdet sich <rm Vortage wich L i g e r Entscheid u n g e n. Die merrto'.i chrn Arbeiten schreiten rasch vorwärts, w>s zu rer .Hoffnung berechtigt, daß sich die Verhanvlnngcn der Fesilegung der Grundsätze des Friedensvertrages «Stzern» In der Friedenskonfsr^nz in Riga hat Joffe in einer langen Rede ansgeführt, dgtz bis polnrschrn AnsPrüchr auf MiederhersteLÄn-' gen und Rückgaben vermindert tverde« müssen, da die finanzielle Lage Rußlands ih«' nicht ^eftatle, die während des Rückzuges ver-! nichteten Objekte zu ersetzen. Von völnischev Seite ist keine Bereitwilligkeit zu bemerßtn/ ans den Vorschlag einzugehen. Buffalo, 2. Dezember. (Jüd. Korr-Bur.) Die Beratungen des Kongresses dc'r amerikanischen Zion!st?n befaßen sich vornehmlich mit den-auf die KmerMn'ichzionistische ' Organ'sation enrfalkenden Aufgaben der Palästina-Ar beit. Die Referenten der Pa.lc.sti..a- K-ommijsion en!wirkelt?n eine NcW von Plänen und Projekten für -p"aklische,"g7ctzzügigK' -Ärbeit'..,- sofür die Errich' ung. von Kälb- GMkM'Miege-/- MM,"ferirör'-VerkM i*; unt^rnc^mün3-cn, Ebenfö ist die Gründung einer H y Pot h e k e n b a n k vorgeschla'en. Die Vorschläge der Exekutive wurden mit begeisterter Einhelligkeit angenommen. Auch betreffs der demnächst aufzunehmendcn Staatsanleihe seiiens der palästinensischen Regierung wurde beschlossen, daß die amerikanischen Zionisten aüherordenttiche Änstrengungen zur ac.iven -Förderung der Regierungsanleihe Palästinas machen müssen. Amerika hat hiefür'den Mindestbeitrag von zweieinhalb Millionen Pfund ' Sterling aufzubringen. , Die Del? gier'.en haben für den Ke r e n Hajes s yd ein sehr lebhaftes Interesse bekundet. Einzelne Delegierte bemängelten die unk.are Haltung der Exekutive diesem Fonds gegenüber und warfen, der Lci'ung passive 1 Resistenz vor, obwohl der gegenwärtige Moment die amerikanischen Zionisten vor ungeherrre. Verantwortung. steil tu nd die größten Opfer erheischt. Schließlich. einigte sich der Kongreß auf die Resolution, daß d'.e Spenden und Investitionen auseinanderzuhalten und nicht in einem Fonds zu vereinigen seien. Dirse Resolution betont insbesondere, daß sämtliche größeren Spenden und Widmungen in den Bereinig en Staaten für den un er dem Namen „Keren Ha'essod" eingetragenen Fonds gesammelt werden sollen.', Die Frage der kapitalistischen Unternehmungen) lryd der Investitionen zu diesem Zwecke löste eine überästE lebhafte Debatte auf seiten des linken FlügolK aus. Dr. Gal^n forderte namens der Ze'.rei Zion,-dM die amerikanische zionistische Organisation.ber ÄbfassunjE der Statuten für diese Privatgesellschaf.en ihren-ganzeH) Einflüße für die iAüfnahine von BcstimmungM/. zUr vsi ^Sicherung ^L ofsentlichert Interesses ' -i' des jüdischen Volkes in' Palästina anfbieten soA. -8hrHdiese'-Gesellschaften dürfen ausfchlisZl-ich im Geiste W ' sozialen Gerechtigkeit, ihre Tätigkeit.inr Laflü«:. entfalten, Klassengegensätze vermeiden, den jüdifchen/Är». bertern Beschäftigung sichern, und ihnen in der Mv»' waltung der Betriebe Sitz und Stimme grwähren.Hiefe: . Anträge wurden mit 117 gegen 99 Stimmen änge5 nommen. . ' | * In der Debatte über den Rechensiha-ft^ bericht entwickelte sich auch eine scharfe Kontrovers^ .zwischendem Rew-Uorkcr Delegierten Dr. Rewman uWi dem Präs'denten Richter Mack. Dr. Newman warf her Leitung Unentschlossenhcit und Eigenm achtigkert' gegenüber den Beschlüssen und Anordnungen der Low» d o n e r E x e k u t i v e der Zionistisch. n W-Ätorganisation vor und forderte eine kategorische Erklärung, dqß' in Palästina kein Schritt ohne Zustimmung der Weltorganisation in London unternommen werden wirß. Mack erklärte neuerdings, daß die amerikanischen Zionisten keinerlei Absicht haben» sich separ-.* t i st i sch zu betätigen. Am Ko ng reß nahmen auch Oberr 'chter B r a n d e i s',,i Mrs. Fels, Nathan Straus, Professor Franks . furter und Rabbi'Dr. St. Wife teil. storben ist. Zion kann, nur durch Opfer ersteben und es wartet auf unsere Opferwilligkeit und Tätbereitschaft. Nur wenn sich das jüdische Volk heute, da unser Geschick auf der Schneide steht, der Größe seiner Aufgaben gewachsen zeigt, kann das ungeheure Werk gedeihen, ein Volk nach zweitausendjähriger Entwurzelung mit dem Mutterbodchr zu verknüpfen. So sei uns die Flamme der Chanukalichtlein das Symbol eiTler mächtig emporlodernden jüdischen Begeisterung. deren Glut stark genug sein -muß. die zerstreuten Glieder unseres Volkes für alle Zeiten zu lebendiger Einheit zusammenzuschweißen. * ' Oesterreich litt Völkerörmd tmfgenoMmen. Genf. 4. Dezember. (Tel.-Komp.) Der -Fünferausschu"; des Völkerbun'xs hat den Antrag, O sterve'ch in den Völkerbund auszunehmen. e iystrmm ig angenommen. D e Au.fnahme Ungarns und Vnlg'.ri.ns erregte großen Wider.,prnch. Nur Frank eich, England und I al'cn befürworteten die Ausnahme. Die Hiifr!?. sirmg für Dssivkrlr. > -Die Konferenz der Ententem-'i-ister. die g.-genwartig in L-ondon tagt, beschäftigt sich auch, mit der Lage [ Oesterreichs.' Dies ist ein Erfolg der Bemühungen des Leiters d:2r. Reparationskommission in Wien Herr» Good sowie der inzwischen ersotgten Aufnahme Oesterreichs in den Völkerbund. Auch in Paris befaßt'mich sich mit dieser Frage, und es fand vorg.stcrn .ini Ministe rium des Aeußern eine Sitzung statt, an der auch der französ'sche Gesandte inWien, Lerfövr e-Pontali-D und Finanzmiuistev Marsal teilnahmen. ' . Die Londonek „Daily News" schreiben: Das Schick sal Oesterreichs wird wahrscheinlich in der Versamm lung.der Enlentenlinister entschieden. Die Fr^ageist Soll man Oesterreich ejine Anleihe gewähren, die aus reicht, nicht nur feine unmittelbaren Bedürfnisse zr befriedigen, sondern es auch in die Lage versetzt der Zukunft ins Auge zu b lick.en, odor wich man es allein den hoffnungslosen Kampf .fortsetzet lassen? Der gesunde Menschenve.stand läßt nnr. eim An.wort zu. Es ist einleuchtend, daß Oesterreich, wenr es nicht die finanzielle Unterstützung der Entente erhält. als Staatswescn zugrunde gehen muß, und.birst Alternative bedeutet die keiucsivogs entfernte Möglich> keit eines erneuten Kriegsausbruches in Europa, «ech wirtschaftliche Erschütterungen, das Versperre» dtzj Handelsweges nach dem Orient und weitere Folgen die man nicht, ab sehen kann.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.