Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 667 (3.12.1920)
- Date
- 1920-12-03
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Ne 667 Men. Freitag Wiener Msrgevzeitung t Dezember 1920 Setter Zionist i s c h e s, ti an des te o m i t e e füg Oester rei eh den 5. Dezember 1920,7 Uhr abends, im grossen Saal des Konzerthauses, I. Bezirk, Lothringerstrasse 20 O O K O O ' .? n 0 o RAMM: i L. Festrede. 2. Karl Ootz vom Deutschen Volkstheater, Rezitationen 3. Konzertmeister Josef Zimbler, Trio (mit Käthe Koller und Hugc Kreisler). 4. Prof Jul us Wolfsohrt, Klaviervorlräge. 5. Wiener jüdische! Gesangsverein (Chormdster Piof. Leo Erdstein), Hebräische Lieder Karten sind im Zionistisch«!] Bureau, II., ZitUasgme 3J, bei & LÖwit, I,, Kotenlurmstrasse 22 nnd bei *Aidn», IL, Taborstr. 3 crhlltliel / zeichnen, wie sie es Her deutschen Negierung gegenüber tue. Das sei eine Beleidigung der deutschen 'Republik. Es gebe keine ungarische Regierung, es gebe nur Unterdrücker, Tausende werden in Ungarn g Henkt. Trotzdem verhandle die deutsche Negier ung mit Mördern. Minister des Aleußern S i mons führt aus: Wir hüben nicht das Recht, das Zustandekommen von Verträgen von der Verfassung abhängig zu machen. Die Bezeichnung „königliche Regierung" entspricht der Ungar i s ch e n Verfass u n g. Infolge der Unruhen in der Tschecho-Slotvakei sind auch deutsche Reichsange-, hörige in Mitleidenschaft gezogen worden. Die Tschecho- Slowakei hat .Entschädigung zugesagt. Auf die Handelsbeziehungen zu Rußland, will ich zu einem späteren Zeitpunkt 'zurückkommen. Hierauf wird die Gesehes-vorlage in allen drei Lesungen angenommen. Das Haus tritt sodann in die Meiterberatung des Etats ein. Italienische Blockade Fiumes. Rom, 2. Dezember. Nach der „Epöca" hatte der Kriegs- , minister lange Unterredungen mit dem König und mit Giolitti über die Entwicklung der Dinge in Flume. Die Abreise Vonomis nach Genf,' wo. er an der Völkerbundversammlung teilnehmen sollte, wurde auf unbestimmte Zeit vertagt. Rom, 2. Dezember. (Stefam.) „Messaggerv" meldet: Gestern versammelten sich 20 Emh.i.en der Eskader von Pola auf der Reede von F iü me, um eine Demonstration zu veranstalten. Die Schisse, dir von den Legionären mit Gewehrfeuer empfangen wurden, kehrten fobouit auf ihre Ankerplätze zurück. . ' ' Während der DemonstrWyn hrelt h'Annunzio an die Volksmenge eine Ansprache, worin er erklärte, Bruderblut werde nicht vergossen werden. Rom, 1. Dezember, (stefam. — Verspätet eingelangt.) Die heute . nachnlittags bekanntgewordene Nachricht von' der. Verhängung der Blockade gegen Fiume hat in 'allen Kreisen einen sehr vorteilhaften Eindruck Hervorgerufen, da man darin einen Beweis für die, Absicht der Negierung erblickt, mit der größten Energie,horzugehen, um .dem Vertrag von Rapallo Geltung zu * verschaffen und eine endgültige Beruhigung herbeizuführen., . - Die Blockade hat den Zweck,: eine Verletzung der. im Vertrag von Rapallo festgesetzten Grenzen dyrch die Legionäre d'Annunzios zu verhindern, ohne daß hiedurch der Handelsverkehr ^in Mitlridenschaft gezogen .werden soll.' Rom, 2. Dezember. (Funkspruch.) Aus Fiüme wird gemeldet, daß der Führer der Fiümaner Legion,.Hauptmann V e n t u r i, in einen Anrede an die Bevölkerung erklärt habe, die nach Sussak führende Brücke sei. untermi.liert und werde in die Luft gesprengt werden, falls reguläre Truppen öersuchen würden, in die Stadt cinzurücken. Tagung der WirtschastsKvMMissisu. Am 1. Dezember fand im Bundesnnnisterium für Volksernährung die sechste diesjährige Tagung der Wirtschaftskommission statt. Die Beratungen der Kommission wurden durch den Minister für Volksernährung, Dr. Grünberger, eingeleitet, der die derzeitige Ernährungslage ausführlich schilderte und' auf die bekannten, in rrster Linie in den Transportverhältnissen begründeten vndauernden Schwierigkeiten hinwies. An das Referat des Ministers schloß sich eine lebhafte Diskussion. Die nachmittägige Beratung der Wirtschaftskommission hatte das von der Reparatlonskommisston der Regierungvorgelegte Kartoffelprojekt zmn Gegenstände, zu dem sich die Berichter der Produzenten und Konsumenten eingehend äußerten. . Fünfkircheu — Faustpfand für die Erfüllung des Vertrages VE Trianoü. Die gewesenen' Minister der Oärolyi-Rcgierung Dökar Iaszi und Belä Linder/ welch letzterer' bekanntlich gegenwärtig Bürgermeister der von den Jutzoslawen noch immer besetzten Stadt F ü n sk i rchen ist, sind, wie dem „Beesi Magyar Ujsag" berichtet wird, von ihrer-Belgrader Reise zurückgekehrt. BÜrgermeisW Bela Linder äußerte sich über das Ergebn's dieser politisch wichtigen Reise einem' Journalisten gegenüber unter anderem: „Die Verhandlungen in Belgrad standen in engem Zusammenhang mit der ungarischen politischen Lage und dem künftigen Schicksal von Fünfkirchen und dem von den Jugoslawen besetzten Teile teä KoMMtz Ua r a.n,y a. Ate Ansicht der maßaeben-. den Belgrader Kreise geht dahin, daß Ungarn nur der Ausbau einer vollkornmenen Demokratie die innere Konsolidierung und ein friedliches Verhältnis zu. seinen Nachbarn zu bringen vermöge. Die ewige,, Bedrohung durch die NeaUön>'Welche die WiederkeW der Habsburger im .Gefolge hätte, - soll auch durch den Vertrag von Rapallo unmöglichgemacht werden/" .<> Hinsichtlich der Ri'umung von Fünfkirchen und der Bäränya stehen die Belgrader Regierüngskroise auf dem Siandpunkt, daß Jugoslawien die Besetzung dieser Gebiete aks ein Faustpfand für' die Erfüllung des Trianoner Friedensvertrages betrachte und dem^ nach die besetzten Gebiete /nicht eher räumen werde, als bis Ungarn sämtliche Bestimmungen des Vertrages von Trianon erfüllt haben>tzvird. Fünfkirchen soll auf Grund des. diesbezüglichen internationalen Haager Uebereinkommens völlige .Autonomie erhalten. In diesem Sinne schreiben auch das halbamtliche Organ der Regierung,, die „P r a v dund das Blatt der demokratischen Kartei „Rjee"« verMisnSesl ' ' . Budapest, 2. Dezember. (Ung. Tel.-Korr.°Bur.) . Nach der dritten Lesung des Gesetzentwurfes über die Geldinstitutzentrale meldete Minist^erpräj i° de nt Graf Teleki die Demission des Kabinetts an..Die Ursache der Demission liegt darin, daß sich das Kabinett mit dem Finanzminister, der gestern bei Beratung der Gesetzesvorlage über.die Geldinstitutzentrale niedergestimmt' wurde, solidarisch erklärte. Die Nationalversammlung wurde bis zur Lösung der Krise vertagt. Bekanntlich bestand seit längerer Zeit in der Nationalversammlung gegen den Finanzminister eine gewisse Animosität, und zwar wegen der ungeheuren Lasten, die er infolge des verlorenen Krieges den Steuerträgem aufzuhürden gezwungen, war. > - Der Reichsverweser hat die D e m i f f l o n der R eg rerung angenommen und sie mit der Weite''» führung der Geschäfte betraut. - - Die Demission der ungarischen Negierung ist nicht überraschend gekommen. Unter normalen Verhältnissen' hätte der Zwischenfall Ereki - Koranyi sich gar nicht ereignen körmen und wenn eine solche UeLerraschung auch eingetreten wäre, so wäre die Krise eventuell mit der Opferung des Finanzmimsters leicht zu überwinden gewesen. Die ungarische ' Regierungspartei in ihrer heutigen Zusammensetzung ist schon längst reif für den Zerfall, denn sie ist aus den Politisch chetewgensten Elementen Zusammengesetzt und wurde bisher stur -auf der sehr schwanken Grundlage des sogenannten chMlichen Kurses zusammengehalten. Einen viel, stärkeren' Kin bvldste die allen Parteien gemeinsame Erscheinung,' in jeder dieser Gruppen gerade an führender Stelle Politiker standen, die durch ein starkes Sündenregister an Korruption belastet' sind. Jeder weiß vom anderen zuviel, als daß er sich getraut hätte, in ehrliche Opposition zu gehen und eigene Politik zu machen. Er e k.i gehört mit seinem Freund F ri ed rich jedoch zu den Leuten, die. die schworsrwi egenden KorruptionsstüLchen auf dem Kerbholz haben und wiedecholt so bloßgestellt wurden, daß es . ihnen schon gleichgültig, war, wie die Sache enden würde; darum hämmerten sie tagtäglich cm den Grundfesten der Regierungspartei, bis eS ihnen gelang, zunächst die Regierung zu stürzen und in weiterer Folge die Regierungspartei zu zertrümmern. Was den Anlaß selbst betrifft, so redet' das Ungarische Telegraphen-Korxespondenz- Bureau bewußt an der Wahrheit vorbei, wenn es sich bemüht, die Unpopularitnt deS Finanz Ministers Kor a n h i als Ursache für die Niederlage der Regierung in der; Nationalversanrm lung hinzustellen. In Wirklichkeit hat es sich bei dem -Gesetzentwurf über die K re ditinstitute um vreil tteferliegende prinzipielle«- Fragen gehandelt. Frnanzminister Koranhi weiß es aus der Geschichte Ungarns, daß, wenn der Gründung von Bankinstituten nicht durch ein Gesetz Einhalt geboten wird, die vielep-politischen Panamiston, welche heute in Ungarn auf der Oberfläche schwimmen,., sich auf dis- Provinz.werfen, sich, durch verschiedene zweifelhafte 'Gründungen bereichern, daL Volk ansrauben und Ungarn wictfchaftlich noch tiefer herunterbringerr würden, alö eö schon ist. Ungarn droht nach Ablehnung dar Regierungsvorlage eine Flut. «ch r i st i i ch e r G c m e i nd ab a N k e n" und sonstiger Gründungen, dürch welche die Obcrpanainisten Friedrich. Ereki und ihre Hintermänner ein großes, viele Millionen umfassendes und verschlingendes Geschäft in die Hand bekommen würden. In Budapest ist eö.ein offenes Gehcimms, daß die Regierung die Gesetzesvorlagc, über welche sic gestolpert ist. mcht aus freien Stücken eirrgebracht hat, sorwern hiezu durch ausländische Finanzkreisc veranlaßt hat, sondern auf die Gefahren hinwiesen, die den: ungarischen Kredit durch die un Zuge befindlichen und geplanten Gründungen sogenannter «ch r r st l i ch e r" K r e d i t r rr st i t u t r drohen. Ksranyr w'll nicht mehr mittnn. Budapest, 2. Dezember. (Privat.) Der Finanz- .minister K o r a n y i, dessen gestrige parlamentarische Niederlage die Ursache der Kabinettskrise geworden ist,' will unter keinen Umständen mehr yüf seinen Posten zurückkehren. Als sein Nachfolger kommt Staatssekretär K.allay oder der Direktor der Britisch-ungarischen' Bank Urbanowitsch in Betracht. Sollte auch der Nekonstruktionsversuch scheitern, dann wird Graf Teleki den Grafen Stephan Bethlen als Nachfolger Vorschlägen. Jedenfalls steht man nicht nur einer Regierungskrise, sondern auch einer Parteikrise gegenüber. . Die Karlisten und die Anti-Habsburger sind scharf aufeinandergeraten und als Symptom für diesen Konflikt gilt die Tatsache, daß Prinz Ludwig Wi nd-ischgrätz heute seinen Austritt aus der Regierungspartei angemeldet hat. Pallaviernr. — Mißlungene Mn§herungSversuche an Jugoslawien. — Die Geldinstitutzentrale.! Budapest, 2. Dezember. (Ung. Tsl.-Korr.°Bur.) Vor Eingang in die Tagesordnung ergreift Abgeordneter Aladar V a l l a das Wort und polemisiert gegen dis gestrigen Ausführungen des Markgrafen Pallavacini über die auswärtige politische Lage. Er verwahrt sich gegen den Vorwurf Pallavicims, die. äußere politische Situation wäre durch diejenigen Kreise, verschlimmert worden, die um die Gunst der Entente bulten. Auch Pallavicini hätte in Wien Beziehungen zu dem englischen'Oberst Cunninghame gehabt.Balla informiert hierauf das Haus über die Annäherungsversuche einiger ungarischer Abgeordneter, die unter seiner' Führung mit Jugoslawien Fühlung gesucht haben. Diese Bewegung sei infolge des Standpunktes der ' öffentlichen Meinung und gewisser Negierungskreise ab-.' geflaut. Hierauf tritt das Haus in die Behandlung der Gesetzesvorlage über die Geldinstitutzentraleein. Der Gesetzentwurf wurde in dritter. Lesung mit ' Auslassung des Restes des § 16, mit dem die gestern angenommene Abänderung Ereki im Widerspruch steht,' '* angenommen. M jf Ministerpräsident Graf Teleki teilt södann dis'" Demission der Regierung mit. 'p} Budapest, 2. Dezember. (Ung. Tel.-Korr.-Bur^ Der Minister des Innern hat die Autonomie der Budapester Zentrale und der Filialen - des Vereines ' „E r wachende Ungar n", die bisher aufgehoben - war, durch eine vom heutigen Tage datierte, an den-' Bürgermeister von Budapest gerichtete Verordnung bei' weiterer Aufrechterhaltung der Untersuchung wiederhergest ellt. _ ' Moskimer Frorrtdericht. ' Moskau, % Dczewber. (Funkipruch ) Frontbericht: An brr N o r d f r o n t keine Veränderung. W oft I r o n l: Im Rayon von Lnnin'ec hiben unsere Abteiiungrn de neue D e nt a r k a t i o n § l i n i e vom Orte Lemno längs des Finsses Stutsch' bis znm Orte Turowo bezogm. Cüdwestfronr Im Gebiete von Schtschastuvl wurde dte Ortschaft Knpelbesetzt. Äre Vonväl'sbewcgung uuscrcr Abteilungen ans die DenrarkationStinie'wir'd fortgesetzt. An den übrigen Fronten keine BcrÜnde-ung. - - ' AbgeordneLsr Remele enthaftet. Mürrchn, 2. Dezember. Der nLukomnmllistischs Ab-', geordnete N e m e l e, der vorgesterlr hier nach einer Ver-1 ,'ammlungSrede vcrbaftet worden war, ist im Laufe der, gestrigen Nacht nach dem Einlrefftn des Beschlusses deD'. Reichstages ans der Haft entlassen word.es>. Rcmele ist beute friili nach Berlm abLercist. 04750771