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Wiener Morgenzeitung · 1920-12-01 · Heft 665 (1.12.1920) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 665 (1.12.1920)
Date
1920-12-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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fltr 665 Men. Mittwoch Wiener Morgenzettung 1. Dezember 1920 Selte n Zioni stisches L an d esk o m i t e e für Qeste v g eie fci den 5, Dezember 1920,7 Uhr abends, im grossen Saal des den 5, Dezember 1920,7 Uhr Konzerthauses, 1. Bezirk, Lothringerstrasse 20 ' O O O O V: P R O O RA M Ml 1. Festrede, L. Karl Öötz vom Deutschen Volkstheater, Rezitationen 3. Konzertmeister fosef Zimbler, Trio (mit Käthe Koller und Hug\,, Kreisler). 4. Prof Jul us Wolfsohn* Klaviervorträge, 5; Wiener jüdische Gesangsverein (Chormeister Piof. Leo Erdstein), Hebräische Lieder 8303 , ■' ‘V Karten sind im Zionistischen Bureau, i!., Zirkusgasse 33 und bei R. LÖwit, I , Fleischmärkterhältliel Die andere Zuschrift derNeparationskomckissron befaßt sich mi,t der Bildung einer Kommission für die Ersparnng in den Haushalten von Staa.t, Hand und Gemeinde. ' , Die Reparativ nskommission schlägt die Einsetzung einer von der ' Negierung ' zu ernennen' e.t Kö m- Mission vor, welche Studien über Ersparnisckcrß? nahmen in den erwähnten Belangen durch Abban, der Zahl der Beamten. Vereinfachung der Geschäftsgebarung usw< anstelle» soll. . si / Die Reparativnskommission würde in diese Kommission zwei Delegierte mit beratender Stimm« entsenden.; : i. ,, i .!; Landtag von Niederösterreich-LanV. L'tznna vom 30. Novrmber., Das Vandesvrrfassmrgsgrsttz. In der gestrigen Sitzung gelangte das Gesetz über, die Verfassung des Landes Ni e d e r ö st e r r e i ch - L a n d zur Beratung; in , dasselbe wurde auch das, Gesetz, betressend den Uebergang zur Verfassung, einbezogen. Das Referat erstattete' Abgeordneter Sega r, welcher, darauf hrntvies, daß durch den Artikel 2 der Bundesverfassung das Land Niederösterreich . in zwei Landteile geheilt würde, und daß sich 'die 62 Abgeordneten des Landes,. Niedcröstervei'ch in / der Sitzung Pom 10. November als der Landtag von Niederösterreich-Land konstituiert haben. Der Derfassungsausschuß habe nach'Ablehnung eines Entwurfes der großdeulschen Bereinigung sich für den der christlichsozialen Vereinigung entschieden und diesen als Grundlage für seine Beratungen, angenommen^ . Abgeordneter Segur bespricht nun die Bestimmungen öeS Gesetzes, .welches, sechs Hauptstücke .enthält, worauf die Generalf und Spezialdebatte. unter einem abgesührt wird, Räch VerzichtöeS Berichterstatters, auf -das Schlußwirrt wird das Gesetz in feinet Gänze a n gen o nt M en./ Ebenso wird ein Zufatzanträg des Dörfässungsausschüffes, wonach dem Lantzjag das Recht zuerkannt wirh, ein Verwaltungsreformgcsetz selbständig zu beschließen und durch» zu führen, wenn der Nationa'.rat das Bahnengesetz' bezüglich der Gemeindeverwaltung nicht bis zum [ 10. März 1921 . erledigen sollte, ohne Debatte genehmigt. Schließlich -gelaugt der Antrag des Verfassungsausschusses, das Landesgesetzblatt für'bas Land Niederösterreich" betreffend, zur Annahme., - ' Abgeordneter Segur begründet hierauf die Dringlichkeit seines Antrages, betreffend' die durch das Bun'desversassungsgesctz bedingte Äenderung in der Zusammensetzung der niederösterrcichischen LLndeslehvcrroMmission. . Dem Antrag wird gleichfalls, hie Dringlichkeit zuersaunt und Abgeordneter Se gu r weist darauf hin, baß der Antrag von größter Wichtigkeit sei, weil das Land nach Annahme der Verfassung sogleich nach ynßenlfin mit den ersten Schritten einsetzen müsse, um der Bevölkerung zu zeigen, daß es gewillt sei, ein selbständiges StaatenLasdin zu. führen und von den ihm zuerkaimten Hoheitsrechten Gebrauch zu machen. Der Antrag wird auch im Meritum angenomrne» und die .Sitzung hierauf geschlossen..;l Das Präsidium k»cs Landtages Nirdcrbsterrcich-Land. An diese Sitzung schloß sich gegen 6 Uhr eine zweite, in welcher die Wähl des Präsidiums vorgenommen wurde. Z»m Präsidenten wurde Abgeordneter I ü ke!, zum zweiten Präsidenten Abgeordneter Ofen böck und zum dritten Präft-' deuten Abgeordneter Mitt e r m a n n gewählt. ' Zum Landeshauptmann wird Abgeordneter 'Johann Matzer gewählt. Die Staats angestettten berm BmideslranjSer. ' Gestern sprach eine Abordnung" d>-s ZentralverbäDcS österrelchiich'^ Staatsangestelltrüts Linigungen unter Führung des Obmannes Schidl b^im Bundeskanzler D.r. Mayr in Angelegenheit der. Brsoldungsreform vor und übermittelte deck BundcskanZler die Emwendungen und Wünsche des Verbandes zum neu'en Bösoldungsentwnrf. Der Verband nahm zunächst entschiedene Stellung gegen dir Absicht Bundes-. Ministeriums der Finanzen, dem ncueu Besoldungsentwurf das rein« Derwendungsprinzip zugrundezulegrn. _—: Das Problem Oesterreich. Während die Wiener Presse taub und stumm an ' der Frage der Balkanisierung Mitteleuropas,, welche durch die Zerschlagung . Oesterreichs hervorgerufe.r wurde,' vorübergeht und sich damit "begnügt, einfach nachzuplappern, was die unterschiedlichen. Tagespoütiker in Wahlreden orakeln, bringt die ausländische Presse dem Problem steigendes Interesse entgegen. Die Ansicht, daß es über kurz oder lang zu einer Interessengemeinschaft der neuen Staaten, sei es einer rein wirtschaftlichen oder, auch politischen, kommen muß, wenn nicht Las Elend und die Kriegsgefahr ewig dauern sollen, wird draußen, vorherrschend. Die französische und die englische Presse wenden dieser Frage schon lange viel Aufmerksamkeit zu, und nunmehr macht sich die Erscheinung' auch in der.deutschen Presse geltend. ' So schreibt die VerMer Mesibühne": ' »-Bekanntlich hat Bisckarck gemeint: Wehn Oesterreich noch .nicht existierte, so müsse man — um der Ruhe Europas willen etwas dergleichen erfinden. Kaum zwei- Jahre nach der Zerstörung' der Donau-Monarch-ie beginnt sich die Richtigkeit dieser Auffassung zu zeigen. Herr Benesch versucht mittels der sogenannten Kleinen Entente, einen- Pätent-Oesterreich-Ers atz . zu konstruieren,, noch bevor es. chm rechte gelungen ist, seine Erfindung durch gew'tz^ Commis Voyageurs von Schlage Take Jonescus an den Mann zu bringen. Und mm heißt es gar, daß in Preßburg oder einer ähnlichen zentral gelegenen Stadt die.sämtlichrn L u. k. Nachfolgestaaten zusammentreten werden, um sich über Zoll-, Post-, Valuta-, Eisenbahn- und verwandte Fragen' ökonomischer Art zu unterhalten und möglichst zu s einigen. Es ist immer dasselbe: ob Donaubund französischer Observanz oder Kleine Entente Prager Konstruktion oder gar Zoll-, Münz-, Bahn-, Post-Union von Danzig ''bis Dalmatien es geht > nun einnral nicht ohne Oester- . herch." Dest'tsDcknd' täte güt daran, die Phönixgelüste' des Doppeladlers, frühzeitig und wohlwollend in Erwägung zu » Ziehen, Ueberkurz oder lang liegt vielleicht'hier das Rhodos, ' 'von' dem aus ein halbwegs kräftiges Mitteleuropa wieder Sprünge m die Welt unternehmen kann. Wenn auch'ohüe. . ble Phatasten eines Naumann und ährrtzcher Märchens Erzähler von Berlin bis Bagdad." TelLgraMM^ Die Wahlen in Iugoflawreir. Erfolge der Radie Partei nnd der Kwmmrmiften. . Belgrad, 30.. November. (Südfiaw. Prr'ßbur.) Don AMtern zufolge erscheinen bisher gewählt: 100 Radi k a l e, 90 Demokrat&n, 35 Ko m m u n i ften, t25 Mitglieder der Vo lksp a rLei, 25 Muselmanen,. ]26 Mfiglieder der Bauernparter,. 54 Mitglieder .der N a d i c - Partei, 6 Mitglieder der Kroatischen 'V e r e in l g u n g. L-ailiach, 30. November. Nach dem bisherigen nichtoffistellen Ergebnis entfielen bei den Wahlen in die Konstituante in Slowenien von. 40 Mandaten 15 auf die slowenische Volkspariei, 8 auf die selbständige Bauernpartei, 6 auf die Sozialdemokraten, 6 auf die Kommunisten, 3 auf die jugoslawische D'emokratenpartei und zwei Mandate auf. die Nationalsozialisten. Esfatzs MVrder frei gesprochen. Paris. 30. November. (Havas.) Der Mörder Essad Paschas, Äveni Nustem, wurde freigesprochen. Keine Verhaftung amerikanisch-jndftcheir Delegierter in Nutzland. LonDan, 29. November. (Jüd. Korr.--Bur.) Die Föderation der ukrainischen Inden in England erhielt ein vom 19. d. M. datiertes Telegramm aus Moskau, daß die Nachrichten, über die Verhaftung der Delegierten das Kmerikanisch-lüdischen Hilfswerkes unwahr sind. Das Telegramm, das von den kanadischen Delegierten Mr. S a l z m a n n.und Mr. B a l k i n selbst unter^eichneL ist, teilt im.'G-egenteil. mit,, daß sie sehr freundlich in Moskau ^eckpsangen wurden und die Haltung der Sowjetregierüng ihnen' gegenüber yrehr als korrekt sei. Mr. Balkin und Mr. Salzmann sollen inzwischen von Moskau die Weiterreise in die Ukraine angetreten Haben, um der dorttgen .Judenschaft Hilfe zu brmgen. , England «nd Rußland. LMdon, 30. November.. (Funkspruch.) Premierminister Llo.Y'd George erklärte im Unterhause in Beantwortung einer diesbezüglichen , Anfrage, Rußland sei im Juli zu. einer allgemeinen Friedensko n fe r e n z nach London ein ge laden worden, troch habe die russische Regierung die Einladung abgelehnt. Seither h ätten sich dse S ch w i e r i g k e i t e n für eine derartige Konferenz 'beträchtlich vermehrt. Niederl ge der KemaUsten. Athen, 80. Noveinber.. Nach einer amtlichen Meldung des Hauptquartiers haben die griechischen Truppen d'e türkischen nationalistischen Kräfte unter Kemal Bey m die Flucht getrieben, die Orte illicaea tBstuk), Barti und Baldschik besetzt und sind bis 27 Kilometer nördlich von Nrcasa vorgerückt. Ein verhafteter Staatsanrnalt. - Belgvad, 29. November. (Südslaw. Preßbur.) Der . . Staatsanwalt hat nach einer Hausdurchsuchung ,fier dem Siaatsanwalt Acurti dessen Verhaftung wer« fügt, weil er mit Ho r thh und den Hab § bürgern, in-Verbindung gestanden sei. Auch Acurtis Gemähliy. ist verhaftet worden. Wie bekannt, ist Acurti Staatsanwalt im serbischen Hochverrätsprozeß in Agram.gewesen. ' Poinearös Hetze g.ege«.'Deutschland.-; Paris, 30. November. (Havas.) Die Londoner., „Morningpost" veröffentlichte heudeinen Artikel Poittk eargs, worin dieser sagt: Man wirft Frankreich vdr, ' sich dem EintrittDeutschlands in.den Völkerbund zu widerfetzen, um dadurch den unhaltbaren Zustand in die Länge zu ziehen, unter dem ganz Europa seufzt. Wie könnte der Eintritt Detttschlands in den Völkerbundder jetzigen Lage ein Ende bereite i? Verhandeln ’• wir zuerst unter uns, die wir gestern noch Verbündet?^' und. Genossen waren, um Dem deutschen Streben nach der Weltherrschaft ein Ende zu bereiten! An^-rrseitZ hat Deutschland gegenüber'Frankreich noch keine Prob» gegeben, daß es bereit sei, setr.s -Vertragspflicht zu er- . füllen. Gewiß wird dieses in den Völkerbund eintret-n. .aber zuerst müssen wir versuchen, den Völkerbund zu kräftigen, und .zwar durch die Hilfe Amerikas.. Jsch.b'in .überzeugt, fährt der ehemalige französische Präsident fort,, daß wir zu wählen haben werden zisch-n einer Perzschtleistung Amerikas, an dem Völkerbund ckilzunehmen, oder einer Abänderung der^ Satzungen dieses Bundes. Es wäre wünschenswert, daß diese Abänderung statin finde, damit Amerika auf unserer Seite bleiben kann./ Eins geheime Militarformatio« i« Berlin. > Berlin, 80. November. (Wolff.) Wie das Polizeipräsidium meldet, hat es Beweise dafür, Latz eine frühere / Zeltfreiwill'genforination trotz ihrer Auflösung im Geheimen noch sortbestehe. Als Hauptschuldiger kommt Hauptmann Bostelmann in Betracht, der geflüchtet ist,' Gleichzeitig fielen der Polizei Satzungen des am 6. Juni 1920 gegründeten Berliner Heimatverbandes in die Hand, der statutengemäß ein Mitglied der Orgesch ist. Zu den Unterzeichnern der Satzungen gehören Hauptmann Bostelmann und eine Reihe anderer ehemaliger Offiziere, die Mitglieder sowohl des Notwehrregiments als auch des Berliner Heimatverbandes sind. Der Her«- matverband wird sich demnächst vor dem zuständigen außerordentlichen Gericht beim Reichswehrgruppenkom-- mandö 1 zu verantworten haben. ' Ver^aktung eines RerchstagsahgesvdnsLen. , München, 30. November. Wie die Blätter melden,? wurde heute früh der neukommunistische Reichstags*.: abgeordnete Hermann R e m m e l e, ein Bruder des' badischen Ministerpräsidenten, der Montag abends. :itv: der ersten öffentlichen Versammlung der Neukommunisten Münchens sprach, wegen Aufreizung zum Klassenhaß', berhaftet. Der AebertritL von Wran el- und PeLljnras Trupyen auf rumänisches Gebiet. . >' ■ Bukarest, 30. November. (Frmksprüch.) Der Mvistev - des Auswärtigen hat die ruffischs Note, betreffend die angeblich beabsichtigte Landung von Truppen der Ar m <re -'n Wrangels in einem mrmättischen Hafen, und die Note über die Nichtinternierrrng. der auf rumänisches Gebiet über- / getretenen Truppen Petljuras, mit einer-Note beantwortet, in-der er ausführt, daß, da sich Rumänien mit Rußland ckicht'^ rm Kriege befircke, eine Landung der Truppen ' Wta::gels f auf rumänischem -Gebiet, um sich dort gu orgmnsier-rn,' g8nz» lich aus-geschloflen sei; in Rumänien etwa emtreffende Söl-" baten der Armee Wrangels, würden entwaffn et und interniert werden. . Dagegen würde Rumänien den' Flüchtlingen ein A s hl gewähren.Bezüglich der am Änjestr ubergetretsnen Truppen führt die Note ärrS, daß Rumänien genau dem internationalen - Branch gemäß vorgegangen fei, Die Offiziere und Mannschaften seien entwaffnet und intern1 niert worden; die mitgebrachten Pferde gehören nach intet* nationalem Brauch Rumänien. Trains seien überhaupt nicht'' übergetretrn. ' . > . . / - ' Gsgen die ungarische tzenkerpraxls. Paris, 29. November. In der gestrigen Sitzung heS!- Kongreströ des sozialistisclicn VcrbandeS des Semedrstrikls wmde. ''richlossen, an die urgari'cbe Neg'.emng ern Telegramm zu nchlen, worin gcg-n die Verurteilung von zehn ungarischen S ozialisten z u m T o d e p r o t e st i c r t und dir A u « u l-, lrrru » ades Urteils aelordrrt wird. 1725

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