Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 661 (27.11.1920)
- Date
- 1920-11-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Die Ententediplomatie hat wieder einmal eine schwere Krise durchzumachen.. Die Vernichtung Wrangels. die Niederlage Balachowicz' und vor allem der Sturz Venizelos' sind eine allzuschwere Belastungsprobe für das Machwerk, welches die Ententemächte den Aufbau Europas zu nennen, belieben und ' dessen Fundament die verschiedenen Verträge von Versailles bis SevreS bilden sollten. Jetzt kracht wieder einmal die Säule des Baues, die auf dem Vertrage von Sevres aufgerichtet wurde. Man kennt die Leidensgeschichte des kranken Mannes am Goldenen Horn. Vts zum Ausbruch des Krieges war dieser kranke Mann der Vorwand für die verschiedenen Ränke der Geheimdiplomatie der einzelnen Staatskanzleien und als der Krieg ausbrach, da galt es für die Ententemächte als ausgemachte Sache, daß diesem ewig kranken Manne endlich der-Gnadenstotz verseht, die Türkei von der europäischen Landkarte gestrichen werden müsse. Ist es auch nicht zur völligen Vertreibung des Sultans aus Konstantinopel gekonimen, so hat doch die Entente den türkischen Besitzt in Anatolien und Vorderasien verteilt und ihre Schenkungen in dem Vertrag von Sevres festgelegt. Griechenland hat für seine Vertreibung des Königs Konstantin und für seine Unterwürfigkeit unter die Botmäßigkeit d?s Statthalters der Entente Venizelos Smyrna und Thrazien bekommen und die Entente hat sich und den Völkerbund verpflichtet,,.diese Gebiete gegen jeden Ve.rsü'H(. sie. dem neuen Besitzer - zu en'Lrejßött/ selbst mit Waffengewalt für Griechenland zu sichern. Die Griechen .- waren von jeher sehr schlaue Kaufleute. Sie haben die Schenkungsurkunde mit der Garantieklause!, die im Artikel 10 des Vertrages uiedergelegt ist, ausstellen lassen, haben dankend zur Kenntnis genommen, daß d:e Entente sich verpflichtet, nichts zu unternehmen, was einer Einmengung in hie inneren Angelegenheiten des Landes gleichkommt, hoben nun, gestützt ans 'diesen Vertrag. Venizelos davongejagt und sind im Begriff, Konstantin heimzuholen. Die Sachlage ist heute demnach,, daß Frankreich'und England, beziehungsweise der Völkerbund dafür Sorge tragen müssen, daß die Türken die im Vertrage von Sevres festgelegte und ungefähr 30 Kilometer von Konstantinopel verlaufende Grenze zwischen Griechenland und der Türkei Herstellen, und daß Bulgarien Thrazien bis zu der im Vertrag von Neuilly bestimmten Grenze räume. Dies wäre auch der Fall, wenn die Griechen sich nicht unbotmäßig' gezeigt und mit dem Schein in der Tasche nicht den Vertrauensmann der Alliierten Venizelos seiner Macht entkleidet hätten. Nach dieser Auflehnung des griechischen Schützlings jedoch ist die Situation eine ganz andere, eine geradezu katastrophal kritische geworden. Plötzlich entdeckt man iü Paris, daß man in der Festsetzung der Bestimmtegen des Vertrages von Sevres gegen die Türkei zu weit, gegangen sei und daß eine Revision dieses Vertrages nicht mehr ein Ding der Unmöglichkeit sei. Gestern noch hat män der russischen Räteregierung den Vorwurf gemach:, daß sie sich mit den chauvinistisch-nationalistischen Kemulisten verbündet habe, und heute beginnt-man bereits auch am Quai d'Orsey sich mit dem Gedanken vertraut zu machen, mit Kcmal vereint gegen Griechenland vorzugehen. Und mit welcher Frivolität die ganze Frage in Paris behandelt wird, zeigt sich am besten an einer Bemerkung des dem französischen Auswärtigen Amte nahestehenden „Temps", der'mit einer Leichtigkeit, um die ihn der geübteste : Jongleur beneiden konnte, einfach feststellt, „nicht Griechenland, als abstrakter Begriff genommen, haben die Alliierten Thrazien, die europäischen Häfen der Dardanellen, das Gebiet von Smyrna und die Mission,' den Westen Kleinasiens zn Pazifizieren, übertragen. Nicht Griechenland hat Lloyd George seinerzeit, als General Milne daran dachte, Konstantinopel zu evakuieren, diese «Stadt zugesagt, nicht zu Griechenland hatte die Entente das Vertrauen, sondern zu Venizelos." Und nun, da die Griechen sich so Undankbar erwiesen, Venizelos kaltzustellen, so konkiudiert daS französische Blatt, müsse auch eine strenge Revision der Entcntepolitik gegenüber Griechenland ersolgm. Und in seinem großen Schrecken über die plötzlich: A.nderung der Lage im nahen Orient ruft „Le Temps" aus: ..Nachdem die Bolschewiken keinen ncnnenZwcrLcn Geguer mehr vor lick Laben, nachdem, hie türkischen Natro- Genf, 26. November. (Korr.-Bur.) Die mit der Prüfung des österreichischen Apfnahmsgesuches erster Instanz betraute zweite Subkommission der fünften Kommission hat heute vormittags unter Vorsitz Lord Robert Eccils eine Sitzung abgehalten, an der die Mitglieder der Subkommission B r a n t i n g (Schweden), Henessn (Frankreich) als Vertreter VivianiS, Osubskv (Tfchrcho-Slowakei), Cagliani (Italien), Win rars k i (Polen), Rowell (Kanada), ferner als Vertreter der benachbarten Länder Dundespräsident Mot t a und Spalaikovic (Jugoslawien) und endlich der in Aussicht genommene österreichische Delegierte Botschafter .Meusdorfs, der ans Einladung Lord Cecils erschienen war, teilnahinen. '; M otta gab Zunächst ans die im Beschluß der süuften Kommission am 21, d. M. ausgestellten vier Fragen . . Sapieha am TschMchsrtn. W a v? a xti 25. November? (Tel. der „Wiener Morgenzeitung./) Minister de- Aeußern -Fürste 3 a y.r e b a .'hat anTfchit fttrte gerichLst,; vufftscke. VerMösrrmgstaktrk B§MeÄhrigsn<erÄeÄt.' -Die - vsln'nche Negierung b editragt. Satz durch dis Dsle^Ätionsn der derden L^ezisrükt err sofort der Termin festgssetzt Tserds, M welchem'd^r d efZnZtiv e .Fr i ed e» s v er 11?a g gdzufchrießen ist, .und das; sogleich, nachdeM die Herder eiligen Truppen die im WaMnstiLstandsvertrag vorKese"'TK2 K.We eingsno.mmen. werden, ank d r KanfererrA^ in Nrga daue.ruhe miUtär'^chs Garantien für dis Erhaltung dtzS FrirdenZzustaudss erörtert werden. Giiydnks ZiVtschen ZitmreK And ' . . GoWjSLrUtzlMrd. . B e r l i n, 26. November. (Kvrr.-Vur.) In hle?i en dip?v"natischsn Kreisen verlMitet, daß zwischen Litauen und der Sowserreg i e r u n ein Bündnisvertrag abgeschlossen fei* DeD bolschewrkische MittLärbevollmachtigts irr Riga fsi nach Kowno ab gereist. nalistcn Armenien förmlich ausgerottet haben und jetzt auch Georgien bedrohen, Thrazien, Gallipoli, Smyrna und ber Westen Kleinasicns in die Hände eines Griechenland geraten sind, an dessen Spitze ein. germanisierender König, steht, ergibt es sich, daß der Orient heute zwischen Lenin, Mustafa Kemal und einem Hohenzollern aufgeteilt ist. Düs haben die Alliierten ans ihrem Siege gemacht." Die Vorgänge im nahen Orient sind von unermeßlicher Bedeutung. Die Revision des Vertrages von Sevres würde nicht nur auf die mit großer Mühe und riesigem Kraftaufwand in den halbwegs zur Ruhe ge-- brächten asiatischen Stämmen Aspirationen wiedererwecken, zu deren Niederhaltnng' England und Frankreich eine starke Militärmacht 'aufrechterhalten müssen, sondern würden zur Fosige 'haben, daß die gesamten Friedens- Verträge gleichfalls eine Erschütterung erfahren müßten, der selbst der ünausrottbare Hatz Frankreichs gegen Deutschland nicht mehr standhalten könnte. Wie alle Krisen der Ententepolitik seit dem Waffenstillstände bis heute, ist auch die jetzt im Orient ausgcbrochene Krise nur dem haßerfüllten Starrsinn Frankreichs zuzuschreiben. Die verfehlte Politik Frankreichs' Rußland gegenüber, fein Paktieren mit jedem hergelaufenen Abenteurer oder Bandenführer, der die Möglichkeit eines Niederringens des Bolschewismus durch militärische Operationen norgeaankclt bat, sein bl'mdwirtrger Haß gegeneilte, was deutsch ist. und vor allem seine die wirtschaftliche Lage und den Miutzrit ä t> n s ch u N betraten« R o w e l l wünschte und erhielt Aufklärung über die österreichische Verfassung, zu der Branting mit her Be* merkung Stellung nahm, daß der österreichische Föderalis« mus die Autonomiestellung der Länder nicht beern» trächtige. Spalajkovic betonte den Wunsch seiner! Negierung, dem sich Malta anschlofr, daß Oesterreich i»! den Völkerbund ausgenommen werde, und hob dir guten Beziehungen Jugoslawiens zu Oesterreich hervor. Um 1 Uhr zogen sich die Mitglieder der Kommifsiou zu einer besonderen Beratung zurück. ,i Innsb r,u ik, L6. November. Nach seiner^ zum ersten Male der G aurat des deutschen Osttirol in Lieüz, wobei Herr Hübler als Ergebnis seiner Mission beim deutschen Konsul nt iü Innsbruck eine Erklärung des deutschen Konsulsu zur Kenntnis brachte, in welcher er u. a. aussührt: Die Kundgebung der Lienzer hat als Beweis füt das Zusammengehörigkeitsgefühl und die drischvölkische Gesinnung die deutsche Regierung erfreut'uÄ sympathisch berührt. Für das Schicksal und die Lage Tirols und seines Volkes hat Deutschland volles'Verständnis. Deutschland ist schon jetzt bemüht, so wert M möglich dem österreichischen Bruder zu helfen. Deutsche Regierung und deutsches Volk. Legrguie« sich mit den Lienzcrn in der zuversichtlichen Hoffnung, daß es dereinst gelingen wird, auch für die deylfche» Stämme des österreichischen Volkes das Sclbstbestr«« mungsrecht und damit eine glückliche Znkuuft zu erreichen. Das Blatt berichtet hiezu weiters, daß diese Er« klärung nicht unbefriedigt zur Kenntnis genommen und, der Sachlage Rechnung tragend, befchloffen wurde/ untrr dem Titel „Deutscher Gau Osttirol" die wirtschasl« liche Selbständigkeit des Bezirkes in die Wege zu leiten. Skrupellosigkeit in der Wahl nicht nur der. Personen,- sondern auch der Methoden, eine. Skrupellosigkeit» dis selbst Judenpogrome - gern in den Kauf nimmt, wenn dadurch dem französischen Imperialismus Vorschub geleistet wird; diese Sünden der französischen-Diplomatie' haben die neue Gefahr im nahen Orient verschuldet und sie werden den Zusammenbruch der Ententepolitik herbeiführen müssen, wenn diese noch weiterhin unter demi verderblichen Einflüsse Frankreichs bleibt. ' Italien hat sich in Erkenntnis der Schädlichkeit.des französischenKurses in der Ententepolitik' bereits 'sv ziemlichemanzipiert^ ünd hat auch in' der griechischen Frage bereits erklärt, an eventuellen Vergeltungsmab^ nahmengegen Griechenland nicht teilnehmen zü wollen: Zwischen England und Frankreich, welche gerade in der Orientalischen Frage jetzt völlig aufeinander angewiesen sind/ finden unausgesetzt Beratungen statt/ um' einerseits . eine Einmütigkeit hinsichtlich. Griechen-: lands,-andererseits hinsichtlich der Lokalisierung der.' Krise ans Vorderasien zu erzielen. Da sowohl England als auch Frankreich das größte.Interesse-daran haben: daß ihre. Einflußsphären in Mesopotamien,' Palästina,' beziehungsweise Syrien, wie sie in den Beschlüsfsn von San 9te.mo anerkannt und gesichert erscheinen, nicht durch eine Neuorientierung in Anatolien und' Vorderasien erschüttert werden, to ist wohl anznnehmen,; diese Fragen von der Umwicklung der Vorgänge in Grieckeniand unberührt öleten werden^ die Antworten, die zu keiner Diskussion^Anlaß geben. Es folgte sodann eine Reitze von Fragen des t sch c cho - s l o w a k isch e n D e l e g i er t e n, welche Genf, 26. November. (Korr.-Bur.) Der Korrespondent der „Agenee Havas" erfahrt, daß sich die .Snükommission, die heute über die Aufnahme O e ft er r e ich-., beriet, grundsatzli ch fKp - de M Ein t ri tt O eft erreich s in %eu P ölkeVbuivd! ausgesprochen habe. DsttiroL-macht sich selbständig. Me Äeuzor chriftlichsozirsls Komödie. - '^