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Wiener Morgenzeitung · 1920-11-25 · Heft 659 (25.11.1920) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 659 (25.11.1920)
Date
1920-11-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Einzelpreis K ft.2C» Einzelpreis KL L. Pranumeratto»apreise: Vien: 8«« Nbkslen t» »er ®3S*' brate 1 Mt o» Bvft N> tim F etrfdjleiftfteßt <Trafik>: Konntllch.. lkrooeo »«.— vikrreljahrltch 90.— VU Postversand für Wir» tnO Oesterreich: Monatlich .. Kronen 30,- rjchecho^lovakel: Monatlich .. Krone« 18.— Biertelsiilirlich .»_ 39.- ft tschrcho-slswaklstberDSHrnng; Ungar« Monatlich .. Krone« :>0.- Vterieliährltch » 90«— in «ngarischer »Shrung Jngoslawie«: Monnlltch.. Dinar to«— Vterteliährtt« » 18.- Prünirmeratii»K»-»rets«r _ ’ Pal«« - _;5 Monatlich .. tPl*9i 30«~ «terre>iadrltch .. to *»oInildiet WA>N»> . *. Monatlich . . . . Lire #•-*. tzchwriz: -j' Monatlich. . . Fraur» S«->." Skedaktto« v. Mnniaistratio« Wiev,L.ver.,Taborstt^l-» i 'xxinmntwz »piRiuiiiinuvi 440.: H, Redattio« 4381% «h « Uhr adendS «r.lV^Äl VoMparlaskenlonlo uo^SM Nr. 659 Wien, Donnerstag, den 25. November 1929 2. Jahrgang Jüdische Politik und Jndenpolitik. k. W i en, 25. November. Das Betreiben einer programmatischen jüdischen Politik, He diesen Namen verdient, setzt das Bekenntnis ' zu einerRjüdischen Volkstum vpraus. Eine indische Politik begonnen zu haben, ist das Verdienst der Nationaljuden und wo diese erfolglos ist oder infolge des Unverstandes und der feigen Rückständigkeit des Assimilationsjudentums einen momentanen Mißerfolg erleidet, ist keine andere jüdische Gruppe vorhanden, welche an deren Stelle treten oder ihre auf den politischen Schutz des Judentums gerichteten Bestrebungen ersetzen soll. Das Nssimilationsjudcntum, welches das Bekenntnis zu einem interterritorialen jüdischen Volksganzen ablehnt, zieht sich damit die einzige Plattform unter den Füßen fort, auf der eins positive jüdische Politik beruhen kann. In der Tat kommt es den jüdischen Assimilanten, die sich in bewußte und unbewußte Totengräber des Wischen Volkstums gliedern, auf eine positive, das heißt auf Er haltung und Erhöhung eines lebendigen Judentums gerichtete Politik, gar nicht an; ihr.politisches Programnl ist durch das Streben gekennzeichnet, die jüdische Bevölkerung mit allen Mitteln ans eine unnatürliche Passivität zurückzuschrauben und diesem Zwecke dient es, wenn sich Liese Art von Politikern hinter -fremdnationale Programme steckt, oder, wo dies nicht angeht, einen farblosen Liberalismus oder eine ebensolche Demokratie für sichnütVefchlag zu belegen und so-politisch zu. kompromittierenunlermmmtr ' ä * ' : \ Die Schädlichkeit eines solchen'Tuns liegt nicht bloß darin, daß es die jüdischen Massen von'ihren wahren Interessen abzulenken sucht,und durch seine.Mimikry die Gegensätze, zwischen uns und der nichtjüdischen Umwelt, die, wie von jener Seite behauptet wird, durch Betonung der jüdischen Note, das. heißt durch ein Bekenntrtis zum jüdischen Volkstum gesteigert wöriden, vergrößert, eine'solche Politik,' die jedes posmven .Inhalts entbehrt, endigt rasch damit, daß sie, den zentralen jüdischen Gedanken von der Alleinheit des Judentums verleugnend, das jüdische Bewußtsein in gefährlichster. Äeise vergiftet und einen jüdischen Volksteil gegen den: anderen auszuspielen sucht. Wir haben es in Wien bei den verschiedenen Wahlgelegenheiten gesehen, und am!>eutlichsten bei den Wahlen in die Kultusgemeinde, bei einem Wahlkampf also, der sich völlig innerhalb des Judentums abspielte. wo eine halbentjudete Schicht von Großjnden. von dem einzigen . Irrwahn geleitet, auf diese Weise ihre eigenen'Interessen schützen zu können, ein „bodenständiges" Judentum gegen die „zugereisten" auszuspielen und diese zweite umso viel jüdischere Kategorie zu entrechten unternahm! Daß diese Methode für das Assimilantentmn typisch ist, beweist die Haltung der Gruppen oer tschechischjüdischen Assimilanten in Böhmen. Diesem Gmppchen, welches geradezu die Auflösung des Judentums auf dem Programm, hat, hat seine krampfhafte Sucht «nach der Möglichkeit des Untertauchens nichts genützt und als der von Aufwieglern aufgehetzte Prager Straßenmob, einem, wie es scheint, immanenten Gesetze der neueren europäischen Geschichte folgend, seinen Zorn über die angeblichen oder wirklichen Uebergriffe der Egerer deutschchauvinistisch antisemitischen Erzedcnten an jüdischer Habe und jüdischen Firmentafeln zu kühlen suchte, da mußte'auch das Organ' des tschechischen Assimilationsjudentums. die tschechisch, geschriebene „Tribuna", in der kein Uneingeweihter ein „jüdisches" Blatt vermuten würde, an die jüdische Solidarität, glauben, die . in passiver Beziehung aller. Assimilantentheorien spottet. Wäs macht nun die „Tribuna", die diesmal mit einem blauen Auge davongekommen ist, um sich für alle künftigen Möglichkeiten zu saldieren? Sie berichtet ausführlich von einer Generalversammlung des Verbandes der „tschechischen Juden", wo ein Berichterstatter von den Apolitischen Leistungen des' Verbandes für die ' — tschechische Sache Kunde gab. Ein neues Arbeitsfeld soll sich den tschechischen Juden nunmehr eröffnen; es sollen die Juden der Slowakei für den tschechischen Dolksgedanken gewonnen und auf diese Weise soll das Werk der tschechischen Juden, dem in Böhmen und Mähren jeder Erfolg versagt geblieben ist, „gekrönt" werden. Also nach dem Wunsch der Herren sollen die Juden der Slowakei, die vor: den Irrwegen der magyarischen Assimilation zur Vertrages.' Eine Debatte im deutschen Reichstag. Berlin, 24. November. (Korr.-Vür.) Der Neübstag setzt die zweite Lesung des Haushaltsplanes beim Haushalt für die A u s f ü h r u n g des. F r! e d e ir s- Vertrages fort. Abgeordneter Wels (Sozialdemokrat) sagt unter anderem: Herr v. Grafe hat auf dem Parteitag der Deutschnationalen den Nachegedauken propagiert. Kann mau verlangen, daß Frankreich einen so unversöhnlichen Gegner von den Fesseln befreit? Nein, entweder Revanche oder Revision. Ferner sagt Redner:, Besteht das Ausland auf den bis jetzt genannten Bedingungen für die Wiedergutmachung, dann kommt der Augenblick, wo auch wir Sozialdemokraten unsere Zustimmung verweigern müssen. Dann schlägt die Schicksalsstunde Europas, dann beginnt der Kampf zwischen Osten und Westen. Daß die Regierung, wie der englische Premierminister anerkannt hat, den Verpflichtungen wegen Ablieferung der Waffen und Entschädigung bis jetzt nachgckommen ist, verdient unseren Dank. Mir haben nur unsere Arbeitskraft als- Zahlungsmittel, alle anderen Zahlungsversprechungen sind unehrlich. Abgeordneter Schreiber (Zentrum) Protestiert gegen die Anwesenheit schwarzer Truppen auf dem linken Rhmmfer sowie gegen den Sklavenhandel, der unter dem Decknamen „Fremdenlegion" betrieben werde. Redner wendet sich gegen das Svstcm der friedlichen Durchdringung, das im Rheinland bereits Früchte zu tragen beginne. Abgeordneter Dr. Reichert (deutschnational) betont,-daß Deutschland ein Schuldnervolk geworden sei, wenn es so weitergeht, wird es ein Bettlervolk. Die Ruhe, die jetzt in Deutschlynd herrscht, ist kein Anzeichen des Wiederaufstieges, sondern sie ist eine Grabesruhe. Solange eine Revision nicht erfolgt ist, können wir an einen Wiederaufbau nicht denken. Abgeordneter Breitscheid (Rechter Unabhängiger) ^erklärt: Deutschland würde viel mehr vom Ausland verstanden werden, wenn die Helfferichs schweigen würden. Redner.hält cs nicht stir richtig, bei jeder Gelegenheit nach der Revision zu schreien, doch müsse er zngeben, daß dir von Deutschland geforderten Lasten unerträglich seien. Zur etwaigen Besetzung des Rnhrreviers durch die Entente erklärt Redner, baß, tora» die Entente in das Ruhrrevier einmarschieren wolle, die Bergarbeiter ihr schon eine harte Nuß zum Knacke» aufgeben würden. Redner bekämpft die Ausführungen des Ministers Dr. Simons in Düsseldorf über den feindseligen Akt, der in einem eventuellen Einmarsch der' Entente liegen würde, und hält sie für unklug, weit' Deutschland nicht die Macht hinter sich habe, um seineir Worten Nachdruck geben zu können. Redner »ragt: Haider Minister etwa Bundesgenossen hinter sich?! Denkt er vielleicht an SowjetrußlaudA Abgeordneter Korell (Demokrat) bespricht diei Wirkung der Ministerreden in der ausländischen Presse^ und erklärt, daß die französische Presse aus der ganze«' Jnterpcllationsdebatte den Beweis ersehe, daß Deutsch-' land um die Erfüllung des FriedenSvertragefi sich drücken wolle. ' Im Gegensatz zu Abgeordneten Dr. Breitscheid fcS Redner der Ansicht, daß man nur daun etwas erreiche^' könne, wenn , man es immer wieder und wieder in daÄ» Weltgewissen hineinhämmert, daß der Vertrag vom Wer^ sailles eine einzige Lüge sei gegenüber den GrnndsätzM die zum Waffenstillstand geführt habe». Wo'sind, fragil Redner, in England und A m e r i k a jene Vertreter! der Christenheit, die ihren Völkern die Augen darüber öffnen, daß unsere Kinder dahrnsiechen und unser Volk stirbt? Im Interesse der Demokratie, des Rechtes, und, der gesamten Nation fordern wir die Revi.fr»a des Vertrages. \ Damit ist die Aussprache beendet. Es folgt die Einzeldebatte über die Erhöhung der Kosten für die Hebekommission aus 40 Millionen Mark. Die Erhöhung wird' gegen die Stimmen der Deutschnationalen angenommen^ ebenso wird der Rest des Etats ohne wesentliche weiters Debatte genehmigt. ' ■ Amerika und der VSlkerVimd. Paris, 24. November. „Daily Mail" erfährt Ms'; New-Aork: Ha rding beabsichtige, den Senator Anox: und nicht den Senator Eliüu Root zum StacttssekxetLL zu ernennen. Senator Mae Cormick soll inr Aufträge! des neuen Präsidenten in den nächsten Tagen nachx Europa re's tt um in privaten Bespr. chungen mit europäi-i schon Staatsmännern einen Ausgleich anzubahnen.! jüdischen Politik des jüdischen „Volksverbandes" heimzufindenbeginnen, von neilem in.das politische Getriebe des imsicheren Landes^ hmeiNgezerrt werden, unr,' wenn es nach den Prager Assimilanten geht, eines Tages in tschecho-slowakischer Aufmachung das Schicksal der Juden in Ungarn zil erleben. „Der Verband der Juden- Tschechen", so heißt es wörtlich, „wird seine Liebe Ulm' tschechischen:Volk am besten damit beweisen, .daß er namentlich die verirrten Inden in der Slowakei zur tschechischnationalen Gesinnnng erziehen wird." Hier wird also unter Patronanz jenes Ministerialrats Lederer, der sich der Jndenheit al^ Referent für jüdische Angelegenheiten aufzwingen will, der Versuch gemacht, die „verirrten" Juden der Slowakei unter scheinheiligem Augenvevdrehen prekszirgeben. um die Hetzer von sich abzulenken! Es ist immer dasselbe Lied und die Weise der „Bodenständigen" von, Prag, klingt nicht bemckender als die von Wien.? '; ' Auch in Deutschland machen sich in letzter Zeit die gleichen Klänge mit erneuter Vordringlichkeit vernehmbar. Die „Kölnische Zeitung" beschäftigt sich seit einiger -Zeit eingehend mit der Stellung der deutschen Juden ltnb dem Antisemitismus. Das Blatt veröffentlicht einen Artikel au3 der Feder eines Dr.' Naumann (Mitglied des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens). unter dem Titel „Die national-deutschen Juden". Diese Bezeichnung wird für eine jüdische' Richtung angewendct, die ans der so notwendigen Einheitsfront [ der deutschen Jndenheit ausscheiden will und sich als Sondergruppe zu etablieren anschickt. Ueber diese Ge-' fahr darf man sich nicht dadurch hinwegtäuschen lassen/ daß die Tendenz des neuen jüdischen Trennungs-NationalismuS nicht direkt ausgesprochen wird. : >' Das einzige Neue, daß das Programm der „natio-! nal-deutschen" Juden enthält, ist das Abrücken von den' Ostjuden. Allerdings versteigen sich die national-deutschen- Juden nicht so weit, wie ihre würdelosen Gesinnungsverwandten' in Wien. Sie machen dagegen Front, daß diese bedauernswerten jüdischen Flüchtlinge als Juden eine« harter: Ausnahmsbehandlung im Vergleich zu anders^ gläubigen Angehörigen ihrer Heimatländer in Deutsch» land unterworfen werden und betrachten das ebenso al)i ihre deutsche, wie als ihr-e jüdische, von der Selbstachtung und Selbstbehauptung gebotene Pflicht. - Die, Behandlung der Ostjuden soll'völlig den deutschen Interessen untergeordnet werden. Und um ja nicht identifiziert zu werden, endigt der Autor seinen Artikel mit folgendem Satz: „Dem national-deutschen Juden ist der Ostjude so fremd wie der Chinese, er ist ihm gefühlsfremd, geistesfremd, körperlich fremd." - Es ist immer, dieselbe verächtliche Assimilantentaktik. die den Unglücklichen von sich abschüttelt, in der falschen Annahme, aufj solche Weise unbequemen Angriffen zu entgehen. ' r Für das jüdische Volk bleibt keine andere Wahl, «tt» sich auf der Plattform bewußter jüdischer Volkspolttik znsammenznfln'den. Die Juden m Deutschland' werden mit dein deutschen Chauvinismus' kein Glück' haben und. die tschechisch-jüdischen Propagandisten, werden fit Slowakei verschlossene Türen Lindert

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