Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 658 (24.11.1920)
- Date
- 1920-11-24
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 85% known words query
- IRI
…/2979076-2979416-2979736--05878-2991766- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
tzrive 4 Mett, Miüwoch Die Fremdenanswsisuugett. Das , 8-Uhr-^iutt' schreibt: . Der Bürger m er st e r L*on Wen. Hai in feiuejn'- Venen von der Verfassung bcstiminlen Aint als.Laftde^ hauj'trnonn an die Poftzcr das Ersuchen gerichtet, ihn über die Zahl der in Wien lobenden AuÄänder üird deren AbschaffungS Möglichkeit zu unterrichten. .Damit sucht die Gemeinderatsmchrbeit einen AuSmeg aus 'der Wohnungsfrage zu gewinnerr. ./ Leider wird die Wohnungsfrage durch die Ausweisung der Ausländer nur höchst unzulänglich gelöst werden können. Gegenwärtig liegen bei der Polizei gegen 20.060 AufknLhaltsgesuche von östlichen Ausländern — »rnd um.diese handelt cs sich bei diesem Schritt des Burger- Meisters hauptsächlich — vor. Da diese Gesuche von deiner Familie für alle Mitglieder zugleich gestellt werden, so kann man beiläufig rechnen, Hatz sich in ganz Wen gegenwärtig hoch fte n.s 40.600 Ausländer ständig oufhalten. Das sind zwei Prozent der Gesamtvevölkerung, eine Zahl, die keine nennenswverte Entlastung der Ernährung barstellen kann. - Die Wohnungen haben diese Ausländer auch. nicht zu sehr in Anspruch genommen. Die mersten bewohnen - ein Kabinett bei Verwandten vFer logieren im Hotel. Ein großer Teil der Flüchtlings ist übrigens bereits durch die zahlreichen bisher . ergangenen Ausweisungsbefehleabgeschafft rvörden. Tie aus West-. mrd Mttelgatizlen eingereisten Flüchtlinge konnten bereits in den Jahren 1615 und lOiS heimbefördert werden, 'bk Heimat des Restes, Ostgalizien, ist bis auf den heutigen Tag Kriegsschauplatz geblieben. Nichtsdestoweniger ist durch die Bahnhofinfpektionen bereits die Abreise von Tausenden konstatiert worden. Züm Zwecke des endgültigen Abtransports wird es eingehender Verhandlungen mit där tschechischen und der polnischen Regierung bedürfen. Die Kosten für den Abtransport, die recht beträchtlich sein werden', müßten zwischen der österreichischen und der polnischen Regierung geteilt werden. Der polnische Gesandte hat unlängst auch die Beistellung von FluchtlingSzügert zugesagt. In einem derartigen Zug dürften ungefähr 500 Ausländer heimbefördert werden können, es müßten also insgesamt gegen 100 Züge bereirgestellt werden. Bei der Auswahl der Abzuschiebenden wird Rücksicht «uf fchrr Ausländer genommen werden'muffen, die bereits durch berufliche Beziehungen eng an Wien gebundensind. Die Polizsi wird hier das „gute" Material vondem anderen zu Indern haben, von den ausländischen ^Schiebern"' ist bei dm' verschiedenen Razzien ohnedies schon ein großer Teil äbgeschäfft worden. Die anderen Abzufchaffenden werden durch die Polizei verständigt werden, zu welchem Zeitpunkt sie Wien zu verlassen haben. Bezüglich der Aufbringung der Reisekosten wird sich dann die Regierung auch' mit den verschiedenen ausländischen Organisationen zu verständigen haben. ' - Eine Lösimg der W oh nun gsn o t..wird diese Ausweisung, wie erwähnt, nicht bringen. Beruht doch die Wohnungsnot auf ganz anderen Ursachen. Die Einkommen haben sich im Durchschmtt verzehnfacht, die Mietzinse bisher nur verdoppelt. Deshalb wohnte die Mehrzahl der Bevölkerung auSgeLreiteier'als im Frieden, wo der Mietzins ein Drittel des Einkommens betrug, während er heute nur ein Zehntel des Einkommens darsiellt. Dazu kommt die Megnahme vieler Wohnungen durch die Zentralen. Die Ausländer haben also ZM Wohnungsnot sicher das Wenigste beigetragen. Bedrohung Ver Preßfreiheit Lurch Sozial- Lsmokratsrr. ' Sinz. 22. November. In der Redaktion der «Linzer Tagespost" und des «Linzer Bolksklatt" erschien heute, wie diese Glätter berichten, eine Nbdrdnung der Freien Geiverkschart der Post- und Telegraphenan-gestellten mit 'der Er- Tlärung, daß, falls diese Blätter noch einmal eine Mitteilung gegen die Entpragmatisierung der Post- und Telegraphrnangestellten veröffentlichen würden, ihre weitere Postbcfördcrung verhindert werden würde. Die Einstellung der postalischen Beförderung dieser'beiden Blätter wurde gestern abendL auf dem hiesigen Bahnhofpostamt bereits tatsächlich durchgeführt. Die Annahme der ZeicungSsäcke für den Dahn- und Postversarw wuttre seitens der PoftangesieLLsn verweigert. Das gleiche Vorgehen wurde auch der hier erscheinenden «Linzer Mittagspost" angedroht. r Linz, 23. November. Bei den heut' vormittags zwischen Vertretern der freien Gewerkschaft der Postöirib Telegraphenangestellten sowie Vertretern tt% „Linzer Völksblait" und der „Linker Tagespost" stattgefundenen Brrhandsupgen wurde ein Einvernehmen erzielt, dahingehend, daß &Lc „Tagespost" 'eine Erilarun - veröffentlicht, worin es unter anderem heißt, daß der Verband dis von der christlichen und der deutsch' völkischen Gewerk,chafr in der letzten Zeit heröfferrb» lichten Mitteilungen über die Bcsoldungsreftrm und dir Entpragmatifierung der Poftanpssteilic'.: als unwahr und parteipolitisch betrachtet und sich genötigt siebt, diesem Kesseltreiben in der Oefsentlichkeit seiirns der gegnerischen Gewerkschaften ein Ende zu machen. Da' die -„Tagespost" diese. Erklärung veröffentlicht,' wird ihre heutige und als Nachtrag auch 'o,k gestrige Provinzvnflrge. befördert. Das^ „Linzer Volksblatt" hingegen Hat sich geweigert, obige Erklärung auszunehmeu, wes- Kalb die .Postbeamten es ablehnen, bk gestrige Nummer zur Beförderung gelangen zu lassen. Die heutige Auflage des „Volksblatt" ist wir gewöhnlich, expediert worden. __ Das tfchech o-flowakische Regieraags-- tlatt gegen das neue Sstrrreichifch« Kabinett. Prag. 23. dcovember. Die „Ceiko-Slovensk-a Nestzüblil" schreibt über das neue österreichisch» Kabinett: 8>er Charakter dieser neuen Negierung muß uns, die uh* mittelbaren Nachbarn Oesterreichs, in höchstem Maße 'ivtsr-essisren. In der Zusammensetzung diese.- christlich» Sozialen Regierung können wir nur die For 's.'irung jener t,ist£äi-r n ihieijfe, fjhU^aA_Pie. q.hg.7i*a§rr v?n Wierrer MorgeAzertarrg Mitttilllllgen aus dem Ver J.K. G. V. „Sason“ gr ä t u I i e r t seinem Obmann Herrft msck. Markus PfaWe»* und Sekretärin Fräulein Betty Schmarak . zu ihrer .Verlobung:. 8»S» A3ESTE&DAHX Erster . AWTWERPISir 0rös»tsr K&ufer io Vfloo fflr. ■ Brillanten, Perlea, Jüwele^i ®tc. Jutneliep Ka^inowritoch Baxlmniafiitrasso Wr. 5 tsJsphoB'ür. P54I »ie-ä-vis der Oper (KiKuendraüs'e). £*"4 fl., Siophanhtraue Nr. 3, atu* Nr. 3. im/eig&oea Hanae, Telephoa-Kr. 45146 Kauft voa Juwelleran, Härälarn, Privaten so tenfrarronzlose» Phantuhpreisen. Freitag vea i Dar nttchtait&SB bis Motiiag fröfa getrahlosseB. jStlLLANTEN, Perlsn,Gold,Sübe^Platina. Uhren kauft und verkauft 776 'ETTER Botentnrms'r. 23, Marlebilferatr. 98 ^Erster grösster Sünfar für Brillasten, Perlen,Ohres v. Juwelen Soa. Sorechraum Tel. 207S7 maschlnen — Me MsM Billigste Preise 15S Leopold $$einhat'& Wien, I., Biberstr. 9 Telephon Nr. 4073/V11I ist AS.PKEO Sl‘S Welnlraufo aus Wien im Mal abgereist. Letzte Nachricht 10. Juli aus DHb. Sollte nach loffa au? ffipfeeIS» Seither ohne Nachricht. Wer etvras über den Aufenthalt weiss, wolle an WHINTRAUB, Wien, V., Schöfibrunnerstr. 139. Nachricht geben Ungarn, Deutschland getroffen hat Und sich nun in der österreichischsn Republik voll geltend macht. Die christlich soziale Partei ist eine. Kriegsp artei par excellence. Sie hält sich genug stark, auch formal,bfc, Leitung der StaatsgeschLfte zu übernehmen. Unstr-itig ist, haß zwischen der Tschecho-Slowakei und Oestevre'.ch unter dem Kabinett Renner eine >2)r beach». tens werte Beruhigung eingetreten ist. Erintts n wir unsjedoch daran, i daß Dr. Renner von den jetzigen Inhabern der Staatsgewalt.aufs schärfste angegriffen wurde; erinnexn.ivir. uns, daß die überwiegende Mehr» , heit der Christlichso^ialen nicht republikanisch., smdern Monarch stisch gesinnt ist, dann bleibt uns nichts übrig, als die Enlwicklnug unserer Beziehungen zur Republik OrstrrreA mit b.ere chtigtem Mißtrauen zu betrachten. Mög-e die, Kundgebung des Polizeipräsidenten ' Schober vom 'Srnntaz die Entgleisung .eines'durchgefallenen Kandidaten für das Staatskanzleramt fein, bezeichnend für den politischem Geist der g.ve iwartig Rögiereuden bleibt sie immerhin. Die rschecho-slowakische ' Republik muß die Wiener Politik auch nach dieser Richtung hin beurteilen und von diesem Standpunkt aus ihr-Berhältuis zur österreichischen Republik einrtchten. Hiezu verbreitet das Wiener Telegraphen-' Kvrre»pondenzbureau folgende vsfiziöse Entgegnung: Diese V^uNeiinng beS neuen-öfter e'chisch:n Ministeriuills durch ein halboffiziöses tschechisches Organ ist sowohl in der Grundlage als auch in den Schlüssen -auf offenkundigen Fehlinformationen aufgebant. Das österreichische Minist-rrium Mayr wird, sich ausschließlich dem notwendigen Wiederaufbau des österreichischen Sta-.?sl untz seines wirtschastlich-Ln Lebens widmen und dieser ‘ic1 herrschende Ziveck weist von selbst die in den: tschechischen Blatte erhobenen Borwürf.; der Reaktion und von Kriegs-' gelüsten zurück. Die österreichische Innenpolitik als die. c;«:ö eminent demokratischeu Staates muß sich lediglich nach den Wünschen der eigenen Bevölkerung rich'ü.r und - sie kann dies umso eher, als dos Bedürfnis der Bevölke^ .rung. wirtschaftliche Erholung und damit in der Außen-- ' Politik gutn'chbarliche Beziehungen zu allen Rand«, staaten, somit auch zur Tschecho-Slowaksi, verlangt. Was di« Borwürß: über die Lage der tschechischen Minderheit betrifft, so ist es .aller Welt bekannt, daß sich daS Wiener Tschechen tum der vollsten ftaatsbürger^ lichen^ Freiheit erfreut. Vor sirrse neuen KoaLiLrsrr. tat. der Lschecho- . SlowaLLÜ. Prag» - 28. November. Gestu'n hat. der Ministerprä'ii,ent die ehemaligen Minist-rr S r»e h l S t x ib v uy, H aschtrr. Tu sat und• den rter:-:: Nernec empfangen und hatte-'mir ihnen eine länger-? Konferenz, -tnahrscheinlich über hse .-rich.ung. firtt'A- Qvxliium , ' : 24 November 1920 Nr. 658 Telegramme. Frankreich und Griechenland. Paris, 23. November, (Havas.) MinisterpräsidLnt Lrhgms hat an die Verbündeten ein Te^zramm gesendet, üm den Standpunkt Frankreichs betreffs der Griechenland gegenüber zu beobachtenden Haltung darz ule gen. Die Agence Havas glaubt zu wissen, haß 'Ministerpräsident Leygu-es darin die Notweirdigkrit betostt,. daß,beide Negierungen vor der für. den 25, Nov-em» ber .ststgesetzten Einberufung der grirchischs,: Kammer eine amtliche Erklärung abgeben. ..um den hellenischrn ^Vertretern früher einen Wink zu gehen. De Erklärung, die entweder.von der Tribüne des englischer oder französischen' Parlaments, »her durch eine div2k.de Mitteilung «ach Athen gu erfolgen hätte, würde in bündiger Form die absolute'Unmöglichkeit dartun, dre Rückkehr Konstantins auf den griechischen Thron zuzulassen, und als Gründe hiefür die Vergangenheit des ge ss'NtzN Königs an'ühren, aus der man nur allzu klar auf dessen Haltung in der Zukunft schließen köntte. Die EreigAisie in Griechenland. Paris, . 23. November. Der Athener Korrespondent des „Echo de Paris" meldet, die griechische Kammer werde Donnerstag zur Eidesablegung der Regentin' Olga zusammentreten. Die griechischen Prinzen Ändveas und Christoph Brüder des ehemaligen. Königs Konstantin, sind Vvv Rom nach Athen abgereift. Offensive der Kemalisten. Paris, 23. November. (Funkspruch.) Das Kommando der griechischen Truppen in Kleinasien meldet den Beginn einer Offensive der Krmalisteu in der Gegend von Uschak. Das engMch-ruMche Abkommen. Loubiott, 23. Ncvember. „Sunday Timest erfahren von maßgebender Stelle, daß Krass in. der in den, nächsten Tagen im Namen der russischen Rätereg'erung den .'Entwurf des . .Handelsabkommens mit Rußland unterschreiben werde, gestern eine Konferenz mit Lloyd George hatte, in deren Verlauf ihm der Entwurf eingehändigt wurde. Eine Bestimmung des Entwurfs gestatte die Ein- und Ausfuhr russischen Goldes^ DaL neue Abkommen enthält die.Bedingung,,daß..sich Rußland vor der .Hiedsrausnahmö/ des Handels, für .dip« Bezahlung seiner Schulden verbürgt.. Krass.in bestehe - darauf, baß diese Frage.vor der Frledenskoilferenz. ver-- handelt und international geregelt werde. . . Moskauer Froutbericht., : .'-.MMm/ 29. November. (Funkspruch.) Westlich von. Mosyr entwichtlt sich, unser Vormarsch sehr günstig. Ausdem linken Usecchas Pripjet besetzten wir die Ort-, schaft sCho'n'li. Die Haupti'räste Balachowicz'gruppieren. sich nordöstiich von Mosyr. ES wurden Maßnahmen zu. ihrer endgMgsn Vernichtunggetroffen. In der Rich» tyng Korosten—Dt-osyr haben wir Narowl besetzt'und im Gebiete von Eljk den Fluß Slowerschnr erreicht. Der Feind zieht sich zurück. Wir kämpfen 20 Werst östlich Woloczysk. In den Kämpfen am 20. Nov-embev-avurde />et Panzerzng Saporoschez genommen, mehrere (3&1 schütze und 23 Maschinengetvehre erbeutet. Entwaffnung von Akramera durch Pvlen. Mmbrrg, 22. November. (W. P. G) Mehrere nkra'nische Abteilungen haben beim Zbrnez die polnische Grenze übertreten. Sie sind durch die polnischen imfc» lärischeu Behörden entwaffnet worden. Pokitrsche Küvsattderuug in Oftaattzitz«. Lkemhrrg,. 22.. November.. (Privat.) „D'zienn'il! L w s h)’ [ 1 i", das Organ der Lemberg er S ozialdemolraiei,, 'berichtet über einen neuen Kurs der polnischen. Poliijk gegenüber den Ukrainern in Ostgalizien. Danach ' füllen' alle in Haft besindlichen Ukrainer, ausgenommen die, welche eiries Kriininalverbrechens beschuldigt werden, in Freiheit gesetzt werden. Den ukrainische^ Studenten sollen bei. der Inskription keine Schwierigkeiten gemacht werden, .gleichgültig, ob sie ihre militärische Pflicht' erfüllt haben oder nicht.. . Die ukrainischen Beamten, welche wegen »der Beteiligung an der. bolschewikischen Invasion oder an bolschewikischen Jnffttuten vorn Dienst entfernt wurden, sollen in ihre Aemter wieder erngesetzt werden. Endlich soll auch die Austeilung' größerer Güter in Ostgalizien ausschließlich an Polen aufhören. (Die Meldungen beweisen, daß die polnische Regierung, schon im Interesse der 'Erhaltung- Ostgaliziens, nunmehr darancheht, ein besseres Verhältnis zu den Ukrainern anzubahnen. Söe urüßte nun auch mit der Verfolgung der sogenannten! jüdischer. Bolschewiken in Ostgalizien aufhören.' die Mischezt Eisenbahnbeamten, tvelche widerrechtlich abgesetzt wurden, in ihre Äemter wieder emsetzeu mtd die Bedingüng des abgeleisteten Militärdienstes für die jüdischen Studenten aus Ostgalizien aüfheben. Die Ssnatsfrage i« Pole». Wavsch«r, 2l. November. (Tel. der „Wr. Mvrgen- ,-.i.!.tung".) Die VerfäskUNgSküMmisfisn beriet in ihrer Sitzrutg über einen neuen 'Kompromißvorschlag -zur Staatssragr. Danach sollen je 300.000 Wähler . .dem VetMtuiK friX .Swikch^W, 71