Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 656 (22.11.1920)
- Date
- 1920-11-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 86% known words query
- IRI
…/2979076-2979416-2979734--05861-2991747- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Riga 1× ep/1000826
- Ukraine 1× ep/1001131
OCR text
Einzelpreis LL L.LZO Pranomerationspreise: KB t c»: {{Mt «dd»le» tu Mt ArpedtNo«, L, vkzirk. Tad«- VraS« I bis -i, vver m nu» v LerMeißftcVc <Srafi(>: .. {tarnen n«»^. Dterteliahrltch „ 00.-. JBII »uftarfont für Win, nnfe Leklcrrrikv: filoiMtUtit.. Krone» 20.- Tichrcho-Llowakkl: Monatlich .. flronea t«.— jvierteljiilirlich » «0.— 6s tfchkcho-slowakisLerWäünms Ungarn: Monatlich .. Kronen "O.— Vterteiiavrttch 0«^- ta ungarischer Währung Jugoflawrm: Monatlich .. Dm« <k— VterretjStzrltch » 40 > Pränumerattvnspreiser »■Int: . Monatlich.. Marl Blerteljahrlich, M tu polnischer Währung _ Deutschland: - . Mouatlich. . . Marl LO^-j Frankreich: ■: , . Monatlich. . . Franc- Br*t Italien: I Monatlich .... Lire 6.*^ Schweiz: j. Monatlich. . . Franc- 8r-\' Dt edaktkon n. SldminiNrotio» Wte»,L.Bez.,TaborftrU-S Sekephoner Administration 440-H, Stedattion 49310. ai» 0 Uhr aticnvs Sir. 10201 WoMPartassenlont» ISSchA °n. 656 Wien» Montag, den?2. November 192» --—S> 2. Jahrgang Die polni$c1>-ru$$i$cben friedens- Verhandlungen ' V. Paris» 21. November. (Funkspruch.) Nach einer Meldung aus Riga feie» die polnischrusfischÄr Verhandlungen unterbrochen worden. Joffe habe Samstag der polnischen Delegation eine Note überreichen raffen» worin es heiß , datz wegen der Nichtausfirhrrmg der Aufatzklaufel zum PichtokoL vom 14.V.M.» betreffend die Z-rrückziehnng der polnischen Heere bis an die Grenze» seitens Polens die Verhandlungen bis zur Ausführung der genannten Klausel unterbrochen feie». ___ Der Uölkertoindkongrest Die Prüfung der Aufnahmsgesuche. — Tagung des Kongresses bis Weihnachten. Genf» 21. November. Die fflnite Kommission, die gestern ihre erste nick'öffentliche Sitzung abhirli. bechloß, die Aufnah m sg e s u che b e h u s S P rü In n g an drei Unterksmmiisionrn z» verteilen. Ter eisten Uulcllommlfsion wurden Finnlands Estland. Lettland. Litauen und Lureniburg, der zweiten O e st e r r et ch. Bulgm rrn, Albanien und Liechtenstein und der dritten Georgien» Aimenim, A't'be'dlchan» de Ukraine und Cosiirica zugeieilt. Jede Unterlomm ssioa besteht aus sieben Mltglrchern. Die zweite Unterkommission mit Robert Cecil als Präsidenten hat folgende Mitglieder r Branting (Schweden). Fosier (Kanadas Osufkv lTtchecho-Llowikei). Broiam' (Frankreich), Caglram (Italiens und Mniaiiki Poln). Die Unterkommissionen haben iede Kandidatur nach folgenden Gesichtspunkten zu prii en: Ist daS Auinahmege>nch in regelrechter Form eingrbracht worden? Ist die betreffende Reg'eruna So furo oder So tscto und von welchen Staaten anerkannt? Bildet der angrm-ldete Staat e ne Nation mit ständiger Negie- «Jim und fest n Grenzen? Negiert er sich frei? Welches war sr,ne Haltung rn Handlungen und Eiklärnvg^n, betreffend leine internationalen Bewsiichtongru und bte Borichuslen des Völkerbundes über d'e Abrüstungen? In der vorher gegangenen Diskussion betonte Fisber Engfand), daß d>e Aufnahmsge ucbe >m Hinblick au! Artikel 10 d S Paktes und auf die besonderen Bediagnugcn eines jeden Staates geprüft werden sosien. Miller (Australien) hob hervor, daß die Unt rkonimsisioiteii sich nickt nur vom Interesse deS Bundes, sondern auch des e,u- »Inen Staate-lenen lassen müssen. Die Untersuchung der Frage, ob die Aufnahme eines Staates d ssen Aneikennung durch die Lolkerbundmiiglieder zu bedeuten habe, wird eine besondere Kommission vornehmen und am Montag darüber berichten. Biviam verlangte von die'er Kommi'sion. daß sie aut der Grundlage des Paktes als Gerichtshof über jeden Staat enischeide. Genf, 81. November. ES w>rd angenommen, daß die Tagung der PSikerbunlvetscimmsnng mit M^sicht auf ihre umlangieiche Tagesordüung ttst^lurz EMechnachteu^eschlosserl'? werden wird. . - Pari». 81. November. (Funlsprnch.) Der britische D legierte bei der Völkerbmrdversammlung, Büsiour, rsi gestern in Genf angckommrn. Genf, 21 November. Die Vereinigung der in der Schwei: lebenden Aegvp er ha» an den P-äsidenten Hymaus eine Depesche gelichtet, worm die Absender unirr Hinweis auf den Abbruch der englisch-ägyptischen Bet Handlungen die Hoffnung ousivrechen, daß die VölkcDbundversammlung der international n Gerecht gkcib» und den unverjährbaren Nechlen der unterdrückten Bvlkcr znm Siege ve.helfcn werde. Genf, 21. November. (Schweizerische Deveschenaaentnr.) D»r Böllerbundrat bat heute beschlossen, daß die Zuverlässigkeit des Plcbsüis im stutsigen Gebiete zwüchen Polen und Litauen gesichert werden müsse. Warschau. 82. November. ^Tel.^Komp.)Dr'e litauische N e g i e r u n g bat an dev Bölkcrbundkongrcß eine Beschwerde wegen der Unterstützung der Armee des Generals Zukigowsk durch dre Polen gerichtet. König Konstantins Rückkehr nach Griechenland. Paris, 21. November. (Funkspruch.) Die Bla ter melden auS Athen: Gemäß einer vom Minifterrat getroffenen Entscheidung wird die Volksabstimmung bezüglich der Rückkehr des Königs Konstantin am 28. November stattfinden. König Ksnstantin hat der Regierung mitgeteilr, daß er das Ergebnis der Volksabstimmung für feine Rückkehr abwarte. Die Vorgänge in der Tscheche-Slowakei. Prag, 21. November. (Privat? Unter der deutschnattonalen Studentenschaft macht sich eine starke Bewegung gegen das weitere Verbleib n ln Prag bemerkbar. In einer Versammlung des Perman«-« auS'chusies der deutschen Studenten wurde eine Entschließung gefaßt, in der es unter anderem beißt : ° In olge der Ereignisse der Ictzten Woche mußte ei« Teil der deutschen S udevten Prag verlassen, die übrigen aber leien tttschlosicu, dc.S höchst« Kulturgut bis zum letzte« Augenblick tu halten. Immcrh n fei aber a« er« längeres B r' leiben der dentschen Hochschulen in Prag nicht zu bersten. Stärker denn je «schalle der Ruf; Heraus aus ^rag l f Prag, 21. November. Der «Bohemia' -«folge hat sich hio Dirklüst» der deukichen Theater, dre durch die Eruüelluua des Betriebeeinen Schaden von mehr als K 100.000 erleidet, an btt Regierung um eine Noraush'lse gewendet. Prag. 21. Novcmbcr. Nach einer Meldung der .Dvh^M'a" auS Asch sind rwci der Todesovter KrirgslnoaUde. D>e Stadt- Vertretung Hai eine vterlägige Trauer angeor^net. Tie Beisetzung der Opfer erfolgt in einem'gemeinsamen Ehrrngrabe. Olmütz. 221 November. tT»1-Komp) Der für heute angesetzie Vortrag des Abgeordneten Lodgman Über die letzten Ereignisse wurde von den 'Bchordcn verboten, da man Unruhen befürchtete. , Der Kampf der Kommunisten «m l Pravo Lidu". Prag. 22. November. lTrl -Komp.) Die Kommunisten, die bekanntlich trotz deS richte,liehen Urteils das Arbe teilieim weiter besetzt halten, trafen alle Bo bereitungen, um das HauS gegen Angriffe der Rechten und der Beböiden zu schützen. Bei der Vertrauen? männe Versammlung n a de beschlossen, für den Fall von Gewaltrnwendung gegen das Arbeiterh'eim den'Generalstreik in Kladno.8« proklamieren. Gestern waren 1000 Arderler zum Schutz des ArbeiterhcimS in Prag eingetroffen. Tusar geht nach Aegypten. Prag, 22. November. (Tel.'Komp.) Wie »Pondelnik* erfährt, wird sich der gewesene Ministetpiäsibent Tusar, der im Iämier den Boischafterpnsten in Berlin antteten soll, nach dem am 27. und 28 d. M. ftoltfindenden Kongress der sozialdemokratischen Partei mit seiner Gattin nach AegyNteo begeben. . 0 Der Kampf tim das jüdische Minderheltsrecht in der Bukowina. Don «AfereM Korrespondenten. Rumänien Hai bei der Friedenskonferenz eine klägliche Rolle gespielt. Dratianu geriet ganz in Mißkredit u»rd mutzte seinen Platz räumen. Nur der diplomatischen Gewandtheit deS damalig«^ Ministerpräsidenten Daida Voevod ist es gelungen, eine günstigere Atmosphäre für die Rumänen bei der Friedenskonferenz zu schaffen. Kein Wundert Man gab nicht viel auf dre Versprechungen der rumäni-. scheu Staatsmänner. Dre Mißachtung des Berliner Vertrages,'ganz besonders in bezug auf die Judenemanzrpation, war noch rn lebhafter Erinnerung. Und in der'Tat, die' Entente hat nrcht umsonst Befürchtungen ausgesprochen,- Rumänien sträubte sich lange gegen den Minoritätenschutz, mutzte aber doch unter dem Drucke der Verhältnisse nachgeben und unterschrreb am 10. Dezember 1619 den Friedens- Vertrag mit den inbegriffenen MinoritätSschutzklausetn. Kaum ist dres geschehen und schon handelt Rumänien nach alter Taktik. Der Völkerbund rst noch nicht mit allen' Rechten ausgestattet, das Parlament fetzt sich aus Neglerungs« mamelucken zusammen und Gesetze und Verträge sind eben-, dazu da, um nrcht respektiert zu werden. Der Kampf um - die bürgerliche Gleichberechtigung mutz von neuem beginnen. Für doe Juden Rumäniens bestehen de facto alle früheren^ Einschränkungen. Dre Staatsämter sind -ihnen nach wie vor? verschlossen; die Erlangung gewisser Gewerbezwerge ist nur-, durch Vorschreben eines Rumänen möglich,'die Schulgutonvmie wird rasch' äögebaut, und in allerkürzester^ Zeit< werden:^ Juden ZkümänienS' d'orl^ 'stehen, wo' sie begonnen ha'lÄrü" . In der Aero des gewesenen Ministers ^Dr. Ni stör wurde mit der Nationalisierung der Schulen in der Bukowina begonnen. In Czernowitz entstand ein jüdisches Staatsgymnasium und gleichzeitig wurde mit dem Abbau der deutschen Mittelschulen begonnen. Die Volksschulen sonderte man nach Konfessionen, wobei die Ernennung von jüdischen Leitern und Inspektoren in Aussicht gestellt wurde. Dem Jüdischen Nationalrat überlietz man die Entscheidung' der Unterrichts-: spräche in den jüdischen Schulen. ES'entspann sich "der'alte; Streit zwischen den Hebraisten und Jiddischisten, deri schlietzlich. zu einer Eimgung führte. Ditz erste Volksschulklasse sollte > mit hebräischer Unterrichtssprache eröffnet und Jiddisch als UnterrichtLgegenstand eingeführt werden. Beim Gymrrasium sollte ein sirlzesjiver Mbau des Deutschen und ein Aufbau des Hebräischen erfolgen, in den oberen Klassen ' jüdische Volkskunde in jiddischer Sprache unterrichtet werden. Dieser Beschluß wurde der Negierung mitgeteilt. Es verging übep ein Fahr, und es gesck^ah. nichts. Es blieb bei einer konfessionellen Teilung der Volksschulen. Zahlreiche Deputationen sprachen an konlpetenter Stelle vor» allein ohne Erfolg. Die. Regierung steht auf dem Standpunkt, datz Stellen von Inspektoren an nationalen Schulen nur den Rumänen Vorbehalten seien. .! Andererseits machte sie gar kein Hehl daraus, datz eine rasche R o m a n i s i e r u n g . im Interesse der - Regierung gelegen ist. An drn Volksschulen wurden tatsächlich keine jüdischen Leiter bestellt, die Lehrerbildungsanstalt wurde nicht irr nationale Abteilungen gesondert und keine Volksschulinspekwren bestellt. Alles blieb beim Alten. Hingegen langte eine ganze Reihe von Erlässen herab, welche die Existenz der nationalen Schulen entschieden bedrohte. So zum Beispiel wurden rn der Auszahlung der Gehälter zwischen Rumänen und Nichtrurnänen GehaltSunterschiede' gemacht. Die Juden wurden am ihren Anstalten, vom Unterricht gew'ssev> Disziplinen ausgeschlossen. Dazu kam noch, datz «n der Czev-, nowitzer U n i v e r s i t ä t die Vorlesungen über Hebräisch an der weltlichen Fakultät sistiert wurden. Am 4. d. N. setzte die Regierung ihren Ausnahme gesehen die Krone auf. In Czernowitz bestand ein Landes» inspektorat für das gesamte jüdische Schulwesen, welche? über Weisung des Unterrichtsministeriums aufgelöst wuroe. Die Vorgeschichte dieses Aktes ist nicht unintereffarii. Nach der Schaffung der nationalen SäMen langte ein Erlaß von der Regierung herab, welcher Hebräisch oder Rumäni,«, alS> Unterrichtssprache anordnete. Entsprechend dieser Verordnung verfügte der provisorische judisckie Inspektor die allmähliche Hebräisierung der Schul««. Das war b«r jüdische» Sozialisten sin. Dorn im Auge und sie begannen er« Keffol» treibe« gegen diese Verordnung. Sie erwirkten bald einen zweiten Erlaß, der Hebxäisch, Jiddisch oder Rumämsch als Unterrichtssprache anordnele, und eröffncten eine gewaltig Äretzkampagne crcaen drn jüdischen "LnspeLtor/ Me 11109222