Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 649 (14.11.1920)
- Date
- 1920-11-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/2979076-2979416-2979727--05776-2991655- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
«tnjcigtcfs prä»»«er»tio»apreis«: UraL | f 18 3, efct Mi etoce SftfUItüfWlt (»will): Ms»atttch.. rrroseo »«.- Pterteljdhrll» »«.- 8Ntt ypffatrfai^fftt1 -Sie» im> woaaUlch .. Krotten 30.- 1 T,chtch».Sl««M: Mpoatlich .. Kronen 1».*~ 8WWS.,«L°L Kinzelpreis »SsäsZr SttgeflaftitK: w«»«tttch .. Din« vtettelMrUch » 18.- ' Pränumerattonspreif«, Wonnen* Mark 30^. «iertelfiibrli* .. 8*- in-nlnischer VA,«», De^nckland: Wonnen*. . . Mark LO.- Monnetttz^ V^^rnneS . Monatli* Lire S.- Monaittch^^raneS NedaMon p. Stzmknistratto» Wiea,S.Bez^Laborstr.1-3 nd «Nyra»«rd-Rr. Nr. 649 Wien, Sonntag» den 14. November 1929 2. Jahrgang Umgruppierung in Ungarn. Die Negierung vor dem Rücktritt. — Keine Systemündernng. B u b a p e sti 13. November. Den Abendblättern zufolge wirb die Regidrnug zum Beginn der nächsten Woche zurück treten. Gleichzeitig werbe eine neue^ Gruppierung der politischen Pttrteie« erwartet. Als künftiger Kabinettschef werben Rnhinek, Grat Stephan B e t h l e n und der bisherige! Ministerpräsident Graf Paul T e l e k i genannt. Die nüchste Ausgabe her >,Wiener MorgenzeUung" erscheint Dienstag den 16. November früh. Die Budapester. —y. W l e u. 14. November. 'Was sich m Liesen Lagen auf der politischen Schaubühne Ungarns zuträgt, ist kein hübsches, aber ein interessantes Spiel. Wir sehen, wie Regierung und Gesellschaft eifrig bemüht sind, der europäische» Oesfentlichköst wolle. Hände Sand in die Äugen zu streuen. Die Ermordung eines Polizisten gibt den Anlatz für . die Machthaber Ungarns, sich aller Welt als engelreines Kind, zu präsentieren. Man setzt mit allen wirksamen Mitteln'der Kmorömantik ein großes Spektakelstück in Szene; Militär nnt ^Maschinengewehren und-den Roten Kreuz-Wagen (ohne die der militaristische Apparat nicht auskommt) dringt in ein MorderyoM ein, voran der Ministerpräsident, und der: OberstadthauptMann; drinnen w irdv erhaftet, Hans gesucht, geamtshandelt. Alles um 4-Uhr morgens. .Zur gleichen Zeit gibt es eine. Schießereiin Czrnkota,. der: Heimat des - Frauenmörders Bela Kifs'.': Dann'wirh: der Verein her Erwachenden Ungarn aufgelöst, sein Lokal, beschlagnahmt. In: der Kammer redet der MinisterPrstsidenL in den rollendsten Phrasen; Ernster Mille der Regierung,. Staatsgewalt, Rühe und DrdUung.' Was ein Minister ebemrsder. Mm üntwortet, nach guter Verteilung der Rolle»! Karl Hsiszar: Rechts-, ordnung, ..Bssstraftmg. der Schuldigen, ' Recht/ /.Gesetz, EMpÜrUülMMstsWWwMM;W..ERrrWljtLh;., beH'rde und letzitimiert'feiM MHaMtchMießgeMch,/' die /frsigMben " Ä WwaWnhen hügärsiDN der: Ministerpräsident -ws. fei nicht so Ws gemeintgewesen- und 'er .hübe nicht, aufgelöst, . sondern nur ^-suspendiert. ' " /; 'Mas ist. . eiWNtlich - der . tiefere Grund' dieser Köurädie? Die Regierung ist von der Entente ermahnt worden, den Friedensvertrag von Nemlly zu ratifizseren. Me 'haftFselbst durch die Machenden Ungarn gegen diesen Vertrag geschürt. Nun ist ihr diese Agitation peinlich .und' sie benützte gerne den Polizistenmord, dje aufgeregten Patrioten für die' wenigen Tage zum Schweigen', zu'bringen, die noch zur Ratifizierung im Wgeordnetenhaus notwendig sind/ Ist das einmal vorher, Hann tpird, man den Protestierenden wieder freie Bahn geben. Sie werden mit den Juden wieder nach , Gutdünken umspringen dürfen.' Das Hotel Britanma wird seine Stammgäste wieder , erhalten und die' Rechercheure' der Erwachenden Magyaren . werden wieder ihr einträgliches Handwerk des Judenfangens aufnehmen. ' . Arst diesen Schwindel wollen wir. rechtzeitig aufmerksam .machen. . Es mutz gesagt werden,/daß sich in der psychischen. Anlage der Regierenden in Ungarn nichts geändert hat, Sie wollen sich weder mit dem Friedensvertrag moch mit seinen Bestimmungen abfinden. Weder hie Unterfertigung des Instruments durch die Friedensdelegation noch die Gutheißung durch die Nationalversammlung ist/ ernst gemeint. Für Ungarn würde die politische Ehrlichkeit sehr viel bedeuten und eine Menge von wertvollen Kräften, die bisher durch die chauvinistische - Aktion gebunden waren, im Interesse des Landes, seiner Beruhigung und Erholung freimachen. Aber der Hochmut, der stets das Charakteristikum der Ungarischen Regierungskaste war, will sich nicht bescheiden. Ungarn hat keine Freunde und der Einspruch Englands gegen den Geheimvertrag von Gödöllö zeigt, daß ihm auch die französischen Allerweltsgeneräle nicht helfen können. Polen ist selbst in Not, Rumänien fühlt sich saturiert und die Tschecho-Slowaksi und Jugoslawien beobachten argwöhnisch und - mit gezogenem Revolver die Grenzen. Im Innern brennt unter der Asche das Revolutionsfeuer der Bauern und Arbeiter, die mit der in Budapest tagenden Herrenduma durchaus nicht solidarisch sind. Das Land hat keine Kohlen und feine Lebensmittel. Die Lage ist also nach außen und Nach innen nicht rosig. Aber ein versöhnlicher Kurs würde die Gefahr mildern, er könnte gegen ehrliche Garantien von den reicheren Nachbarn Brennstoff und Nahrung erhalten und diesen zur Entspannung des Militärbudgets, das ihre Kräfte belastet, helfen. Aber das wäre zugleich das Ende der Schreckensherrschaft. Das Einbekenntnis, daß der bisherige Kurs falsch war, datz man den KrmsHen Terror, mechanisch abgejchrieben Genf, 13. November. (Wolfs.) Auf dör Tagesordnung der Sitzung des Völkerbundrates am Sonntag stehen als HauptgegenstLnde die Verfassung von Dan zig und der -Ui«uilchHp o I ni f ch e K onf likt. Die Tagesotz-Wmg der ersten Sitzung der VölkerbundversMmlnng besteht aus drei Punkten: VerleWs des EinLernfungsschreibens durch Hymans, Mnsprache des Bund es Präsidenten Mo t L a,Wahl desP r L f i d e n L en. Aus Kreisen des General, etzretariats des und potenziert - hat/ - daß man Sie jüdische - Intelligenz (ohne die Ungarn orin und kümmerlich wird) eingeschüchtert, ermordet oder aus dem Lande gejagt hat, d'aß die soziale Fürsorge nicht einmal über die primitivsten Anfänge hinausgekommen ist, würde den herrschenden Klüngel hinwegfegen. Also bleibt es bei dem System Horthys. Sein Ende wäre das: Glück Ungarns. Aber die Oligarchie und ihr Anhang, die zusammen henw *ie Völkerbundes vernimmt man, Hatz die erste» zehn Tage den Vollversammlungen gewidmet sein werden, die folgenden zehn Tage de» Arbeiten der Kommissionen und die letzte» zehn Tage den Kommissionsberrchten und ihrer Diskussion in der Versammlung. Die Eröffnung der Völkerbunds ersammlung wird im Reformationssaale vor sich gehen» Dort werden auch die folgenden Voll» sitzungen abgehatten werdch». je die Macht des Staates in Händen halten, haben unter Ungarn stets nur ihre Tasche verstünden. Sie bleiben und mit ihnen ihr Geist, ihr Blutdurst und ihre fabel« haste Geschicklichkeit, die ahnungslose Mitwelt über das Ohr zu hauen. Bis der Sturmwind der Geschichte auch» diese Sippschaft von Grafen, Turfspielern und Bauern» legern zusammen mit ihrer Weiten Garde m seine» ' Wirbel ziehen wird. Englisch-französische Einigung. — Konferenzen in Brüssel «nd Genf. — Festsetzung einer Gesamtschadenssumme. Paris, 13. November. (Funkspruch.)'Botschafter Lord Derby hat dem Mnttsterprsisidenten Leygnes zur Kenntnis gebracht, daß die englische Regierung das französisch-englische Nebereinkomnren über die Behandlung der Wicdcrgütmachungssrage angenommen habe. Der Vorgang werde folgender sein: 1. Zusammenkunft der alliierten Sachverständigen mit den deutsche» Sachyerstandigen in Brüssel. 2. Nach der Abstimmung in O b e r s ch l e s i e n» spätestens aber in der ersten Hälfte Februar, wird eine Zusammenkunft von Ministern der Alliierten in Genf stattiinden, . bei der die (fit t sch adiguugs frage i n i h r e m gesamten Umfange beraten werden Offensive der Armee Balachowiez gegen die Sowjettruppen. Warschau, 13. November. (Tel., der „Wr. Morgenztg/.) Nach hier vorliegenden Meldungen hat die Armee Balachowiez die Offensive gegen die srottruppe« in der Richtung auf Mosyr begonnen. Die Sowjettruppen ziehen sich gegen Owruez zurück. Moskau, 13. November. (Funkspruch.) Frontbericht vom 12. November: Im Gebiete von Mosyr In fan te.riekämpfe mit den Truppen B a l a ch o w i c z'. In der Richtung auf Nowo-Uschitza entwickelt sich unser Vormarsch günstig. In den Kämpfen vom 11. d. M. wurden 800 Mann und 10 Offiziere der P e t l j u r a - T r u p p e n gesangengenommen und viel Munition erbeutet. Im Krimabschnitte besetzten wir nach langen, hartnäckigen Käinpfen am 11. d.-M. die Ortschaft I u s ch un. wird. Die Bevollmächtigten der deutsche» Regierung werden sich an dieser Konferenz wie m'Spa mit be« ratender Stimme beteiligen. 3. Die Reparationskommissiou wird die Gesamt» summe der Entschädigung und die Zahlungs» Methoden bestimmen und den Mächten einen Bericht übey Deutschlands Zahlungs f a h r g k'e i t zugehe» laffen. 4. Der Oberste Rat wird zusammentreten, «m alle weiteren Maßnahmen einschließlich der Garantie» und Sanktionen zu Prüfen. Es werden Schritte unternommen werden, um die übrigen an. der Entschädigungssrage interessierten Staaten zu bewegen, diesem Verfahren Zuzustimmen. Die Völkerbundkommission in Wilna. Warschau, 13. November. (Poln. Tel.-Ag.) Die Kommission des Völkerbundes unter Führung des französischen Obersten Chardigne hat sich am 12. d. M. über Warschau nack Kowno und Wilna begebend Der türkische Frie-ensvertrag. Konstantrnopel, 13. November. (Teb Komp.) Die Entente hat von der türkischen Regierung zum zweiten Make die Ratifizierung des Friedensvertrages gefordert. Sie hat die Anregung der Hohe» Pforte abgelehnt, daß man vorher das Ergebnis der Vesprechnngen mit de» Kemaliften abwarte» müsse.