Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 647 (12.11.1920)
- Date
- 1920-11-12
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Wien, Freitag Wiener Morgenzeirunq 12. November 182V 'Nr. 647 Teile 8 Der Volkswirt. Smt Strem --- 1.75 Eentiwes Geld Gestern «orierte in Zürich: die ösierrerchifchr Krone ... 2 75 (l.*0 am 10 November) die öftere, «cstemvelre Krone . . l20'( 130 m 10 November^ die tschechische Krone ..... 6 85 6 «S am lo Novrmbcr) die Mark.. . 7.47'/, 772Ya am 10. November Aarsm ........... —am 10 November) Bukarest .......... 9.40 925 am 10 November' Budancü.. 1.221/, ( 1.25 am 1> Nov mber) WariLau.. 1.65 ( 1.80 am 10. November) DieWLrtschafLsverhLlLrrisse in Rrrtzland. Die nin*üäf)cn Emissärehaben die Meldungen europäischer Bläser über den vollkommenen Zusammenbruch der Wirtschaft der Bolschewiken immer als tendenziöse bezeichnet. In den letzten Nummern der Zeitschrift ,,Der-O< fterrcichisch? Volkswirt" macht Dekor Paul Hoffmann Angaben über die wirtschaftlichen Verhältnisse Rußlands, die aus dem offiziellen Organ der Bolschewiken. „Ekonomitscheskaja Schisn" geschöpft sind.. Sie rollen ein Bild der trostlosen Verwüstung auf, die der Kommunismus in der russischen Wirtschaft ungerichtet hat. Die Industrie ist vollkommen vernichtet. In der gesamten Textilindustrie, die vor dem Kriege sieben Millionen Spindeln zählte, arbeiteten km Jänner 1920 nur 526.000 und im Juni nur mehr 260.000. (In Deutschösterreich laufen in der Baunrwollsp'.nuerei allein über eine Million Spindeln.) An Webstühlen arbeiteten im Juni 1914 im weiten Rußland nicht mehr als 6000! Die -260.000 Spindeln ' verteilen sich auf 13' Spinnereien, so daß auf eine 20.000 kommen, ein Beweis dafür, wie unrationell trotz der angekündigten „Konzentration" der Produk ion diese arboi.et. Die russische Zuckerindustrie zählte 1914 zirka 71.000 Beschäftigte und erzeugte 100 Millionen Pud, derzeit sind in dieser Industrie um 50 Prozent mehr Menschen beschäftigt uno das Erzeugnis wird auf 7,5 Millionen Pud — geschäht, wird also in Wirklichkeit noch darunter sein, lind selbst wann sie erreicht würde, käme dies einer Produktion von einem Kilogramm pro Kopf und Jahr gleich! Die Qelpwduktion in Baku geht ständig zurück und hier, wie bei allen anderen Industrien, wird als Grund dafür die Zerstörung der alten Organisation und der Arbeitermangel angegeben. Die Arbeiter strömen aufs Land zurück,, weil sie in den Stäb-.. : hungern müßten. Interessant ist, daß trotz aller Sozialisierung und progammatischen. Konzentration der Betriebe gerade die großen Fabrilen, zu arbeiten aufhören müssen, während die Zwerg- Industrie und die Hausindustrie, die nicht völlig nationalisiert werden konnten, weiterbestehrn. Der katastrophale Zustand des Ernährun g s - we se ns wird -sich im heurigen Jahre wegen der furchtbaren Mißernte nur noch weiter verschlimmern und zahlreiche landwirtschaftliche Gebiete werden sich picht selbst ernähren können. Selbst den bevorzugtesten Ärbcitergruppen, den Eisenbahnern, wurde die Brot- und Mehlquote pro Oktober um '25 Prozent gekürzt. Sentx die Berechnungen der Sowjetstatistiker stimmen, so werden für die Nichtselvstversorg^r im Oktober vier Kilogramm Getreide per Kopf verfügbar ftin. allerdings am Papier und in den fernen Gebieten des Kaukasus und Sibiriens. Die russischen Handelsdelegiwreu pochen immer darauf, daß sie mit Gold bezahlen können. Nach den I Berechnungen Hoffmanns kann Rußland nicht einmal Ö00 Milli nen Goldrubel besitzen, das sind also keine 70 Millionen Pfund. Es ist daher ganz unmöglich, daß Rußland große Abschlüsse für Importe unter Goldzahlung macht, wobei noch zu bemerken. ist, daß die Gläubigerstaaten Rußlands ihre Ansprüche auf die Goldguthabungen erheben, die dieser Staat sich durch Hinterlegung von Geld bei den skandinavischen BaMn schafft, mit denen er die Importe bezahlen will. Han^elsnachrichten aus der T^che^rv-Slowakei. Prag, 11. November. (Tel. d. «Wr. Morgen; tg.".) Die Aktien braue rer in GraSlitz hat die Erste Maschinen» Brauerei Johann Böhm in GwSlitz angelauft > und erböhr aus diesem Anlässe ihr Aktienkapital von 1.3 auf 2 Mülionen Kronen. Die böhmische Brauerei hat im letzten Friedens» jahre 9800 Hektoliter Bier erzeugt. In der Sitzung des Gewerbeausschusses kündete Handelsminister Hotovec unter anderem an,. daß in Pre ß» bürg ein o r i e u t a l r s ch e 8 Institut errichtet werten; würde. Ferner gab er. bekannt, daß der Prager Mustermesse eine staatliche Subvention von 2 Millionen Kronen gew-'ihrt werden wird. Eme Reihe deutscher Industrieller mit dem bekannten Reichenberger. Großindustriellen Liebig an der Spitze, gründet eine Aktien-Gesellschaft unter dem Namen «Erste tschecho-slowakische K unsts e i d e n f a b r i k in Prag" mit einem Aktienkapital von 15 Millionen tschecho-slowakischer Kronen in Aktien mit einem Nominale von 400 tschecho-skowakischen Kronen. Küp'.LgLserhShun§en. Die M o i ck i n e ntut d Waggonfabriken L. Zielenie wski i ii K r a k a u, Lcmbnfl und Sanok. Aktiengesrllschaft in Krakau, v-rmchien ihr Aktienkop tat um 4000o neue, vom 1. Oktober 192> dividendenberechligie Muri zu polmsciun K 200 — polumr en M. 140 von volnücbrn K 8 00 '.OM — reinlichen M. 5,«Oo.O 0 auf polnische K lfi/OO(00 — volni'che M. 11.200>iO'. Auf di^ie neuen A'iren wird vom!>'. d. M. bis e-nschließlich 3'.). d. M. rin Be'Uflsncbt, und nvnr nach j> bret ölten Alli.-ri auV sw4 neue?nm Pre 'e von polnische M 600 das Etiick, Zil'üaüch «•/* Zinsen von btejetn Beüage ab l. Otrob?r ifHO, gewährt. - _ . Die G l a S h ü t 1 e n w e r k e vormals I Schreiber L N e s s e n vnm hren chr Air enlavital um 7500 neue. mO den Jnd'ber lantmte Alti'n zu K 4(.ü mit DloldendenkeieclN'cnmq ob 1. Jäi'ver 1920 von K 5 000.0 :0 auf K 80oö( 00. Auf 50( 0 d'eier neuen Aknen w rd vom!3. bis einschl'chlich 25. d M. ein Bewl'srcchr, und zwar nach je Hhir alten Akt en auf zwei naie mm Prci'e von K 1600. zu;iiglich 5°/0 Zinien von dre em Betrage ab 1 Jänner 1920, gewahrt. Alncnbruchtcile werden nicht drrücksichngt. ___. Ermätzigung der Tarife für Gummi und Kautschuk . Die ömneildl ch>n Eriendaimen haben für Warm aus Gummi und Kautschuk Mlt Gülrigbit vom lä.d.M. dre stüberb.ftondcne Frachlberrchuunwieder e'ngrfiidit. Durch d>ese Maßnahmen wurden sowohl für die Emsnhr der Robstoffe als auch für die Be örderung der fertiaen Wirre weemlrche E r m ä 8 r gü ngen peschasten. Während znm Beisviel. bisher für 300 kg Guwm - wa>en von Wl'-n-Wcstbahnhof nach Bregenz brr ellou'mäiriger Bcfördanna 8 5516.10 zu be;adlcu wäre:;, ist künftighin die HäiUe d-escs Betrages zu enir-chlen. TLutomobUverkehr für Len Wkrentransport. Wie der „Nöwa Reis ma" berichiet wird', hat sich in D an z i g eine p o l u i s ch - a m c r i k a n : s ch c Ge'cllichaft mit einkm Kawtal von 1 Millwn Dollar gebildet. ,Dic ciiim regelmäßigen Auwinobilverkehr für War-niianSpoite einführen wird. Die Wag-'n werden auf der L-n c D a n z > g—T b o r n—W a r i cb a n— K r a k a u vcrkehr:::. Dec Bclneb soll am 1. Dezember eröffnet werden. Ariglo-Oesterrekchische Bank. In der Sitzung des Gcneralrates wurde, dem Rechtskonsulenten Dr. Egon .Bergson-Sonncnberch sowie den Diroktorstellvectretern der Zentrale Franz Ä enisch, Alexander Epstein und Wilhelm Jonasz der Titel eures Direktors vemiehen. Dalutenkurse. Bon den fremden ZahlungsM'Neln waren im gestirgen freien Beikehr D v l l a r n o-t e n wieder G«°ü «stand reger N Erage. konnten - jedoch ihre Avance bis zum' Schlüße nicht voll behaupten. ES »oticiten: Leinölen 8.80, RubelnvLe » K 3.37, M a r k n o t'e » K 6.62, Lire K 1895, f r a nzü fisch c Noten K 82.—, S ch rv e.i zerNotc u K 87.50. t s ch c-* chiiche N vten k 5.70, Dollar K 590.—, Psuno K 190 >.—. D > u a r K 13 65, p o l n i s ch e M a r k K 130.-. , u n g a r i sch e N o t e n ' K 101.—, Auszahlung A g r a m ll 847.—. Auszahlung Berlins 663.—, .A u § z a h l u n g Prag L 567.—, Auszahlung Italien K 19.30, Auszah l.u naSchwerz Ll 88.50 und u n <, e st e m v e < t e N o » n W2 —. Verknus von Braunkohlenbetriebe« der Bereinigten Kohlen<-A.-0). in Dresden. Aus Berllri wird der »Frankfurter Zeitung" geschrieben: Die sehr erheblichen deutschen Braunkohlenvetrieve der Vereinigten Kohlen-A.-G. in Dresden (früher Dcutsch-Oeste-r^ichische Bergwerks-A.»G. sind dem Vernehmen nach unter die Disposition der Deutschen Erd« ö l-A.-G. gelangt. Eö sind bas die Werke Witznitz l Sa. und Beuna im Geiseltal. Beide zusammen förderten 1619 1,010.000 Tonnen Kable bei 323.000 Tonnen Brrk-etterzerlgrmg, aber 1916 bereits 1,403.000 Tonnen Kohle bei 468.000 Tonnen Brikettberstellung. Der Kaufpreis wird auf 60 bis 80 Millionen Mark beziffert, doch ist diese Ziffer nur mit dem Vorbehalt späterer Ergänzung wiederzugeberl. Wirt,chnfLLrcher Aufbau und Warenbedarf iw Palüftina. Der lommcnde wirtschaftliche Ausbau Palästinas wird im Zusamenbana w'tß d'r vorbere-^ten süci'chtv Emwandr--, rang einen pewal igen Warenbedarf zur Folgi> baden. Die ersten Lwibere'ungcn lastrn dies bereits erkennen. Schon heute benscht m Palast na. wie die«Z onistu'ch? Korrespondenz" meldet, be'onderev Bedarf an folgenden Warenaattvnpen: Baumaterialieu jeder Art, insbesondere Ba»traaer, D r a b i st r t t r, 5k l e,n-> e i s e n s a b r r k n t r, H o l z k i st e n. ferner l a n d w i r ts ch a f t li ch e M a s ch inen und D ü n g e rn r l t e l. Handelsverkehr mit rkruguay. Unter Z.rkl 8264 sonnen Interesse,iten im P.rrtnenbuiean de> Ervvrtab^'lrmg der nieder-" östeirechi'chen Handels- und Gewerdekammer Einftchi nehmen in eie Em- und Äusfrch daten der Nwnblik Urugnay für die Jahre 1916 bis 1918 sowie rn dre Zoll- und Hafeuverordnungen des genannten Landes. :! ml UIjIiSBIiü! Georg CochpSats 3 Irpnnf viii imiiis im. Telephon 13-1-35 Kulanteste Durchführung: aller ban^mässi^en Trans-l aktionen sowie Besorguntr von Zahlungen und Ueberweisungen an alle PJätee im In- und Auslande Eigene Korrespondemfen En SerI!n,Budapesi e > . Prag, SCrakass, Agram >cy Wiener Börse. Trotz der viertäa gen BerkchrSunterbrechnng herrschte an der g'str'gen Böise eme f>sie Tendcnr, dock gew-mn das Geschäft mv: aus e nz>Inen G'bieten einen gröberen Umfang. Im Borde g unve des Interestes'.standen Skoda^Äkucn. welche in größeren Posten für Pnigcr Rechnung aus dem Markte gcnouimm wurden und eme Sttioernna von 195.— erziclten. Auch Alvlne-Aklieu besterien stch bei regeren 'Umsätzen um K 125.—. Südbabnweris g wannen von dem iie'eren Stand uns:,er Krone in.Zürich. Mcbr Beach'ung landm seiner emrelno Bmikentterte. Im Sch anten übe! wog die Krustast und w eserr von den Transport weilen Taniv'schist eme Sttrgeitmg von K4i0 — und Nv ddahu rme 'olche von & 850.— ans. Dagegen wurden Au'stg-Tevlitzer um K 250.— und Lemberg-Czernowrtz.r um >> 245. - billrger abgegeben. Ans dem Jndnstricmarkte vrofinerten Königsboier Zement K 300—, L estnaer Brauer ei K 200.—, Au stg Chemisch« K 3 0 —, Hutter L Schrantz ^l^ Itio.- und Prager E feu K 350—. Bon den Koblenvavicien wu'deu Rossttzei Bergbau um K 10 —, Trika'lcr Koblcn um K 290.— und b e Attreu bec llnortrndien aKantfc nfn Koblen um K 320.— n die Höbe gcs tzt. Der König der Schnorrer. Don Israel ZangivM. (2. Fortsetzung.) Der tuarenbe. ungekämmte Bart war pechschwarz lief den Wangen entlang dem rabenschwarzen Haar emge .en, so daß das lebhafte Gesicht ganz von Sch rarz umrahmt war. Es war ein langes, kegelförmiges Gesicht, in dem die blutre'ch?n Lippen wie im Herren eines dunklen Busches leuch e'en; .die großen, lodernden, Augen saßen in tiefen Höhlen unter schwarzen, ge-.' wölbien Auge-.b.-auen, die Nase war lang und kop'.isch, die S'.irne niedrig, aber breit, und struppige Haarbüschel drangen un'.e'r dem Turban hervor. Mit der rechnen Hand umfaßte er einen ein'achey Eichenstäb. Auf den würdigen Josef Grobstock machte die Gestalt de'^ Bettlrrs einen nur allzugroßen Eindruck; er schrak unruhig vor dem zoruigen Blicke zurück?' „Ich gedach e. euch zu helfen^ wiede hol e er. „So also hilft man einem Bruder in Israel?"' ftagte der Schnorrer, indem er das Papier dem Philanthropen verächtlich ins Gesicht warf. Er traf ihn auf den Nasenrücken, schlug aber so weich an, daß Grobstock sofort merkte, was vorging. Da-s Päckchen war leer — der Schnorrer hatte eine Niete ge'ogen, die einzige, die der gutmütige Mann in den Sa.k ge.an hatte. Die Kühnheit des Schnorrers ernüchterte Joses Grobstock vollständig, sie hätte ihn reizen können, den Kerl zu züchugsn. aber das geschah nicht. Seine bessere Natur belam die Oberhaud, er begann sich zu schämen und suchte in seiner Tasche verlegen nach einer Krone; hmn zögerte ec, als fürchte ec, daß diese > Friedens gebe einem so seltenen Geiste nicht völlig genügen würde, als er htm Fremden mehr als eine Silbermünze — eine Enischuldigung. Er sch'ckte sich an, sie eh.'lich zu bezahl"», aber in ungesch'ckter Weise, wie eiie;, der a:i solche Münze nicht gewohnt ist. „Ihr seid ein uttverschämter Kerl, aber ihr fühlt euch wohl ve letzt", sagte er. „Nehmt die Versicherung, daß ich nicht wußte, daß in dein Päckchen nichts sei- — wi ki^> nicht." „Tanrr hat mich euer Rentmeister bestohlen", rief der Schnor.ee aufgeregt. „Ihr habt die PLckch"n von ihm macken lassen und er hat mein Geld gestohlen, der Dieb, der Sünder —. dreifach verflucht, wer den Armen beraubt." „Ihr versteht mich nicht", fiel der Magnat sanftmütig ein, „ich habe selbst die Pückch.'n Zusammewge stellt." ‘ „Warum sagt ihr da, daß ihr nicht wißt, was darin war? Geht, ihr spottet meines Elends." „Nein, hört nnch zu Ende", rief Grobstock ver-- zweiftlt. „In einige steckte ich Goldrnüilzen, in die meisten Silber, in ein paar Kup'ermünzeu und nur in ein e'n'i^es nichts. Das^ habt ihr gezog?».- Es ist euer Uilgiück." 0 „Mein Unglück", wi< e Holle der Sch-uorrer zo'cn'.g.- „Es ist euer Unglück — ich habe es nicht einmal gezogen. Der Heilige — gelobt sei er.— hat euch für euer herzloseZ Spiel mit den Armen gestraft — weil ihr euch über ihr Unzlück lustig macht, so wie die Phitister über Simson.. Die gute Tat, die durch ein frei ri liges Geschenk für mich, auf eure Rechnuug gcsch ieien wrr'.e.n wäre, hat Gott euch 'ehr genonunen. Er hat euch unwürdig erklärt, durch mich. Ger: chtigkeit zu er'an er. Geht eurer Wege, Mörder!" „Mörter?" w e e hol e te? Philanthrop. Dieses harte Ur's'l über seine Tat machte ihn. ganz verblüfft. „Ja, Mörder! Steht es nicht im Talmud, daß eine'', der e?nen anderen hefchämt, aleick dem ist, der sein Blut vergießt? Und habt ihr mich nicht beschämt? Wenn ie^uand euer llllmofengeben mitangesehen hätte, würde er mich da rücht ausgelacht haben?" Der Säule der Synagoge war zumute, als ob ihr Wanst einschrumpf^e. „Aber die anderen", murmelte er reuig — „ihr Blut 'habe ich nicht vergossen. Habe ich nicht mein, schwer erworbenes G-ld freiwillig hergegeben." „Zu c» er Delust'gung", entgegnet« der Schnorrer. „Aber wie steht es im Midrasch? In der Welt rollt ein Rad — nicht der, der heute reich ist, ist morgen reich, sondern dirse erhöht es und ieue erniedrigt es, wie es im fLnfundsirbzigstrn Psalm steht. Darum erhebe dein Horn nicht zu hoch und sprich nicht mit einem steifen Nackrn." Er stand vor dem unglücklichen Kapitalisten wie ein al^er Prcp.hei, der i.n Begriff ist. einen ausgeblaseneu Herrscher an-nklagen. Der arnre Mann griff mit der Hand unw'll.'üclich an seinen hohen Kragen, als wolÄ er damit seine sch inbare Anmaßung erklären, in Wirk« lichk.i: ai-« ', weil" ihm bei dem Angriff des Schnorrers der A.em ausging. „Ihr seid ein hartherziger Mann", keuchte er hitzig. Er ward zu einer Verteidigungsrede ge.rieben, die er nicht vorausgesehen hatte. „Ich tat es nicht aus Uebermut, sondern aus Vertrauen in die Vor^ sehung. Ich weiß sehr gut, daß Gott ein Rad dreht, darum maße ich mir nicht an, es selbst zu drehen. Ueberließ ich nicht der Vorsehung, wer die Silbernnd wer die Goldmünzen, wer das Kupsergrld und wer die Ni.'te bekommen soll? Außerdem weiß Gott allein, wer meinen Beistand wirtlich brauchl — ich habe ihn zu meinenr Almosenier gemacht, ich habe meine Last dem Herrn ausgebürdet." föirctfefeuna folai)