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Wiener Morgenzeitung · 1920-11-11 · Heft 646 (11.11.1920) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 646 (11.11.1920)
Date
1920-11-11
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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I StfteT Men, Vöwterstas jle kommenden Besprechungen zu greifbaren Er- Kebniffen führen werden. | Bezüglich Rußlands bemerkte Redner: Die wahnwitzige Lehre des Bolschewismus hat keine. Aussicht, fortzubestehen, aber was bleiben Lann, ist die Anarchie, die eine Gefahr für die Welt bedeutet. Wir sind entschlossen, unsere Bemühungen fortzusetzen. um zu bewirken, daß auch in Rußland Friede eintrete, selbst wenn wir Leute vor und haben, die sich der Wichtigkeit der Achtung von Verpflichtungen noch nicht bewußt find. K're itMenischen Sozialisten gegen die I«dr«s ver o!<mngen. Rom- 7. November. (I. C. B.) Fm ..Resto de! Varlmo" veröffentlicht' Abgeordneter Claudio TreveS, einer der Führer der italienischen Sozialisten, einen scharfen Artikel gegen die Judenverfolgungen iy Polen. Er verweist darin auf die Interpellation der jüdischen Sejmdeputierten und betont unter anderem die seltsame Gleichgültigkeit der jüdischen Bourgeoisie r n F r ankrei ch, die mit ihrdm Einfluß auf die fran- Zösische Regierung doch am ehesten berufen wäre, diese Grausamkeiten zu bekämpfen. Arnmhen irr Niederlandlsch-Indien. London, 1V. November. (Tel.-Kornp.) Die Unruhen ln Vorderindien haben auch auf Niederländisch-Jndien übergegriffen. Königin Wilhelmine bat infolgedessen ihre Reise nach Java anfgehoben. Mehrere holländische Kreuzer haben den Suezkanal auf dem Wege nach Indien passiert. 42 politische Gesellschaften von Niederländisch-Jndien haben einen Bund zu,t Kamvfe für die Unabhängigkeit der Inseln abgeschlossen^ Amerika gegen die Blockade Sowjetrußlands. * Paris, 10. November. Nach einer Meldung deS „Matin" aus Washington teilte Staatssekretär Colby mit, daß die Vereinigten Staaten es endgültig a bg e l e h n haben, an der Blockade der Häfen Sowjet- - rußlands im Schwarzen Meere an der Seite Englands und Frankreichs teilzunehmen, da sich die Vereinigten Staaten mit Sowjetrußland nicht im Kriegszustand befänden. Der russische Frsntbericht. Moskau, 10. November. (Funkspruch.) Frontbericht dom 9. November: Im Gebiet von Perekop kämpfen wir um befestigte feindliche Stellungen. Weiter östlich find unsere Truppen unter Kämpfen in das Krimgebiet eingedrunpen und haben die Linie Karad— Schangig (?) erreicht. Empfang des jüdischen Ministers für Litauen durch deu italienische« ArrHe«nn"i'"ter. Rom, 8. November. (Jewish Corr. Bur.) Am 89. Oktober ist in Rom die litauische Mission eingetroffen, der auch der Minister für jüdische Angelegenheiten Solowejczik angehört. Die Mission wurde dom Minister des Aeutzern Conte Sforza und vom Vertreter Italiens im Völkerbund TitLoni empfangen. Beide versicherten 8er Mission, daß . der Beschluß des Völkerbundes, das Schicksal von Wilna der Volks« abstimmung zu überlassen, von Italien mit allem Nachdruck unterstützt wird. Am 3. November wurde die Mission von der jüdischen Gemeinde feierlich empfangen. Der Vorsitzende der Gemeinde, Sereni. und der Rabbiner Sacerdoti drückten die hohe Genugtuung deS italienischen Judentums darüber aus, daß Litauen-dem jüdischen Volke alle Rechte, bürgerliche, wie auch nationale, gewährt hat, und gaben ihrer Hoffnung Ausdruck, daß dieses kleine Land, das mit seinem Zentrum Wilna schon so viel „Große in Israel" gegeben hat,, auch weiterhin eine Oase der Toleranz für die Ostjuden bleiben wird. Der Priester Staugaitis, der an der. Spitze der Mission steht, versicherte die Versammlung, daß der litauische Staat, der nur auf dem - Geiste der. Freiheit seine Existenz aufbaut, ' nie seine Handlungsweise den Juden gegenüber wechseln wird. Solowejezik sprach die Hoffnung ans. daß das Mestjudeytum den .litauischen Staat unterstützen wird. ' Bayern hält Reich. Erklärungen des 9TliniHctpväfä>tntzK. München, 10, November. (Korr.-Dur.) Minister- Präsident von Karr leitete heute die politische Anssprache im Landtag mit einer programmatischen Rede ein, in der er für Bauern das Recht auf eigene Staats- Persönlichkeit innerhalb des Reiches in Anspruch nahm imd Bauern gegenüber allen unitalkstischen und separatistischen Tendenzen gleichmäßig verteidigt. Was Bayern vnf dem Gebiete der auswärtigen Politik tue, geschehe im Einvernehmen mit den zuständigen Reichspellen. Nn eine S o n d e r p o l i t r k denke Bayern nicht «nd weise jeden Gedanken in dieser Richtung vor^ sich. Die Behauptung, daß von Bayern eine konterrevolutionäre Bewegung zu erwarten sei, be- Leute eine Luge.! In den bayrischen Einwohnerwehren sieht der 'Ministerpräsident ksme militärischen Formationen, sie seien lediglich ein Ordnungsfaktor. finanzielle Zwangsmaßnahme« gegen die Türkei. \ Paris, 10, November. (Fnnkfpruch.) Die Presse meldet, daß die interalliierten Regierungen finanzielle Zwangsmaßnahmen gegen die Türkei erwägen, um HMMeruW des Friedens zu erreichen. Wiener Morgerrzicktrms fti. November 1920* r9fe. tiV Mitteilungen aus dem Publikum. B KULANTEN, Perlen, Gold, Silber, PlatintL Uhren kauft nnd rer kau ft 776 ETTER Botentnrmstr. 23, Marlebilferatr. 98 AMSTERDAM Cratir ASTWSEPEK a grSaster Käufer In Wien fOr Brillanten, Perlen, Juwelen eto. Juwelier Rabinonitsch ' I. f ■t*lmlllen«tfawe Kr. 5 Telephoe-Rr. CB41 vis-i-vie d«r Oper (Kävtnerstrusse). iS '4 II. * Sttphuhtraue Nr. % tw Nr. 3. im eigenen Haas«, Telephou-Nr. 45148 Kauft von Juwelieren, Händlern, Privaten zn konkurrenzloses Phantasiepreisen. Freitag von 4 Ohr nachmittags bis Montag früh geachloesen. 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Bel Anfragen bittet tpan die Zuständigkeit, Geburtsdaten, Vor- und tiname g$nau anzngeben, um auf Wunsch eventuell gleich hier bei den zuständigen Behörden der Vereinfachung wegen die Reisebewilligung zu besorgen (<83 Telegrammadresse: Breiner Abbzzia Kadi Palästina reist derainücfast erfahrener universeller Kaufmann übernimmt na Kommissionen ua Vertretungen aller dort in Betracht kommenden Artikel von nur seriösen Firmen. Angebote und Mitteilungen unter „ORIENT 8591“ an die Administration dieses Blattes Die Grenzen Palästinas. London, 8. November. (I. K. B.) Im englischen Unterhaus brachte der Deputierte Kiley eine Anfrage an den Unterstaatssekretär ein, ob die Regierung die Grenzen von Palästina, wie sie im englisch-sran- Mischen Vertrag von Syyes-Picöt festgelegt wurden, als bindend betrachtet, und wenn nicht, ob sie geneigt fei, mit Rücksicht auf die gegenwärtige Situation die Grenzfrage zum Gegenstand neuerlicher Beratungen zu machen. Mr. Harmsworth erklärte darauf in schriftlicher Antwort, daß die Grenzfrage Palästinas gegenwärtig mit der französischen Regierung diskutiert wird. / , . . " *• vv.fc. fernst»**' Die Frage -er Palästina-Wanderimg «nd Atalien. Rom, 8. November. (I. K. B.) Am 2. November traf hier der, Sekretär der Zionistischen Organisation, Land man, ein. Er wurde ron Marchese di Salnzza, Unte'rstaatssekretär des Aeußern, empfangen, der ihm versprach, alle Erleichterungen, die in Regierungsmacht stehen, den Emigranten zu gewahren (es handelt sich vor allem um.die Paßfrage, Preisermäßigungen, Sicherungen der Lebensmittel), und versicherte, daß der wirtschaftliche Aufbau von Palästina dieselbe Unterstützung der italienischen Regierung finden wird, wie es in den politischen Fragen der Fall war. Am 6. November hielt Landman im Saale derjüdischen Gemeinde «men Vortrag über Palästina und E'nigrationssragen. In Venedig wurde ein italienisch-jüdisches Komitee iiir Emigration eingesetzt. Waffeustreckimg der Aufständischen in Zeutralmesopotamren. London, 10. November. (Funkspnich.) Nach einem Berichte des Knegsmimsteriums haben die Aufständischen in ZeutialmescHotamien am 4.,November, die Waffen gestreckt. Tagesbericht. Heraus mit der iüdischen Flüchtlings,?4d!iothek! | Man schreibt üns: Die Not an jüdischen Büchern gesell! sich allmählich zu den vielen traurigen Merkmalen deS Wiener/ Judentums. Wer beruflich oder auS irgendeinem Anlaß ein Werk aus dem Gebiete der jüdischen Wissenschaft oder Literatur benötigt, gerät bald in arge'Verlegenheit. Ist es in einer Buchhandlung erhältlich, so wird dafür ein Preis verlangt, den sich nur die neuen Reichen leisten könnpn, nnd findet man es nach Irngwrerigem Suchen in einer der Weener Bibliotheken, so erwachsen solche Schwierigkeiten bei der Entlehnung, daß einem gar bald die Lust vergeht. Ausschließlich find, der überwiegenden Mehrzahl «ach, jüdische Bücher heute in Die« unauffindbar. I „ Die einzige Bibliothek der jüdischen Kultusgemeinde verfügt zwar über einen bedeutenden Bucherschatz, jedoch ist sie zumeist unzugänglich! E§ mag wohl zugegeben werden, daß die Leitung der Bibliothek in wissenschaftlicher Hinsicht Er-»i sprießliches leistet, jedoch erscheint sw in bibliothekstechnische^ Hinsicht ganz unzulänglich. Es fehlt hier an wichtigsten D« helfen in bezug auf Kataloge und Register, abgesehen davon/, daß neuere Werke überhaupt nicht erhältlich sind. Es ist geradezu eine Schande für die Wiener Judenschaft, baß sie über keine einzige Bibliothek verfügt, die zur Stätte des WissenL und Aufklärung für weite VolkSkreise werden könnte. 1 Es ist daher umso bedauerlicher, baß eine Bibliothek, bke^ 20.000 Bände stark, die reichhaltigste Sammlung jüdische«! Bücher enthält, durch die bloße Willkür einer Person seit übet zwei Jahren-in Magazinen und Kellerrämnen buch-' stäblichvermodert. Wir meinen die Flüchtluigsbibliothek, die seinerzeit unter der Leitung Dr. Z. F. FrnkelstelnH sich zu einem Kulturwerk ersten Ranges entwickelt hat. EI genügt, wenn wir bemerken, daß diese Bibliothek drei große Ausgaben von Graetz, zwei Ausgaben der jüdischen Enzh-> klopäbie, die komplette Ausgabe des Tuschiah-Derlags und' andere Werke aus allen Gebieten enthält, die heute in ganz Oesterreich nicht vorhanden sind. t Geordnet nach modernem, bibliothekstechnischen System" nnd in prachtvollen, mitunter luxuriösen Einbände^ gehörttl diese Bibliothek zu dem einzig Wertvollen, bas sich aus de« vielen Millionen, die rn der seligen Flüchtlingszentrale aus«! gegeben wurden, erhalten hat. j Nun wurde diese Bibliothek, ohne baß man irgenbelnevk Grund erfahren hätte, im Sommer 1918 plötzlich geschlossen.^ Die Bücherbestände wurden in die Magazine des vom Geq meinderat Dr. Sch war z -Hille r bewohnten und veralteten' Hauses in der Oberen Biaduktgasse überführt, wo sie in Nässe und Kälte unrettbar zugrunde gehen werden, wenn die öffet^ liche Meinung sie nicht rechtzeitig der Machtgier eines einzelnen entreißen wirb. ' . j Die erwähnte Bibliothek wurde ans öffentlichen Mit teln, die für Flüchtlinge bestimmt waren, errichtet unb es geht nicht an, daß ein Gemeingut von einem Werte, de», sich heute nicht hoch genug einschLtzen läßt, unter private»' Verwahrung oder besser Verwahrlosung einfach zugrunde geht- Weiteste jüdische Kreise leiden heute unter empfindlicher Düchernot und währeyd in ganz Wien nur mit Mühe «üjüdisches Buch auszutveiben ist, wirb aus Bosheit oder Eigensinn ein' wertvoller Bücherschatz in einem Winkel versperrt gehalten. Die Oeffenllichkeit hat ein unbedingtes Recht, zu verlangen, daß diese Bücher weitesten Kreisen zugänglich gemacht werben und vor allem, baß die Leitung dieser Bibliothek einer Körperschaft übergeben wird, die unter Ssfenttiche^ Kontrolle steht. Wir veröffentlichen die vorstehende Zuschrift aus unserer^ Leserkreise, da auch wir der Ansicht sind, daß diese wertvolle Bibliothek der Willlür einer Einzelperson entzogen und ordnungsmäßig^ installiert werde. Unseres Erachtens fSM diese Ausgabe der Kultusgemeinde zu; wie wir erfahren, wird von den zionistischen 5kultusvorständen LLn-diesbezüglicher, Antrag vorbereitet. (Anm. d. Red.) - Eine merkwürdige Metamorphose. In Olmütz wohnte ein biederer Bürgersmann, der auf den gutbürgerttchen Namen Wschetischka hörte. Gegen den Namen ist an sich nichts emZUwenden, aber wenn man sich der Politik zuwendet und ausgerechnet deir schradikal ist. so mag dieser Umstand schon ein Hindernis bedeuten. Man mag billig bezweifeln, ob Herrn Wschetischka gelungen wäre, was Herrn Volker gelungen istnämlich deutschrodikaler Abgeordneter zu werden. Auch läßt jich picht leugnen, daß Volker germanischer klingt und ein Namensbruder, des reckenhaften Spielmannes aus dem Nibegungenlied für d>!e Vertretung deutschradikaler Interessen (sprich Belange) ge« eigneter ist als einer, dessen Name auf die Abkunst aus Libussens Stamme deutet. Wie könnte Wschetischka tnn, was Volker vermag, von germanischem Rassenstandpunkt aus den Kampf gegen die jüdische Raste zu führen? Von Wotan zu Wschetischka — das gibt wohl.eine schöne Alliteration, aber nichts mehr. Nun aber, da der Wackere zu den Christlichsozialen heimgefunden und auf dieser neuen Plattform sein Mandat errungen hat, hat sich dieses Dilemma in Wohlgefallen aufgelöste denn im christlichsozialen Klub sind die Volker ebmso möglich wie die Wschetischka. __ , , * DegrLbntfie am heutigen Lage. Alter Fried« 10 Müller Mor tz, 11 Uhr Hecmer Coph t, 11 Uhl fiO Mm. Wrinmgec Rrgtnr, 12 Uhr Rosrisirid Elcorore. - ot: 9 Uhr 2<> Mm. Meier Hermann, 10 Ubr Vohmfr H-rmme, 10 Uh? 20 Mm.. Im.. Kavellnei

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