Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 643 (8.11.1920)
- Date
- 1920-11-08
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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; 9tr 643 Wien. Montag Wiener Morgenzeitnng Als erster Redner produzierte sich -der be—rüchtigte Dr. R i e h l, der erzählte, nach stirnn bei der Polizeidireltion eingcholten Jnlormationen werde in dm «äckslen Tagen die Ausweisung von „nur" 4000 „Polnischen" erfolgen. Dann kam e ne neue anusrmstische Lknchie: her neugebackene chrWchsoziale Naüonalrat V o lker, der in Moralem Tone erus seiner Antiscmitcnlnbel zitierte und die Arcktollung der Judenstage als erste erlösend« Tat dsr ümck Nationalversammlung »nlündiflte. Als.einer der Redner ^orderte, daß die neue» Mandatare nun nach dem „christlichen Siege" alles in der Dftjndensrage erreichen müßten, salvicrte sich der ln bei Versammlung erschienene Parteichef Knnschak sofort, indem -er erllkirte,- daß das Schwergewicht der Erledigung der Judcrifräge ab 10. d. M. nicht mehr bei der Nat onalEammlnng', soüdcrn jetzt (nach dem Bnndesver'assnngsgesetz)lm Wiener Nathause liege. daBüigermeister Reumann nunmehr Landesh up'mann von Wien geworden sei. Da jedoch die io ialdemokratische Mehrheit im Wiener Gemeinderaie gegen das Osljndentum nichts unternehmen dürste, müsse die Auslosung des Wiener Gemeinderates iitnb sofortige Ausschreibung von Neuwahlen gefordert werden. - Zum Schlüsse der öden Nedeü wurde eine'Entschließung angenommen, in welcher die raschereDurchführung der' Ausweise- Verordnungen, dann die Ausweisung aller noch sert August 19,4 in Wien bestndlrchen Fiemdlinge gefordert wird. Allen Fremden soll der staatliche Zuschuß zu den Febensmuteln entzogen und ihnen besondere Lebensmittelkarten ausgefolgt werden. Die ausgcwieienen Osljudcn sollen bis zu ihrem Abschube rn Internier uupLlager gebracht werden. Tann wird der numems elaums bei den Hoch' schulen.' ferner nach ungarischem Muster die Prügelstrafe für Valuten« und sonstige Schieber und die Aeuderung deS Staats« grundgesrtzes für dre Juden verlangt. Kurz : das System Pronay, Hcjjas und Genosten soll emgeMrs werden! Tie am Ralhausplay zahlreich erschienene Wache war überflüssig es vollzog sich alles in schönster Nuhe. » - Dir V rsammlnng wurde von den Frontkämpfern dam benützt, um eine monatchistrichc Kundgebmrg zu veranstalten. Als einer der N dner'die Ausweisung der Habsburger bedaurrre, erschollen stürm «che Rufe „Hoch Habsburg", die jedoch von den anwesenden Deutschnationalen m>t dem Rufe „Anschluß an Dcnn'chland" über tönt wurden. Man steht also, die Brüder waren in ihrer polrtlschen Änst(..uung nicht einlg. . ■*" LelegramMe. - Dre Streiks in Derrtschlarch. Berlin. 7. November. (Wolff.) Nach Meldungen aus Oberfchlefien ist vom Ausstand der Arbeiter der Elektrizitätswerke der östliche Teil des Induftrie-- oczirks betroffen morden, mährend der westliche Teil, noch Licht hat. Die Verhandlungen vor der Ententekommission sind bisher ergebnislos verlaufen. In der Uebernahmszentrale^ Chorzow ist die technische Not- Hilfe eingesetzt worden. Berlin, 7. Nonemher, (Wolff.) Die Arbeiter des städtischen Elektrizitätswerkes haben den Notbetrieb wieder ausgenommen. Die technische Nothilfe ist abgerückd Ueber die. Wiederaufnahme der Arbeit in vollem Umfange ist noch kein Beschluß gefaßt. Berlin, 7. November. (Wolfs.) Die Verhandlungen wegen des Streiks führten gestern um 11 Uhr nachts zu dem Ergebnisse, daß sich die Arbeiterschaft zur Einrichtung eines Notb.etrieb.eS bereit fand. Daher werden jetzt alle lebenswichtigen Betriebe, io besonders ijie Krankenhäuser und alle öffcntlidien Gebäude,, mit Strom versorgt. Auch die Straßenbeleuchtung tritt in Kraft. Die technische Nothilke, die gestern abends bereits cüigescht hatte, wurde vor Beginn des von den Arbeitern aufzunehmenden Betriebes wieder zurückgezogen. TroHlki leitet die Offe^fi^e gegesr TVrrrnael. Kelftngsors.. 7. November. (Tel.-Kornp.) Nach einer Meldung aus Moskau leitet Trvtzki persönlich die Offensive gegen Wrangel. Das Hauptquartier brftnbct sich in Cherson. Kamenew ist an die.Südsronr abgereist. Er treibt Propaganda ln der Roten Arnree. Für die Mische larrdwirtschaftliche NrheiL- Die Wiener Hcchaluz Organisation verössrnllicht den fylgeist den Ausruf an Lir i ü d i s ch e n Gutsbesitz e r u u d P achter: ' . < , Tie iiidische Jugeud will sich und ihrem Volk eine neue Zukunft schaffen ans Ginndlage eigener vroduktivcr. vornehmlich aber l a n d w st r t s ch n 1! l i ch e t Arbeit. Sie will nach-Palästina auSwandern, jedoch erst nachdem sie sich gehörig durch praktische lnn^rirt s ch a f t'! i ch e A r b e i t hiezu vorbereitet hat. Sie will schon hierrulande sich die uo..gnl stattö'.virtschaftlichen Keuntniffr erwerben, weil sie.dem Lande nnd.Volke von Anwng an Nutzen bringen und weil sie nur sukzessive, das ist entsprechend den im Laude entstehenden und - wachsenden Bcdür'in sie» nach Ar beitSmeufchen, nach Palästina zu gehe» beabsichtigt. D:c indische Jugend fordert daher von euch bloß das eine °. Gebt ihr die Möglichkeit, als Arbeiter alle Zw.ige der L-andwutschaft kennen zu lernen. Ihr werdet dadurch ohne Opfer an dem 29icde'.arlfbau unseres Landes und wirklichen Wiederaufleben unseres Volkes lesihaben. Ihr werdet auch unseren Feinden und Gegnern durch die lebendige T.r: d-:wc:,en kürnc-, daß daö wer der.de jüLiichc Bott ehrlich produttiv zu leben versteht — wohl die beste Art, denr ^»ülttuitismus z« bcgegnm. Mittcilnngcn aus dem Publikum. BILLANTEN, Perlen, GoH,Silber,Platin«. Uhren kauft und verkauft 77« ETTER Rotantairms'r. 23, MarlaMlfeiratr, 98 AW3TEBDABI Erster ANTWESPSH g r 8 sa ter K ä urf 9 r 10 Wien fljr Brillanten, Perlen, Juwelen etc. Jmwo55®i* {F^a^inowilsch »I., BajJmmaD8trü»«o #r.5 TetephonrHr. PMt vls-ä.Yl» d«r Oper (Kirtnerstrasse). FS 4 . II., Staphanlstratse Kr. 3, nur Nr. 3. Iw eigenen Hause, Talephon-Nr, 45140 Kauft vor Juwelieren, KäntHem. PrlvatenzukonKurrenzlom Phantasiepreisen, Freitag: yoy 4 ühr nachmittags bie Mpo.tag früh geschlossen. Teilet eure Berritwilliflkeit, iüdpche Arbeiter bei euch m beschädigen, uns unter die Adresse »Hechaluz-Orgänisation, kl., Zirkusgaste 88", mit. ./■ . . , - Die Aktion füe den „Keren ^afefiod". Als die Entscheidung 6on Dan Remo die politische Basis für die Erfüllung der Palästina-Hoffnungen brachte, ergriff' eine tiefe Freude die gesamte jüdische Welt. In zahllosen Reden und Artikeln wurde die Bedeutung dieses Ereignisses gefeiert. und seine. Wirkung auch mrf diejenigen Kreise, die bisher dem Pstlüstina-Gedankest wenig oder gar kein Interests entgegengebracht hatten, war unverkennbar. Die politische Arbeit der Le-r-tnug der Zionistischen Organisation fand , mit Recht die höchste Anerkennung. In rascher Folge gingen dann die Dinge ihren Gang weiter. Es folgte die Ernennung Sir Herbert SamuetS -um Oberkommistar, es folgte die Oeffnung der Einwanderung. Die Einwanderung setzte sogleich stürmisch ein» und da sah man, welche außevordent« lachen wirtschaftlichen SchwierigkeitLN einer raschen DevölkerüngSzunahme rn Palästina noch entgegenstehen. Die Apolitische Arbeit, die übrigens auch heute noch in stärkerem Matze fortdauert, als vielfach belannt ist — man denke nur an die so übevauS wichtige Frage der Grenzbestimmung hatte bisher alle Kräfte der Lertung absorbiert. Noch war es nicht tauge her, datz die jüdische Zukunft Palästinas ein überaus herkles Problem war, und nun wurden plötzlich die Schleusen aufgezogen,, ehe üoch Zeit gefunden war zu einer umfassenden Regulierung des Ftutzbeties. Die beginnende Einwanderung brachte, wie wir wisten, eine wirtschaftliche Krisis. Es fehlten die notwendigen VerwaltungSmatznahmen zu einer Einwanderung. eS fehlte mangels öffentlicher und privater Fonds die Möglichkeit, die Einwanderer zu beschäftigen. Unter den Zeichen dieser Eindrücke tagte die Londoner Jahrcslonferenz. WaS ist zu tun. um die Schwierigkeiten des Augenblicks 8U/' überwinden? Zwei Instanzen vor allem haben die Pflicht, für Abhilfe zu sorgen: die Regierung des Gemeinwesens Palästinas und dre Zionistische Organisation. . Die palästinensische Negierung, vertreten , durch Sir Herbert Samuvl und seine Mila-vbeiter, hat die Aufnahme einer verhAtniSmäßig bedeutenden Anleihe in die Wege geleitet. ES ist mit Bestimmtheit zu erwarten, datz sie zum Erfolg führt. Indessen, wir dürfen mcht erwarten, datz der Ertrag dieser Anleihe in erster Linie jüdischen Zwecken -, zugeführt wird. Noch besteht die Bevölkerung Palästinas erst.zu einer kleinen Minderheit aus Juden und die Regierung Palästinas darf ihre Gelder nur so verwenden, wie es den Interessen aller Bewohner Palästinas entspricht. So muß das jüdische Volk selbst eingreifen, wenn es seine Palästina-Aufgabe durchführen will. In dieser Erwägung hat die Londoner Jahreskonferenz beschlosten, die Aktion für den Keren Hajestod (Grundfonds) einzuleiten. (Dieser soll bekanntlich dir Summe von 25 Millionen Pfund bstragrn. ’ Die Red.) Wie sollen die Gelder des Keren Hajestod verwendet werden? In erster. Linie sollen durch sie die dringendsten Erfordernisse dos Augenblicks gedeckt werden. Sofortige Schaffung ausreichender Eimvandcrerfürsorge und sofortige Schaffung von AröeitsgLlegenheitcn komvrt vor allem in Frage. Ferner Unterstützung sozialer Einrichtungen der verschiedensten Art. Ausgaben, die auf tzre Dauer zum größten Teil auf das reguläre Budget übernommen werden musten. die jedoch im Augenblick bei ihrcr besonderen Dringlichkeit außerordentliche Einnahmen erfordern. Darüber hinaus stellt der Grundfonds eine autzerordent» kiche Spende deS. jüdischen Volkes dar für solche Anlagen, die von allen Volks- und Staatsgemeinschaften für dauernde Zwecke vaxgeyommen werden und deren Deckung regekmätzig iyr Wege der autzerordantlichen Einnahmen» meist von Anleihen, beschafft wird. ES handelt sich dabei um Anlagen' der kulturellen Staatsverwaltung und um staatliche Anlagen materieller Aotur. Beispiele. der'ersten Art sind'die Schulen und Krankenhäuser; Beispiele der zweitewArflKrtzdi.ie und Geldhinqabe zum Zweck der Urbarchachuflg von Ländereien,., der Ent- und Bewässerung, der Anlage und Regulierung vor: BerkehrseinrichLu ngen, - der Schaffung von AgrarundHhpothekenbauken und sonstigen Kredilunternehmungen, der Unterstützung von GLnosstnschasten,. der Förderung'der Forstwirtschaft usw. Diesr dauernden Anlagen pflegen im ' Zause der Zeit der Volks- oder Staatsgemeinschast Erträge abzu- '' werfen, namentlich diejenigen mal er Wer Natur. So dü?sten> auch dem Gruudsoridd mit der Zeit lans-ende Beträge zuftü'üei'., und es ist nicht, ausgeschlosssn, daß ' das eirdgültige Statut des Grundfonds, dessen Vearheüung sich seinem Absch dlß nähert, ans solche,! Einnahmen eine mäßige Verzinsung der für den lÄrunds-nids! herg-'gete!7n Gelder vori-ehen wird. ES ist notwendig, in diesem Augenblick, wo die Aktion für den Gnnidsond-:'. zunächst vor allem ür zioiiißischen Kreisen, imurer lebhafter wird, sich diese Dinge wieder vor Augen zu führen. ,Dio AMon dürste dadurch an SHavIjctt 1 und damit au Kvn.it g..Mtuii'!i. D«lsr ihre Durchführung \ unendlich dringend ist, braucht nicht wiederi'wit zu werden. Dr. Griw Murr. > 8. November 1920 Seite & Der SüdbrrhrrsrsLreik beendet. Me aus Wienei-Ncusiadt gemeldet w>rd. ist gkstern zufokH emes Uebtleuckomwens der firrtfcnbcti Südbübner mit bei Di'.rkiion der Sirejk beuifet worden. Der Verkehr war aq.- Somnag nachmmags belkits normal. * Berhaftnng eines Cafetiers. Der gewesene KunsihllM« nnd de-zeitige B'e tzer des Cak6 „M a r i e n b r 6 ckt",. Otiat Jakob Gerber alm Wvlles. wurde öcvlnftct, weil er von d» Staa sanwaUschaft Ziinch^ weom Betruges m t rmw SchadenK, ziffer von e wä S30>l Fr-mcÄ gch-cht w'rd. Gerber sielt eine sirast bare Han'lang m-Al>rede und b haartet, in Zi'mch wegen cinel Bild rverkanf s in zwilrech lick>e Siv'it'glciten verwickelt zu sein. ' Er würde dem Lcmd^sger.ch' eingelieieri. * Selbstmorde im Oktober 192T. Im Oktober t I. sinh im Wiener Pol zcigeb et 29 S'.ibst>nord'. N bu Männern und 19 bei Frauen,, vo!i;e!lich cmaewigt worden, und zw >r haben sich 4 Männer und'7 Fraaea erbend, 3 Männer und 4 Frauen bei-? gidet, 1 Mann nnd 5 Frauen durch Stürz von Höben gelötet, 2 Männer erschossen. 1 Mann erstachm und je 1 Frau ertränkt und verbramu. .Im Okivber v. I. zählte man 36, im September t. I. 33 Ce bstmordc. *.Hochsehule für Me Wissenschaft deS Judentums in Berlin. J,n W nteisrmester sinven folgende Abendvor« lesunoen statt,-die auch für einen we-teren K eis' Jnterrsic baden; Dr. T o,r c z y n e r: Ausaewäbtte Psalmen; Dr. B a e ckt. Das Wesen des Judentums; Dr. Freund: Probleme de» Judenirage in Deutschland in ae'ch'chN'cher Darstellung; Professor G u t t m an n: Tie Hnuptstiouiunn der geistigen Ent' w cklimades Judentums >m XlX.Jalnhunden; Pro'. E l b o g e it j Geschichie der Juden >n D'uischland. l: Tel. Außerdem irrst Pro-« jesfor Ban e t h: Einführungdst Leltüre der Mischna. > * E'ne Katastrophe in Ersrmont-??errand. Au- E l e r m o n t - F e r r a n d wird gemeldet r Ein großes Unglück den sich aestern nachmittag? rm NatbauS von Clermvnt« Fcrrand ereignet, wo sich d,e Einwohner der S:adk m MaffeA cingelunden hatten, um sich eme Ausstellung von Fahnen de- 1?. Korps anzusih'n, die mo>aen nach Paris zur Feier bell. November gebracht w^rdm sollten, Der Fußbod-n brach unter dem Gewicht der Aiasien zu ammen und etwa hundert Perfonetz sittrstrn in die Trete. Bisher wurden ein Toter uud ungefähr 40 Schwerverletzte aus den Trümmern geborgen. Briefkasten der Nedaktion. Treuer Leser. Unse es Eracht-ns haben Sie AnspmD auf den vollen Betrag in öste.rcrchrchcn Kronen, falls Sie i» ricf'r Währung Ihre Prain rn bezahlt haben. Zionist. Wrp olauben Jk>e Ansrige ''chon einmal beantivortet rn haben. Wie emp'rblcn Ihnen die Option, Handclsschulzmgms dürste auS». reichen. , . Vereinsnachrichten. H e ch a l n z - O r g a n ul a t r o n. Herrte. 8 Ubr nach»! mittags, sindri im Lokal des Fü'sorgrkomitrkS. 1!.,Zlrkusgasfe3L eine Sitzung dcS W a a d H e ch a l u z statt. Aus den Theatern. V o l k S o p e r. Hmte, Momag. wird m der VolkSoven „Cavalleriarusticana'' mit den Damen Sch-mo? Hahn, We nec und den He'.rrn Pacher, Tnuber, h erauf - ' Bajazzo" mit Frau Silier und den Herren Schürma^ . Hagen, Peters und Tauber gegeben. Wiener Börse. Die heutige Börse erösin.'te in ruhiger Haltung. Enorm seH' waren folgende Zablungsmiitcl: Mark» ölen X 6.65, polnisch, e Mark K ll>2. Dollac L bbv. LeiL S.Sst. tschechische Noten X b.70. Der Hausarzt. Redigiert von Dr. Sanel Beer. Aeber Kropf und seine Behandlüng. Schon während deS Krieges, besonders aber in den letzten zwei Jahren, war eine starke Zunahme der Kropf» erkranktingen zu beobachten, für die man noch keine sichere Erklärung gefunden hat. Abgesehen davon, daß man die zweite Hochqnellenleitung als Kropfwasser beschuldigt, das die eine Vergrößerung der Schilddrüse hervorrufenden kleinsten Lebewesen (Bakterien) enthalten soll, will man in den durch die Kriegsverhältnisse herbeigeführten Schädlichkeiten (Unterernährung, Tragen von schweren Lasten, schweren Arbeiten) eine Ursache für die Kropfentwicklung besonders bei den Frauen' deH Mittelstandes gesunden haben. Wir ersehen jedenfalls, datz den Blutandrang znm Kopfe und zum Halse begünstigende Momente dabei eine grotze Rolle spielen. Und so ist uns auch die leichte Vergrößerung der Schilddrüse zur Zeit der monatlichen Blutungen, der Schtvangerschaft und auch nach Ent-, bindungen bei Frauen, bei BerufZsängern und Bläsern von Justrumentün bekannt. Zweifellos gibt es auch eine gewiss e Anlage und Erblichkeit des Blähhalses. Die letzte Ursache für das Kröpfleiden ist aber heute mit Sicherheit in bestimmten geologischen Eigenschaften und der dadurch bedingten Beeinflussung des. Trinkwassers gelegen.' Der Volksmnnd spricht mit . Recht von Kropfgegeirden (SteieLmark), Kropfwässern und Kropf- . brunnen. Ueber. die Funktion der Schilddrüse, die ein drüsiges Organ; ohne AusführungZgang darstellt, wüßten wir bisher nur wenig, wir kannten nur die durch ihr Fehlen oder ihre Entfernung hervorgerufenen Veränderüngen und schlossen so auf ihre Unentbehrlichkeit, ind§m man ihr eine entgiftende Nolle auf die im Organismus sich bildenden; schädlichen Stoffe zuschrieb. Heute kennen wir den entscheidenden Einfluß, den die^ sogenannten Blutdrüsen (Schilddrüse, Nebenniere, Briefer) , durch das in den Blutkreislauf entleerte Sekret (Ausscheidung) auf das Wachstum der einzelnen Organe und des ganzen Körpers gewinnen... Alle diese Erfahrungen hat Man aus Tierversuchen geschöpft und die über dir! Blutdrüsen angestellten Studien haben ja letzten Endes I zu den aufsehenerregenden Berichten über die Steinachschi : Verjüngung geführt.! Im allgemeinen macht ein Kropfte:'>en wenig Ve- ‘ schwerden, die Frauen führt meist die Eitelkeit ma\