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Wiener Morgenzeitung · 1920-11-06 · Heft 641 (6.11.1920) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 641 (6.11.1920)
Date
1920-11-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Jahrgang Amerikas neue Aufgabe. »V. W l e u, 6. November. Obzwar Lar neue Präsident der Vereinigten-Staa-! ieä fcjw Amt verfaffüngsgemäß erst im Jänner arrtritt. m^chtzü sich die Folgen des großen politischen Umschwungs schon heute geltend. Ainenka wird nicht aus der Weltpolitik Ausscheiden, doch bestehen Anzeichen dafup, daß seine Trennung von 'den VundeSgenosseuzu einer vollständigen wird. Die Bereinigten Staaten beabsichtigen eine' totale Frontänderung gegenüber der EpLente und damit .naturgemäß auch gegenüber den Zentralstaaierr,.vor .allem Deutschland. Es wird mitgeteilt,, daß Amerika alles deutsche Eigentnnr, Las wäh' rend' des Krieges beschlagnahmt war, zurückgeben wolle. Bekanntlich haben. Deutschland und die österreichisch-ungrwische Monärchie noch zur Zeit der Neutralität Amerikas Mlliardenankäufe von Baumwolle, ÄeöenSmitteln und Maschinen in' Amerika abgeschlossen. die nn Augen-' hDk der Kriegserklärung Wilsonö sequestriert wurden. Dse Freigabe dieser. Waren wäre für öei.öe Staaten.'von gMem Wert, .wobei natürlich die Frage .geklärt werden müßte,^inwieweit die SukZessivusstaaten an dem öfterrsHisHungärischen Eigentum.teilnehmen. Es ist hiebei zch' berücksichLigen, daß die diesbezüglichen Meldungen unklar Lauten. Es ist nicht erkennbar, ob es sich um die HMtzabK von Staatsgut odex. privatem Gut handelt. Me Vereinigten Staaten, heißt es weiter, wollen darauf HHeherß daß die!Summe, .die Deutschland' zu Zwecken' M MWergutmachÜng M-leifterr MLl auf, esw Mindest-^ DküMküNd'-MölH ■■ ■ Höhe; Mr: SüMnch "erfahren MrA' 'rrrir ^'rpelcher- 'seine VolkZwMchaft' die Sünden des alterr Systems, zu büßen hat. Die Unkenntnis dieses BeLtages har ästf diä Entwicklung der' Politischen '.und finänziellea Situation Deutschlands höchst' ungünstig eiygewickt und hat viel Schuld an den schweren und LMigen Krisen gehabt, die Deutschland im dergcmgeüen Winter -und Sonnner durchgemacht hat und die bis heute in ihren Ursachen' nvch nicht'befeltigt sind. Wenn nun wenigstens nach dieser. Richtung hin Klarheit geschaffen wird, so ist es möglich, dds deutsche Budget'auf eine gesündere Grundlage zu stellen. .i Diese Folge dös Wahlsieges der Republikaner muß Äs Verhältnis Amerikas zu den übrigen Alliierten sehr Hf berühren. Die Behandlung Deutschlands durch Fxonkreich ist ja einer der Gründe gewesen, die den Gedanken der politischen Abstinenz und des Desinteressements in Amerika so populär gemacht Habens Die AMieferirng. der Kriegsschuldigen, die von den französischen BvulevardZeitungen .mit solcher Hartnäckigkeit betrieben wurdet die ewigen Drohungen mit der Besetzung des Ruhrreiiers. die Schandtaten der Kolonial" jrüvpen irn Rheinland und nicht zuletzt die offene Einmepguyg französischer Politiker in die inneren Verhältnisse Deutschlands — alle diese Vorgänge haben ebenso Witz in England auch in Amerika verstimmt und eine günstige Atmosphäre für Deutschland geschaffen. W.'nn nun tatsächlich Amerika zu einem Separatfrieden mit Deutschland schreitet, so wüßten die nächsten Folgen wirtschaftliche Verträge sein, welche der schwerringenden dtzutsckM Industrie wieder auf die Beine helfen, könnten. Es würde sich dann ergeben, daß jener Teil der Industrie. der von der Gefahr der Vertrustung durch das ühermäßige Kapital bedroht ist, das in den letzten Monaten in den Händen eng liierter französisch-rhemlqndischer Gesellschaften angesammelt wurde, mit Hilfe -es Auslandes aus diesen Fesseln befreit werden könnte. Auch für Oesterreich ist eine solche Wendung von yroßer Bedeutung. Die österreichische Industrie könnte zur Arbeit kommen. Was das für die Stabilisierung unserer wirtschaftlichen Verhältnisse besagen l^ll, ist ohne weitere Erklärung verständlich. -'Anders'liegen die Dinge bezüglich des großen Ost-, ptablems und bezüglich der weiteren aus dem Krieg eiflossenen Fragen. Amerika hat unter Wilson im großen ganzen den Standpunkt Frankreichs gegen«-» der Sowjetregierung geteilt. Es ist zwar zu kci...n offiziellen Handlungen gekommen und man konnte die Mei- Itftna der Vereinigten Staaten nur aus diplomatischen Koten erkennen. Dies wag feinen Grund darin haben. Äß der Ächouplatz der Ereignisse dem amerikanischen Knteresse zu fern lag. Heute aber, wo sich Japan in der Mandschurei festgesetzt bat. liegt die Ana«legeub«üt für Der Uer$ai!ler Vertrag wird revidiert WlsÄerhZrstsllZmg des FrieÄZnszrchandrs Zwischen- Deutschland und Amerkkn. — Der Frkedensvertrag wird dem amerikanrfchen Senat nicht vorgslegt. Pasis, 6. November. Einer Meldung ans Chicago j Paris, 8. November. Nach Blattcrmeldunge» ans zufolge habe der demokratisch gesinnte frühere Unter- Washington beabsichtige Harbins, bei Antrist der staatsfekretär Brtzan erklärt, das amerikanische Volk i Präsidentschaft zunächst eine Versammlung von PoliLikcrL habe sich gegen den Völkerbund Wilsons und für einzuberuferl, um die Politik Amerikas gegenuber.de« die Vereinigung der Völker, die von den Republikanern; enrvvärschen Staaten zn studieren. Die Nepublikauer gewünscht werde, ausgesprochen. Es sei daher das beste dürften im Senat eine Mehrheit von 16, im Nepräsenfür Wilson, diese Lolksentschcidung anLUnchmen und? tantenhaus eine Mehrheit von über 106 Stimmest erunderzüglich zu demissionieren. -langen. Der. Senator C o r m i c, bisher Anhänger der Nicht-! Paris, 5. November. Der Washingtoner Berichteinmengung Amerikas in europäische Angelegenheiten, erstatter des „Echo de Paris" meldet, es sei-sicher, daß erklärte: Wir alle haben jüngst, zwar nicht aus ossi- > der Versailler Vertrag dem Senat nicht werde.vor- Zicllem, aber doch direktem Wege die Versicherung er-! gelgt werden, sondern daß dem neuen Kongreß ustmiftelhalten, daß die Großmächte bereit seien, zusammen mit; bar nach seinem Zusammentritt eine Erklärnng. beurks der Revision des Versailler Vertrages ZU5U-. - treffend die Wiederherstellung des Friedenszustandes stimmen.! mit Deutschland, zugrhen werde. > d'Unnrmzw ksnsiszterL das..! . Geld der Mnmaner Bapktzn. .„Tfvanti" zufolge ließ dAnnnnzio durch, Vertreter bei allen Banken in Finmc die gesamten Barmittel beschlagnahmen. Aus diese Weife bekam er 250.660 Lire in die Hand, die er dazu benü^te, um den Offizieren nnd Nnteroisizie^en, die mit ihrer Abreise drohten, den rückständigen Sold zu zahlen. Die. Gemeinde Fiume ist dadurch «rnßerstande, ihren Beamten das Gehalt für Oktober ausznzahlen. Der Bevölkerung von Fiume hat sich eine außerordentliche Erregung bemächtigt, da sie ihre Ersparnisse in Gefahr glaubt.! EweameriKaMscheMWonson den BsLschswlkrK gefangen- DLNoMMLN. M o S k a u, 5. November. (Funkspruch.) Gr« le^entUch der Offeustste . ^egers GsusraL Wraugel wm-tze dLs amrrLÄanische ^egen« r?volWtionr?re Mission uud ihr Führer, General Morrel, gefauIengenommerz. - - Die Verhandlungen zwischen der TüvLrr und Klernasien. Paris, 5. November. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) Der Konstantinopler Korrespondent des „Temtzs" erfährt aus durchaus vcrläßl'cher Quelle, daß dieser Tage ein dem S'abe Mnst-.fr K'mals zugeteilier hoher Offizier in. KonstanLinopcl an glommen sei und im Namen der Regierung von Angora dem. Großwesir eine Botschaft Mustafa K.mals kle 'brachte, laut welcher der Eröffnung von Berhandlnug-en zwischen der türkischen Negierung und der natirnaststischen Mgiernng von Kleinafien nichts im We^e stehe, wenn der Großwesir von den Ententemächte:: die schriftliche Zusicherung erhält, das; die Entente die folgenden fünf Punkte an-- nehmen werde: 1. Smyrna und das Hinterland werden der Zone der Meerengen nn'-er ottomanischer Souveränität wieder.-Mgtzgliehtzrt; 2. Thrazi^n^er»- hält eine autonome Verwaltung unter wttomamschrr Souveränität;, s $..?$&%! Jm ^Perirag^. von.Sestre^. -HiMMn'-ftürWcheO Mlegierbest.m der, zur^'WrwÄlW^^ der Balkanzone «inzusd'Mbrst Kommission fiA drei Lüriifche. Delegierte als Vertreter von' Smyrma, ' Thrazien und Anatolien hinzuzufügen; 4. verschiedeM Artikel des Friedensvertrages, besonders die finapz- und wirtschaftspolitischen, sind zugunsten der - Türkei zu än' ern; 5. das Kalifat ist vom Sultanat zu trennen^ Das Sultanat verbleibt dem. ältesten Sprcsse< des. Hauses OZman. während das Kalifat einem Abkörnmling der Familie des Propheten anzuvertrauen ist,, welcher das Vertrauen und dis Verehrung der LflamiliMu! Welt besitzt. _____ Wrairgel in Note». Noslan, 5. November. (Funkspruch.) FrontberichL vom 4. d. M.: Im Krimabschnitt wird hartnLckip gekämpft. In den Kämpfen um die Station Salkvwo machten wir 1.000 Gefangene und erbeuteten mehrere! Geschütze. Wir besetzten im Kampfe die Stadt Genitschrsk^ Paris, 5. November. (Funkspruch.) Die letzten Na^ richien von General Wrangel lauten recht ungünstig.. Die Roten Truppen dringen vor und es besteht die. \ Gefahr, daß Wrangel von feiner OpevationsbasiZ «uf^! der Krim ab ge schnitten werden könne. j -- Panik In Odeffa. Ke«stMtknop-l, 3. November. (Jewish Coer. Bur.) Zufolge hier eingelangten Nachrichten, ist in der Umgebung von Odessa ein von furchtbaren Pogronwu begleiteter Bauernaufstand ausgcLcrchcn. Die Juden flüchteten nach Odessa, wo eine große Panik herrscht.- Die Stadt ist bereits teiüveise von den und ZivilbehSrdsn evakuiert. i MickLrttL des rumänisch?»! Bukarest, 8. November. (Damian.) Finanzminister Litulescu tritt zurück; er wird den Londoner Ge- \ sandtenposten übernehmen. SBajrasw*s3inaHi»w*aJB ’xntiWja tar '• «r.»?:.-••'.‘txi.y.'tacr-CItt /Ai?' seines Verhältnisses mft seinem nächsten großen Nach-! Zentralproblem der gesamten Weltpolitrk ist.und daß/ bar schreiten. Es muß aber auch in seinen Beziehungen man in dieser Angelegenheit nicht vorsichtig genüg vor'" zu Nllßland zur Klarheit gelangen. Die Notlage Euro-! gehen könne. Mit der russischen Fragehängt auch du Pas ist nur dadurch verschärft worden, daß Rußland aus! sibirische eng zusammen und hier wird ein sehr starkes der Versorgung des Kontinents ausgeschieden ist und!. Interesse der amerikanischen Politik berührt. .Eint daß es auch auf den großen Meltmärkten nicht mehr Schwenkung .gegenüber Deutschland muß auch eine als Käufer auftritt. Dieser Umstand hat auch auf die; solche gegenüber Rußland nach sich ziehen. Amerika wlr^ Wirtschaft der Ententestaaten nachteilig eingewirkt und seine Beziehungen zu allen europäischen Staaten revsi seine"Ausstrahlungen müssen auch Amerika treffen, das dieren müssen und nicht allein aus. moralischey ode> in so hohem finanziellen Allsmoß an den europäischen Prestigegründen, sondern aus wohlerwogenem eigeper .Krisen mitbeteiligt ist. Das Zögern der Vereinigten Interesse auf die Ueberprüfung ö. r FnedenSverLrä^ Staaten, zu e-ner Tat g^euiivev Rußland zu schreiten. ' hinarbeiten, die zu eine Quelle steter Unruhen und Svp

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