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Wiener Morgenzeitung · 1920-11-03 · Heft 638 (3.11.1920) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
2 (1920)
Issue
Heft 638 (3.11.1920)
Date
1920-11-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Jahrgang Siecht und Frieden. —7. W? e n. 2. Novimber. Die Umtriebe der französischen Imperialisten, die Europa mit einem neuen Kriege bedrohen, sind in einem offenen Brief ins Licht gerückt worden, den der Chefpe-akteur Gardiner der „Daily News" publiziert. Seine ßlnklagcn richten sich persönlich gegen den gewesenen Präsidenten Poincaree, der als geborener Elsatzer jeden seiner Gedanken der Feindschaft gegen Deutschland unterordnet. Es wird ihm vorgehalten, dotz er die Seele aller gegen Deutschland und Lesterreich ange- -sendeten Unterdrückungsmatzregeln ist. Dieses System, sagt Gardiner, mutz zu dem Bruch mit Großbritannien und Italien, andererseits aber zu einer deutsch-russischen Allianz führen. Nun ist Poincaree nur Vertreter einer bestimmten politischen Richtung, die kaum zu solcher Entwicklung hätte gelangen können, wenn sie nicht der Unterstützung breiter Massen der französischen Nation sicher gewesen wäre. Ihre letzte und wesentlichste Begründung sst die fartwirkendo Angst der französischen Politiker vor der Stunde, in der der französische Bauer und Arbeiter «xkennen werden, daß die Fronarbeit deutscher Bergwerks?- und Fabriksproletarier nicht ihnen, sondern dem geschästslumgrigen Großkapital zunutze kommt. Der gedankenlose Nationalismus, der sich täglich an den liegen über Deutschland berauscht und jede Halsobschneiderei in nnd um Europa mit seinem Segen begleitet,, ist zu jeder Minute bereit, im Aufträge der HanoneNr und Munitionsfabriken'neue Brände zu enjfückjeU,' wenn er die Hoffnung hat, damit ' irgendein Interesse 3«/-froffcm MN^Wes-franMM'''Hystsne'böü Deiltfchen', so wie dex Deutsche von heute hinter allem llebel den Juden sticht^' Diese Denkungsart Fxtt ben - Deutschen schwere Schäden gebracht, und ihr Analogon biüngt Frankreich wieder, wie schon so oft, in die Gefahr der Isolierung.' Die Wurzeln dieser Richtung liegen in dem Friedensverttag. und solange dieser besteht, kann die Lunte am Pulverfaß nicht ausgetreten werden. Die Haltung. Amerikas, das sich aus jeder politischen Verbindung mit Europa lösen will, zeigt,'daß man dort mit dem mörderischen System der Pariser Gloire-Anbeter nicht einverstanden ist .nnd seinen Wirkungen durch Abstinenz aus- Weichen will. Dort nnd in England bat man es vor alsem verurteilt, daß der Krieg durch einen Diktalfrieden beendet, und daß den Besiegten die Wohltat der Rechtsgleichheit geraubt worden war. , Aber die Welt ist dieser Orgie des HasieS müde. Man sehnt sich allerorten nach einer Wiederkehr geordneter Zustände. Die vielen Konferenzen der Völkerhündkommissionen suchen den Weg zur Ordnung des Chaos, der ihnen aber durch das juristische Gestrüpp der vielfach zweideutigen Bestimmungen des Friedens- Vertrages versperrt wird. Die Verteilung der Kolonien, die Bestimmung der Rechte der nationalen Minderheiten, die Abgrenzung der neuen Staaten, die Ansbalanzierung der wirtschaftlichen und der Verkehr? interessen. das find Fragen, die der Fricdensvertrag fast bis zur llnentwirrkarkeit verwickelt hat. lind da man einen schlecht zngeknöpften Nock ganz öffnen und erst dann schließen kann, so mutz der ganze Friedensvertrag wieder vor die Kommission. Die obersten Richter, die im Vorfahr den Friedensvertrag verpfuschten, haben die Wilsonlche Idee der Weltversöbnung nicht beherzigt und sich teils von ihrem Rachegef'ihl, teils aber von ihrer llninter^siertbeit in bezug auf die mitteleuropäischen Grenz- ..und Wirtschaftsfragen leiten lassen. Die Engländer Keynes (bekanntlich Mitglied des der zionistischen Leitung zur Seite gestellten Beirates) und Normann Angell haben genügendes Material zusammengetragen, um erkennen zu lassen, wieviel böser Wille. Ignoranz und Leichtsinn zus mmenaewirkt hat, um dieses Frijedensimglück reifen zu lassen. Ihnen gesellt sich? der Oesterreicher Franz Klein'zu. der ein bitteres Buch über diese Materie geschrieben hat.*) Er ist, wie lieber Kulturmensch. Partei in diesem Streit, und wer gibt ihm nicht Recht, wenn er die wirtschaftliche lln- Vernunft des Friedensvertrages festnagelt. Franz Klein, der einmal österreichischer J„sti'm>inishr war, ist einer der wenigen österreichischen Politiker gewesen, die Menschenkenntnis und Derstä dnis für eine soziale Angleichung der Monarchie an Europa zeigten. Man muß ■ , Bäche« für Frieden und Freiheit." „Die Revision des Friede Drages v«n Saint-Germciin," Von Dr. Franz V ie. i. &. v Jfeskg Se.r iniernat'or^len ■ijftaueitlißo. Londvn, 2. November. (Privat.) New-Dvrker Privatkabeldepeschen teilen mir, daß die PrLfiÄeüLichsstswahlen zugunsten Hardings endeten. Die vorliegenden Wahlrefnltals ergehe« eine Überwältigende Majorität der repnblrLanrfchen Wshlmärmer, die nLe bei der PrafiderrLschaftswahl für tzarding einLrete« werden. Nie sikesrouM Uliii$M$konferett2. Awtl'ch it’rb aemcldct: \ Tie österreichische Sektion der Reparationskommission hat, nachdem die verschiedenen Vorschläge für den wirtschaftlichen Wiederaufbau Oesterreichs über» einstimmend in diesem Sinne gelautet haben, unter | anderem den verschiedene« Negierungen, die in der i österreichischen Sektion der Ncparationskommiffiön der»! treten sind, cmpsohlen, die nötigen Schritte zu einer so bald als möglich cin'.nbcrusrnden Handclskouscrenz,; welche zum Beispiel in Preßbnrg als einem günstig gelegenen Platze znsammcutrelcn köuute, einlciten zu wollen. Oesterreich, die SnkzrnionSsiaaten nnd die Mächte, welche in der öfterrcichischrn Sektion vertreten sind, werden ringelnden werden, Delegierte zu dieser Konfmnv an «><stMn, von Trm'noA rWWett sein wkrd. Aufgabe dieser Konferenz wird eS sein, die Ausnahme sra-undschastlkchcr Handelsbeziehungen zwischen diesen Staaten anzubabnen und alle hindcrl'chen Schranken für Handels- und Eisenbahnverkehr zu beseitigen. W i e n, 2. November. (Preß-Zentrale.) Der tschechy. siowa^schr Vertreter in der NeparationSkommission Dr. Znhradnik äußerte sich über die geplante Wirtfchastskons'"'enz zum Wiener Vertreter deS „Venkov" folgendermaßen: Ich habe meine Zustimmung nnr unter folgenden Dedinanngc» gegeben: 1. Der tschecho-siowrkischen Regierung bleibt das Recht Vorbehalten, Stellung dem Projekt zu «rhmen, . und ich stimmte für den ameÄanischen Antrag nur für meine Person. 2. Die Konferenz darf sich nicht mit politischen Dingen befassen. 1 Es darf nicht einmal der Anschein erweckt werden^ als ob irgendein Schritt zur Errichtung einer Donau, söderation in zoll- oder wirtschasil'chcr Beziehung oder iii ", welcher N'chtung immer getan wurde. . Die Rechte des tschecho-slowakische« Staates, die ru den Friedcnsverträgen festgesetzt sind, dürfen mcht be- . rührt werden. Die Konferenz hat hauvtsachlsch zum Zwecke, 'dir. ‘ Handels., Industrie-,? KommunrhationsnnK . -MnipM! auch finanziellen Wilchttttgrn^Awischen^L^^RHsMe- . 'staakeb zn erleichtern. Amerikas England imfr FrMkrerU werden sich jedenfalls, jedoch bloß inosfizrell, beteiligen. Möglicherweise werden auch einige interessierte neutrale Staaten teilnehmen, eventuell wird auch Deutschland ' eingeladen werden. Die Wahl Preßbnrgs soll der Au§» . druck des Willens der führenden Staattn der ReparL^ tionskommisiion sein» daß sie unerschütterlich auf der?' unbedingten Einhaltung des Trianon-Vertrages van? seiten l^ngarnS beharren. Schließlich erklärte Zahradnik, : es sei wegen ' er gro^-n Wohnungsnot in Preßburg nicht - audgefchloffen, daß eine andere geeignetere Stadt in der) Slowakei g-wählt werde. Die Beratungen werden imgefahr vierzehn Tage dauern. Ende des englischen Äeraar^eiterftreiks. London, 2. November. (Fnukspruch.) So weit das Ergebnis der VergarLeiterabstimmung über die Re-> gierl'.ngSvorschlägc bis jetzt bekannt geworden ist. weist eS e'na Mehrheit zugunsten der Annahme auf. Selbst in SüdwaleS, wo der größte Wide-stand geg>?n die Regiernn^svorich'äge zu bemerken war, ist eine Mehrheit für die Annahme erzielt worden. Die n^ue Internationale. London. 1. N'womber. (Tel. der „Wiener Morgen-- zei^ung".) Das Rationabkomilee der Independent Labonr Parw bat in seiner letzten Sitzung einstimmig beschlossen, Sch itte zur Einberufung eines S"ezialkong.-esses jenrr so'ialist'ßhrn -Parie'en. welche sich we' e: der zwe'ien, noch der d iiten Internationale angeschwssei Haien, sow'e jener, die ohne direkten Anschluß sich 'zu 'unsten der einrn ober anderen der zwei!s n eri a i. na e: a ls^ew-vchen eir.znleit.'n. Der Zweck de) K ng essrs ist di) Schaf'ung einer neuen Internationale a^f sehr brci e-Basiauf welcher den sozialistischen G u^p:n drr e'nzelnen Länder volle Fre'hrit ihrer Entwicklung entsp echend den eigenen wirtschastlichrn und S)schichtiich.n Dorbedingungru eingeräumt wird. Ein Sonderkomitee wurde mitder Durchsü^rung diese) Besch usses betraut, als Ort des! Kongresses London in Aussicht genommen. t Nückmi der Bolschewiken in der Akräme, > Wi n 2 November. Der Nkrain. Pressedienst mtlbti * aus Kamenetz-Podolsk: Im Gebiete nördlich der Linie; Preskurow—Schmer'nka ist die bolsch.'wikische Frynt ' vollkommen ins Wanken geraten. Das ringetretetWT Frostwetter, die schlechten Verkehrsverhältnissr, das gänzliche Versagen des Etappendienstes und schließlich' die feindliche Haltung der ukrainischen Dwölkerung '' zwingen die Bolschewiken, ihre Stellung)« freiwillig zu' ° räumen und sich nach Nordosten zurückzuzichen. ‘ ... . > Die jüdischen kegiorSre geaen d'r aatisemirlsche - Hetze der tschechischen Presse. Prag, 2. November. (Tel.-Komp.) Die jüdischen Legicnäre der tschechoslowakischen Armee haben dem Präsidenten der Republik und dem Ministerpräsidenten ein Memorandum überreicht, in welchem die gegen d'e^ Jndenschaft gerichtete Schreibweise eines Teiles der i tschechischen Presse verurteilt wird. ihm zubören, wenn er etwas zu sagen hat, und da er s sierten Menschheit anszubreiten und dort Klagen zu an der Seite Nenners hinter dem Stacheldraht in Saintführen über diejenigen/die in Wien den abgrundtiefen, > Germain gesessen hat. verdient seine Meinung alle Aufzischenden Haß gegen die Flüchtlinge, diese Opfer der, merksamkeit. Er fordert die Berichtigung der Friedens». Armeen Der Zentra'staaten, erzeugt haben, über die-; bedingungen in öffentlicher, mündlicher Auseinanderjenigen, die sie in Polen, in Rußland, in der -Ukrepuft.: setzung, gewissermaßen in Form von Rede und Gegenschlachten, die.sie in dem Verbrecherstaat Ungarn in.den . rede, wobei die Ententedelegationcn im Ausland als^ . Staub treten. Man könnte vor dem Gericht der Welt: Sachverständige um ihr Urteil zu befragen wären. j das Schicksal einer Nation anfrollen, die an kultureller , Dies wäre tatsächlich geeignet, ein We'.tergreifen Begabung neben jeder anderen stehen, aber. keine; der leiblichen und geistigen Hungersnot in Enropa zu Ruhe finden kann, weil sie immer nnd jederzeit Minori-. verbäten nnd den Völkern das Herz für den Völkerbund tät bleibt, die in einem steten KriegSzz,stand leben, mutz, zu öffnen. Man muß aber die Anregung Kleins auch Es ist gut, wenn der Hatz abgebant wird. Aber, er mu^ schon darum unterstützen, weil sich hier die Möglichkeit restlos verschwinden, und auch das jüdische Volk muß; Me, das jüdische Elend vor den Vertretern der zrv>itzi die Liga der Nationen, ausgenommen werden. :

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