Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 636 (31.10.1920)
- Date
- 1920-10-31
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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/ (/■ (/' <y * i 'vl,*- i/ L ' Einzelpreis ML L»2SSV KBBIM Einzelpreis *£*.: Pranumerationspreis«: v-i«nr jin« «bdoirn t« drr UaltttNo«, L ArUrk, Tabov» mr I hiS:<, oder in ei»» ^erschleitzstrve fSrcRfi; Monatlich . . Krone« *f>.~ vierteljährlich 90.- BÜt Pßstverland fftr Dlm «ad Oesterreich: Moaatlich .. 5krone« Sv.- Nchecho-Elawakel: Monatlich .. Krone« 13.— vierteljährlich 3».- l» tschechv» slowakischer Dihnmg llngar«: Monatlich .. Krone« ',9.- vtertel jährlich .. 00.— ■ in «»Aarischer Söhrnag J»K»slan»ie»: Monatlich .. Dur« ®.- ivierieljährlich » 18.- PrL»»n,erat1o»sPr«is« ■ Ofinc v ■* Monatllch. . Mae» vier»,jährlich *. *<M i» polnisch» fBiOwt _ rentschlend; Monatlich. . . Mar» , NrmNrrich: Monatlich. . > Arane» St«N-n: Monatlich . . . .Sttti Monatlich. »e» ». iNedattko« n. Ld«ni«tftrai Wieo,L.B^..TshorstrU.- relephoaer Ahmkntstraiße 440^8 Sredättion 43SN aä S Uhr abendSÄr. Mä P ostsparkaffen lonto 150.1 S-Sstf Wien, Sonntag, den 31. Die nächste Ausgabe der „Wiener “ erscheint Dienstag den . November zur gewöhnlichen Stunde. Westerreichischer tarismns. -7- Wien, 8!..'Oktober. .. Unter den vielen Schlagwb^A m^^^erufene «yd unberufene Glücklichmacher di«' ^en der Zeit charakterisieren und heilen wollen, sptelt die Ueberledthtzit des Parlamentarismus eine große Rolle. Wenn irgendwo der Vetwaltungsapparat zu knarren anfängt. Wskyndas Unverständnis einer Regierung oder die NnyMst der Verhältnisse die Interessen des Volkes schädigen, so erhebt sich alsbald der heftige Lärm wider den Parlamentarismus. In Wahrheit aber sind es die Parlamente selbst, die, wie eine jede von Menschen geschaffene Institution, unzulänglich werden, weil auch sie nur aus Menschen bestehen, die von anderen gewählt wstrdcn. Sicherlich entspricht die Institution.des Parlaments nicht den Anforderungen einer auf Massen gestützten, von Massen verlangten Entwicklung, aber Mn darf nicht vergessen, daß »wir in der durch den WLltkrieg geschaffenen Ausnahmszeit leben, die ja doch Irt absehbarer Zeit in einer normalen Entwicklung Wird münden müssen. Nicht der Parlamentarismus als System ist schuld; es gibt nichts Besseres, als die.Entscheidung über die tausendfältigen Ängelegpnheiten eWes tzoü EMWlMM legest. Aber die Erziehung der Massen ist ausschlag. gebG.d für das politische Niveaü derer, die sie selbst Lpschjahlen. .Peqn das.österreichische Parlament arbeitsunfähig ist, so beweist das-nicht das. geringste gegen das parlamentarische.System, wohl aber sehr viel für die Gedankenlosigkeit, mit der das österreichische Volk! seine Lebensfragen behandelt, für die Leichtfertigkeit mit" der es die Parteien gewähren läßt, die! den EgoiSmsts ihrer Klaffe und die Rücksichtslosigkeit ihrer Wirt', schaftlichen Eigenbrötelei dem Staat überordnen. Tie Pürier überwuchert die Allgemeinheit. Nickst daß der Sfaat gedeiht, ist bestimmend, .sondern daß die . Partei ich den Besitz der Macht gelangt. Die englische Kammer, dje Mutter der Parlamente, hat eben jetzt gemeinsam vstt der Negierung und den Bergarbeitern die tief, greifende Krise des Streiks beschvyren, einfach auf dem Hga des geduldigen Verhandelns. . < Ein Staat mm wie Oesterreich, der wie ein siecher, bAvegungsunfähiger Krüppel auf der Straße liegt, muß das. Parteiunwesen viel stärker empfinden als eine geordnete Volkswirtschaft.• Die allgemeine Unzufrieden, heit ist nur allzuleicht geneigt, auf der Suche nach dem Sitz des Uebels den Marktschreiern zu folgen und ein System, das keine Hilfe gebracht hat,. . mit seinem radikalsten Gegensatz zu vertauschen. Oesterreich ist zwei Jahre lang -von einer Koalition verwaltet worden, über dch sich beim besten Willen nicht viel Gutes sagen läßt. Mer sie hat doch die Entschuldigung für sich, daß sie ist *• keiner Weise durch die, Parteien unterstützt würde. Keinen Augenblick lang hat der erbitterte Streit ,der an der Negierung beteiligtenGruppen. geschwiegen, zu k6)ner Stunde konnte sich die Notwendigkeit einheitlichen' Handelns durchsetzen. Nun, nach den Wählen, isteine einzige Partei in den Besitz der Macht gelängt und cS' müßte, wenn sie den furchtbaren Ernst der Situation wirklich erkennen..würde, ihr erstes Bestreben, sein,-die Lage nicht noch weiter „ zu belasten. Aber sie tut gerade das Gegenteil. Die von Nenner angestrebte Orientierung nach dem Westen brachte doch wenigstens Lebensmittel, Wenn auch teuer bezahlt, nach Wien. Nun wird dieses System aufgegeben und eine Orientierung nach'dem Ostep, nach Ungarn,angestrebt, dessen Richtung der' in SO^lcti herrschenden Partei, aber sicher nicht der, Mehrheit des ^Volkes sympathisch' ist. ' Zudem' kämt die' Freund schastmit dem. armen,, gleichfalls verstümmelten und in seiner Wirtschaft verluderten Ungarn Uns nichts bringhn. Aber der Parteiegoismus siegt auch'hier über das Ctaatsinteresse. Die chtistlichsoziale Partei verfügt über genug Autorität, ihre agrarischen Angehörigen zur Ver« sorgung Wiens zu'überreden. Mer da dies der Partei schaden könnte, so geschieht das eben nicht, obzwar das Ausland den Stand der Dinge genau kennt.! Mer das Volk hat dieser Partei die Mehrheit ge- Heben Md ihr dadurch das Schicksal des. Staates an. London, 29. Oktober. (Jewish Corr. Bur.) Auf d:m unter Vorsitz des Ministers ^Sir Alfred Mond füngst abgehaltenen zionistischen Massenmeeting erklärte Dr. W eitz m $nnj daß zwischen der Zionistischen Organisation und der engli chen Negierung Unterhandlnuge« wegen Aeberlassung der palästinensischen S t a a t s l ä n d e r e i e » für die jüdische Kolonisation geführt werden. Die diesbezüglichen zionistische« Forderungen werden von elnep britischen K o m m i f s i o n geprüft und der brshrrigs Verlauf berechtigt zu hoffnungsvollen Ergebnissen. Ferner wird es notwendig sein, mit der englischen Mandatarmacht ei« Spezialabkommen über die geZenseiLigen Beziehungen zwischen ihr und der Ziomftischev Organisation, insbesondere mit Bezug auf die jeweilige Ernennung eines OberkommiMr« für Palästina, zu treffen. - - : ,; 'vi\. War sch a n. 3Ö. Oktober. Nach Mitteilungen aus W i i n a fanden auf der Lime Landwarowo—O'ranh. erbitte rt e K ä m v f e zwischen den Truppen Zierig o w s t i s und der Armee der Kownoer' Negierung statt. Der Angriff der Kownoer Truppen wurde zurückgeschlagen. Das L ttische Pretzbureau in Riga teilt mit, daß die Truppen Zieligowik's den B o r m a r s ch a u f K o w n o angetreten haben. Die Stadt wurde evakuiert, d.e bolschswikische Missivn ist ^qus:KovN0^abSMeM-^,^ Deutscher Berlin, 30. Oktober. Abgeordneter D a u m i g iUnabhängiger) erklärt, die Ministerreden chaben zum Ausdruck gebracht, daß wir am Äande des Äb^ g t u n d e s , stehen. Gsauben Sie nicht,^ sagt Redner nach rechts gewendet, daß es ihnen möglich sein wird, die Monarchie wiedeiherMellen. Auch wir wollen den Fr'edensvertrag von Versailles unwjchsüm machen, aber nicht, mir Ihren'MM * beimgestellt. Das Gebot d.er Demokratie ist es. den Willen der Majorität zu respektieren. Das Volköhaus hat noch nicht zu arbeiten begonnen und es gibt heute schon genügend Anzeichen für seine Arbe'itsnnfähigkert. Aber das', ist'das Nesüttat des Wahlrechtes und der Wahlgeometrie, die eben nur Parteien, nicht aber Jndividualitättzn zur Geltung kommen laßt. Solange wir dieses Wahlrecht haben, ' das sich die beiden großen Dolksparteie» auf den Leib zügeschnittcn haben, wird der, Parteiwahnsinü Land und Volk alissaitgün rmd zü' gründe richten können. Die INNschr RaLLsNLLVÄsMrMlTrrg^ Jaffa, 18. Oktober. (Privat. Verspütet eingelangt?, Täe erste Sesiicn der Jüdischen Nationalversammlung ist geschlossen Morden. Die Versammlung beschloß'öme Reihe von' Resolutionen^ die für den Ausbau . des p o l i t i>s ch e n L e b e n § im Lande von prinzipieller Bedeutung sind. Die Leitung sämtlicher politischen Angelegenheiten der Juden Palästinas gegenüber der Regierung und den anderen Nationalitäten im Lande werde einem.von der Nationalversammlung gewählten, aus 30 Mitgliedern bestehenden N a t i o n al kom i t e e übertragen. Zur Deckung der Ausgaben des politischen Ressorts des Nationalkomitees wurde eine Selbstbesteüerung für sämtliche Wähler eingeführt. Das Nationalkomitee wurde von der Nationalversammlung beauftragt, seine'Bemühungen besonders auf die Anbahnung einer freundnachbarlichen Politik gegenüber der arabischen PevWerung zu konzentrieren,, . Die Versammlung faßte ferner eine' Resosution, i.n Iwelcher die Erweiterung der. jüdischen Bataillone gefordert wird, die in Landwehr amd Gendarmerie gegliedert und für den Siäierheitsdienst im Innern verwendet werden.sollen. (Diese Forderung würde' von der palästinensischen Negierung sofort bewilligt, die.für den 1. November 600 Mann jüdischer Truppen einbernsen hat.) Das Nationalkomitee wurde von der Nationalversammlung beauftragt, dafür zu sorgen, daß die Regelung der Einwandernug und die Veschaffirng von Arbeit und Erwerb für die neuen Einwanderer io rasck tiU mög-ich besonnen werde. Wir wollen den Sozialismus und wir. 'MMn für ihn Kämpfen. Wir wollen die E n t e LÄ-8- Eine Sozialisierung unter Schonung d'er^ AütDHMer ist eine Farce. Die neue Kommünistischöi ihre ganze Kraft einsetzen. um die ArTeM'i,r:- s ch y f t a u f z u p e i t s ch e n, damit enhüchi ÄW.m parlamentarischen Plunder ein Ende gemecht- W.ms sozialistische Welt geschaffen werde. , Abgeordneter Miiller fMehrheirssyziMt> polemisiert gegen die Äbgeordneten Cnspien/ und Daumig. . .' Eine Re v jjj t n .. der'Welt begreiflich machen könnte, daß W'üN'. M l neuer Geist eingezogen sei. Von R e v a n ch-e K r nü ch t ge s p r o ch e n, w e rh e/n.' Redner' MW r sich sodann gegen die monarHistrs-chMMj^^ w e g u n g i n B a y e t n und gegen die dortigen ) Einwohnerwehren: und .hroht, - dM - die -AchWWst t dagegen Re p r e s sä'li-e-n' -.erMfön-.'MdL.."IW-r .Sozialisierung bemerkt Redner, daß .diese nichtelrys'r in russischen Bahnen wandeln sosite. i w . li easwaiaMwguanniiwn^^ | F. Stc,K,8l. j •; Seit der letzten Tagung ' der österreichischen , Monisten haben sich j für. das - jüdische Volk bedertLungs^; voAe Ereignisse vollzogen., Die iiDDqratiön- BchfnMs l Mche unserem Volk seine >. nationale Hsimstätttz -pyx-'' > spricht, ist in San- Remo'dem Friedensvertrag 'mit' der l Türkei unter Zustimmung der' Machte i leibt worden und damit sind .die größten poMschett i Hinderniffe für Pen Ausbaudes MdisKn),ÄandMÄn>,) -weggeräumt. Die, Bahn rift. .fre.i uyd. esl z siegt. QN7 uns,". den. weiteren. Wckl.zu bg.hben,'''Wen.HügüM . unermüdliche .Arbeit, zwvtzr.'.'JährMOe'weHMek'.; Äv.englische Militärvertpältung^ welche .M Me Jüan-' i griffnahme der jüdischen. Arbeit eine-arge Feffel bedM tete. und 'sich ünfähig nttd unwillig^ Zeigte) dbm.vpn-'.dsv!' Londoner Zentralregiernng dokumentierten und vow.den . Mächten sanktionierten Willen zur Gchafsuna eines jüdischen Palästina zum Durchbruch, zu 'verhelfen, ist dirrch einen jüdischen Zivilgbuverneur. abgelöst, 'hex'.-estl- \ vorbildliches. Verständnis für seine - Ausgäbe' zeW/mch:■ die feste Absicht betätigt,^^ mit dem Äüfbau der judWen Heimstätte Ernst Iu^.chachcNW, In? dör,kurzen.Arit^'M. welcher' Sir Herhert' S ä m u e l im LandeMtMW'" bereits der Grund t für - bedeuturrgsvolle .'RefMrest' - ge-. ' legt worden,^ welche ,einer nette. Bllite deL..LyrrW.^x- ' ulöglichen sollen. An- -..di'e.Stellt' Lex 'jpr-ichivS.'rUEHti türkischen. Mißwirtschaft.ist eine, .geregelte- Drdn'nng?-'össr- Berwaltung getreten, eine.. ..Reihe von I?äßnähmen>,stt bereits eingeführt .oder, steht tmniistelbcjt. Bodenkätafter wird 'wieder eröffnet und eine wMHü Verfügung, welche bestimmt..'ist, / den 'Raubbau,..mst.^ Boden auszuschalten und die agrikulturelle.' Prdh.üktPn iöt zu 'gewährleisten,, ist .soeben'erflossen.'Äro^.all,Mm -konnte'bisher die.Einwanderung frischer, jüdischer .KrM« in das Land nicht in dem gewünschten s.wWMe:r^ Tempo, ausgenommen werden. Die Gründe hiefür lregÄr in der mangelnden inneren und äußeren Vorbereitung für diese gigantische Aufgabe. Ein Umstand, bez sich au.fi der im Somnrer aügeh6üe?r.'-u zionistischen Jahreskonferürrz schmerzlich fühlbar '.zemacht i>*?. D'rs Eroig-'