Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 632 (27.10.1920)
- Date
- 1920-10-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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-H. r;fv. ★ yiint Mmratlich .. SH«! vierteljährlich *. i» politische» Statt* »«ttschlmch: . . . Mark »I Malte»: »t-aatttch . . . .Sir* Lchwriz: _ vi Storattich. . . Krane* Für da» sibriqr Sittlak r .] LlertrlsShrlich Lrene«!•**»«« ReLakjt»»«.Bdmürifrrat1»^ LS trn.r:. B ez.»LaborftrIl—U Lelepho»« Adminisreati»» 440:*K, Nrdaktio» 48S1 «b 9 Uh» «deadS Str, Lv»«> O-mpa»raU«r»«ttnfli Wien: &aim Mheke» te de» Ifepetttieit, L Bezirk Dtda»- patze t bis 3, wer t» ctac» Serschtsttzftelle «Lrafth: Missairich. . Krotten r»*.— HStseesljichrNch „ 00.— Mit Bo?ttrer,'au» >ir Wie» »a» ' c^ssterrsich: M-uatlich .. fSvotten >10.— O»ihsch»-Tl»»arei: •fiwwlSJvi?.. Kronen L0.— lVi^rseliizkrltch „ _J50.— hi tjchech»1l»wattscherWLHrlUll ' tfttgane ivromttnq. . Krone» »O.— .Vierteljährlich ,, ßOi^ 1» nazertschrr Wichrtut,. Aageparoik»: Ms*«N!tch .. »m« 0^» iviertelMrUch « W«- Nr. 632 Wien» Mittwoch» den 27. Oktober 1926 2. Jahrgang ras , New-York, Oktober. (Jewisb Corr: Bur.) >Die Nachrichten über die unailfhörlichen Verfolgungen der jüdischen Bevölkerung in Osteuropa haben bei der -amerikanische» Judenheit eine gewaltige Bewegung ausgelöst. Alle Bevölkeruttgsschichteu, politische Körperschaften und Institutionen haben sich zu dieser Kundgebung vereinigt, um das amerikanische Volk und .die Regierung aus ihrer bisherigen' Passivität gegenüber .den Leiden der jüdischen Bevölkerung herttndzubringen. Die Bewegung hat einen überaus intensiven Charakter augenommen. In unzähligen Versammlungen würde geschlossen, große Maffenkundgebrrugen im ganzen Lande zu veranstalten und ein Presiburcäu zu errichten, das .alle offiziellen Nachrichten und Privatbriefe über .Pogrome und Judenverfolgungen veröffentlichen ' soll. Ein Siebenerkomitee .wurde mit der Durchführung dieser Beschlüsse beauftragt: Der Verein der indischen Literaten und Journalisten „I. L. Perec" hat eine Konferenz aller jüdischen Orgauisatiouen, Hilssj komitees, Schulen, Vereinigungen, Unions, Landsmann- ' j schäften Md Logen eiuberufen, um über die Maßnahmen, j die das amerikanische Judentum gegen die Pogrome erj greifen könnte, zu beraten. Nach einer eingehenden j Diskussion, an der sich fast alle 300 Delegierten der er- | wähnten Organisationen beteiligten, wurden Resolutionen gefasst» sich ausnahmslos in den Dienst der Sache ,1U stellen und durch Aufnahme unmttelbarer Oezrehnngen zu den amerikanischen Journalisten, die über die Lage, der jüdischen Bevölkerung in Osteuropa aufzukläre.n sind, die christliche Welt über die gegen die Jude» begangenen Schaucrlichkeiten zu informieren. Ferner, wurde beschlossen, diese Aufklärungsaktion auch unmittelbar durch populäre Mittel und Reklame zu führen und sich nnit allen größerer Arbeitsorganisationen m Verbindung Zn setzen, dgmit sie gegen die Verfolg« ngen' der Juden Stellung nehmen. «AK' MW IM Amjlich wird mitgeteilt: UÄeV Bezuguahule aus die erschienenen Zeitungsnachrichten bezüglich der Pläne, welche bei der österreichischen Sektion der Reparation^-' komniission in Beratung stehen, insbesondere jene, die Sir William G o o d e zugeschrieben werden, wünscht dieser darauf hinzuweisen, daß alle derartigen Erklärungen weder als authentisch noch als richtig angesehen werden können, solange nicht die österreichische Sektion über die verschiedenen ihr vorgelegten Entwürfe einen Beschlust gefaßt hai. . ... ' Die österreichische Srktron arbeitet ununterbrochen an der LösuUg der gegenwärtigen finanziellen Schwierig-'. . keilen Oesterreich?, a^rr über was immer für eine Losung sie sich einigt, so > dieselbe unbedingt, der Reparationskommission m % > und den -interessierten Mächten vorgelegt werden. ' ■ ' Sir William Goode wünscht, zu erklären,, daß er keinerlei für die Veröffentlichung bestimmte- Erklärung in Betreff der Pläne, die er seinett Kollegen der österreichischen Sektion vorgelegt haben möge, abgegeben hat. Die polnisch-jüdischen Ans- L o n d o n, 24. Oktober. (Jewish Corr. Bur.) Zufolge einem Bericht aus Warschau haben die an den Ausgleichsverhandlungen teilnehmenden jüdischen Deputierten der polnischen Negierung ein Memorandum übcrxeicht, in welchem sie als uuerlästliche Boranssetzung einer Verständigung zwischen Juden und Polen folgende, sofort zn erfüllende Bedingungen stellen: 1. Die Regierung verpflichtet sich, dem Sejm rin Gesetzprojekt für die A b ä n d e r u n g d e s S a m s t a g. r u h egesebes zu unterbreiten. 2. Die Regierung verspricht, einen neuen Gesetzentwurf über die Staatsbürgerschaftim Sejm cinzubriugen, da durch unlängst beschlossene Gesetze ein beträchtlicher Teil der jüdischen Bevölkerung in Polen der polnischen Staatsbürgerschaft verlustig wurdd nnd in den „Fremdenlisten" registriert wird. 3. Die Negierung verpflichtet sich, eine Reihe von Mastnahmen zu treffen, um die durch den Bovkott und den Krieg verschuldete wirtschaftliche Not der Juden zu lindern. Solange diese Forderungen nicht erfüllt sind, könne von einem Ausgleich zwischen Juden und Polen nicht die Rede sein. London, 25. Oktober. (Privat.) Die polnische Tele-' grapbünagentur hatte seinerzeit mitgeteilt, daß in P lo c k die jüdische Bevölkerung gelegentlich der bolschewikifchcn Angriffe ohne zwingende Notwendigkeit und -auf eigenen Antrieb als Feinde der Polen ausgetreten wäre. Der Ploeker Magistrat hatte dann eine besondere Untersuchungskommisston — bestehend, aus drei Christen, darunter einen Geistlichen — eingesetzt. Auf Grund des erstatteten Berichtes hat die Stadtverwaltung folgende einstimmige Entschließung gefaßt: Der Magistrat iy Plock stellt fest, daß sich die jüdische Bevölkerung gegenüber der polnischen Armee vollkommen loyal verhalten und durchaus fein? Svmvathien für die Bolschewiken gezeigt hat. Sie hat unter den Bolschewiken in gleichem Maße wie die christliche'Bevölkerung gelitten. Die Mitteilung der polnischen Telegraphenagentur., wonach die Juden polnische. Soldaten - mit Säure begossen und sich mittels unterirdischer Telephone mit Bolschewiken in Verbindung gesetzt hätten, kann durch keinerlei Tatsachen bestätigt werten. Wir beauftragen die Stadtverwaltung, sofort für die Veröffentlichung dieser Feststellung durch das polnische D legraphenbnreau zu sorgen. Bisher hat die polnische Telegraphenagentur diese Fest-, stellung noch nicht veröffentlicht. Der Rigaer Vertrag ratifiziert. Warschau, 26. Oktober. (W. P. G.) Das Ministerium des Aeußern erhielt einen Funkspruch mit der Mitteilung, daß das Zentralkomitee der Sowjet den R i gaerVertra g raitf tziert hat. Tschitscher in schlägt vor, daß der Austausch der Ratifikationsurkunden am 2. November in Libau erfolge. Ferner gibt Tschitscherin seiner Freude über die Anknüpfung sreundnachbarlicher Beziehungen mit Polen Ausdruck. — Der Sekretär der pol-, nischen Friedensdelegation L a d o s ist heute nach Libau abgereist, wo der Austausch der Ratifikationsurkunden stattfinden soll. - __ Waffenstillstand zwischen SorvZetrußland nnd ' Peslfura? Warschau, 26. Oktober. Wie die Blätter mitteilen, hat Las Arinisterium des Aeußern die Meldung erholten, daß zwischen den Truppen P e t l j u r ä s und. den Sowjettruppen ein Waffenstillstand:abgeschlossen', worden ist. _( Nevolutio» in Venezuela. New-Pork, 26. Ottobrr. (Tcl.--Komp). In VrnMlla ist die Ncvolutlvn ausgebrorben. Die Aussländischen, welche von Gencml Ollvmcs geiithrt werden, tjabcn sich der Stadt B r c t o i t a bemächtigt. Ein gröhrr Teil drr- Truppm hat -.'.r.s.rschlosfen» ' . Der Reaktion eine Gasse. A —7-W r e h, 27. Osto-er. s , Die sozialdemokratische Partei hat ihre Vertreter aus dem Kabinett zurückgezogen. Die Erwägungen, ob sie damit, kmrstitutionell handelt und ob sie. ein Recht darauf besitzt, ihre von der gesamten Volksvertretung in die Regierung berufenen Parteiangehörigen zur Kesigna- Lion zu bewegen, sind nichts als Doktorsragen: . Es liegt ein Akt von. nicht mitzzuverstehender Deutlichkeit; vor. noch ehe der sozialdemokratische Parteitag sein Votum abgegeben hat.. Es . sollte eine fertige Tatsache geschasfetr werden, um . der Partertagsopposttiou - ein " wenig das Prävenire zu . spielen.Sie i findet, nur mehr Ex- Minister vor, air . denen sie. mit ihrer Kritik, vielfach vorbeischießt^ . Die radikale Parteinrinoritat kann,.-wenn, sie. gerade, willdies als Erfolg buchen nnd die Ver-, beugung -der -Ähgeordneten alsihren Sieg -seierM ' Ob' es aber im Interesse der Wählerschaft liegt, gerade jetzt' die.fast gerichtsordnungsmäßig sestgestellte'Unfähigkeit' der bürgerlichen Gruppen parteimäßig , und. aus' Partei-- . egoismus 51t .eskomptieren,. erscheint -zumindest. 'Zweifel- - Haft. Die-Wähler-haben zum'Ausdruck gebracht, daß sie. nicht von rechts oder links, sondern nur gut regiert werden wollen.; Hauptsächlich gilt dies von den jüdischen! Wählern, die bei.ihrer Stellungnahme für die Sozial-l demokratie — es wurden nach einer approximativen Schätzung in; Wien etwa 80.000 jüdische Stimmen-' fiici Pie Liste-der Sozialdemokraten abgegeben — mux gegen^ die Reaktion .und .ihre. Horthy-Manieren .sich -wehren, wollten. Wenigstens haben die Sozialdemokraten . offiziell und. nWoffiziell. die Forderung einer-jüdischen -VertreLMg.geradezu mit dem Argument'-bekätztpW. Laß eine.sozialdernokratische Niederlage zu Pogromen, unh zn'. ernern auttsernftWen-- Porstoß der Maktiön.'-sfuhren" würbe. Die-'Juden. Ko sich -betören ließen,'?fözialdemo°. kratisch zu wählen, haben dadurch ihre, eigene Vertretung, zu Falle gebracht, sehen sich jetzt aber erst recht betrogen. Die Sozialdemokraten verzichten auf ihren Anteil an der Regierung und.überlassen Oesterreich.als schönes! Erperimentterfeld. den Christlichsozialen, deren Tätigkeit' heute schon tu einer Fleischverteuerung ihre Schatten vorauswirft. , Die Sozialdemokratie will-sich auf die Position der^ Kritik zurückziehen. Aber dieser taktische .Schachzughat, einen sehr ernsten Hintergrund. In drei wichtigen! Zentren Mitteleuropas war die Sozialdemokratie unmittelbar nach dem Kriegsende in die Regierung, einge-: treten, um bei der politischen und sozialen Liqutdierung, ihre Grundsätze zu realisieren. Aber nirgends konnte sie sich ihren Erwartungenentsprechend durchsetzen. Die Kriegsverwüstung ließ eine durchgreifende, Sozialisierung nicht zu und die politische Umformung. der-WaaLen scheiterte an dem Widerstand der. sich langsam sammelnden Bürgerlichen, denen .noch die Taten des Bolschewismus in -Rußland und in .Ungarn als lebendig wirkende Agitatioitsmiitel zustatten kamen. Ueberall, in Berlin, in Prag und in Wien, geriet die Sozialdeniokratie mit ihrer Basis als proletarische Partei, und auf der anderen Seite mit dem Staatsprogramm der. anderen in einen unlösbaren Widerspruch. Die Wahlniederlage in Deutschland gab Gelegenheit zum Ausscheiden aus der Verantwortung, zugleich aber auch zu - scharfen AuZemandersetzungen ftmerhalb der Parteiselbst.' /-.deren Folge.der Zerfall der einst so mächtigen Sozialdemokratie' in vier Gruppen. war. - - In der Tschechy-Slöwakei'. spielte -. die Sozialdemokratie, die unglückliche Figur ' einer vom Chauvinismus'angesressenen detnolratischen Partei-, deren Reformörang sich bald durch. die Agrarier. Zügel ün< legen liefe. Auch hier kamen innere Spaltungen und der Austritt aus der-Negierung, der aber nur' die-taktische Schwäche der Mehrheitssozialisten offenbarte. Nun ist die Reihe an den österreichischen Sozialdemokraten, die - ihre tschechische Vrnderpartei in allen , Fehlern getreulich kopiert hat. Sie haben mit der trationalistischen. Parole — die sie in das ideale Gewand des Zusamnienschlusses' aller Deutschen kleideterr — gespielt und damit den erlöschenden Chauvinismus, so weit gestärkt, daß er jetzk zum offenen Kampf gegen all" Prinzipien revolntionärer und republikanischer. Kulturausfassung übergehen kann. Dir haben Ausweisungen -gegen Juden und andere Nichtdeutsche, rrnd wir haben bereits den Num^ruK clausus an der Universität: die ganze Borniertheit der! dentschüationalen Stammtische streckt die Hand nach der Negierung aus. Die Sozialdemokraten aber wollen sich^ in der Hangernatte ibres ovvositionellen Gartens be^