Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 631 (26.10.1920)
- Date
- 1920-10-26
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Sk. 63 t , Wien, Dienstag beckung böi' wahren. Ursache des Leidens beseitigt: er hat Behandlungsmethoden allwendeu lasseit, lvelche schon int Frieden Bei der Behandlung hysterischer Zustände verwendet wurden,- dem Stande der Wissenschaft, entsprachen, maßvoll und gegen die Gebote der Humanität nicht verstoßend waren. Infolge seiner aufreibenden Tätigkeit außerhalb der eigenen Klinik war Professor Wagner-Iauregg genötigt, bis' Ausführung seiner Anordnungen Hilfsärz'ten zu überlassen. Gegen eines dieser Ktlfsorgari-e sind Beschwerden erhoben worden, dienicht unbegründet 'erscheinen: Es ist dies der dem Professor Wagner-Jayregg als Ersatz für'seine eiüberüfenen Assistenten zügewieseue Arzt Dr. Michaels 8ko z l o tv f.k'i; er wird vbn mehreren' "Auskunftspersonen beschuldigt, daß er bei der Faradisation sehr „scharf vorgegangen sei und die Grenze des -Zulässigen Überschritten habe. Die Kommission hat die volle Ueber- Mgung gewonnen, de.artige Ueberschvkitungen ohne Wissen und-gegen den Willen Professor Wagner^- Z^ureggs geschehen sind. In bezug auf die übrigen beschuldigten Aerzte ist die Kommission zü dem Ergebnis gelaugt, daß sie im allgemeinen nach bestem Wissen und Gewissen ihres schweren Amtes gewaltet haben. Die Kommission hat sich auch mit vereinzelten Ungehörigkeiten usid. Uebergriff,en beschäftigt, die bereits früher,,, und zwar noch im Kriege, jGegenstand der Untersuchung durch die zuständigen Militärischen .Behörden'gebildet haben. Sie hat sich dabei überzeugtdaß die Vorgesetzten Behörden die tu Frage stehenden Vorfälle so ernst gerügt, die Uebelstände so entschieden abgestellt haben, daß es einer. Wiederaufnahme des ordnungsmäßig erledigten Verfahrens , nicht bedarst' Me ausführliche .BestMibuntz''' dieses Spruches erfolgt in einem Berichte, den bk, Torymission dem Nationglrat vorlegen.wird. Die Forderungen der StaatsangefteLLen. Die paritätische ü-öhMmMissivn der Staatsangestellten hält in den nächsten Tagen wieder eine Sitzung ab, der auch die Vertreter der Regierung anwohnen werden. Bekanntlich verlangten dks - Organisationsvertreter, daß den Staatsangestellten von -der Regierung L e b e n s m i t t e l z ü b u ß e n gewährt werden) sollen. Da.die Regierung aber nicht imstande ist, Lebensmittel in der angeforderten Menge aufzubring^n, damit sie an die Slaatsangestellten verteilt werden können, wird man nuntrachten, die Regierung zu bewegen, daß sie sich für ge.ld liche Zuwendttngen an die Staats- Bediensteten bereit erklärt. - 1 'Die Werreichisch-itulienische Grenze. Innsbruck, 25^ Oktober. Aus dem Landhaus wtrd mitgeteilt: Der Internationale Gxe,nzregulu;rungDausjchuß hat die Entscheidung. über den Verlauf der, ö. sterreichrjchrtaktenilchen S t a atsgrenze am Neschenscheideck'und veiSMan endgültig getroffen. Der Grenzregnlierungsnusfchuß hat sich einstimmig für die Gememdegrenze zwischen Rkschen - und Räubers als Einstiger Staatsgrenze entschieden. Für die Grenze rin Pustertal beschloß der Grenzregulierungsansschuß, -• sich auch 7)ier an die bestehenden GetnemdsgrMM'zu halten. Telegramme. Sir Herbert Samuel über die Mische igitt* Wanderung in Ptzliistlna. Jerusalem, 20. Oktober. (Jewish Eorr. Bur.", verspätet.)Jn seiner Rede bei der Eröfftmngssitzung des Negierungsbeirates in Jerusalem, sagte Sir 'Herbert Samuel über die 'jüdische MwMsd«.üng'/Mch Palästina: Eine'gewisse Anzahl Von Einwanderern, hauptsächlich Juden, trifft in dö-n Häfen.. ein. und..findet Beschäftigung bei Straßenbau und Bebauung des'brach-" liegenden 'Bodens. Ihre Anwesenheit bringt daher den Interessen drir GesamtbeböVrung nicht.nur keinen Schaden, sondern bedeutet direkt einen Vorteil, da sie den Wohlstand und das Gedeihen des Landes fördern. Dies allein illustriert schon zur Genüge, daß der Prozeß der Errichtung der jüdischuationalen Heimstätte für die nichtjüdische Bevölkerung kein Unrecht, sondernvielmehr Segen bringen wird. " Die Verhandlungen mit den englischen Bergarbeiter«. London, 35. Oktober. (Furrkspruch.) Die nufGrund . einer Einladung des P re m i e rm in i st e r s vereinbarte Zusammenkunft der Vertreter der Bergarbeiter l mit Llohyd George hat gestern-vormittags stattge- " funden. Sodann trat die Bergarbeitervereinigung zu einer Besprechung über das Ergebnis, dieser 'Beratung zusammen. Di^ Vörhandlungen werden heute fortgesetzt werden. London, 26. Oktober.. (Muter.) Ramsay,M a cd v nald erklärte in einer Ärbeiterversammlüng, daß die Verstaatlichung das einzige Mittel sei, den sozialen Frieden wieder herbeizuführen. -Thomas erklärte itt.einer Rede, die er in einer Eifenbahnerversammlung hielt, es wäre eine Unklugheit, die den Erfolg der Forderungen in Frage stellen tonnte, aus Sotida ität niit einer änderen Körperschaft in beu Streik zu treten. London, 25. Oktober. (Funkspruch.) Die Verhandlungen der Kergarbeitervertreter mit der Regierung wurden beute vormittags fortgesetzt; das C- Wiener Morgenzettnng ■ .**■--:— -^—1 1 ■— .-—^ Die blutigen Ausschreitungen der polnischen Militärs. Eine Verlautbarung des idriegsministerlum-» . Warschau, 26. Oktober. (W. P. G.) Du Blatier veröffentlichen ciu Kommunique /des Kriegsmin'steriums, in welchem hekq'mftgegeben wird/ daß alle A n Sschreitnngen gegen die iüdische Bevö!ke-> r ir n g, insofern sie der Militärgerichtsbarkeit untersiegep, mit voller Strenge bestraft worden find. - In 14 Fällen wurde wegen Plünderung und Diebstahls auf Todesstrafe erkannt, die in 13. Fallen vollzog e n -worden ist, in einem Falle wurde vom Staatschef die Begnädignng ausgesprochen und die Todesstrase in eine K^erkersttstfe uchgewandelt.. Die anderen Urteile lastten auf UerkWstrWtMiSzu 15^ Jahren." Die Liste ber urteilten wird demnächst veröffentlicht werden. Der MMer Friedensvertrag. Warschau, 26. Oktober. (TA. der „Wr. Morgenzeitung'.) Im Landtag, wurde, in .zweiter und dritter Lesung der Gesetzentwurf, betreffend' die Ratifikation des Rigaer Vorfriedens, a n g e n o nr m e n. Land- .urarfchall Tromez Ms kr und Ministerpräsident Mito s erklärten, dieser Friede habe dem Lebensinteresse .beider Nationen Rechnung getragen. .Der Friede in Osteuropa sei wieder hergcstellt, d werde Heu Wederanfba r Europas erst ermöglichen. — Wie verlgutet, begibt sich die polnische Friedensdelegatiou diese Woche nach LiÜan, wo der Austausch der NatifikatiousuMuden mit der rnffifchen Delegation stattfinden wird. I lliiii M ii > iiwiriiriipiiiwiiiwu.iiiiiiiniw in i ' mmmmwämmmemimm \ gebnis' würde nachmittags dem Vollzugsausschuß mitgeteilt. Obwohl noch Keine Einigungsformel gefunden wurde, wird die Fortdauer der Verhandlungen als gutes Zeichen für die Beilegung des Äusstandes aufgefaßt. - ' ' / " FranzSfifche Stimmungsmache für den garisttus. - ' - Paris, 25/ Oktober.- In einem Bericht über di^ politische Luge in Sübrußl-and teilt der „Matin" mit, daß sei^kurzem besonders in dltzr KHm für die Wiedererrichtung des Zarenthrones'° Stimmung gemacht werde. Als Anwärter wexbeMroßsÜrst Wchael.Alkxsndrowitsch, der zweite Bruder des Zaren Nikolaus, genannt Der Vorsitzende her Regierung Wrangels, K'ri wös ch'e i n, 'äußerte 'sich gegenüber ginenr KorrespoüdMten ^jes er sei überzeugt, baßwenn die Stunde gekommen^ sein werde, sich hie Volksbefragung zugunsten der Errichtung der konstitutionellen Monarchie aussprtzchen werde. Die Regierung werde «aber nichts tun, um diese Stunde näherzurücken oder die Volksabstimmung zu beeinflussen. Die Ukrainer'melden wettere Erfolge. Kämenetz-Püdolsk, 24." Oktober. (Ukr. Pressedienst.) Unsere am 18> d. M. nachmittags zwischen Bug uyd Dnjestr begonnene Offensive hatte vollen Erfolg. Die 7. und 45. Division der Sowjettruppen. wurden v e r nj ch t e t. Das 413. und 365. bolschewikische Regiment wurden bei Schmerinka umzingelt und gefangengenommen. Der geschlagene Feind zieht sich' in Unordnung auf das li n k e B.u g u f e r zurück. Wir besetzten im weiteren Vormarsch W a p niark a, den wichtigen Eisenbahnknotenpunkt auf der Linie Schmermka—Odessa. Unsere Kavallerie verfolgt den Feind in der Richtung auf H a y s y n. Am Dnjestr besetzten wir I a m p o l Dle Schwierigkeiten -er „Kleinen Entente". Prag, 35. Oktober. (Preßzentrale.) »Gazette de, Prague" schreibt zu^ dem bevorstehenden Besuch des bulgarischen Ministerpräsidenten Stambuliski in Prag: Die Presse am Balkan sagt einmütig, daß ein sreunoschaftliches Verhältnis zwischen Bulgarien und seinen Nachbarn nur dann möglich sei, wenn Bulgarienden Friedensbestimmungen sich loyal unterordne. Nur wenn Bulgaren seinen Verpflichtungen nachkommt, kann von seinem Eintritt in die „Kleine Entente^ dje Rede sein. Die Tschecho-Slowaker ist ay den Ereignissen am Balkan nicht direkt interessiert. Die -Tschecho-Slowaker wird also nicht entscheiden, ob Bulgarien in die „Kleine Entente" ausgenommen werden darf. Diese Frage kann nur in Belgrad, Buk a r e st und Athen entschieden werden. Die LronisttseLe Bett?ksse&tton Leopol ästaät nnimniniii ■ Dienstag den 26. Oktober l.|., halb 7 Uhr abends im Saale der Sozialen. Hilfsgemeinschaft >; II,; Praterstrasse Nr. 17 Tagesordmtng: r. Wahl der Delegierten ztim Parteitag TTTT 2. Stellungnahme zu den Rcrat»iT:?«!?e?renständen Erscheinen aller Wahlberechtigten Parteipflicht!!! 26. OU06« 1820 Srit» S ■ ..--,.....„1 —" — .■ I.' n ■".■■..*■. >, - ...in ITI »' - . .. >- >»»:,, I. I "■ - -> 1 ■’jjglitfjl , Tschecho-Slowakei .wird sich dem Standpunkt de! Belgrader Regierung sind dtt allisirteu Regierung^ unterordnen. - PMS, 26. ^wber. Me polnische D>ele.MM beim. Völkerbünde, der Professor der Lenrberger Universität^ Assienas, erklärte einem Mitarbeiter des „Exoelsio^ die Frage, ob Polen in die kleine Entente eintLEhtzrßi . werde, bürste erst anläßlich der Reise Take Jonesiu^ nach Warschau entschieden werden. Polenempfinde'gögB-i. über Rumänien und Jugoslawien w.arme Sympathien.! - - Die Beziehungen zur Tschecho-Slowaker seien durch den! Zwischenfall von Teschen auf eine Mrte Probe gestellt worden. Es sei noch'heute Polen schwer, zu vergessend daß die Tschecho-Slowakei die Teschener Frage in hem- ,Augenblick lösen wollte, wo Polen Don den Bolschewiken' hart bedrängt war. Dies sei wohl eine Si^wierigNt,'' die Polen in der kleinen Entente vörfinden würde. Kämpfe in Dublin. Dublin, 24. Oktober. (Reuter.) Eine Gruppe Aus-? rührer griff heute mehrere militärische Lastwagen an/ Die Soldaten erwiderten mit Schüssen, wobei ztoei Zivilpersonen getötet wurden. In einem G asthause wurde gleichfalls ein Zivilist durch einen Schi'"- - ge tö tet. - Der Vürgermeifter von Cork gestorben. VMbvNx 35. Oktober. (Neuter.^ Der Lord-Malwr - von Cork ist gestorben'. '' '• ‘ ' ' */ / Der Biivgermeister von Cork wurde am 12. August. ' 1920 im Rathause vvn. Eork in seinem Burvau ders ha stet, Weil er verbotene Schriften besaß, die ihn . als einen irischen An fwiegler und Getier der englischen Regierung kennzeichn-eien. Für dieses Mex--! Lvechen ^wnrde tt xst zwei Kahren'Gefängnis verurteilt.'! Er beschloß' jedoch, den Kampf auf andere Weise/fort-' . zusetzen, und trat in den Hungerstreik, der 75 TaLtz', . dauerte/ Die englischen Behörden-konnteir nichts anderes/ erreiche^ als dem Häftling in bewußtlosem Zustand'! Nahrung einflößen, die er dann,. zur Besinnung ge-i kommen,-konstant verweigerte. Sem Tod ist jedenfalls geeignet, die in Irland herrschende Spannung um ein! 'Beträchtliches zu vermehren und Englands Schwierig-. , feite« zn vergrößern. Die Danzitzer Frage. Paris, 25. Oktober. (Funkspruch.) Die Botschafter-, tonferenz hat. die Weigerung der polnischen Regierung^ die Dasiziger Konvention zu unterzeichnen, zyr, Kenntnis genommen und eine Ko mmissivn von , Fachleuten beauftragt, eine Lösung der Frage zn suchen? . die beide Teile befriedigt und den BestimmunglÄi fc*g'. Friedensvertrages entspricht. '! - Danzig, 25. Oktober. (Wolfs.) Nach einem Tele-... gramm Lord Derbys an die hiesige alliierte. Verwaltung hat die Polnische Delegation am Samstag eine Krif^ ' von zwei Tagen verlangt, um mit der DaNziger Delegation gesonderte Verhandlungen zu pflegen. Die Danzinger Delegation hat dies a b g e l e h it t und ihrer? Standpunkt in einer Note' an die BotschafterkonftreüZ^ begründet. Daraufhin hat die Bvtschastertzsnferenz einen! interalliierten Sonderausschuß eingesetzt, der aus vier Franzosen, zrvei Engländern, einem Italiener und einew Japaner besteht und die Aufgabe.hat, eine MniAUNg/ zustande zu bringw. DersInternationale Gewerkschaftsverba«» evtfendet eine Kommiffion in- Rnhrgeblet. Amster-Äm, 25. Oktober. (Reuter.) Auf einevi Konferenz -er Leitung des Internationalen Gewerks schaftsverbandes kam.es zu einer eingehenden Erörte-, rung der Lage Mitteleuwpas und der Folgen, die eine eventuelle Besetzung des Ruhrgebietes durchs Ententetrgppen für die weitere Entwicklung der( Lage Mitteleuropas haben könnte.. Auf Ersuchen berj Verbandsleitung nahrneN an derBesprechung vom'- - Deutschen. Gewerkschaftsbund der Vorsitzende Leg je n und der ztvsite; Vorsitzende Kr asima n n teil/ Ml wurde beschlossen,'tzaß poch' im Lauft dieser Woche eine Abordnung des Vorstandes des Allgemeinen Gewertschaftsverbandes'. sich nach dem Ruhrgebiet begeben soll« um sich dort' Über den Stand der Dinge zu informieren^ Die Abordnung wird Nus Iv u h a u x (Frankreich),! Mertens (Belgien), dein'Sekretär des Juternatio^ nalen 'Gewerkschaftsverbandes Kimmen und einem 'durch die englischen Gewerkschaften .zn entsendendeiö' Vertreter bestehen. Das tschecho-slowatzische Budget. Prag, 25. Oktober. Während bas Budget für das- Jahr 1920 mit eurem Abgang von 2,7 Milliarden^ Kronen abschließt, weist her ^ahresvoranschtag fün 1920/21, der morgen dem Slbgeochnebenhaüs zugehew soll, sogar einen Ueberschnß von einigen -MilliorM aus Die ordentlichem Ausgaben sind mit 9,17 MMarden,! siie ordentlichen Einnahmen mit 12,05 Milliarden prä-^ ' liminiert, so daß die Eümahnren mit 2)88 Milliarden ttberwiegen. Das außerordentliche' Bl^tE^sin/HpSrj gaben 4,93 Milliarden, an Einnahmen 2,05 WM liarden auf, so daß sich hier ein Defizit von 2,88 Mity; liarden ergibt. In den Dezimalziffern überwiegerr jedochj die Einnahmen um mehr als 3 Millionen,' so datzs daS Budget mit einem Ueberschuß schließt. Die AusßahÄ für militärische Zwecke sind mit 3300 Millionen eingestellt, das he ißt,, daß auf den Kopf der Bebälf'mnn^ 176 Kronen an Mlitärlasten entfallen.