Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- Heft 631 (26.10.1920)
- Date
- 1920-10-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Der Ausfall der jüngsten Wahlen in die österreichische Nationalversammlung .hat in Ungarn Stimmen laut werden lassen, die wie dn Glückwunschtelegramm ait den siegreichen Freund und Gesinnungsgenossen klingen. DieHorthy-Leute haben die österreichischen Wahlen mit eitlem Interesse verfolgt, das in Oesterreich selbst großen Bevölkerungskrüsen gemangelt hat, und es ist kein Zweifel, daß der Wahlausgang, in Oesterreich ein anderer gewesen wate, wenn die Bedeutung desselben -h, Oesterreich geuyu so eingeschätzt worden wäre, wie er t u Horthy-Ungarn bewertet' worden ist. Horthy-Ungaru bietet dein siegreichen - Freund über die gefallenen'Sozial. demokraLen hinweg die Freundeshand an und läßt durch titelu* oder weniger amtli:he Kund gedungen die. Bereit- Willigkeit wissen, mit.diösein Oestereich in freundschaft° liche Beziehungen zu treten. ".Die ungarische Regierung . basst, trnd vielleicht nicht ganz mit Unrccht, daß die ichige Majorität, welche die Petantwortung für. die. Geicljicke des Landes zu übe.rnehmeü gezwstUßen ist, für die Absichteti' und' -Ziele der. ungarischen Horthy-Regierupg tnehr Verständnis und Vertrauen entgegenbringen werde, als die bisherige herrschende Partei, es getan hat. In die Fretldenstinmtilng, welche in Ungarn ob des , Wahlsieges der. Christlichsozialen.chie, regierenden Kreise erfaßt hatte, platzte ganz 'ttnerwünscht und mit' unerwarteter.Vehemenz die As-äre Landauhinein, welche vom Mnisterpräsidentcn i mach. ../eLnstst .miWückten Mr- ^WurrgSversttch'^' skS^l^TMtzetzÜches' verbrechend " deklariert werden musste. Die Wäre- Landau war in . der Tat .-sehr .ungelegett gekamtnest,. denn' in .Oesterreich liegen die Verhältnisse zunächst Hochnoch ganz anders als in Utiga'-i, und selbst Ctmstl-ichfoziale werden sich, ' einmal zur Regierung , gelangt, kaum , mit der'Freundschaft .'und Gesinn ugsgettossenschaft einer. Regierung brüsten wollen^ welche, wie eben Her -Fall Landau zeigt, der Herrschaft im eigenen Lande-zumindest nicht sicher-ist oder solch „entsetzliches Verbrechen" zu ^dulden, geneigt ist. Es galt daher zunächst, Ungarn sozusagen wieder freundschaftsfähig. zu machen' und den. Willen ükndzuttm, atis 'der Landau-Affäre die Konsequenzen zu ziehen, welche im Ausland den Glauben erwecken sollen, daß der ungarische christliche Kurs zumindest eine. Milderung ersahren werde: . - ' Diesen. Augenblick hält auch Graf Apponyi für geeignet, auf den Plan zu. treten und ein Eingreifen in das Räderwerk der ungarischen Regierungspolitik anzukündigen. Es istkennzeichnendfürdie Trostlosigkeit der Verhältnisse in Ungarn, daß . selbst ein noch unverbindliches Versprechen des Grafen Apponyi, wieder in die aktive Politik emzutretem von den Kreisen, die. man in Ungarn die Schule der alten Politiker zu nennen pflegt und von allen Bevölkerungsschichten, die sich' unsicher suhlen, solange das jetzige Regime " mchs' vom Schauplatz versckwn-det. mit Jubel und Begeisterung aufgenommen wird. Man hört schon Worte, wie „Rälliierung oller liberalen Elemente", von Wiederaufbau eines liberalen Blockes und' andere ähnliche politische Schlag- Worte, die man iy. Ungarn schon-längst als verklungen und vergessen angesehen hat. Aktive trnd auch abseits siebende ältere Politiker Werden zum Reden bewögen, ünd man erfährt, daß diese, wenn auch noch sehr vorsichtig trnd hinter Vorbehalten verschanzt, das Wiederar,stauchen ApponyrZ mit sreüdkgev Geitugtunng begrU''"- u"b "on ihm eine tiefgehende Wandlung in'der Ungarn? eNaarten. Und e^st die . jüdstchen Politiker klammern sich, wie der Ertrinkende an eitlen Strohhalm, an einzelne,, wenn auch nichtssagende Verheißungen des Grasen Apponyi, der nun berufen sein soll. Ungarn ans dem Pfuhl des Verbrechertums herauszmühren. Ob die Hoffnungendie man jetzt in Ungarn an Apponyi knüpft, sich nicht auch diesmal, wie in allen anderen früheren Fällen, in denen dieser ungarische Staatsmann die Zügel der Regieruyg in die Hand zu nehmen; versuchte, eine bittere Enttäuschung erfahren werden, wird vielleicht schoit die nächste Zukunft lehren. Denn Gras Apponyi hat bisher nach niemals eine Rettungsaktion wirklich zu Ende geführt, die er. so, oft schon, stir sein Land zu unternehmen vorgab.' Ost ist I L ju! Ve. stuew."! nivijt rininal der Versuch, es elnzubalien. , gefolgt. Und die Spuren. . welche die Tätigkeit! kindaltung des IHinderbeitcn$(bxtie$. Erhebungen des englischen Kommissärs in Horthy-Angarn London, 24. Oktober. (Jewish Corr. Bur.) In der jüngsten Sitzung des Board of Deputies, der Sir Stuart Samuel präsidierte, wurde der Bericht des Joint Foreign Commitee über die zugunsten der polnischen Juden ^unternommenen Schritte verlesen. Unter den Dokumenten befindet sich ein Schreiben vom englischen Ministerium des Nuswärtigen, das bmt Lord Curzon gezeichnet ist und wie solgtÄcmtet: „Gemäß dem Minoritäteuschutzvertrag mit Polen, kraft dessen die nationalen Minderheiten unter den Schutz des. V ö l k e,rbundes gestellt wurden, ist es ratsamer, jegliche Be, schwerden über die Behandlung der Juden in Polen uttmittelbar an das Generalsekretariat des Völkerbundes zu richten.^ Da das Präsidium des Board of Deputies sich in Ausführung der Ratschläge von Lord Curzon überzeugen konnte, daß vorläufig beim Völkerbundrat eine besondere Institution, zum Schutze der Minoritäten- Verträge noch nicht besteht, hat das Board of Deputies beschlossen, sich dnrch das Joint Foreign Committee an den Rat des Völkerbundes mit entsprechenden Vorschlägen weaen Schaffung einer derartigen Institution zu wenden.? Bis dabin ^lüle j^chdem britischen ^MtzMM'Äähegefegt', werden,' die- Brrleknügen der in den Friedensverträaen gewrihrleisteien Rechte der polnischen Inden im Rahmen des britischen Auswärtigen Amtes zu behandeln. Dies wurde auch durch Versprechen Norddepartement desa Außen- Ln eien Wolfs amtes erreicht. In der weiteren, Berichterstattung wurde. Hrvvr. gehoben, daß die Aktion des Joint Foreign Committe^ zum Schutze der Inden in Ungarn vorläufig -en Er< folg erzielte, daß das britische Auswärtige Amt das ge*' samte gegen Ungarn gesammelte Beweismaterial dem' britischen High Commissioner in Budapest mit dem Er^ suchen um Informationen und Einleitung vo« Erhebungen zngeschickt hat. Schließlich berichtetes der Sekretär des Board of Deputies, daß das Joinki Foreign Committee beim Völkerbund dringend vyr-! stellig geworden ist wegen. Einleitung einer Akttön znrj Ueberwachung der Minderheitsverträge, woraust de« Generalsekretär des Völkerbundes über sein Ersuche» ein genau ausgearbeitetes Projekt vorgelegt wurde: Dass Joint Foreign Committee wurde verständigt, daß sein» Vorschläge dem Vorsitzenden Leon Bourgeois unterbreitet wurden, die auf der in den nächsten Tagen i»! Brüssel abznhalteuden ersten Seffion des Völkerbundes zur Verhandlung gelangen werden. > i; > . - . (Das Joint Joreign Committee ist 'ertte?vom>VMr8l of -Deputies,' dem Müsschuß .sämtlicher - englisch-jüdischer. Körperschaften, eingesetzte Sonderkommission Mr ^dre' Fragen der politischen Lage des Jtkdmtum? der verschiedenen Länder.) Die italienische Regierung gegen die nationalistische Reaktion. Rom» 25.. Oktober. (Tel.-Komp.) Die Regierung GioUttrs ist einmütig entschlossen, der Reaktio n s be w e gun g energisch entoegenZutreten und die Machtgelüste der Imperialisten im Zaum zu halten, ^um gegen jeden Versuch eines Staatsstreiches gewappnet zu sein. In diesem Sinne herrscht, wie iiiiMHiiwirMBanapCTMiMgan« Apponyi-' als Minister und Parteiführer in der Geschichte Ungarns zurückließ,: lassen ihn durchaus nicht als konstruktives Talent erscheinen. Es soll hier nicht aus die Vorkriegszeit Zurückgegriffen und. daraus hmgewieseg werden, daß Graf Apponyi'mit einer, nahezu verblüffenden, gazelltznartigen Leichtfüßigkeit.den Sprung . vom Slkbenundsechziger zum radikalsten Achtündvierziger gemacht. hat. und. daß seine Schulgesetze' die 'Verbitterung der Nationalitäten gegen das herrschsüchtige Magyarentum zum Ueberströmen gebracht haben. Hier soll nur'auf seine wankelmütige Haltung während des Krieges und ganz besonders nach dem Zusammenbruch hingewiesen werden. Mit dem unstreitig .großen moralischen Gewicht, welches Graf Apponyi in Ungarn immerhin dar stellt, wäre es ihm nicht schwev gefallen, zu verhindern, daß die rachelüsterne Verwilderung der Sitten in Ungarn die Verheerungen anrichte, kvelche Ungarn . hentq in den Augen der gesamten Welt als das zivilisatorisch tiefststehende Land brandmarken. ^Apponyi hatte Großes leisten . und sich ein stmvergangliches Verdienst um sein Land und um die Kultur der Menschheit,, in deren Namen erso -gerne. das.Mort führt, orwerbett können, wenn er nach dem Zusammen' bruch des Konltnunismus in Vorausahnung des Kommenden sich mit Mannesmut der aufgewühlten Schlamm- Welle entgegengestellt hätte. Aber Graf Apponyi hat damals, wie alle anderen ungarischen Magnaten, es für seinen Ruf gesünder und seiner inneren politischen Ueberzeugung etttsprechender gesunden, dem Moloch Volk Metlschenopfer hinwerfen ztt lassen, um seinen Zorn wegett der erlittenen Unbill unter der. Räteregierung zu vestmstiMt. Gras Apponyi ließ damals die nnctarische Bestie toben utid wüten. Menschenleben vernichten, „Meffaggero" bestätigt, im Ministerium Voile Einigkeit. Der Ministerpräsident «erde ebenso tatkräftig gegen die neuen Hetzereien de«^ Rechten einfchreiten, wie er jetzt gegen dies Anarchisten borgeht. Nach der „Idea Nazio^ nale" setzen die Nationalisten ihre Hoffnungen auf d'A n n n n z i o» auf AdmirmaL Mil« und General E a v i g l i a, den.Sieger von' Bietoria Beneta, und es scheint, daß die Nationalisten eine Diktatur unter der Führung dieser Männer dem Regime Giolittis vorziehen würden. ehrlich erworbene Güter zerstören und als er endlich^ ein Wort der Mahnung fand, da geschah es nicht auff einer-inneren moralischen Entrüstung heraus,-sondern-' er mutzte erst nach Nemlly reisen, um dort zu erfähren/ daß die Vorgänge in Ungarn das Ausland Mit Ent-! setzen erfüllen^ Nicht' das Verbrechen hat damals Apponyi als verabscheuungswürdig verdammt, sondern die Ungeschicklichkeit und die Dummheit/miß welcher-das Verbrechen begangen wurde. Von Neuilly bis hellte hat Apponyi weder gehandelt, noch gesprochen. Er ließ ruhig alles gewähren, ließ Verbrechen auf Verbrechenhäufen und erst als der Fall Landau wieder einmal nicht so sehr die Gemüter der maßgebenden und emslrißreichen i Ungarischen Kreise, als vielmehr diejenigen des zivilisierten.. Auslandes ' erschütterte - -zünd-- von dorther'-Entrüstungskundgebungen laut tvurden, da glaübte AppönykWeder^. seinem Rstf als/ Europäer etwas schül-- big zu sein Und gewissermäßen miß seiner Reaktivierung im politischen Leben zu drohen. - ' ' AWir vermögen beim' besten Willen den Z-usagvn Upponyis nicht die Bedeutung' einer Erlöstmg bei-zumessen. Apponyi wollte eS nur wieder einmal gesprochen haben., Er mag vielleicht auch nach Oesterreich hinüber gesprochen' haben. Er wollte sich als derjenige präsen' tieren, der wohl bereit, ist, die Gesetzmäßigkeit und die Rechtsordnung in Ungarn wieder herzustellen, aber erst nachdem Gesetze geschaffen sind, die genau so rücki schrittlich gearbeitet sind wie die Gesetze der schwärze^' j sten Reaktion. Apponyi wollte mit seinem Auftrete«! nichts anderes sagen als: Genug Blut vergasten 1 De« Blutdurst ist gestillt.-Das Terrain für eine sogenanntq gesetzmäßige Reaktiotl ist vorber.estet. Jetzt kann Avvonm kommenL, ß